baer45: DAX®
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Probleme lassen sich am besten mit anderer Leute Geld regeln

11.01.2004: Satire & Kommentare

Rückblick auf 2003

Seit zwei Jahren ist die Seite baer45: DAX®-Index online. Der kostenlose Ablageserver ist immer noch Freenet.de. baer45 hatte eine glückliche Hand bei der Auswahl. Freenet.de ist auch eine der erfolgreichsten deutschen Aktien in 2003. Klar, dass das weitere Schrumpfen der TMT-Blase (Technologie, Medien, Telekommunikation) unseren Ablageserver nicht erwischte. Die Seite wird laufend bekannter und die Klickraten steigen weiter an. Der Versuch mit der Platzierung von Werbebanner brachte trotzdem kein lohnendes Ergebnis und wurde wieder eingestellt. Jetzt ist dieser Platz durch Börsensprüche belegt und dient der Erkenntnisgewinnung. Im Sommer wurde die Navigation mittels DOM erweitert. Die hierarchische Navigation, bei ausgeschaltetem Javascript, wurde verbessert. Es wurde mit dem Aufbau einer Spieleabteilung (Java) begonnen. Sie erfreut sich einem regen Zuspruch. Der DAX®-TICKER bringt jetzt einen schnellen Überblick über Kurse, Stimmung, Kennzahlen, Vola und €/US-$. Die in 2003 zugelegte kostenlose Subdomain (baer45.de.vu) hat sich inzwischen stark an Bekanntheit gewonnen. Die großen Suchmaschinen wie Google und Yahoo schauen in immer kürzeren Abständen vorbei. Eine positive Bilanz - trotz der geringen Zeit, die baer45 für diese Arbeiten zur Verfügung stand.

Der DAX®

Bei vielen Anlegern reifte die Gewissheit, dass man auf dem im Frühsommer 2002 durch baer45 prognostizierten Irakkrieg zusteuerte. Der DAX® ging in einen schnellen Verfall über, bei dem viele Versicherungen (Lebens- und Krankenversicherungen) gezwungen wurden, unter hohen Verlusten, ihre Aktienbestände abzustoßen. Kurz vor Kriegsbeginn erreichte der DAX® seinen Tiefststand. Es hatte ein veritabler Ausverkauf nach dem Lehrbuch stattgefunden, wobei mit dem Ultimatum der USA an den Irak der Impuls entstand, der die Börsen bis heute nach Norden trägt. Der Krieg war so kurz, dass am Ende Befürchtungen entstanden der nächste Krieg könnte bald beginnen. Der DAX® legte bis zu unserer letzten Bewertung Ende Dezember auf Jahressicht respektable 39% zu (von seinem tiefsten Stand vor Kriegbeginn 79,43%). Unser Experiment, DAX®-Lotto , mit dem Zufall konnte sogar besser abschneiden und vergrößerte seine Vorsprung. Der DAX® beendete im Dezember seine Baisse und verließ den längerfristigen Abwärtstrend. Am ersten Börsentag im neuen jahr überschritt er die 4000.

Der € eilte dieses Jahr von Hoch zu Hoch - am Jahresende von Allzeithoch zu Allzeithoch. Berücksichtigt man die geänderten Währungsrelationen, haben die US-amerikanischen Börsen im Jahre 2003 schlechter abgeschnitten. Im Vorfeld war der DAX® allerdings mit am stärksten gefallen. Seine Selbständigkeit hat er noch nicht erreicht. Er vollzieht im wesentlichen immer noch die US-amerikanischen Trends, unter stärkerer Volatilität, nach.

Wie wird es weiter gehen? zum ersten Mal traute sich baer45 unter die Experten und stellte eine Jahresprognose für DAX®, Umlaufrendite und €. Nächstes Jahr wird man die Qualitäten der verschiedenen Prognosen bewerten können. Letztes Jahr hatten wir in einer kleinen Tabelle die Langfristrenditen des DAX® dargestellt. Heute erweitern wir diese Tabelle um einen virtuellen Ausstieg am 29.12.2003 (Tagesschlusskurs). Der Einstiegszeitpunkt war jeweils am Jahresanfang:

Einstiegsjahr: 196019651970 19751980 19851988 (*)19901995
Rendite p. a. in % 
Ausstieg: 27.12.02: 
4,514,774,677,14 7,917,077,213,513,98
Rendite p. a. in % 
Ausstieg: 29.12.03: 
5,195,545,558,11 9,058,568,975,727,40

      (*): DAX®-Gründung; vorherige Werte sind simuliert.
      Basis: jeweils 1. Tagesschlusskurs des Einstiegsjahres (Ausnahme Gründungszeitpunkt 1988 0.00 Uhr: 1000)

Nicht nur der Kaufzeitpunkt ist bei Aktien wichtig. Diese Tabelle verdeutlicht, dass der Verkaufszeitpunkt mindesten so wichtig ist. Für den größten Teil der Anleger ist Verkaufen schwieriger als Kaufen. Letztes Jahr wurde hier die Aussage getroffen, dass auf Sicht bis zu 5 Jahren ein Investment in den Index, sichere Anleihen schlagen würde. Unter einer Zinssatzannahme von 4.5% müsste ein DAX®-Stand von größer 3540 vor dem Jahresende 2006 erreicht werden. Diese Marke haben wir schon innerhalb eines Jahres deutlich übertroffen. Man könnte aussteigen und das Geld für die Restlaufzeit als Tagesgeld anlegen und bei höherer Umlaufrendite in Anleihen umschichten. Wenn man erst mit einem Stand von 3500 eingestiegen ist, muss man in dieser Zeitspanne 4361 übertreffen. Dieser Stand könnte in 2004 erreicht werden. Oft bringt der Bruch eines starken Abwärtstrend Kursteigerungen um ca. 10%. Ob man heute auch noch einsteigen sollte? Nun, je höher der Stand umso risikoreicher das Investment. Der DAX® müsste 5050 erreichen. Dies ist eine andere Kategorie, die zwischenzeitlichen Handeln verlangt (verkaufen, kaufen). Geruhsam, wie bei wesentlich niedrigeren DAX®-Ständen, wird das Ziel wahrscheinlich nicht so einfach zu erreichen sein.

Wer Profis sein Geld anvertraut, wird es schrumpfen sehen. Die Lebens- und Krankenversicherungen waren verspätet in den Aktienmarkt eingestiegen (viele während des Heißlaufens). Verspätet sind sie, unter riesigen Verlusten, ausgestiegen (Zwangsausscheidung) und haben bei tiefster Umlaufrendite in Anleihen gewechselt. Die Umlaufrendite scheint inzwischen wieder nach Norden zu wollen. Steigen die Zinsen um ca. 1% (Anleihen mit mittelfristiger Laufzeit), muss mit Kursverlusten von ca. 7% gerechnet werden. Der Zeitpunkt zum Einstieg in den Anleihemarkt war und ist also alles andere als ideal. Das Anlageverhalten der Versicherungen auch nicht. Sie steigen immer zum falschen Zeitpunkt ein/um/aus. Die Finanzinstitute kreieren auch immer dann neue Finanzprodukte, wenn der dazu passende Trend kurz vor seinen Höhepunkt ist oder diesen schon überschritten hat.

Was war sonst noch bei uns los?

Reformen, Reformen, .... das Jahr war ein Rekordjahr. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik wurde soviel von Reformen geredet, noch nie waren auf allen Gebieten der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik so viele Reformkommissionen eingesetzt und das Ergebnis? Schon die Vorbereitung war mangelhaft gewesen. Keiner hatte die Abhandlungen von baer45 gelesen. Im Endergebnis wurden nicht die in der freien Wirtschaft abhängig Beschäftigten entlastet, die Leistungsträger unserer Volkswirtschaft, sondern die BananenRepublik wurde weiter ausgebaut. Die ersten Umbauarbeiten an der Krankenversicherung arten zu einer kleinen Katastrophe aus und verschlimmbessern das System. Ein erstes Pilotprojekt einer "großen Koalition". "Das Werk ist vollbracht" hätte eine Hilfestellung bieten können - wurde leider erst im nachhinein veröffentlicht. Im Endergebnis wurden zwar die Arbeitgeber gerinfügig entlastet, die Gesamtbelastung der Arbeit stieg jedoch an. Das ist kaum dem Abbau der Schwarzarbeit zuträglich. Kurz vor Weihnachten dann die große Bescherung. Gravierende Einschnitte ins Sozialsystem und eine vorgezogene Steuerreform ohne den Mut, Subventionen in einem erheblichen Umfange zu kappen. Kurz vor Silvester am Steuer- und Sozialrecht rumzubasteln scheint sich zu einer chronischen Krankheit zu entwickeln. Unseren Politiker sind ihre Spielchen lieber als geordnete Verwaltungsverhältnisse. Dass dieser Kram, mit einer Verfallsdauer von unter einem Jahr, in allen Betrieben und Verwaltungen umgesetzt werden muss, scheint sie nicht zu stören. Sie haben jeden Bezug zur realen Arbeitswelt verloren.

Die Politik ist so mutlos wie die Bevölkerung. Vom Abbau der Subventionen und vom Schließen von Steuerschlupflöcher wird in der Politik viel geredet - aber so richtig rantrauen tut sich niemand. Kein Wunder bei dieser Bevölkerung. Sie huldigt dem Sankt Floriansprinzip. Ihre Einsicht in die Reformbedürftigkeit der Sozial- und Steuersysteme wächst täglich. Jeder noch so kleine Versuch der Politik erzeugt jedoch Protestsgeschrei, Verdrossenheit und Neidstürme. Oh Schreck, man ist ja selbst betroffen. So ist es kein Wunder, dass auch von der Opposition kaum Brauchbares kommt. Die Union hat erste kümmerliche Versuche von strukturellen Bereinigungen in der gesetzlichen Krankenkasse erfolgreich verhindert. Die CSU kommuniziert in ihrem Steuerkonzept ihre Unfähigkeit zu Bereinigungen und die FDP, als liberale Kraft, bringt sich als Verteidiger des mittelalterlichen Zunftwesens (Meisterbrief) in Stellung. Die CDU bringt brauchbare Ansätze in Sozialpolitik und Steuerecht auf den Tisch. Sie vergisst dabei jedoch die 4 Grundrechenarten und lügt sich und der Bevölkerung bezüglich Finanzierung in die Tasche. Das Motto: "Alles soll einfacher und gerechter werden. Dabei soll keiner schlechter gestellt werden als heute und die Staatfinanzen sollen dabei gesunden." Ein unmögliches, ja ein unseriöses Unterfangen.

In der Bevölkerung steigt die Unsicherheit und damit die Konsumzurückhaltung täglich an. Kein Wunder. Sie kann nicht erblicken wohin der Zug hin fahren wird. Die Politik zeigt weder Weg noch Ziel auf. Ihre Kampagnen haben den Sozialstaat diskreditiert und damit den Menschen die Heimat genommen. Der Lobbyismus ist inzwischen so groß und hat die Politik so stark eingewickelt, dass diese nicht mehr zu weitsichtigen Gedanken und Aussagen fähig ist. Es bleibt beim Rumgeflicke und täglich einer neuen Sau die durch das Dorf getrieben wird. Dabei steht jedes Jahr unter einem einheitlichen Motto, damit Talkshows und Boulevardzeitschriften auch wissen um was es aktuell geht. 2002 ging es um Zuwanderung und Integration. Das Ergebnis? Am besten vergessen, denn in 2003 ging es um Sozial- und Steuersysteme. Damit es nicht zu einer überraschenden Vertiefung des Themas kommt, geht es in 2004 um Schulen, Universitäten, Eliten, Forschung und Wachstum. Viel Spaß.

Internationale Lage

Der Krieg im Irak überraschte ob seiner Strategie (keine Flächenbombardements sondern Landkrieg im Sandsturm) und seiner Kürze. Diese Vorgehensweise bewies die unvergleichliche militärische Stärke der USA und trieb vielen "Mächten des Bösen" Schrecken und Angst in die Glieder. Auch der Verzicht der USA auf eine Kriegslegitimation durch die UNO verstärkte deren Verunsicherung. Ihren Regimes wurde klar, dass weder die UNO noch ihre eigenen militärischen Fähigkeiten, wenn die USA es wollen, ihren Untergang verhindern können. Erste positive Reaktionen sind zu sehen. Libyen will zurück in den Kreis der zivilisierten Nationen. Der Iran lässt Kontrollen über seine Atomwirtschaft zu. Nordkorea beginnt mit ernsthaften Verhandlungen. Der Wiederaufbau des Iraks und die Etablierung einer funktionierenden zivilen Gesellschaft schein wesentlich schwieriger als der Krieg. Die USA haben sich etwas in der notwendigen massiven Präsenszeit verschätzt. Es wird Jahre dauern. Hoffentlich hat die amerikanische Administration und Bevölkerung den Willen dieses durchzuhalten. Auch eine eventuell neue Administration, nach den Präsidentschaftswahlen im Herbst, sollte für Kontinuität sorgen.

An den islamistischen Terror werden wir uns gewöhnen müssen. Es sind nur wenige verqueren Köpfe notwendig, um die gesamte westliche Welt in Angst und Schrecken zu versetzen. Wollen wir nicht unsere Freiheit und die Achtung der Menschenrechte stark beschädigen, können wir derartige Aktionen nicht hundertprozentig verhindern. Es ist uns bis jetzt gelungen, Terrorakte in unserem direkten Lebensbereich zu verhindern. Deshalb versuchen die Terroristen uns in Gegenden zu treffen, in denen Sie den notwendigen Schutz in der Bevölkerung genießen. Wir sollten deshalb alle Regierungen und Nationen ausgrenzen, die nicht aktiv an der Verfolgung der Terroristen teilnehmen. Auch über den Börsen schwebt deshalb weiterhin, wie ein Damoklesschwert, der islamistische Terror. Unsere Abhärtung ist noch nicht so weit fortgeschritten, dass nicht ein empfindlicher Schlag, die Kurse abstürzen lässt. Besonders spekulativ bleiben deshalb weiterhin die Aktien von Luftfahrtgesellschaften und Touristikunternehmen.

Europa hat, im Zusammenhang mit dem Irakkrieg, gezeigt, dass es nicht zu einer eigenen Position in der Lage ist. Die EU wird zwar laufend ein größerer wirtschaftlicher Koloss, bleibt allerdings politisch eine vernachlässigbare Größe. Der europäische Geist - der Willen zur Nation - ist uns abhanden gekommen. Wir sind fast alle weinerliche Kleinkrämer. Wir können redlich über Agrarsubventionen streiten - zum Streiten über eine realistische Weltsicht sind wir immer noch unfähig. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass der Verfassungsprozess zu erliegen gekommen ist. Wahrscheinlich kann uns Krämerselen nur der € die Einheit bringen.


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