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Wer höher steigt, als er sollte, fällt tiefer, als er wollte

30.01.2002: Strategien

Einfache mechanische Strategien

Nicht jeder Anleger am Aktienmarkt hat die Zeit und die Lust einzelne Gesellschaften umfangreich zu analysieren. Trotzdem möchte er an der potentiellen Entwicklung des Aktienmarktes partizipieren. Diesem Anleger bleiben nur drei Möglichkeiten:

  1. Er glaubt Dritten (z.B. den Analysten oder seinen Stammtischbrüdern) und verbrennt sein sauer verdientes Geld.

  2. Er investiert in einen Blue Chip Index (z.B. DAX®) durch Kauf von Indexpapieren und nimmt an der Entwicklung dieses Marktes teil. Er sollte dabei jedoch unbedingt seine Finger von kleinen und neuen Märkten lassen!

  3. Er tätigt seine Investitionen nach den Regeln einer sogenannten mechanischen Strategie in der Hoffnung besser als der Markt (Index) abzuschneiden. Er sollte hierfür die notwendige Konsequenz und Emotionslosigkeit mitbringen!

Man sollte jetzt nicht glauben, dass bei der Investition in Indexpapiere oder beim Kauf von Aktien nach den Regeln von mechanischen Strategien der Geldhahn nur so sprudeln würde und man sein Arbeitverhältnis kündigen könnte. An der Börse wird man nur reich, wenn man selber Aktien drucken kann. Ansonsten sollte man sich glücklich schätzen, wenn man ein besseres Nettoergebnis als mit Bundesschatzbriefen schafft. Die Börse entwickelt sich nicht nur positiv. Es gab und es gibt immer wieder Phasen in denen es abwärts oder seitwärts geht. Man sollte deshalb einschätzen können, ob man überhaupt in den Aktienmarkt investieren sollte. Auch wenn einige der hier vorgestellten Strategien in der Vergangenheit ihren Vergleichsindex geschlagen haben, bedeutet dies nicht, dass man damit in Zukunft Gewinne einfahren kann.

In den vergangenen 20 Jahren hatten wir eine andauernde Hausse. Die verrücktesten Strategien haben in dieser Phase funktioniert. Diese Phase scheint zu Ende zu sein. Viele Anleger haben sich inzwischen die Finger verbrannt und immer mehr sehen ihre Rettung in konservativen Strategien. Je mehr Anleger jedoch nach den hier vorgestellten mechanischen Strategien investieren werden umso stärker steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Zukunft nicht mehr funktionieren werden. Der steigende Umsatz von Zertifikaten, die diese mechanischen Strategien nachbilden, sollte die Warnlichter aufleuchten lassen.

Den Index kaufen

Den Index kaufen wird immer funktionieren! Ob man jedoch Geld verdient, hängt von der Entwicklung des Marktes ab. Kauft man proportionale Anteile vom DAX®, kauft man in der Bundesliga ein. Ein derartiger Index wird regelmäßig reorganisiert. Die "Schlechten" steigen ab und die "Guten" steigen auf. Deshalb wird ein derartiger Blue Chip Index im Regelfall besser rentieren als kleinere Indizes.

Man kann einen derartigen Index über sogenannte Indexaktien (Fonds der mechanisch den Index abbildet - geringer Verwaltungsaufwand und damit geringe Kosten) oder über sogenannte Zertifikate (Scheine von Instituten, die eine synchrone Entwicklung mit dem Markt garantieren) kaufen. Beides wird an der Börse gehandelt. Zertifikate haben üblicherweise nur eine begrenzte Laufzeit (und damit höhere Transaktionskosten) oder aber lassen die Dividenden verschwinden. Bei Zertifikaten mit begrenzter Laufzeit sind die Dividenden (Steuerfrei nach 1 Jahr Anlagedauer) in einem Abschlag enthalten. Trotz der potentiellen steuerfreien Dividende kann man für den DAX® nur die Indexaktien von iShares empfehlen. Der Steuervorteil von Zertifikaten verschwindet meistens in der schlechteren Handelbarkeit (effektive Unsynchronität zur Marktentwicklung - zu geringe Liquidität). Auf jeden Fall sollte man vor dem Kauf die Verkaufsprospekte genau studieren.

Es gibt noch eine große Anzahl von aktiv gemanagten Fonds, die sich den Index als Messlatte genommen haben. Von denen haben in den vergangenen 20 Jahren weit über dreiviertel schlechter als der Markt abgeschnitten. Die Wenigen, die besser als der Markt abgeschnitten haben, werden nicht unbedingt diejenigen sein, die das auch in der Zukunft tun werden.

Die Dividendenstrategie und ihre Varianten

Die Dividendenstrategie wurde von John Burr begründet. In seinem Werk The Theory of Investment Value (1938) argumentierte er, der heutige Wert einer Aktie entspreche dem Gegenwartswert aller künftigen Dividenden. Benjamin Graham führte die Strategie in die Fundamentalanalyse ein. Die Dividende entscheidet mit darüber, ob eine Aktie für eine Anlage in Betracht kommt. Der Vergleich von Dividendenrendite und Zins zeigt, wie sich Aktienanlage und Festverzinsliche rentieren.

Die Dividendenstrategie ist die Grundlage für alle nachfolgend beschriebenen Strategien (sie stellen nur Verfeinerungen - unter der Inkaufnahme eines höheren Risikos ud einer höheren Volatilität - dar). Sie setzt auf die zehn dividendenstärksten Aktien unter den 30 Dow- bzw. DAX®-Werten (Rangfolge 1 bis 10 anhand der Dividendenrendite; die Dividendenrendite entsteht aus "ausgeschüttete Dividende je Aktie / Aktienkurs"). Die 10 Kandidaten sind gleichgewichtig im Depot vertreten. Zu einem fixen Termin im Jahresabstand wird eine neue Rangliste erzeugt und das Depot umgeschichtet. Dabei können Dividenden reinvestiert werden.

Diese Methode funktioniert nur in Blue Chip Indizes, in denen es über alle Werte üblich ist Dividenden zu zahlen. Die Titel sollten auch schon lange am Markt notieren und damit ihre Überlebensfähigkeit in der freien Marktwirtschaft bewiesen haben. Neulinge sind mit absoluter Vorsicht zu genießen (diese Problematik ist üblicherweise in einem Blue Chip Index nicht gegeben - Ausnahme: DAX®). Mit dieser Methode findet man dann, ohne großen Aufwand, den relativ billigen Kaufzeitpunkt und den relativ teuren Verkaufzeitpunkt.

Die Aktienanalysten des US-Brokers Prudential Bache gruben das Auslesesystem Mitte der 90er Jahre wieder aus und rechneten bis zum Jahr 1975 zurück. Ergebnis: In 21 Jahren konnte die Burr/Graham Methode den Dow Jones 16 mal schlagen. Der Vorteil des Auslesedepots betrug im Durchschnitt 4 Prozent jährlich gegenüber dem Index. Mit der Dividendenstrategie kauft der Anleger gegen den Trend. Die großen Werte eines Marktes laufen in etwa alle gleich; aber je nach Konjunkturphase liegen mal die prozyklischen und mal die antizyklischen Werte vorn. Eine relativ hohe Dividendenrendite zeigt an, dass der Kurs einer Aktie im Vergleich dem Gesamtmarkt hinterherhinkt oder überdurchschnittlich gedrückt wurde. Steigt die Aktie überproportional an, wird sie bei der nächsten Umstellung des Depots aussortiert. Funktioniert hat diese Methode immer nur in Indizes mit Blue Chips wie DAX® oder Dow. Es muss unbedingt vor dem Einsatz der hier beschriebenen Methoden in Märkten mit kleinen Werten gewarnt werden.

Eine Erweiterung erfuhr obige Methode durch Merrill Lynch. Man erweiterte sie um die Auszahlungsrendite. Hier werden ausgeschüttete Dividenden und Aktienrückkäufe (sie sind praktisch eine Ausschüttung an die Aktionäre) akkumuliert und ins Verhältnis zum Aktienkurs gesetzt.

Den Erfolg von Prudential Bache mit der Dow-Dividendenstrategie übertrugen die Experten von Merrill Lynch mit Erfolg auch auf den DAX®. Anhand von historischen Daten brachte ein Korb aus 12 Aktien (Rang 1 bis 12 der Dividendenrendite) mit halbjährlicher Umschichtung die besten Ergebnisse. Die Ergebnisse der DAX®-Strategie über zehn Jahre waren noch überzeugender als bei der Dow-Strategie.

Merrill Lynch entwickelte daraus den German Top Twelve Total Return Index, der in der Zeit vom 1. 1. 1992 bis zum 31.12.1998 ein Plus von 276,3 Prozent brachte; der DAX® kam in der gleichen Zeit nur auf 213,3 Prozent (ohne Transaktionskosten). Der Anleger kauft an irgendeinem Tag die zwölf Werte des DAX® mit der höchsten Dividendenrendite. Dieses Depot hält der Anleger genau ein Jahr. Danach werden wieder die zwölf dividendenstärksten Titel ausgesucht, das Depot wird umgeschichtet, die Anteile entsprechend angepasst und die Erträge reinvestiert. Im Unterschied zur klassischen Dividendenrendite, werden hier 12 anstatt 10 Werte im Depot gehalten. Der Unterschied zur klassischen Dividendenstrategie ist allerdings sehr gering. Das eingesetzte Kapital muß, um die Transaktionkosten niedrig zu halten, höher sein.

Eine Variante, mit höherer Volatilität (da weniger Aktien) stellen die Top Five dar. Hier werden nur die fünf ersten Aktien mit der höchsten Dividendenrendite ins Depot gelegt. Grundsätzlich steigt mit der Reduzierung der Aktienanzahl die Volatilität des Depots (man braucht stärkere Nerven beim Beobachten) und das Risiko. Je mehr Aktien ins Depot gelegt werden, umso stärker nähert man sich der allgemeinen Indexentwicklung an und man sollte sich überlegen, ob man nicht gleich Indexaktien kaufen sollte.

"Dogs of the Dow" von Michael O'Higgins

Michael O'Higgins entwickelte die "Dogs of the Dow"-Theorie auf der Grundlage der Dow-Dividendenstrategie. Eine Analyse zeigte, dass die Erträge noch höher sind, wenn sich die Anlage nur auf die fünf Werte mit den niedrigsten Kursen unter den 10 Dividendenstärksten (Rang 1 bis 10 Dividendenrendite) konzentriert. Es wird auch jährlich umgeschichtet. Das Investmenthaus Prudential Bache nennt diese Strategie Low Five. In Deutschland firmiert sie auch unter den Namen Dackelzucht, DAX®-Jagd, usw.. Auf DAX®-Werte ergab sich z. B. für 1986 bis 1997 eine Überrendite von 22 Prozent gegenüber dem DAX®.

Die Schwankungsbreite eines derartigen Depots steigt wegen der geringen Zahl der Aktien erheblich an. Bei der Low Five sind im Vergleich zur klassischen Dividendenrendite (mit 10 Titeln) schwergewichtiger solche Aktien zu finden, die schlechter als der Gesamtmarkt abschneiden. Die Konzentration auf nur wenige Werte erhöht das Risiko. Die Bereitschaft der Anleger, dieses höhere Risiko in Kauf zu nehmen, ist rückwirkend gesehen auch immer mit höherem Ertrag belohnt worden. In 21 der letzten 23 Jahre brachte die Strategie positive Ergebnisse.

Bei den Untersuchungen von Prudential Bache zeigten sich zwei Gründe für die überdurchschnittliche Performance:

  1. Steigende Dividenden zeigen die steigende Ertragskraft. Die Dividenden der amerikanischen Blue Chips sind in der Vergangenheit in 60 von 68 Jahren gestiegen (bei Wiederanlage der Erträge kommen allein dadurch 40 Prozent der Performance).

  2. Die Dow-Jones-Werte (wie die DAX®-Werte) haben immer wieder die Fähigkeit der Regeneration bewiesen.

Diese Methode setzt in Punkto Kurse, einen ausgewogenen Index voraus. Ob das heute noch für den DAX® gilt, darf bezweifelt werden. So ist heute z.B. außer der Deutschen Telekom, - dieser Wert ist jedoch ein typischer Neuling im freien Markt - keiner der anderen der 10 Schwergewichte in der Low Five vertreten. Damit degeneriert der DAX® zu einem "kleine Werte Index" und ist dadurch zu risikoreich. Man darf misstrauisch sein.

Michael O'Higgins verbessert die Theorie noch, indem der Anleger entweder in Aktien oder in Anleihen investiert. Entsprechend dem Motto "Das Anlagekapital folgt immer den günstigsten Angeboten" vergleicht O'Higgins die Rendite (Gewinn pro Aktie in Prozent) mit derjenigen von erstklassigen Unternehmensanleihen. Das Ergebnis entscheidet darüber, ob der Anleger Aktien oder Anleihen ins Depot nehmen sollte. Wenn die Rendite der Unternehmensanleihen über der Gewinnrendite liegt, dann erwirbt der Anleger festverzinsliche Wertpapiere. Für den Zeitraum 1968 bis 30. September 1998 hat er den Markt untersucht: Sowohl am Aktien- als auch am Anleihemarkt gab es "Bull"- und "Bear"-Phasen:

   Dogs with Bonds * Dogs of the Dow ** Dow Jones Industrial
Durchschnittliche Wertentwicklung
von 1968 bis 30.09.1998:
23,77 % 18,03 % 11,66 %
Anzahl der Kalenderjahre mit einer
negativen Wertentwicklung:
1 4 6
Wertentwicklung eines Portfolio mit
10.000 $ Startkapital:
5.718.296 $ 1.389.406 $ 266.684 $

*   Aktien- und Rentenstrategie
** Aktienstrategie

In wieweit diese Strategie auch in Deutschland funktionierte, ist mir unbekannt. Die Auswertung zeigt, dass man nicht nur prinzipiell in Aktien investieren sollte. Zum richtigen Zeitpunkt auf Anleihen gesetzt (trotz der scheinbar geringen Rendite), erhöht die Gesamtrendite erheblich.

Foolish Four Methode

Zum Schluss noch ein kleines abschreckendes Beispiel. Wir haben bis jetzt alle möglichen Varianten der Dividendenstrategie kennen gelernt. Man kann natürlich aus dem historischen Datenmaterial noch Weitere errechnen. Fehlen einem jedoch über die Statistik hinausgehende Begründungen, wird sie über kurz oder lang scheitern.

So erfreute sich in den USA die Foolish Four Methode großer Beliebtheit: ausgewählt wird nach Low Five, aber die Aktie mit dem niedrigsten Kurs wird weggelassen und dafür die Anlage in dem Titel mit dem zweitniedrigsten Kurs verdoppelt. Dadurch steigen Rendite - und Risiko - angeblich deutlich an. Nachdem viele Narren mit dieser Methode schlechter als der Dow abgeschnitten hatte, wurde sie von ihren Erfindern zurückgerufen. Ein typisches Beispiel des Irrglaubens der verflossenen Hausse-Phase.


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