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Nichts ist beständiger als der Wandel

28.01.2002: DAX®-Bewertungen

DAX® - Längerfristiger Ausblick

Der Ausblick: Aktien contra Anleihen

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß (ich schätze über 50%), dass Aktien in den nächsten 12 bis 15 Jahren schlechter rentieren werden als Anleihen.

Begründung:

Der Aktienboom der vergangenen 20 Jahre hat auf einer Reihe günstiger Faktoren beruht, die wir in absehbarer Zeit nicht mehr sehen werden. Aus fundamentaler Sicht sind die Aktien immer noch sehr teuer (überbewertet) und damit weiterhin anfällig für weitere Kurskorrekturen.

Dividenden- und Gewinnrenditen

Auch wenn sie die letzten Jahre aus der Mode gekommen sind, sind die Kenzahlen und immer noch die wesentlichsten Bewertungskriterien für die Aktienmärkte.

So sind z.B. beide Kennzahlen für den amerikanischen S&P500-Index in den letzten Jahren stark gefallen - vor allem durch die gute Kursentwicklung - und liegen so niedrig wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Vor allem der Verfall der Dividendenrendite - es zeigt sich, dass die Firmen nicht mehr in der Lage sind kursadäquate Dividenden zu zahlen - berechtigt die Befürchtung, dass sich die Aktien zukünftig schlecht entwickeln werden. So liegt heute (Januar 2002) die durchschnittliche Dividendenrendite im S&P500 bei 1,4%.

Im DAX® ist die Entwicklung ähnlich. Hier liegt die Dividendenrendite bei 1,2%. Auch hat der DAX® es bis heute es nicht zu einer eigenständigen Entwicklung geschafft. Er versucht noch immer, unabhängig von der Entwicklung der in ihm vertretenen Firmen, den amerikanischen Markt nachzuäffen.

Gründe der Überbewertung

Grob haben vier Umweltfaktoren die Hausse der vergangenen Jahrzehnten genährt:

  1. Andauerndes Sinken der Inflationsraten. Eine geringere Teuerung spricht nun mal für ein stabiles wirtschaftliches Umfeld und steigert die Zuversicht in die Unternehmensgewinne. Vergessen sollte man nicht, dass diese Entwicklung mit der Überwindung der Ölkrise begonnen hatte, die politisch bedingt war und aus ähnlichen Gründen eine neue Auferstehung erleben könnte. Die Inflationsraten sind immer noch niedrig. Ein noch wesentlich weiteres Sinken würde in eine Deflation münden. Schließen wir letzteres aus (Deflation wäre sicherlich kein gesunder Nährboden für die Aktienmärkte), ist die Wahrscheinlichkeit steigender respektive gleichbleibender Inflationsraten groß.

  2. Andauerndes Sinken der Zinsen. Bedingt durch das Abnehmen der Inflationsraten mussten zwangsweise die Zinsen stark sinken.

    Umlaufrendite - 10 Jahre
    Umlaufrendite
    DAX® - 10 Jahre
    Daxentwichlung

    Und sinkende Zinsen machen Aktien als Alternativanlage generell attraktiver. Ein zusätzlicher Anziehungspunkt war die günstigere Besteuerung auf Gewinne aus Aktiengeschäften gegenüber klassischen Geldanlagen. In wieweit diese steuerliche Bevorzugung erhalten bleibt, bleibt abzuwarten. Ich befürchte, dass mit dem Fortschritt der Verwaltungstechniken, dieser Vorzug abnehmen wird.

  3. Geburtenstarke Jahrgänge. Mit dem Start der Haussephase kamen die geburtenstarke Jahrgänge zu anlagefähigem Geld. Damit wuchs die Anzahl der potentiellen Anleger gewaltig. Sie entwickelten, bedingt durch die weiter oben aufgeführten Gründe, ein besonderes Interesse für die Aktienanlage. Diese wachsende Anzahl hatte zusätzlich das Wachsen der Pensionsfonds (insbesondere in den USA - bei uns floss jedoch aus den gleichen Gründen erhebliches privates Geld in Aktienfonds; der Pensionswahnsinn startet bei uns erst jetzt) zur Folge und war damit ein weiterer Treibsatz für die Aktienkursentwicklung. Die Geburtenentwicklung hat sich jedoch umgekehrt. Es kommen weniger potentielle Anleger nach als wegfallen. Viele der Älteren haben schon mit der Umschichtung in risikoärmere Anlagen begonnen. Und es werden im Laufe der Jahre immer mehr werden. Zusätzlich wird die Bevölkerungsentwicklung auch zu einem schwächeren Konsum und damit zu geringeren Gewinnen bei den Firmen führen.

  4. Die Euphorie. Die Hausse nährt bekanntlich die Hausse. In einer derartigen Phase verbreiten Medien und Analysten einen übertriebenen Optimismus. Dauert eine derartige Phase auch noch so lange an, kommt es zum kollektiven Wahnsinn. Jedweder Bezug zur Realität geht verloren. Die krusesten Anlagestrategien wachsen wie die Pilze im feuchten Dickicht. Nur so ist der Technologiewahnsinn erklärbar, wo Milliarden verbrannt wurden, nur um sinnlose Geschäftsideen ohne Inhalt zu finanzieren. Gewinne waren nicht mehr notwendig. Die Zahlung von Dividenden war gar verpönt. Die Buchhaltung und Bilanzierung erlebte eine tolle (kriminelle??) Weiterentwicklung. Langsam ebbt dieser Wahnsinn ab. Verschwunden ist er noch nicht ganz. Viele jedoch, die sich anstecken ließen und erhebliches Geld verloren haben, werden den Aktienmärkten für immer den Rücken zukehren (... verbranntes Kind scheut das Feuer ...).

Schlussfolgerung

"Aktien sind auf längere Sicht immer festverzinslichen Papieren überlegen!"
"Kaufe Aktien und lege dich schlafen"

Für manche Phase stimmen diese Aussagen. Historisch sind sie falsch! Über sehr große Zeiträume gesehen, ist der Unterschied gering. Der konkrete Anleger lebt jedoch nicht ewig. Der Zeitraum, an dem er an der Aktienbörse mit einem wesentlichen Geldbetrag tätig sein kann ist relativ kurz (maximal 30 Jahre - es sei, er ist von Geburt aus reich). Betrachtet man derartige Zeitscheiben, kam es schon oft vor, dass Anleihen Aktien geschlagen haben. Ich glaube, dass wir uns wieder in einer derartigen Zeitscheibe befinden. An der Aktienbörse in Zukunft Geld zu verdienen, wird harte Arbeit werden. Für Langfristanleger und Anfänger wird die Aktienanlage (direkt oder in Aktienfonds) nicht empfehlenswert sein. Kurz- und Mittelfristanleger, welche die mentale Stärke haben Schwankungen auszunutzen und die notwendigen Instrumente beherrschen, können weiterhin Anleihen schlagen.

Natürlich ist in den nächsten 2 bis 4 Jahren eine Annäherung an alte Höchstkurse nicht ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit des Eintretens bleibt jedoch gering. Eine von vielen erhoffte wirtschaftliche Erholung Ende des Jahres/Anfang nächsten Jahres könnte für eine kurze Zeit den Weg nach Norden bereiten. Anschliessend wird es jedoch ziemlich sicher wieder talwärts gehen.

(P)-DAX® (P)

Zum Abschluss noch ein kurzer Blick auf die verflossenen 12 Jahre DAX®- und - Entwicklung. Langfristanleger, die nach 1998 eingestiegen sind, hätten besser Anleihen gekauft.


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