baer45: DAX®
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Versuchen Sie nicht, jede Marktänderung vorwegzunehmen

21.01.2003: Satire & Kommentare

Rückblick auf 2002

Vor einem Jahr begann der Aufbau dieser Seite. Ende Januar 2002 fand die erste Veröffentlichung auf Freenet.de statt. Überraschend ist, dass trotz dem weiteren Schrumpfen der TMT-Blase (Technologie, Medien, Telekommunikation), die Seite bis heute beim gleichen Provider geblieben ist. Ab Mitte des Jahres wurde es immer unübersichtlicher und die Seite wurde total renoviert. Ende Oktober wurde dieser Seite eine eigene Domäne zugewiesen (baer45.de.vu) und sie ist inzwischen auch über große Suchmaschinen wie Google und Yahoo erreichbar. Seit dem ist auch die Klickrate erheblich angestiegen. Eine positive Bilanz - trotz der geringen Zeit, die baer45 für diese Arbeiten zur Verfügung stand.

Der DAX®

Der DAX® hatte nach dem WTC-Crash eine fulminante Aufwärtsbewegung hingelegt und viele glaubten, am Beginn des Jahres 2002, der Bärenmarkt würde dem Ende entgegen streben. Dies führte zu den bisher größten Fehleinschätzungen der Analysten über die weitere Entwicklung. Die Süddeutsche Zeitung fragt vor jedem neuen Börsenjahr die Prognosen der Analysten ab. Für 2002 hatten Pofis von 50 Banken und Fondsgesellschaften ihre Schätzungen für den Jahresverlauf abgegeben. Hier die Zusammenfassung:

  "Prognosen 2002"  Hoch:Tief:Endstand:
Verlauf in 2002: 546325982893
Durchschnitt der Schätzungen: 617145865788
Bandbreite der Schätzungen: 5500 - 65004100 - 51005100 - 6650

      Süddeutsche Zeitung vom 03.01.2003

Was lehrt uns das? Die Zukunft ist nicht berechenbar. Da können die Tabellenkalkulationen von noch so hoch bezahlten Profis gefüttert werden, das Resultat bleibt absoluter Unsinn!

baer45 spekulierte auf eine leichte Abwärts- Seitwärtsbewegung. Stimmte natürlich auch nicht. Die Abwärtsbewegung war mehr als leicht! Es darf bezweifelt werden, dass wir die Tiefs schon gesehen haben. Dieser Bärenmarkt wird uns noch lange begleiten. Dabei sind die deutschen Aktien wesentlich niedriger bewertet als die US-Amerikanischen und die deutsche Börse hat sich noch nicht emanzipiert (27.12.2002: DAX® KGV: ca. 20 - S&P500 KGV: deutlich über 30 - starke Bärenmärkte enden üblicherweise mit einem KGV unter 10). Eine Korrektur in den USA in Richtung faire Bewertung würde den Dax® noch viel weiter nach Süden treiben. Die Neutaufe von baer45 auf bulle45 steht also sobald nicht an. Es wird wahrscheinlich unter hoher Volatilität weiter seitwärts gehen. Dabei sind zwischenzeitliche starke Erholungen nicht ausgeschlossen. Anschließend urlaubt der DAX® dann wieder im Süden. Die Vermutung in den ersten Veröffentlichungen (Historische Entwicklung mit Ausblick, Längerfristiger Ausblick), dass wir die 60er und 70er wiedersehen, erhärtet sich immer weiter. Aktien kaufen und sich schlafen legen ist eben ein dummer Spruch, der nur für Bullenmärkte gilt. Hier die Renditen bei langfristiger Investition in den DAX® bei einem Einstiegszeitpunkt jeweils am Jahresanfang und einem Ausstieg am 27.12.02 (Tagesschlusskurs):

Einstiegsjahr: 196019651970 19751980 19851988 (*)19901995
Rendite p. a. in %:  4,514,774,677,14 7,917,077,213,513,98

      (*): DAX®-Gründung; vorherige Werte sind simuliert.
      Basis: jeweils 1. Tagesschlusskurs des Einstiegsjahres (Ausnahme Gründungszeitpunkt 1988 0.00 Uhr: 1000)

Man betrachte dazu auch den Langfristchart. In den hier betrachteten Zeiträumen gab es auch andauernde Hochzinsphasen. Eine Anlage in sichere AAA-Anleihen hätte, bei ruhigem Schlaf, den DAX® deutlich geschlagen. Für Langfristanleger, die während der Endephase der Blase eingestiegen sind (nach 96), wurden keine Renditeberechnungen durchgeführt. Sie würden nur im Negativen enden. Spätestens nach diesem Jahr sollte es den Letzen wie Schuppen von den Augen fallen, dass nachfolgende Sprüche nicht zum Ziel führen:

  • In jungen Jahren etwas Geld in Aktien investieren um mit 50 für den frühzeitigen Ruhestand gewappnet zu sein.
  • Demografische Probleme sind nur mit privater Aktienanlage lösbar.
  • Die Lebensversicherungen und die Firmenpension sind sicher.
  • Längerfristig ist die Aktienanlage immer die bessere Kapitalanlage.

Wer Profis sein Geld anvertraut, wird es schrumpfen sehen. Aus diesem Grunde wurde DAX®-Lotto ins Leben gerufen. Wenn man bedenkt, dass die überwiegende Anzahl der Fondsmanager es nicht fertigbringt ihren Vergleichsindex zu schlagen und wie tapfer sich im Gegensatz der Zufall schlägt, verdeutlicht dies zusätzlich die Qualität der Anlageprofis. Zum Schluss meine sichere Prognose für 2003: der DAX® wird am Jahresende höher oder tiefer als am Jahresanfang stehen. Trotzdem ist heute ein guter Einstiegszeitpunkt unter mittelfristigen Gesichtspunkten (bis zu einem Zeitraum von 5 Jahren). Die Chancen, mit einem Einstieg in den Index, Anleihen zu schlagen ist hoch. Man sollte allerdings nach realisierten 40% verkaufen und für die Restzeit Zinsen kassieren.

Was war sonst noch bei uns los?

Seit der Mitte der letzten Wahlperiode hat unser aller Kanzler versucht - wie sein Vorgänger - sich mit Aussitzen durch zu Mogeln. Von allen Problemen, besonders jenen in der Sozialversicherung, die sich seit der Wiedervereinigung aufgehäuft hatten, ließ er die Finger. Er hatte eine erhebliche Steuersenkung auf den Weg gebracht. Dabei hatte er jedoch vergessen die Ausgabenseite anzupassen. Hier herrschte die Hoffnung, dass durch weiteres Wachstum dies nicht notwendig würde. Es grassierte auch in der Bundesregierung die Euphorie der Aktienblase. Ein letzter Schuss in den Ofen stellt in diesem Zusammenhang die "Riesterrente" dar.

Das Kanzlerkandidatenduell zeigte uns spätestens, dass eine echte Alternative nicht zur Wahl stand. Die schwarze Opposition versuchte durch das Verstecken ihres Kandidaten und dem Versprechen aus allen Neugeborenen ab Geburt Staatsangestellte (unter Finanzierungsvorbehalt) zu machen, die Wahl zu gewinnen. Das liberale Lager spielte Kasperletheater, in der Hoffnung durch total verblödete Wähler auf 18% zu kommen. Allen denkenden Menschen war allerdings klar, dass die Kassenprobleme kaum noch über den Wahltermin hinaus im Kasten bleiben würden. Als mächtiger Wahlhelfer für unseren Kanzler kam in letzter Sekunde die Flut und die Angst vor einem Krieg im Nahen Osten. Er spielte virtuos auf beiden Tasten, ohne Rücksicht auf das internationale Ansehen der Bundesrepublik und verunsicherte das Versteckspiel der Opposition total. So konnte er im Endspurt diese noch überholen - der Kandidat der Union konnte es nicht glauben und rief sich am frühen Wahlabend noch zum Sieger aus - und stand dann völlig überrascht durch seinen Wahlsieg vor seinem außenpolitischen Scherbenhaufen und den Problemen, die trotz großer Sitzanstrengung, nicht verschwunden waren. Seitdem haben wir den Wahllügenausschuss. Er wird sicherlich unsere teilweise selbst erzeugten Wiedervereinigungsprobleme lösen.

Heute herrscht großes Geschwafel über die demografisch verursachten Probleme in der Sozialversicherung. Dabei mangelt es nicht an Menschen, sondern an Arbeit. Die Bananenrepublik hat die Arbeit bis zum geht nicht mehr verteuert und damit der Inlandskonjunktur den Garaus gemacht. Trotzdem wird noch immer nicht über die wahren Hintergründe diskutiert. Die ausgebliebenen "blühenden Landschaften" erzeugen eine schwere Last, die allein von den Arbeitnehmern zu schultern ist. Die Bürokratie wuchert weiter und erstickt, wie eine Krake, das gesamte wirtschaftliche Leben. Deshalb steht heute alles zur Diskussion - nur nicht der öffentliche "Dienst"!

Den € bekamen wir Anfang 2002 in die Hand. In der Umstellungsphase wollten einige abkassieren und erzeugten damit die T-€-Diskussion und eine zusätzliche Konsumzurückhaltung, die bis heute anhält. Trotzdem setzte unsere Währung zu einer großen Erholung an. Dies gefällt den gleichen Wirtschaftsprofessoren nicht, die vorher über den Verfall geklagt hatten. Im Jammern sind wir eben echte Weltmeister.

Internationale Lage

Nicht der Terrorismus hat die Börse nach Süden gebracht. Es waren erste Schritte der Umkehr auf dem Weg zur Vernunft. Man stellt inzwischen fest, dass es keine zusätzliche "Neue Wirtschaft", sondern nur eine Wirtschaft gibt. Manche Analysten rechnen inzwischen Telekommunikationsprovider zu den Versorgern und nicht mehr zum sogenannten "Wachstumssektor" der Technologie. Erste Fortschritte in der Börsensprache. Nur die Deutsche Börse hat es noch nicht begriffen. Deshalb gründet sie jetzt den TecDAX®. Noch immer dümpelt die Weltwirtschaft, ohne großen Elan, vor sich hin. Eine nachhaltige Erholung ist noch nicht Sicht. In Europa - in den USA etwas abgeschwächt - grassiert, die Furcht vor einem neuen Irakkrieg. baer45 hatte diesen allerdings schon im vergangenen Spätsommer erwartet und lag damit trefflich daneben. Aus heutiger Sicht wird er frühestens Ende Februar beginnen. Die Kriegsgegner versuchen aktuell den frühesten Beginn, mit allen diplomatischen Finessen, in den heissen Sommer zu verschieben und ihn somit unmöglich zu machen. Ob das gelingen wird? Spätestens nachdem der Beginn klar ist, werden die Börsen noch einmal einen erheblichen Sprung nach Süden hinlegen. Der DAX® wird sich dabei schneller und gewandter bewegen als die US-amerikanischen Indizes. Vor dem letzten Golfkrieg schaffte er immerhin den Faktor 3. Dies kann ein guter Kaufzeitpunkt werden! Mit dem ersten Donnern der Kanonen setzt dann eine erhebliche temporäre Markterholung ein. Unsere wirklichen Probleme werden uns dann wieder einholen. Und diese lauern in den Finanzsystemen. Große Überschuldung im privaten und/oder öffentlichem Sektor bei drohender Deflation. In der gesamten industrialisierten Welt wird die Bevölkerung mittelfristig schrumpfen und damit auch die Wachstumsraten der Wirtschaft. Gleichzeitig sollen die Berge der aufgestauten Probleme gelöst werden. Viel Freude bei der dafür notwendigen Flexibilität!

In 2002 dämmerte es der Welt, dass wir nur noch eine wirkliche Großmacht haben - die USA. Europa spielt noch keine Rolle und wird auch bei größtem Optimismus noch weit mehr als eine Dekade brauchen, bevor es in der Weltpolitik mitspielen kann. Welche Großmacht ließ sich in der Geschichte auf der Nase herum tanzen? Mir ist keine bekannt. Deshalb wird der angelaufene Kampf der Kulturen primär durch Amerika gesteuert werden. Die inzwischen überflüssig gewordene UNO - ein Überbleibsel des kalten Krieges - wird mittelfristig verschwinden. Der wahrscheinliche Irakkrieg wird in diesem Zusammenhang nicht der Letzte sein. Weitere werden folgen. Die Globalisierung wird uns nicht ins Paradies führen. Ein Teil von Europa glaubt aktuell noch die Augen, vor der sich verändernden Welt, verschließen zu können. Auch das wird sich ändern.


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