| Wo viel verloren wird, ist manches zu gewinnen |
06.07.2008 und 16.01.2009: Wertpapiere
Der ShortDAX®
Der DAX®-Index
wurde am 1. Juli 1988 bei einem Stand von 1.163 Punkten eingeführt. Basisdatum ist der
30. Dezember 1987, der Basiswert beträgt 1.000 Punkte. Er wird als Performanceindex berechnet, was ein
Alleinstellungsmerkmal für den DAX®-Index ist. Am 1. Juli 2008 schloss er, nach 20 Jahren, bei einem Stand von 6316
Punkten. Ein junger Index also. Aber wie steht es mit der Performance?

Als Performanceindex akkumuliert der DAX® in seiner Berechnung alle Dividendenzahlungen.
Steuergut- schriften (Körperschaftsteuer), solange es diese noch gab, gingen jedoch nicht in die Indexberechnung ein. Eine
Indexnachbildung war nur möglich, wenn die Dividendenzahlungen nicht der Einkommenssteuer unterlagen. Im Regelfall spiegeln
Indizes nur die reine Kursentwicklung wieder. Deshalb sieht bei
einfachen Vergleichen
der DAX® stärker aus als er in Wirklichkeit ist. Aus Sicht der reinen Kursentwicklung lagen die Hochs
in 2007/2008 wesentlich tiefer als in 2000 (ca. -12%).
Unter der Ignorierung aller Steuereffekte erreicht der DAX® in
diesen 20 Jahren eine Rendite von 8,83%. Spätestens im Jahre 2000 ging jedoch die Periode in der man sich nach dem Methode
von André Kostolany
"Aktien kaufen und sich dann für lange Zeit schlafen legen" vorgehen konnte, zu Ende. Derartige Zeiten, in denen
man besser in Rentenpapieren war, haben sicherlich einige Leser erlebt. Die
60-ziger und 70-ziger,
mit den wirtschaftlichen Nachkriegsfolgen und 2 Erdölkrisen mit explodierender Inflation, sind beispielhaft. In vielen
Charts sehen derartige schon lange zurückliegende Zeiträume als langweilige, leicht gezackte Gerade aus. In Wirklichkeit war
die Kursentwicklung jedoch äußerst volatil. Ob wir uns wieder in einer derartigen Seitwärtsentwicklung befinden?
Timing
Unter Timing versteht man hier die zeitweise Abstinenz in einer Anlageart. Man verkauft z.B. seine
Aktien und kauft sich mit dem Geld Rentenpapiere. Sind die Aussichten für Aktien wieder gut kehrt man in diese Anlageart zurück.
Manche, besonders die Verkäufer von Finanzprodukten, vertreten die Meinung, dass ein derartiges Timing nicht
möglich wäre respektive der Renditeentwicklung nicht zuträglich wäre. Klar, sie wollen nicht, dass für längere Zeit
ihr Geschäft ruht. Das hier angesprochene Timing ist nicht das von Daytrader praktizierte "Market Timing". Die Zeitinterwalle sind
wesentlich größer. Sie liegen im Bereich von mehreren Monaten bis zu mehreren Jahren. Dabei spielt die makroökonomische
und die markttechnische Entwicklung eine große Rolle. Werden aus dieser Sicht, der Lage an den Finanzmärkten
und aus dem Stand der erwarteten Kurse
die Bedingungen erfüllt, wird gehandelt. Dabei trifft man natürlich nicht die optimalen Zeitpunkte es sei, man hat
mal außergewöhnliches Glück. Deshalb ist es wichtig, dass die Anlagearten eine gewisse Fehlertoleranz beinhalten. Dazu zählen
sicherlich nicht Optionsscheine auf fallende oder steigende Kurse oder vergleichbare KO-Zertifikate. Bei diesen
Papieren ist die Gefahr des Total- und des Zeitverlustes sehr hoch und sie verlangen eine fast tägliche Beobachtung.
Sie sind deshalb auf Sicht von Monaten kaum praktizierbar. Das klassische Timing spielt zwischen
Aktien und Tagesgeldern und zum Teil mit hochliquiden sicheren Rentenpapieren mit kurzen Restlaufzeiten. Als Ergänzung
wäre deshalb eine Spekulation mit einer potentiell wesentlich höheren Rendite wie bei Tagesgeldern oder Renten sinnvoll soweit
dadurch das Risiko nicht zu stark steigt.
Der Kaufpreis sollte unabhängig von der aktuellen Volatilität sein und es sollten keine Zeitverluste auftreten.
Die Laufzeit sollte unbegrenzt und die Kosten gering sein. Timingfehler sollten nicht zum Totalverlust führen.
Es sollte reichen auf Sicht von Wochen richtig gelegen zu haben. Richtungsänderungen (Volatilitäten) sollten verkraftbar bleiben.
Der ShortDAX®
Die Deutsche Börse®
hat einen Index geschaffen, der im wesentlichen die oberen Anforderungen erfüllt. Der Strategieindex ShortDAX®
verhält sich gegenläufig zum DAX®. Steigt also DAX® zum Beispiel um 5%, fällt ShortDAX® um 5%
und umgekehrt. Das Verhältnis ist dabei linear, also mit einem Hebel von 1, aber auch ganz ohne Zeitwertverluste.
Produkte die diesen Index nachbilden, wie z.B. ETF's (Indexaktien (an der Börse gehandelte Fonds die einen Index abbilden))
oder Zertifikate, können inzwischen gehandelt werden.
Short-ETF's bilden Leerverkäufe nach, d.h. den Verkauf von ETF's, die Sie noch nicht besitzen. Sie bewegen sich entgegengesetzt zum
zugrunde liegenden Index. Damit ermöglichen sie Anlegern, die Abwärtsbewegung eines Aktienmarktes bequem in
Gewinne zu verwandeln. Fällt beispielsweise der DAX® an einem Tag um 1,5%, erhöht sich der Wert eines ShortDAX®-ETF
um eben diesen Prozentsatz. Der ShortDAX® der Deutschen Börse® ist so konstruiert, dass die Indexbewegung
immer auf dem Schlusskurs des Vortags aufbaut. Deshalb können weder Index noch ETF einen negativen Wert
annehmen. Zieht also der Index um 5% an, verliert der ETF auf den ShortDAX® genau diese fünf Prozent von seinem
aktuellen Niveau.
Zusätzlich zur inversen DAX®-Bewegung beinhaltet der ShortDAX® die durch die Anlagestrategie
anfallenden Zinszahlungen in Höhe des doppelten Tagesgeldzinssatzes: Zinsen erhält der Anleger zum einen für das
investierte Anlagevolumen, das er - während er den Short-ETF hält - anderweitig zinsbringend "parken" kann, weil
bei einem Short-Index kein normales Portfolio aufgebaut werden muss. Zum anderen werden die durch den Leerverkauf
vereinnahmten Geldmittel verzinst. Dadurch verdoppelt sich der Zinsgewinn. Unabhängig davon, wie sich der
Aktienmarkt entwickelt - in den ETF fließt also immer Geld. Auf diese Weise entstehen zurzeit über 8% pro Jahr
börsenwetterfeste Einnahmen für die Short-ETF-Anleger.
Der ShortDAX® hat die ISIN DE000A0C4CT0 und die WKN A0C4CT.
ACHTUNG: Man sollte nicht annehmen, dass der Verlauf des ShortDAX® immer so schön verläuft wie
im obigen Chart dargestellt. Gerade bei großen Richtungsänderungen (Volatilitäten) und groben Timing-Fehlern kann es überraschende Effekte geben, die
in der einmaligen täglichen Anpassung mit gleichem Prozentsatz auf unterschiedliche Kurspegel begründet liegen. Am Ende hat z.B. der DAX® effektiv verloren und der
ShortDAX® noch stärker. Schlafen funktioniert also nicht und man muss bereit sein Verluste zu realisieren auch wenn man grob
richtig lag.
| Start | 1, Anpassung | 2. Anpassung | 3. Anpassung |
| DAX®-Entwicklung | +0,00% | +30% | -23% | -5% |
| DAX® | 100,00 | 130,00 | 100,10 | 95,10 |
| ShortDAX® | 100,00 | 70,00 | 86,10 | 90,41 |
Dieser Effekt ist bei Produkten mit einem Hebel größer eins wesentlich deutlicher und damit noch gefährlicher
Am 14.01.2009 veröffentlichte C h r i s t a n K i r c h n e r
passend zum Thema einen Artikel unter ftd.de.
Hier einige Auszüge für den Fall, dass dieser Artikel nicht mehr verfügbar sein sollte.
Da staunt der Bär
Short-Indizes sind die Gewinner der Finanzkrise. Die Deutsche Börse erfand ihren just, als die Kurse auf dem
Höhepunkt waren, seitdem ging es steil abwärts. Das Kursverhalten ist dennoch undurchschaubar.
... Der ShortDAX® vollzieht jede prozentuale Tagesveränderung des Dax mit umgekehrten Vorzeichen: Verliert der
DAX® an einem Tag zwei Prozent, steigt der ShortDAX® um zwei Prozent und umgekehrt. Zudem fließt in den ShortDAX® der
doppelte Tagesgeldzins ein, derzeit also 2 mal 2,1 Prozent pro Jahr. ...
An sich mutet der ShortDAX® daher wie ein ideales Anlageprodukt für Pessimisten an: Geld verdienen, wenn es
abwärts mit dem DAX® geht, und doppelte Tagesgeldzinsen verdienen, wenn die Märkte stagnieren. ...
Doch in der Praxis bewegt sich der ShortDAX® aufgrund einer rechnerischen Feinheit wie ein streunender Hund,
der dem DAX® mal weiter vorauseilt als erwartet, mal hinterherläuft. Da der Index nur die täglichen Kursveränderungen spiegelt,
fallen im ShortDAX® je nach Marktlage Rollverluste oder -erträge an. Setzt sich der volatile Seitwärtstrend der letzten drei
Monate fort, drohen dem ShortDAX® binnen einem Jahr Reibungsverluste bis zu 30 Prozent.
Die Tücke steckt in einem unscheinbaren Detail der Prozentrechnung. Notiert etwa der DAX® bei 5000 Punkten und klettert an
einem starken Börsentag um 250 Punkte, beträgt der Zugewinn fünf Prozent. Der ShortDAX® würde an diesem Tag fünf Prozent
verlieren. Gibt der DAX® allerdings tags darauf seine Gewinne wieder ab und fällt um 250 Punkte auf 5000 Zähler zurück, legt
der ShortDAX® an diesem Tag nicht etwa um fünf Prozent zu, die er am Tag zuvor verloren hat. Sein Tagesplus beträgt dann 4,76
Prozent - eben jenen prozentualen Verlust, den der Dax bei einem Rückgang von 5250 auf 5000 Punkte erlitten hat. Ein Rückgang des
Dax von 5250 auf 5000 Punkte entspricht nur einem Minus von 4,76 Prozent.
Dass es sich dabei nicht bloß um theoretische Überlegungen handelt, zeigt ein Blick auf den ShortDAX® seit Anfang Oktober:
Im letzten Vierteljahr hat der DAX® 1,6 Prozent verloren. Im gleichen Zeitraum hat der ShortDAX® aber nicht 1,6 Prozent
hinzugewonnen, sondern inklusive doppelter Tagesgeldzinsen und ohne Gebühren 5,6 Prozent an Wert verloren. Die heftigen Zuckungen
im DAX® haben so binnen drei Monaten 7,2 Prozent vom Indexwert des ShortDAX® "abgerieben" - obwohl sich der DAX® unter
dem Strich kaum bewegt hat.
... Auch Baader-Experte Grabbe warnt, die ShortDAX®-Produkte dauerhaft einzusetzen. "Langfristig steigen Märkte nun einmal. Für eine
Depotversicherung sind Short-Indizes zudem zu kapitalintensiv, da bieten sich eher Put-Optionen oder Hebelzertifikate an", sagt
Grabbe. ...
ShortDAX®-Produkte
ETF's sind Fonds die an der Börse gehandelt werden. Sie kennen deshalb keinen Ausgabeaufschlag.
Das Geld und die Wertpapiere im Fonds sind Sondervermögen und werden nicht durch einen Konkurs
des Emittenten getroffen. Zertifikate sind Schuldverschreibungen des Emittenten und überleben einen Konkurs des
Emittenten im Regelfall nicht. Gerade die aktuelle Bankenkrise soll den Blick für derartige Möglichkeiten
geschärft haben. Ein Zertifikat ist also prinzipiell risikoreicher.
Bei der Auswahl des Produktes sollte man den Verkaufsprospekt genau studieren. Welche Kosten fallen regelmäßig an
(Verwaltung, etc.) und wie genau wird der ShortDAX® abgebildet. Als eine etwas längerfristigere Spekulation ist im
Regelfall ein ETF, auch bei etwas höheren Kosten, dem Zertifikat vorzuziehen.
Bis heute ist nur ein ETF auf den ShortDAX® handelbar (Xetra®). Es ist der
DB X-TRACKERS SHORTDAX 1C
(ISIN: LU0292106241, WKN: DBX1DS) der Deutschen Bank. Die Jahresgebühren (Total Expense Ratio (TER)) betragen 0,4%.
Zusätzlich gibt es noch einige Emittenten, die entsprechende Zertifikate anbieten (Überblick bei OnVista).
Schlussfolgerung
Der Einsatz von ETF's auf Basis des ShortDAX® ist wesentlich risikoreicher als Tagesgeld und sichere liquide Renten beim
Timing. Lag man bei der Spekulation falsch, wird der DAX® nie mehr respektive in akzeptabler Zeit auf das
Niveau vom Kaufzeitpunkt sinken und man muss eventuell mit Verlusten verkaufen. Trotzdem sind in relativ
deutlichen Situationen ETF's auf den ShortDAX® eine überlegenswerte Alternative.
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