| Kaufen ist nicht schwer, verkaufen dagegen sehr |
10.01.2005: Satire & Kommentare
Rückblick auf 2004
Seit drei Jahren ist die Seite
baer45: DAX®-Index
nun online. Seit dem Start im Januar 2002 wird der kostenlose Homepageservice von freenet.de
genutzt. Ein problemloser Betrieb über 3 Jahre mit sehr hoher Verfügbarkeit. Dafür erst einmal "vielen Dank".
Die Seite hat weiter an Bekanntheit gewonnen (Klickrate). Besonders die Rubrik
DAX®-Lotto hat sich einen eigenen Fankreis
erobert, der regelmäßig Besuche abstattet. Trotzdem ist die Seite aus der
Indexierung von Yahoo gefallen.
Google jedoch besucht uns fleißig weiter
und hat den kompletten Auftritt indexiert. Deshalb gibt es jetzt auch eine besondere
Suchfunktion am Ende jeder Seite, die nur auf diesen Webauftritt wirkt. Wegen anderweitigen
Verpflichtungen und dem absolut langweiligen Börsenjahr gab es weniger Veröffentlichungen. Beides
soll sich angeblich in 2005 ändern.
Der DAX®
Ein ruhiges, gar langweiliges Börsenjahr ging zu Ende. Der DAX® legte eine magere
Rendite von etwas über 7% hin und versuchte neue Allzeittiefs bei der
Volatilität hinzulegen. Da das ganze Jahr über eindeutige Trends fehlten, war es ein
hartes Jahr für die Daytradergemeinde. Manchem Daytrader hat es den Kopf gekostet
(siehe Bewertung zum 29.12.2004). Wegen der gut laufenden
Weltkonjunktur war es das Jahr der
Rohstoffe. Davon profitierten auch die deutschen Stahlkocher, sie kamen mit der
Produktion kaum noch nach, so groß war die Nachfrage vor allem aus China. Engpässe
bei den Grundstoffen trieben die Preise - Koks aus deutscher Steinkohle war wieder
rentabel - und setzten so dem Ausstoß Grenzen. Zu den großen Gewinnern gehörten
auch die Versorger, die im Durchschnitt um ein Drittel zulegten. Sorgenkinder waren
die Technologie und die Banken. Die deutschen Banken hinken der europäischen
Konkurrenz bei den Erträgen und der Marktkapitalisierung weiter hinterher. Kaum war die Angst
vor dem Irakkrieg verschwunden, wurde die Luftfahrtgesellschaften und Reiseveranstalter
von der Angst bezüglich der Lungenkrankheit Sars gebeutelt. TUI, die nur einen kleinen
Anteil in dieser Region (Asien) erwirtschaftet, kam mit einem blauen Auge davon. Am
Jahresende schlug dann die Flutwelle zu und erschütterte Asien und die Tourismusindustrie.
Continental, der Neuling aus dem Jahre 2003, war dieses Jahr
der überzeugende Sieger. Ob das an den Warnungen von baer45 lag? Grob betrachtet war der Jahresverlauf an den Börsen stimmig mit dem US-Präsidentenwahlzyklus
(siehe Börsenrhythmen). Wenn diese statistischen Aussagen
auch für das Nachwahljahr zutreffen sollten, stehen uns noch 7 glückliche Börsenmonate
bevor. Das wäre eine Chance für unser Experiment mit dem Zufall
endlich einen positiven Depotstand zu erreichen.
Trotz dem praktischen Beweis, dass DAX®-Lotto die überzeugendste
Anlagestrategie ist, fehlt es den großen Fonds- und Vermögensverwalter immer noch an
Mut diese Strategie einzusetzen.
Der € hatte am Jahresanfang konsolidiert um dann auch eine langweile
Seitwärtsbewegung hinzulegen. Im Sommer explodierte er dann und eilte
von Allzeithoch zu Allzeithoch. Die US-amerikanischen Börsen haben nur zu einem
geringen Teil besser als der DAX® abgeschnitten. Unter der Berücksichtigung der geänderten
Währungsrelationen haben sie in voller Breite schlechter abgeschnitten. Dabei sind
die deutschen Blue Chips immer noch günstiger bewertet als die US-amerikanische
Konkurrenz.
Mitte Mai beschäftigten wir uns mit der Problematik der langfristigen Spekulation.
Ein Beitrag, der die Klickraten explodieren ließ. Deshalb führen wir unsere
Tabelle bezüglich Renditen bei langfristigen DAX®-Anlagen weiter und erweitern sie
um einen virtuellen Ausstieg am 29.12.2004 (Tagesschlusskurs). Der
Einstiegszeitpunkt war jeweils am Jahresanfang:
| Einstiegsjahr: | 1960 | 1965 | 1970 |
1975 | 1980 |
1985 | 1988 (*) | 1990 | 1995 | 2000 |
Rendite p. a. in % Ausstieg: 27.12.02: |
4,51 | 4,77 | 4,67 | 7,14 |
7,91 | 7,07 | 7,21 | 3,51 | 3,98 | -25,15 |
Rendite p. a. in % Ausstieg: 29.12.03: |
5,19 | 5,54 | 5,55 | 8,11 |
9,05 | 8,56 | 8,97 | 5,72 | 7,40 | -12,54 |
Rendite p. a. in % Ausstieg: 29.12.04: |
5,24 | 5,58 | 5,61 | 8,09 |
8,99 | 8,50 | 8,88 | 5,83 | 7,40 | -8,85 |
(*): DAX®-Gründung; vorherige Werte sind simuliert.
Basis: jeweils 1. Tagesschlusskurs des Einstiegsjahres (Ausnahme Gründungszeitpunkt 1988 0.00 Uhr: 1000)
ACHTUNG: der Mensch hat Schwierigkeiten den Zinseszins geistig zu fassen. Besonders den Negativen!
Kaufzeitpunkt und Verkaufszeitpunkt sind gleichermaßen wichtig bei Aktienspekulationen.
In der Praxis tun sich jedoch die Menschen besonders mit dem Verkaufen schwer. Geht
es darum Verluste zu realisieren, ist der Verkauf für manchen gar unmöglich und er lässt die
Verluste weiter wachsen. Der gute Kaufzeitpunkt wird dadurch bestimmt, dass die Aktien
billig sind. Billig sind die Aktien im Regelfall in Krisenzeiten (Krieg, Depression). Sie sind
dann nicht unbedingt günstig bewertet. Grund: schlechte wirtschaftliche Situation und damit schlechte Ertragslage,
also der richtige Zeitpunkt zum Zugreifen. Verkaufen tut man, wenn die Spekulationen anfangen die
maximal eingeplanten Verluste zu überschreiten respektive wenn sie teuer genug sind. Einfach oder?
Sicher, wenn Sie sich die richtigen Gedanken gemacht haben und dann den Mut, die Geduld und das
Geld dazu haben Ihre Gedanken umzusetzen (siehe Das Ei des A. Kostolany)! Und was macht das
schöne Geld zwischenzeitlich. Nun es tummelt sich in anderen Anlagen rum. Allerdings ist dabei
auch Vorsicht angesagt. So hat z. B. die Umlaufrendite in 2004 fast wieder ein Nachkriegstief
erreicht. Die Rendite von Industrieanleihen und von Anleihen der Schwellenländern unterscheidet sich kaum noch von der Rendite
von AAA-Staatanleihen der größten Industrieländer. Alles Anzeichen einer fürchterlichen Rentenblase.
Deshalb haben die Anleihefonds auch so respektable Ergebnisse hingelegt. Sinken die Zinsen, steigen die
Kurse. Viele, auch baer45, hatten schon mit dem Beginn des Platzens in 2004 gerechnet und vor einem
Einstieg in mittelfristige bis langfristige Anleihen gewarnt. Ist nicht eingetreten und muss nicht
zwanghaft in 2005 eintreten. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings größer, dass die Zinsen steigen als
dass sie weiter sinken werden. Eine Zinssteigerung um 1% macht einen Kursverlust bei 10-jährigen
Anleihen von ca. 7% aus. Ein gleichbleibender Zins bringt keine Kursveränderung. Die guten Resultate
der Rentenfonds beruhen hauptsächlich auf dem sinkenden Zins und damit steigenden Kursen.
Viele von ihnen haben in 2004 den DAX® geschlagen. Auch wenn Ihr
Bankberater zu einem Rentenfonds rät, glauben Sie ihm nicht und entscheiden Sie selbst, nicht mittels Ihre
Gier wegen den niedrigen Zinsen auf kurzfristige Geldanlagen, nein, mit Iher Vernunft. Der gleiche
Berater hätte 2000 zum Kauf von Aktien am "Neuen Markt" geraten. Wer Profis sein Geld anvertraut,
wird es schrumpfen sehen. Die Lebens- und Krankenversicherungen waren verspätet in den
Aktienmarkt eingestiegen (viele während des Heißlaufens). Verspätet sind sie, unter riesigen
Verlusten, ausgestiegen (Zwangsausscheidung) und haben bei tiefster Umlaufrendite in Anleihen
gewechselt. Aber es ist ja nicht das Geld der Versicherungen, nein es ist nur das Geld
Ihrer Kunden, das hemmungslos verzockt wird, nicht aus Bösartigkeit, nein aus purem
Unverstand. Profis haben einen großen Nachteil. Sie müssen laufend handeln. Sie leben von der
Provision dieses Handelns, ihrer Geschäfte. Geduld wäre tödlich für sie. So leben sie gut von
der Gier und Gutgläubigkeit ihrer Kunden.
Was war sonst noch bei uns los?

"Wir sind das Volk" hallte es besonders von den Montagsdemos in den neuen Bundesländern.
Man hatte sich so schön in der Arbeitslosenhilfe eingerichtet und mochte keine "minderwertigen"
Jobs ausführen. Ob die Sozialkassen dabei krepieren und diejenigen die noch arbeiten, unter
der Abgabenlast zu Grunde gehen, egal, irgendeiner wird die soziale Hängematte weiter
finanzieren.
Was mit großem Elan begann, brach mit dem schlechter werdenden Wetter schnell
zusammen. Auf der Couch war es doch gemütlicher. Die Revolution scheiterte und so kam es doch noch zu der "größten" Sozialreform der letzten Jahrzehnte: "die
Zusammenlegung der Arbeitslosenhilfeempfänger und arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger
zu der Gruppe der Arbeitslosengeld2-Empfänger = Hartz IV". Dass die arbeitsfähigen ALG2-Empfänger aber ein
Anrecht auf eine höhere Stütze haben als die nicht arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger entbehrt
jeder Logik. Aber so ist es eben mit der sozialen Gerechtigkeit. Nicht überraschend
war die praktische Umsetzung. An einfachsten Gegebenheiten ist diese neu
getaufte Behörde "Arbeitsagentur" gescheitert. Sie gehört zerschlagen. Sie stellt eine Frechheit
gegenüber jedem Beitragszahler dar. Sie erledigt massenweise versicherungsfremde Aufgaben,
verwaltet eine idiotische Wirtschaftsförderung namens Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, fördert
unsinnige Bildungsmaßnahmen und leistet in ihrer eigentlichen Aufgabe, der Jobvermittlung, Minderwertiges.
Ein Kartell aus Bürokratie, Politik, Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter zwecks
Raub an allen Versicherten.
2004 sollte das Jahr von Schulen, Universitäten, Eliten, Forschung und
Wachstum werden. Eine weitere Initiative des Bundes in einem Bereich der vorwiegend
Ländersache ist. So war es auch nicht verwunderlich, dass nach Jahren der Diskussion
in Arbeitsgruppen, die Reform der Aufgabenneuverteilung zwischen Bund und Ländern scheiterte.
Es ist schon verwunderlich mit welchem Elan die Politik Reformen im Tarifrecht fordert und zu
einfachsten Aufräumungsarbeiten im eigen erzeugten Chaos unfähig ist. Lange Zeit wurde deshalb im
Kollektiv in den verschiedenen Talkshows über die zu teuren deutschen Arbeitnehmer gejammert.
Das Jammern erreichte Spitzenwerte, stark gefördert durch die Lobbyisten der Arbeitgeberverbände.
Es gab nur noch ein Thema: Der Arbeitnehmer ist nicht mehr konkurrenzfähig und hat zu viele
Rechte. Dazu eine kurze Bestandsaufnahme von Darren Williams von ACM (Alliance Capital Management): "Die Wettbewerbsposition Deutschlands
innerhalb der Euro-Zone hatte sich nach der Wiedervereinigung
erheblich verschlechtert, im langfristigen Vergleich um bis zu 20 Prozent. Das wurde einerseits
vom großzügigen 1:1-Umtausch der Ostmark in die D-Mark verursacht. Andererseits war dafür der
schnelle Transfer der westdeutschen Lohnkosten und Sozialleistungen verantwortlich.
Seit Mitte der 90er Jahre haben die deutschen Unternehmen erfolgreich die verlorengegangene
Wettbewerbsfähigkeit wieder zurückerobert. Das Problem besteht allerdings darin, dass sie das
durch verringerte Investitionen und intensiven Druck auf die Löhne und Beschäftigung erreicht
haben. Letzteres hat zu sehr schwachen Konsumausgaben geführt".
Zwischenzeitlich war die Konkurrenzfähigkeit wieder so gut, dass laufend neue
Exportrekorde eingefahren wurden. Die verringerten Löhne und die laufende Verunsicherung durch ein
nachhaltiges Lohnbashing in alle Medien machten natürlich ein Ansteigen des Konsums unmöglich
und verhinderten damit jedwede Binnenkonjunktur. Zum Jahresende wurde der Bevölkerung das
allgemeine Jammern langsam überdrüssig und das Wehklagen über die angeblich teuren Arbeitnehmer
unglaubwürdig. Das soll zum ersten Mal nach Jahren wieder zu einer Steigerung im
Weihnachtsgeschäft geführt haben. Die Flut in Südasien hat dann allerdings die Stimmung wieder
verhagelt. Psychologie ist die halbe Miete bei einem Konjunkturaufschwung. Diese
Erkenntnis scheint sowohl der Politik als auch der Arbeitgebervertreter abhanden
gekommen zu sein.
Die politische Stimmung in der Bundesrepublik schlug dieses Jahr Salto mortale.
Schien die SPD am Jahresanfang noch rettungslos verloren und keine Chance mehr zu
haben irgendeine Wahl in den nächsten Jahren gewinnen zu können, hat die Konzeptionslosigkeit,
die Zerstrittenheit in wichtigen Personal- und Sachfragen und vor allem die Feigheit
bei der Einführung notwendiger Reformen der Union die Anhänger vertrieben. Die Mehrheit der
Bevölkerung ist mit Recht der Ansicht, dass die jetzige Regierung keine besondere Arbeit
abliefert. Allerdings traut die Mehrheit der Union keine bessere Politik
zu. Die Wechselstimmung ist inzwischen verflogen. Eingeleitet wurde dieser
Stimmungsumschwung mit der festen Position des Kanzlers bei Hartz IV und dem feigen Rumgeeiere der Union
in dieser Frage. Anschließend kam die Union so außer Tritt, dass die Regierung nur mehr
passiv und genüsslich die Selbstzerfleischung der Union betrachtete. Allerdings dauert es noch bis
zu nächsten Bundestagswahl und die Regierung hat alle Chancen ihren verbesserten Ruf wieder
zu verspielen. Erste Ansätze sind schon vorhanden.
Internationale Lage
Mit dem Tod von Jassir Arafat keimten Hoffnungen auf, dass jetzt die Chancen für
eine Friedenslösung im Nahen Osten steigen würden. Allerdings offenbarte der Tod des
Palästinenserführers auch die korrupten Verwicklungen der PLO-Führung. Wie in vielen
arabischen Staaten wurde auch in Palästina von den Führern öffentlich und leidenschaftlich für die Interessen des Volkes gepredigt um
dann die ausländische Hilfe in dunklen Kanälen verschwinden zu lassen oder sich gar
Selbst zu bereichern. Eine derartige Führung ist weder zum Frieden fähig, noch liegt er
in ihrem Interesse. Die Korruption ist hier Führungsprinzip. Darunter fallen auch die
laufenden individuellen Zuwendungen an die bedürftig gehaltene Bevölkerung. Wehe dem, der Reih
und Glied verlässt. Krank sollte man dann z. B. nicht werden. Überraschend war deshalb
auch nicht der Wahlsieg von Mahmud Abbas, nachdem er sich vorher erfolgreich den dunklen Finanztöpfen bemächtigt hatte.
Allerdings ist auch er unfähig den Terror wirklich einzudämmen und eine
einvernehmliche Lösung mit den Israelis zu erreichen. Nach einer kurzen
Beruhigungsphase und einigen Verhandlungen, wird der Terror wieder aufflammen. baer45
würde anstelle der Israelis auf jeden Fall den Sicherungszaum fertig stellen. Sogar das
vollständige Räumen von Gaza, Westbank und großen Teilen von Ostjerusalem würde keinen
Frieden bringen. In Wirklichkeit hat sich nämlich die Mehrheit der Palästinenser noch
immer nicht mit der Existenz Israels abgefunden.
Im Irak (siehe Sonderserie Irak) waren die USA und ihre Alliierten mit der Befriedung der schiitischen und kurdischen
Gebieten weitgehend erfolgreich. In diesen Gebieten könnte so was wie eine demokratische Führung
entstehen. Die Aufgaben im sunnitischen Dreieck wurden von den Amerikaner allerdings
total unterschätzt. Hier leben die Unterdrücker und Profiteure des früheren Iraks.
Hier hätte es eine massive Besetzung geben müssen. Dazu war allerdings die
US-amerikanische Armee von Anfang an zu klein gewesen - ein schlimmer strategischer Fehler, der
bis heute laufend neue Tote und Verletzte fordert. Ob der wiedergewählte amerikanische
Präsident die Situation noch in den Griff bekommt, wird von vielen bezweifelt. Sollte
es wirklich zu "freien" Wahlen Ende Januar kommen, wird wohl nur die schiitische
und kurdische Bevölkerung richtig repräsentiert sein. Diese beiden Gruppen werden dann
offensichtlich das sunnitische Dreieck mit aller Gewalt und mit Hilfe der Amerikaner
befrieden müssen. Gut ist, dass Bush wiedergewählt wurde. So ist die US-amerikanische
Präsenz die nächsten vier Jahre sichergestellt und verhindert damit einen grausamen
Bürgerkrieg, der zum großen Schlachtfest im sunnitischen Dreieck führen würde. Dieser Konflikt
wird uns also noch länger begleiten.
Im März traf der islamistische Terror Europa mit voller Wucht. Das Attentat in Madrid
zeigte uns, wie wichtig unsere Wachsamkeit ist und eine Ignorierung der islamistischen
Gefahr uns nur temporär in Sicherheit wiegen kann. Auch die Niederlande
wurde getroffen. Der Mord am niederländischen Regisseur Theo van Gogh und die am Tatort
zurückgelassene Drohung gegen die liberal-konservative Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali
zeigte deutlich, dass es nicht um die Konflikte im Nahen und Mittleren Osten geht. Es geht um
die Weise wie wir leben. Unsere Kultur stellt eine andauernde Bedrohung des Islams dar.
Nur wenn unsere Frauen verschleiert rumlaufen und wir die individuellen Menschenrechte
verraten, werden wir Ruhe haben. "Ihr wollt leben. Wir sind bereit zu
sterben", steht es in einem Bekennerbrief zu den Anschlägen von Madrid. Wollen wir sterben,
unsere Freiheit aufgeben oder uns wehren? Die Reaktionen, auch in Deutschland, auf den Mord
in den Niederlanden zeigten, dass es mit dem Schönreden vorbei ist. Sollten viele unserer
moslemischen Mitbewohner sich nicht deutlicher und nachhaltiger von diesem Terror distanzieren und weiterhin
große Gruppen unter ihnen nicht zur Integration in die westliche Lebensweise bereit sein, kann es nach einem Anschlag bei uns zu
miesen Ausschreitungen kommen.

Das Jahr 2004 verabschiedete sich mit einem Schock. Das fürchterliche Seebeben in
Südasien mit anschließendem Tsunami zeigte, dass der Mensch immer noch Teil der
Natur ist und dieser weiterhin, trotz allem technischen Fortschritts, ausgeliefert
bleibt. Da nicht nur die Einheimischen fürchterlich getroffen wurden, sondern es auch
unsere Weihnachtsurlauber traf, entwickelte sich eine riesige Hilfsbereitschaft und ein
noch größeres Medienspektakel, ein Spektakel das die leidenden Menschen Afrikas in 2004
vermissen mussten. Die Hilfsbereitschaft war so groß, dass schon bald einige Hilfsorganisationen
aufriefen, das zielorientierte Spenden einzustellen, um so ihnen die Möglichkeit zu geben auch
Anderswo zu helfen. Hoffentlich erreicht die Hilfe die Betroffenen. Die politische
Lage in Sri Lanka und in Indonesien nährt berechtigte Zweifel. Leicht können Hilfsaktionen
von den dortigen Regimes zur Unterdrückung der Freiheitsbewegungen genutzt werden. Der wirtschaftliche Schaden in Asien durch den Tsunami ist geringer
als der durch unsere Furcht vor Sars verursachte Schaden in der gleichen Region. Diese Furcht hatte zu einer wirtschaftlichen Abkühlung in Asien geführt, die
indirekt auch vielen Menschen das Leben gekostet hat. Die Tsunami-Katastrophe hat erneut verdeutlicht
wie schwach Europa ist. Nicht nur, dass wir unfähig sind, selbst die Hilfsgüter nach Asien
zu transportieren, nein auch vor Ort sind wir unfähig zur Verteilung der Güter in die schwer
getroffenen Regionen. Gut, dass die US-Armee schnell mit ihrem Flugzeugträger mit Hubschrauber vor Ort war
und dort die Hilfe effektiv gestalten konnte. Über unsere Unfähigkeit global zu wirken kann
auch der Wettkampf "wer spendet am meisten" nicht hinweghelfen.
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