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Wer sich nicht informiert, hat es verdient, abgezockt zu werden

12.07.2002: Strategien

Bärische Warnungen

Unter Einfache mechanische Strategien werden Regeln erläutert, mit denen man in der Vergangenheit in Blue Chip Indizes den Markt schlagen konnte. Es ist nicht auszuschließen, dass dies in Zukunft auch so sein wird. Die Ursache des Erfolgs der Dividendenstrategien begründete sich durch den Kauf von unterbewerteten respektive sich in temporären Schwierigkeiten befindlichen Firmen. Die Dividendenrendite sank nachdem der Markt auf diese Aktien aufmerksam wurde respektive sich die Firmen wirtschaftlich erholt hatten (was auch mit großer Wahrscheinlichkeit eintrat) oder die Dividenden kürzen mussten. Die sinkende Dividendenrendite (hoffentlich durch Kursanstieg) führte dann oft zum Verkauf. Man verhielt sich also gegen den großen Trend, befand sich auf der Minoritätsseite und damit auf der Gewinnerseite.

Diese Strategien funktionierten längerfristig nur in Blue Chip Indizes. Bei kleinen Indizes ist und war die Wahrscheinlichkeit zu groß, dass sich temporäre Schwierigkeiten von Firmen zu dauernden Schwierigkeiten auswuchsen und man zum andauernden Schrottkäufer degenerierte. In einen Blue Chip Index steigen üblicherweise nur Firmen auf, die sich am Markt längerfristig bewährt haben und sich durch erfolgreiches Wachstum über Jahre zu einer respektablen Größe entwickelt haben. Diese Firmen haben dann im Regelfall sowohl die Substanz als auch die Erfahrung mit temporären Schwierigkeiten fertig zu werden.

Spezifische europäische Risiken

Monopolisten können auch respektable Größen erreichen. Sie werden allerdings selten effektiv organisiert sein, andauernd Speck ansetzen und mit dem Schwinden des Monopols zu Grunde gehen oder mindestens in langandauernde Schwierigkeiten geraten. Staatsmonopolisten entwickeln diese negative Fähigkeiten nur noch effektiver. Sie haben Grundstrukturen, die ein erfolgreiches Wirtschaften unmöglich machen. Wäre es anders, wäre der Kommunismus die einzig richtige Wirtschaftform.

Mit dem Zusammenwachsen der europäischen Märkte entstand die richtige Anforderung, staatliche Wirtschaftsunternehmen zu privatisieren. Nur privatwirtschaftlichen Unternehmen kann man es erlauben über die Staatsgrenzen hinaus tätig zu werden. Andernfalls wäre Manipulationen ungegrenzt möglich (Luftverkehr, Bahn, Post, Telekommunikation). Auch dürfen Unternehmen keine Monopole besitzen. Aus diesem Grund entstand die Anforderung an die Versorger (Strom, Wasser, Gas, Telefon) ihre Leitungsnetze zu öffnen.

Die Regeln für die früheren Monopolisten werden allerdings weites gehend von den jeweiligen Regierungen festgelegt. Auch Staatsfirmen werden von ihren früheren Besitzer privatisiert. Bei all diesen Tätigkeiten stand jedoch nicht das Ziel vor Augen, schnell zu funktionierenden marktwirtschaftlichen Verhältnissen zu kommen, sondern das sogenannte nationale Interesse zu wahren. Letzteres bedeutet, Monopolverhältnisse so lange wie möglich im eigenen Land zu konservieren und damit die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen, sich international auszubreiten.

Trotzdem ist natürlich das gewachsene Management in den früheren Staatsfirmen für diese Aufgaben nicht geeignet. Man ging also auf Managementeinkauf. Die Gefahr ist allerdings sehr groß, dass hierbei nicht unbedingt Qualität eingekauft wird. Politische Beziehungen sind und waren sicherlich wichtiger und damit auch der politische Gehorsam. Dabei ist doch die Umwandlung eines Staatsmonopolisten in einen flinken und effektiven Marktteilnehmer eine Herkulesaufgabe und kaum zu schaffen.

Da diese Behörden jedoch schon beim Start der Privatisierung respektable Größen hatten, wurden sie sofort in die jeweiligen Blue Chip Indizes verfrachtet (in der neueren deutschen Geschichte Deutsche Telekom und Deutsche Post) und stellten dort sogar teilweise die Schwergewichte dar. Im Rahmen der TMT-Blase verhielten sich z.B. alle Regierungen von größeren europäischen Staaten bei der Privatisierung ihre Telekommunikation vergleichbar. Die jeweilige nationale Monopolbehörde sollte unbedingt ein europäischer Großkonzern werden. Dies wollten nur zu viele. Der Platz am Markt war nicht ausreichend. Das Endergebnis waren total überschuldete Telekommunikationskonzerne die gemeinsam einen neuen Weltrekord an Kapitalvernichtung aufgestellt haben.

So kaufte z.B. die Deutsche Telekom, nachdem ihre europäische Ausbreitung fehlschlug, in einer letzten Verzweiflungstat unter dem Druck der wahnsinnigen Analysten und Anleger weit überteuert Voicestream. Mit vorauseilendem politischen Gehorsam beteiligte sie sich an der hirnrissigen Preistreibung bei der Versteigerung der UMTS-Lizenzen. Der heutige Zustand (Verschuldung) ist bekannt. Einen Absturz ins Bodenlose verhindert nur noch der Glaube, dass der hochverschuldete Großaktionär Bundesrepublik eine Pleite verhindern wird. Dabei sind bis heute die internen Probleme einer früheren Staatsbehörde ansatzweise noch immer nicht gelöst. Die Sicht auf die Zukunft .... Sprachlosigkeit!

Zusammenfassend kann man folgendes Feststellen. Die Erfinder der einfachen mechanischen Strategien hatten eine derartige Teilnehmerzusammenstellung eines Blue Chip Index nicht im Fokus. Auch besaßen sie kein Zahlenmaterial über derartig zusammengesetzte Indizes um ihre Strategien zu testen. Bekommt man derartige Papiere ins Depot, wird man "mechanisch" ein harter Zocker. Je nach Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt erreicht man Depotveränderungen, die längerfristig kaum noch ausgleichbar sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Veränderungen negativ sind, ist extrem groß. In diesem Fall wird es kaum gelingen den Index zu schlagen! Sollte man dann nicht doch lieber DAX®-Lotto spielen?

Ist es wichtig den Index zu schlagen?

Für einen Fondmanager sicherlich. Trotzdem schaffen es nur wenige. Für den Privatanleger ist es jedoch wichtig sein Vermögen in Konkurrenz zu anderen Personen zu vermehren. Liegt sein überschüssiges Geld im Sparstrumpf, wird es im Regelfall von der Inflation gefressen. Ausnahme: es herrscht Deflation. Deshalb werden immer noch fleißig Sprüche kolportiert wie

Längerfristig ist die Aktienanlage immer die bessere Kapitalanlage!

Stimmt dies? Unter Historische Entwicklung mit Ausblick kann man auf einen Blick erkennen, dass es lange Phasen mit steigenden Märkten (Bullenmärkte) und lange seitlich verlaufende hochvolatile Phasen (Bärenmärkte) gab. Die Schlussfolgerung, nicht immer in Aktien investiert zu sein ist also einfach zu fällen. Letzteres bestätigte auch Michael O'Higgins mit der Optimierung seiner Strategie "Dogs of the Dow" um die Variante "Dogs with Bonds". Mit dieser Erweiterung hat er Triggerpunkte geschaffen, die zum Kauf von Firmenanleihen und nicht zum Kauf der entsprechenden Aktie führten. Er hat damit eine erhebliche Verbesserung seiner Performance erreicht. Hierbei muss man berücksichtigen, dass in den USA, im Gegensatz zur Bundesrepublik, Firmenanleihen meistens wesentlich besser rentieren als Staatsanleihen. Inzwischen trifft dies auch bei Anleihen der Deutschen Telekom zu. Ob es allerdings empfehlenswert ist diese Anleihen zu kaufen, bleibt jedem selbst überlassen. Auch hier treffen die weiter oben gemachten Erläuterungen bezüglich den Aktien zu. Ein Totalverlust ist eine reale Möglichkeit.

Nur in bestimmten Phasen in Aktien investiert zu sein hört sich super einfach an, ist jedoch recht kompliziert (Timing). Der Blick im nachhinein auf den Chart zeigt die Phasen deutlich an. Er zeigt uns jedoch nicht wo wir uns aktuell befinden und wie es weiter geht. Trotzdem, was hat der längerfristige mechanische Anleger schon von einer Performance von z.B. -12% im DAX® wenn dieser im gleichen Zeitraum eine Performance von -15% hatte. Er kann stolz sein! Er hat den Index geschlagen und viel Geld verloren!

Spekulationen

In lang andauernden Bullenmärkten ist das Börsenspiel ziemlich einfach. Manchmal kann man mit so einfachen Mitteln wie mechanischen Strategien besser als der Durchschnitt abschneiden. Diese Bullenmärkte führen jedoch meistens zu einer starken Blase, die sich in einem Crash oder einem sanften andauernden Gleiten nach Süden entlädt. Diese Situation vorauszusehen, ist schon nicht mehr so einfach. Wird der rechtzeitige Ausstieg jedoch verpasst, ist eventuell der gesamte virtuelle Gewinn dahin. War man erst recht spät eingestiegen, hat man sogar große Verluste. Die Parameter, die den Ausstieg bestimmen sind wichtiger als diejenigen, die den Kauf bestimmt haben! Hat mein zum Kaufzeitpunkt keine Verkaufsvorstellungen, sollte man erst gar nicht kaufen. Dies gilt auch für den Betreiber von mechanischen Strategien. Hier stellt nur der Verkaufszeitpunkt den Zeitpunkt des temporären Verlassen der Börse dar. Über sehr lange Zeiträume (z.B. 80 Jahre) mag die Aktienanlage den Rentenmarkt leicht schlagen (auch dieses ist umstritten - hängt sehr stark vom ausgewählten Zeitsegment ab), der Anleger selbst ist meistens jedoch in weitaus kürzeren Zeitsegmenten tätig. Börse ist und bleibt eine Spekulation auf die Zukunft. Man müsste also heute (im Jahr 2000 wäre es besser gewesen) unbedingt nachfolgende Frage beantworten:
 
Erleben wir nur einen mittelfristigen Einbruch und haben schon den Boden gefunden oder verbleiben wir in einem langjährigen Bärenmarkt wie in den Sechziger bis in die Achtziger?
 
Immerhin dauert der Bärenmarkt schon über 2 Jahre. 10 weitere Jahre warten hilft nicht.

Annahme 1: Bärenmarkt geht weiter

Wir haben weiteres Abwärtspotential. So richtig erholen werden wir uns über viele Jahre nicht (alte Höchststände). Das Äußerste ist ein hochvolatile Seitwärtsbewegung. In diesem Fall sollte man die Finger von diesen Strategien lassen. Entweder man verlässt den Aktienmarkt oder man ist bereit das in den letzten 20 Jahre in Verruf geratene Timing zu praktizieren.
 
Kaufen wenn es "billig" ist und verkaufen wenn man das geplante Ergebnis (Gewinn / Verlust) erreicht hat.
 
Schnell aufs Marktgeschehen reagieren. Klar sein, dass etliche Spekulationen schief gehen werden. Verluste begrenzen. Nie voll investiert sein! Öfters voll draußen sein. Absolutes Risikobewusstsein entwickeln. Dazu braucht es Geld, Geduld, Technik und Mut! Und die Spekulationen über kurz- und mittelfristige Entwicklungen sollten mehrheitlich zutreffen. Dies wird viel Mühe und Zeit kosten! Man sollte es also nur angehen, wenn man es gerne tut und bereit ist eigenen Fehlern in die Iris zu schauen. In diesen Märkten ist oft nichts zu tun der größere Fehler. Die Zeit löst hier die Probleme nicht mehr.

Annahme 2: Der Bärenmarkt ist vorbei

Wir sind also am Boden angekommen und stehen vor einer langjährigen Aufwärtsphase. In einigen Jahren werden wir die alten Höchststände überholen. Natürlich sollte man in einem solchen Fall wieder längerfristig am Aktienmarkt tätig sein. Eine unveränderte Anwendung der Dividendenstrategien im DAX® wäre allerdings dann nicht empfehlenswert. Es gibt zwei Alternativen:

  • man verzichtet auf den Ehrgeiz den Markt schlagen zu wollen und kauft Indexaktien.

  • man streicht vor der Ranglistenbildung die Werte aus dem Index, die nach der vorangegangenen Erläuterung eigentlich nicht hinein gehören (im DAX® konkret mindestens Deutsche Telekom und Deutsche Post).

Wo stehen wir heute?

Wenn ich das wüsste ...... Ich habe Vorstellungen, abgeleitet von vielen Parametern.... aus der wirtschaftlichen Entwicklung.... aus der fundamentalen und mentalen Verfassung der Märkte .... aus der bevölkerungspolitischen Entwicklung ... usw. Trotzdem bin ich nicht in der Lage heute zu sagen ob Annahme 1 oder 2 oder ... stimmt. Ich werde mich also so verhalten, dass es nicht so wichtig ist, welche Annahme eintritt. Warnen muss ich allerdings vor der Annahme, dass man mit mechanischen Strategien an der Börse prinzipiell besser als der Rentenmarkt abschneidet. Wer weiss, eventuell sind diese Warnungen nur ein zusätzliches Signal der Bodenbildung.


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