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Hin und Her macht Taschen leer

02.04.2007: DAX®-Bewertungen

Bewertung zum 30.03.2007

Fohe Ostern

Nach 4 erfolgreichen Jahren steigt der DAX® auch im 5. Jahr in Folge. Seit Ende 2006 legte unser Blue Chip Index um 320,11 Punkte zu (+4,85 %). Auf das gesamte Jahr hochgerechnet würde er am Jahresende den Pegel von 8000 Zählern kitzeln. Seit Anfang des Jahres stieg der Pessimismus täglich an und er entlud sich Ende Februar in einer Korrektur. Von seinem Jahreshoch mit 7027,59 Punkten stürzte der DAX auf 6.447,70 Punkte ab. Dieser Absturz war harmlos, wenn man bedenkt wie viele die Korrektur förmlich herbei sehnten. Unser Index erholte sich unheimlich schnell und hat zwischenzeitlich das alte Jahreshoch im Visier. Allerdings sind sowohl die politischen wie auch die wirtschaftlichen Zeiten unruhiger geworden. Eine Wette, dass es im alten Aufstiegstempo weiter geht, sollte man deshalb nicht abschließen. Die Stimmung ist weiterhin trüb. Der DAX® hat sich in diesem Quartal weiter verbilligt und wir erwarten eine außergewöhlich reiche Erntesaison (Dividenden) und gute Quartalsberichte. Er hätte, aus fundamentaler Sicht, Luft nach oben. Die Börsen in den USA dürfen allerdings nicht einbrechen.

Ausgangsdaten

Basis sind die Xetra®- Schlusskurse vom 30.03.2007. Die Kurse und das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die berechnet wird, das aktuelle (Basis: Ende März 2007) der Aktien und die sind aus der Süddeutschen Zeitung (Schätzungen IBES - Quelle Thomson Financial/Datastream). Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe ). D.h. eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch der so genannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®. Weitere Regeländerungen gab es zum Oktober 2006. Seitdem muss der Firmensitz nicht mehr in Deutschland sein und das Gewicht wird bei 10% gekappt.

CodeNameISINKursDividendeKGVGewicht
1ADSADIDAS-SALOMONDE000500340440,930,3315,001,15 %
2ALVALLIANZ DE0008404005153,712,009,009,18 %
3ALT ALTANA DE000760080148,621,1013,000,47 %
4BASBASF DE000515100584,282,0012,005,84 %
5BMWBAY.MOTOREN WERKEDE000519000344,170,6411,001,96 %
6BAYBAYER DE000575200047,840,9518,005,05 %
7CBKCOMMERZBANKDE000803200433,120,5013,002,75 %
8CONCONTINENTALDE000543900496,761,0013,001,96 %
9DCXDAIMLERCHRYSLERDE000710000061,401,5018,008,11 %
10DBKDEUTSCHE BANKDE0005140008100,842,509,006,95 %
11DB1DEUTSCHE BOERSEDE0005810055171,502,1023,002,42 %
12DPWDEUTSCHE POSTDE000555200422,660,7012,002,62 %
13DPBDEUTSCHE POSTBANKDE000800100965,271,2515,000,74 %
14DTEDT.TELEKOMDE000555750812,380,7215,004,77 %
15EOAE.ON DE0007614406101,782,75+4,2514,009,73 %
16FMEFRESEN.MED.CAREDE0005785802108,921,2316,000,93 %
17HEN3HENKELDE0006048432110,671,3617,000,91 %
18HRXHYPO REAL ESTATEDE000802770747,741,0012,000,88 %
19IFXINFINEON TECH.DE000623100411,650,0030,001,20 %
20LINLINDE DE000648300180,651,4019,001,31 %
21LHALUFTHANSA DE000823212520,330,5013,001,29 %
22MANMAN DE000593700787,101,3515,001,19 %
23MEOMETRO DE000725750353,011,0218,001,18 %
24MUV2MUENCH.RUECKVERS.DE0008430026126,613,109,004,02 %
25RWERWE DE000703712979,191,7514,005,09 %
26SAPSAP DE000716460033,370,3620,004,09 %
27SIESIEMENS DE000723610180,021,4515,009,35 %
28TKATHYSSENKRUPPDE000750000137,041,0010,001,97 %
29TUI1TUI DE000TUAG00018,510,7729,000,58 %
30VOWVOLKSWAGEN DE0007664005112,501,1519,002,34 %
E.ON leistete neben der Dividendenzahlung auch noch eine Sonderzahlung

Im ersten Quartal 2007 wurde der DAX® nicht umgestellt. Wir werden im Laufe des Jahres mindestens eine Umstellung erleben. Die ALTANA AG hat die ALTANA Pharma AG und damit das gesamte Pharmageschäfts an die dänische Nycomed zum 31.12.2006 veräußert. Der vorläufige Veräußerungserlös beträgt ca. 4,6 Mrd. €uro. Der Veräußerungserlös wird als Sonderdividende in der Höhe von ca. 32 €uro ausgeschüttet werden (Kurs aktuell: 48,62 €uro). Die ALTANA AG wird sich zukünftig auf das Spezialchemiegeschäft konzentrieren. Nach der Dividendenausschüttung im Mai 2007 ist ALTANA hinsichtlich der Marktkapitalisierung ein MDAX-Kandidat. Aufgrund der so genannten "Fast Exit" Regel könnte über einen Titelaustausch und damit ein Ausscheiden von ALTANA aus dem DAX bereits Mitte Juni entschieden werden. Der nächste ordentliche Anpassungstermin ist im September 2007. Da sich die Auszahlung der Sonderdividende auf Mai verschob fiel der ursprünglich angedachte "Fast Exit" zu Ende März aus.

Umlaufrendite, €/US-$ und Rohölpreis

Entwicklung der Umlaufrendite in 2007

Für Zinsanleger bleibt die Luft dünn. Auch für dieses Jahr rechnen Analysten mit steigenden Renditen und folglich mit fallenden Kursen. Die prognostisierte Entwicklung hat auch eingesetzt und wurde nur durch die Korrektur an den Aktienmärkten Ende Februar unterbrochen. Dieses Jahr könnte eine teilweise Auflösung des Yen Carry Trade die Umlaufrendite zusätzlich stärken.
 
Seit unserer letzten Bewertung Ende 2006 gab es eine weitere Zinserhöhung durch die EZB. Seit dem 14. März, nach mittlerweile sieben Zinserhöhungen in Folge, beträgt der Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des Eurosystems 3,75 % (für Spitzenrefinanzierungsfazilität 4,75 % und für die die Einlagefazilität 2,75 %). Mit eine weiteren Erhöhung um 25 Basispunkte ist im Sommer zu rechnen. In den USA gab es zwischenzeitlich keine weiteren Erhöhungen. Nach der 17. Erhöhung des Leitzinses Ende Juni 2006 in Folge auf 5,25%, scheint in den USA der Gipfel erreicht zu sein. Seitdem hat das Federal Open Market Committee (FOMC) der US-Notenbank den kurzfristigen Leitzinssatz erwartungsgemäß bei 5,25% belassen. Die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen durch die FED in den USA kann baer45 nicht teilen. Die Kerninflation ist mit 2,7 % zu hoch und der Inflationsdruck hält an. Sollte der Rohölpreis weiter auf dem heutigen hohen Niveau verharren oder eventuell noch ansteigen, wird eine Zinssenkung für diesen Sommer unwahrscheinlich. Für den April und Mai rechnet er auf jeden Fall mit einem gleich bleibenden Zins in den USA. Die Tagesgelder haben noch nicht voll auf die letzte Zinserhöhung der EZB reagiert. Die Spitzensätze liegen aktuell bei 2,7 bis 3,6 %. Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihre Tagesgelder zur Konkurrenz! Die Rendite bei Bundesschatzbriefen ist beim Typ A (6 Jahre) angestiegen und beim Typ B (7 Jahre) gesunken. Sie rentieren momentan mit 3,74 respektive 3,79 %. Die Zinskurve bleibt flach. Man sollte deshalb sein Geld höchstens für einen Zeitraum von 1 bis 2 Jahre anlegen. Staatsanleihen liefern für diesen Zeitraum ca. 4 %. Wenn die Aktienmärkte nicht weg brechen werden die kurzfristigen Zinsen weiter anziehen.

Umlaufrenditen und €/US-$
Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung bezüglich Umlaufrendite (Anleihen, Obligationen sowie Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag.
 
Datum Insgesamt 3-5 Jahre 5-8 Jahre 8-15 Jahre 15-30 Jahre 1 € in US-$
30.03.07 4,08 % 4,01 % 4,02 % 4,03 % 4,24 % 1,336
29.12.06 3,96 % 3,91 % 3,93 % 3,94 % 4,09 % 1,320
22.09.06 3,69 % 3,58 % 3,63 % 3,68 % 3,92 % 1,278
23.06.06 3,97 % 3,73 % 3,90 % 4,01 % 4,34 % 1,251
30.12.05 3,22 % 3,00 % 3,14 % 3,25 % 3,57 % 1,183
23.09.05 2,88 % 2,44 % 2,74 % 2,97 % 3,50 % 1,208
23.03.05 3,49 % 3,00 % 3,39 % 3,66 % 4,16 % 1,298
29.12.04 3,41 % 2,88 % 3,27 % 3,57 % 4,22 % 1,359
23.09.04 3,70 % 3,10 % 3,56 % 3,89 % 4,55 % 1,226
26.05.04 3,97 % 3,29 % 3,83 % 4,25 % 4,95 % 1,211
29.12.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,248
25.09.03 3,77 % 3,08 % 3,62 % 4,00 % 4,64 % 1,149
12.06.03 3,27 % 2,47 % 2,98 % 3,48 % 4,48 % 1,177
10.04.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,077
27.12.02 3,93 % 3,26 % 3,78 % 4,17 % 4,86 % 1,041
27.09.02 4,12 % 3,57 % 4,00 % 4,30 % 4,92 % 0,980
26.07.02 4,52 % 4,07 % 4,48 % 4,70 % 5,16 % 0,985
26.06.02 4,73 % 4,34 % 4,65 % 4,87 % 5,21 % 0.980
25.01.02 4,74 % 4,37 % 4,71 % 4,90 % 5,27 % 0,865

In den USA kriegt man momentan für Tagesgelder 5,31%. US-Staatsanleihen (Treasury Note) rentieren bei 5 Jahren mit 4,54%, bei 10 Jahren mit 4,65% und bei 30 Jahren mit 4,85%. Das Zinsniveau dort unterscheidet sich immer noch deutlich zum Zinsniveau im €uroraum. Eine ganz andere Welt ist Japan. Für kurzfristige Geldanlagen gibt es 0,7 % und für 10-jährige Staatsanleihen 1,62 %.

Etwicklung des Verhältnisses €/US-$ in 2007

Nach einem kurzen Einbruch im Januar strebt der €uro wieder nach Norden. Jedes noch so geringe Anzeichen einer Abschwächung der US-Konjunktur führt zu einem Ausbruchversuch. Momentan spekulieren viele Marktteilnehmer für Juni mit einer Zinsanhebung der EZB und einer Zinssenkung durch die Fed. Der Zinsabstand zwischen €uro und US-$ würde sich dann um weitere wahrscheinlich 50 Basispunkte verringern und den €uro weiter nach Norden treiben. Beide Zinsveränderungen sind allerdings nicht garantiert. In den USA ist der Inflationsdruck im Gegensatz zu Europa sehr groß. Beide Zinsveränderungen könnten also ausfallen. Nur ein starker Einbruch der Konjunktur in den USA würde die Fed trotzdem zu einer Zinssenkung zwingen. Allerdings würde damit auch wieder die Immobilienblase in den USA gefüttert. Wahrscheinlich laufen die nächsten Monate die europäischen Aktien weiterhin besser als die US-Amerikanischen. Auch das wird den US-$ nicht stützen. Auf längere Sicht wird der US-$ weiter abwerten. Nur so kann man die nachhaltigen US-Handels- und Leistungsbilanzdefizite in den Griff zu kriegen. Hoffentlich geht die Abwertung in kleinen Schritten vor sich. Ansonsten wäre mit einem größeren Trubel in den Finanzsystemen zu rechnen. Auf jeden Fall ist ein Urlaub in den USA fast schon ein Zwang. Bezüglich Aktien muss man festhalten, dass die einheimischen Papiere immer noch günstiger als die US-amerikanischen Aktien bewertet sind. Das könnte bedeuten, dass der Spruch "Bleibe im Land und ernähre dich redlich" auch in diesem Jahr seine Gültigkeit behält.

Entwicklung des Rohölpreises in 2007

Der sehr schwache Winter im Dezember in den wichtigsten Industrienationen sorgte für einen Verfall der Rohölpreise bis Mitte Januar. Dann setzte in Nordamerika eine große Kältewelle ein und verteuerte den Ölpreis. Mit dem Ende der Kältewelle begann wieder der Verfall der Preise und wäre wahrscheinlich weiter gegangen. Als erste zündelte dann Russland mit seinen Raketenlieferungen an den Iran und der mentalen Unterstützung des dortigen Regimes. Der Iran fühlte sich damit mutiger und provozierte am Tage der UN-Beschlüsse über die Sanktionen mit der Gefangennahme der britischen Grenzkontrollen im Irak. Beide Länder sind große Ölexporteure. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Dadurch ist der Irankonflikt wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten und treibt den Rohölpreis. Viele fürchten, dass es noch in diesem Jahr zu einem heißen Konflikt kommen könnte. baer45 glaubt nicht daran. Zuerst versucht die Weltgemeinschaft den Iran mit Sanktionen auf Linie zu bringen, dann findet der amerikanische Präsidentenwahlkampf statt und dann braucht der neue Präsident/-in eine gewisse Einarbeitungszeit. Nur wenn der Iran noch größere Provokationen vom Stapel lässt (z. B. die Sperrung der Straße von Hormuz), ist ein frühzeitigerer Konflikt denkbar. Sollte der Iran wieder aus dem Fokus geraten und die Weltkonjunktur kühlt, wie erwartet, in den nächsten 6 Monaten leicht ab, ist mit sinkenden Preisen zu rechnen. Ein sinkender Rohölpreis bedeutet leicht sinkende Zinsen in den USA. Ein steigender Ölpreis wird den Inflationsdruck weltweit erhöhen und die wirtschaftliche Entwicklung abschwächen.

DAX®-Ergebnis

Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der Januarbewertung 2002. Kein Unternehmen schreibt Verluste und deshalb sind KGV(1) und KGV(2) identisch. Alle Berechnungen berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.

DatumDAX®-StandDividenden-
rendite
KGV(f)KGV(1)KGV(2)
30.03.076917,032,64 %15,413,313,3
29.12.066596,922,72 %15,414,814,7
22.09.065883,323,03 %15,413,213,0
23.06.065529,743,28 %15,412,512,4
30.12.055408,262,13 %15,412,912,9
23.09.054882,582,31 %15,413,713,6
23.03.054317,201,91 %15,413,313,3
29.12.044247,751,89 %15,413,113,1
23.09.043905,662,06 %15,414,914,9
26.05.043867,522,12 %15,415,315,3
29.12.033952,722,02 %15,416,116,1
25.09.033326,272,40 %15,418,715,9
12.06.033219,472,45 %15,416,814,8
10.04.032697,103,24 %15,413,411,7
27.12.022840,002,93 %15,410,99,8
27.09.022918,902,87 %15,412,911,8
26.07.023579,002,37 %15,415,614,1
26.06.024099,052,07 %15,417,116,2
25.01.025156,332,02 %15,421,819,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den

In den letzten 12 Monaten hatten wir einen Dividendenausfall bei INFINEON TECH. (Anteil am DAX®: 1,20%) zu beklagen. Sonst gab es fast durchgängig kräftige Dividendenerhöhungen und sogar eine Sonderzahlung durch E.ON (sie wird bei der Berechnung Index-Dividendenrendite berücksichtigt und fällt bei der Kandidatenaufstellung für Dividendenstrategien unter den Tisch). Die Sonderzahlung übertraf die Dividende deutlich. Die Sanierungsarbeiten in den Firmen und die gute Weltkonjunktur tragen Früchte. Die Gewinne sind zweistellig gewachsen. Die weiteren Kurssteigerungen haben die Dividendenrendite etwas reduziert. Sie bietet immer noch weit mehr als viele Banken für die kurzfristige Geldanlage bereit sind zu zahlen. Sie sollte auf keinen Fall ignoriert werden. Für die bevorstehende Erntesaison haben schon einige Firmen Dividendenerhöhungen angekündigt. THYSSENKRUPP und SIEMENS haben im Januar schon höhere Dividenden gezahlt. TUI hat angekündigt keine Dividende zahlen zu wollen.

Trotz weiteren Kurssteigerungen hat sich die Bewertung des DAX® verbessert. Er ist vom Bereich der fairen Bewertung in den Bereich der etwas preiswerteren Bewertung eingetreten. Berücksichtigt man mögliche Effekte der Rechnungslegung nach IAS/IFRS gegenüber der früheren HGB-Methode, bleibt der DAX® trotzdem äußerst fair bewertet. Ein weiterer Kursanstieg ist aus fundamentaler Sicht erlaubt. Sollten die Zinsen auf dem heutigen niedrigen Niveau verharren, ist der DAX® immer noch bezahlbar. Er ist immer noch wesentlich günstiger bewertet als der S&P500. Die sauber bilanzierten Gewinne seiner Teilnehmer sind immer noch höher als die Proformaergebnisse der Teilnehmer bei seinem amerikanischen Konkurrenten. Trotzdem werden diese den weiteren Weg vorgeben. Ein Kurseinbruch in den USA würde auch den DAX® nach Süden treiben. Ein seitwärts gerichteter Kursverlauf in den USA wird in Europa zu Kurssteigerungen führen.

Der Currency Carry Trade

Als Currency Carry Trade (auch CCT) bezeichnet man eine Anlagestrategie auf dem Devisenmarkt. Dabei nimmt der Investor in einer Währung mit vergleichsweise niedrigen Zinsen einen Kredit auf. Das so aufgenommene Geld investiert er gleichzeitig in einer Währung mit vergleichsweise hohen Zinsen.
 
Die Rendite der Currency Carry Trades setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: zum einen die Differenz zwischen Haben- und Sollzins, zum anderen der Ertrag aus der Wechselkursentwicklung. Während Zinsschwankungen über festverzinsliche Geschäfte eliminiert werden können, erlauben Terminmarktgeschäfte einen Wegfall des Wechselkursrisikos. Die Sicherungsgeschäfte können bei manchen Konstellationen die potentielle Rendite ganz auffressen und werden dann nicht getätigt. In derartigen Konstellationen muss man im Falle des Falles schnell raus.

Relevanz von Currency Carry Trades

Gemäß der Zinsparitätentheorie dürften sich derartige Anlageformen aufgrund der einsetzenden Arbitrage nicht rechnen. Entgegen der von der Theorie vorhergesagten fehlenden Rentierlichkeit haben sich Currency Carry Trades in den letzten Jahren jedoch als hochprofitabel erwiesen. Die Deutsche Bundesbank hat in einer Studie theoretisch in der Spitze eine Jahresrendite von 71 Prozent errechnet - zeitweilig berechnete sie aber auch jährliche Verluste von bis zu 20 Prozent. Im Durchschnitt hätte man mit Currency Carry Trades jedoch eine jährliche Rendite von 15 Prozent erwirtschaften können.

Yen Carry Trade
Der Yen Carry Trade

Die japanische Notenbank versuchte seit Beginn der Neunziger-Jahre, mit nahezu auf Null reduzierten Langfristzinsen die Wirtschaft mit so viel Liquidität zu versorgen, dass die stark deflatorischen Tendenzen kompensiert werden konnten. Sicherlich fragte sich mancher der japanischen Notenbankiers, warum dieses bis dahin so untrügliche Konzept in Japan keine Früchte trug? Heute wissen wir, der Yen Carry Trade war hauptsächlich daran schuld. Warum? Durch die Internationalisierung der Finanzmärkte nahmen mehr und mehr Schuldner billige Kredite in Yen auf. In Deutschland wurden damit z. B. Immobilien finanziert. In Europa und den USA wurden und werden höherverzinsliche Renten und Aktien gekauft. In Südkorea wurde eine riesige Immobilienblase erzeugt. Nur ein relativ geringer Teil dieser umfangreichen Kredite floss in die japanische Wirtschaft zu dem eigentlichen Zwecke der Industriestimulation.
 
Nun hat die japanische Notenbank die Zinsen angehoben und die Notenbanken der Industriestaaten wollen gegensteuern. Es geht die Furcht um, die potentielle Auflösung des Yen Carry Trade könnte zu ruckartig vor sich gehen und die Finanzmärkte gefährden. Die Auflösung würde zu einer Stärkung der japanischen Währung führen und damit weitere Auflösungen erzwingen. Die Kreditaufnahmen hatte zu einer in Japan gern gesehen Schwächung des Yen geführt.
 
Eine Auflösung dieser Geschäfte (CCT) würde sicherlich die Aktienkurse drücken und die Zinsen an den Rentenmärkten nach oben treiben. Japan würde an Exportstärke verlieren. Die sinkenden Renten- und Aktienkurse würden den Ausstieg noch beschleunigen. Die Letzten würden die Hunde beißen - respektive pleite gehen. Als Beispiel mag der Zeitraum von 1989 bis 1991 dienen, als die japanische Notenbank aufgrund der Überhitzung in den Immobilien- und Aktienmärkten den Leitzins vom 4 auf über 8 Prozent verdoppelte. Der Yen Carry Trade wurde daraufhin pulverisiert. Nicht zufälligerweise kam es zu einer Bankenkrise in den USA und zu einer Rezession in 1990/91.
 
Das andere Risiko des CCT ist die Entwicklung der Währungsrelationen. Verliert die Währung, in der man den Kredit investiert hat an Wert, kann man gezwungen werden den CCT aufzulösen. Hier gibt es ein Beispiel, das wirklich ernst ist. In Südkorea hat sich die letzten Jahre eine riesige Immobilienblase, finanziert durch billige Yen-Kredite, ausgebildet. Diese Yen's sind dann weiter in Privathände geflossen. Der Won schwächelt inzwischen stark gegenüber dem Yen. Hier besteht eine realistische Gefahr (Wahrscheinlichkeit 30 %), dass der Yen Carry Trade noch in diesem Jahr zusammenbrechen könnte und in Südkorea eine Finanzkrise auslösen würde.

Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht geniessen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameDividendenrendite
1DTEDT.TELEKOM5,82 %
2TUI1TUI 4,16 %
3DPWDEUTSCHE POST3,09 %
4TKATHYSSENKRUPP2,70 %
5EOAE.ON 2,70 %
6DBKDEUTSCHE BANK2,48 %
7LHALUFTHANSA 2,46 %
8MUV2MUENCH.RUECKVERS.2,45 %
9DCXDAIMLERCHRYSLER2,44 %
10BASBASF 2,37 %

Die Bewerber:

RangCodeNameDividendenrendite
11ALT ALTANA 2,26 %
12RWERWE 2,21 %
13HRXHYPO REAL ESTATE2,09 %
14BAYBAYER 1,99 %
15MEOMETRO 1,92 %

Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie, können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12. "Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.

Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameKurs
1DTEDT.TELEKOM12,38
2TUI1TUI 18,51
3LHALUFTHANSA 20,33
4DPWDEUTSCHE POST22,66
5TKATHYSSENKRUPP37,04

Die Bewerber:

RangCodeNameKurs
6DCXDAIMLERCHRYSLER61,40
7BASBASF 84,28
8DBKDEUTSCHE BANK100,84

Rangfolge nach Gewicht

RangCodeNameGewicht
1EOAE.ON 9,73 %
2SIESIEMENS 9,35 %
3ALVALLIANZ 9,18 %
4DCXDAIMLERCHRYSLER8,11 %
5DBKDEUTSCHE BANK6,95 %
6BASBASF 5,84 %
7RWERWE 5,09 %
8BAYBAYER 5,05 %
9DTEDT.TELEKOM4,77 %
10SAPSAP 4,09 %

Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute im DAX® ein Gewicht von 68,166%. Ihr Anteil hat, seit unserer Bewertung Ende 2007, leicht abgenommen. Im gleichen Zeitraum hat das Gewicht der Technologie (DT.TELEKOM + INFINEON TECH. + SAP + SIEMENS = 19,41%) weiter abgenommen. Die MÜNCHNER RÜCK hätte fast zurück in die Titanenliste gefunden. SAP hätte etwas mehr schwächeln müssen. Die MÜNCHNER RÜCK gehört immer noch zu den "billigen" DAX®-Teilnehmer so wie auch viele andere Versicherungs-/Finanzwerte. Die Anleger mistrauen momentan allen Versicherungen und international tätigen Finanzkonzernen (Immobilienkrise, Kredite an Hedge Fonds und Private Equity, CCT). Ein KGV auf weiter exotisch hohem Niveau (>= 20) hat nur die SAP und die DEUTSCHE BÖRSE. Man sieht daran, dass die Spekulanten sich mental noch nicht vollständig von der alten Technologie-Blase verabschiedet haben. Eigentlich sind die Fusionsspekulationen zur DEUTSCHE BÖRSE geplatzt. Aber die Spekulanten scheinen noch zu hoffen.

Kurzer Blick auf den Chart

3 Monate DAX®

Wir stoßen in höhere Regionen vor und damit wird der Markt wackeliger. Eine größere Korrektur im Mai 2006 wurde vorzüglich verdaut. Für dieses Jahr erwartete die Spekulantenfamilie eine vergleichbare Korrektur oder gar noch Schlimmeres. War die Korrektur, die Ende Februar einsetzte und bis heute praktisch verdaut ist, das befürchtete respektive herbei gesehnte Ereignis? Trotz oder gerade wegen der trüben Stimmung erwiesen sich die Märkte als sehr stabil. Laut CONGNITREND vom 28. März spiegelt sich die momentane Stimmung in einem Anteil von 38 % Bullisch, 37 % Bärisch und 25 % Neutral. Eine Stimmungslage, die auch weiter für steigende Kurse sorgen müsste.
 
In der bevorstehenden Berichtsaison werden die DAX®-Unternehmen gute Ergebnisse vorlegen und ihre Bewertung damit nochmals verbessern. Der Konsens unter den Volkswirten erwartet, dass der aktuelle Konjunkturzyklus noch ca. 2 bis 3 Jahre andauert. Die Gewinne der Unternehmen werden allerdings nicht mehr zweistellig steigen. Im weiteren Jahresverlauf wird mit einer Abkühlung gerechnet. Am Jahresende soll die Konjunktur dann wieder anziehen. Allerdings gibt es Risiken, die zu einer wesentlich stärkeren Abkühlung führen könnten. Sollten die Gewinne sinken, werden sich die Bewertungen rapide verschlechtern. Zu diesen Risiken zählen, neben unseren üblichen Kandidaten im internationalen Finanzsystem, der Yen Carry Trade, die US-Immobilienkrise und die Rohölpreisentwicklung. Letztere wird wahrscheinlich maßgeblicher sein und stark von der Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten abhängen.
 
An der Börse wird allerdings nicht die zurückliegende oder aktuelle sondern die zukünftige Situation bewertet. Je höher die Kurse steigen umso misstrauischer wird die Spekulantenwelt und sie fängt an negative Nachrichten stärker in den Fokus zu stellen. So werden wir sicherlich laufend übertriebene Aussagen bezüglich des Yen Carry Trade und der US-Immobilienkrise lesen. Treten in einer derartigen Stimmungslage etwas bösartigere Ereignisse wie Ende Februar auf, kann dies einen massiven Absturz auslösen. Man sollte deshalb die eigene Ausstiegsstrategie überprüfen respektive in Erinnerung rufen und die Pferdchen weiter laufen lassen. Es ist noch ein erklecklicher Gewinn möglich aber nicht sicher.
 
Soll man jetzt noch einsteigen? Der DAX® ist äußerst fair bewertet. Das US-amerikanische Vorbild S&P500 ist teurer, allerdings unter dem amerikanischen Blickwinkel noch im oberen Bereich der "fairen" Bewertung. In der Praxis enteilen die Kurse immer wieder der fairen Bewertung. Mal nach Norden, mal nach Süden. Kaufen tut man Aktien im Regelfall wenn sie "billig" sind oder besondere Chancen lauern. Billig sind die Aktien allerdings heute nicht mehr und das Verhältnis Chance/Risiko wird täglich schlechter. Einer der bis heute nicht eingestiegen war und jetzt unbedingt einsteigen will wäre ein typischer Indikator für eine "Milchmädchenhausse". Weil er den Einstieg total verpennt hatte, wird er die Ausgangstür zum gegebenen Zeitpunkt nicht finden. Da ist sicherlich die Frage erlaubt, ob er nicht besser auf den nächsten größeren Kurseinbruch warten soll. Er kommt so sicher wie das "Amen" in der Kirche.
 

baer45 wünscht allen Lesern "Frohe Ostern" und viel Glück  

© DIE ZEIT, 22.03.2007 Nr. 13

Das Amerika-Syndrom

In den USA platzt die Immobilienblase. Schlägt die Krise auf die deutsche Konjunktur durch?
Von Heike Buchter und Robert von Heusinger

Wenn sich dieser Tage Banker in Frankfurt, London, Tokyo, Hongkong oder New York treffen, stellen sie immer dieselbe Frage: "Wo liegt das Zeug?" Mit dem "Zeug" sind amerikanische Hypothekenkredite minderer Qualität gemeint, subprime genannt. Immer mehr einkommensschwache amerikanische Hausbesitzer, die in Deutschland wohl nie einen Baukredit bekommen hätten, müssen neuerdings den Offenbarungseid leisten. Auf dem ganzen Globus grassiert seither die Angst bei den Finanzmanagern. Denn die Kredite wurden gebündelt und als komplexe Wertpapiere von Investmentbanken in alle Welt verkauft. Das Volumen ist enorm. Es wird auf mindestens 700 Milliarden Dollar geschätzt.
 
Eine Frage lautet: Wer hat diese Wertpapiere gekauft? "Vor allem Asiaten und Europäer", mutmaßt Jan Hatzius. Das erzähle man sich zumindest in New York, dem Zentrum der Verpackungskünstler von Hypothekenkrediten, sagt der Chefvolkswirt für Amerika von Goldman Sachs.
 
Die Anschlussfrage lautet: Klappen demnächst deutsche Volksbanken und Sparkassen zusammen, die diese Papiere gekauft haben und ihren möglichen Wertverlust nicht verkraften? Müssen Lebensversicherer um Hilfe rufen, weil sie die Altersvorsorge der Deutschen in dieses "Zeug" investiert haben? Oder liegen die faulen Kredite bei unregulierten Hedgefonds, die sich bei den Wertpapierhändlern von der Wall Street auf Pump damit eingedeckt haben und jetzt ihre Schulden nicht mehr bedienen können? Droht damit eine weltweite Kapitalmarktkrise?
 
Das ist das globale Rätsel. Niemand weiß die Antwort. Ein solcher Kredit kann durchaus im Portfolio - zum Beispiel - einer deutschen Lebensversicherung landen. Er nimmt dafür einen langen, aber für Bankiers alltäglichen Weg. Investmentbanken wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank kaufen regionalen amerikanischen Kreditinstituten zunächst die Hypotheken ab, fassen sie zu Paketen zusammen und begeben dann Wertpapiere wie Anleihen oder Zertifikate darauf. Üblicherweise sind das sogenannte Mortgage Backed Securities (MBS). Aus diesen werden in einem weiteren Schritt Fonds zusammengestellt, Collateralized Debt Obligations (CDOs). Dann kommen die Ratingagenturen ins Spiel, die bewerten, wie sicher eine Investition in diese CDOs ist - und mit diesem Siegel verkaufen die Investmentbanken sie schließlich an Investoren wie Lebensversicherer.
 
Der subprime-Bereich war dabei lange Zeit besonders beliebt, weil er hohe Zinsen bot. Angesichts der steigenden Kreditausfälle stellt sich im Augenblick die Frage, ob die Bewertungen der Ratingagenturen gerechtfertigt waren. Sie basierten nämlich auf historischen Ausfallwahrscheinlichkeiten - also der Erfahrung, wie häufig in der Vergangenheit bestimmte Immobilienkredite nicht mehr bedient wurden. Die sind in der aktuellen Krise nicht sehr aussagekräftig.
 
Haus zu verkaufen Die Agentur Standard&Poor's hat denn auch schon im Februar angekündigt, möglicherweise die Kreditbewertung von MBS-Anleihen, die im vergangenen Jahr ausgegeben wurden, als riskanter zu bewerten als zuvor. Und viele Brancheninsider warnen die Anleger schon ganz offen. "Ich glaube nicht, dass Investoren in Asien und Europa verstehen, wie schwerwiegend das Risiko ist", sagt Josh Rosner, Berater beim Researchhaus Graham Fisher & Co.
 
1994 lag das Volumen der besonders riskanten subprime-Kredite am US-Immobilienmarkt noch bei 35 Milliarden Dollar - Ende 2005 waren es fast zwanzigmal so viel, schätzt die amerikanische Verbraucherorganisation Center for Responsible Lending.
 
Ein Viertel aller Hypotheken wurde zuletzt an Schuldner mit schwacher Bonität vergeben. Anfangs sah das wie die Erfüllung des amerikanischen Traums aus: Auch Bürger mit niedrigem Einkommen und ohne Sparguthaben konnten sich nun dank der großzügigen Kredite ein eigenes Heim leisten. Der Anteil der Hausbesitzer in den USA stieg in den vergangenen zehn Jahren von 65 auf 69 Prozent. Jetzt aber wächst die Sorge, dass aus dem Traum ein Albtraum wird.
 
"Sollte sich herausstellen, dass wir die steigenden Immobilienpreise der vergangenen Jahre vor allem der künstlich angeheizten Nachfrage durch schwächere Kreditnehmer verdanken, sehe ich Probleme auf uns zukommen", sagt John Lonski, Volkswirt bei der Ratingagentur Moody's. Viele der frischgebackenen Hausbesitzer können angesichts steigender Zinsen schon jetzt ihre Raten nicht mehr bedienen und müssen verkaufen. Das Researchhaus First American CoreLogic rechnet für die kommenden sechs Jahre mit 1,1 Millionen Zwangsversteigerungen.
 
Ein gewaltiges Problem für die amerikanische Volkswirtschaft ohne Zweifel - doch wie gerechtfertigt sind die Sorgen, die nun am internationalen Finanzmarkt aufgekommen sind? Wann drohen Folgen für Euroland oder Asien?
 
Die Antwort darauf lässt sich zumindest eingrenzen: Solche weltweiten Folgen können nur dann eintreten, wenn es wirklich zu einem Zusammenbruch von Banken oder anderen Finanzinstituten kommt - dessen Wahrscheinlichkeit freilich im Augenblick kaum abzuschätzen ist. Alle anderen Ansteckungsgefahren sind zum Glück äußerst gering. Die Weltkonjunktur ist robust, die Unternehmen sind in guter Verfassung. "Erschreckend stabil", sagt sogar David Milleker, der Chefvolkswirt von Union Invest.
 
So dürfte subprime die Konjunktur der USA zwar schwächen, der Rest der Welt davon aber auf dem Wege der Realwirtschaft kaum in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Kreditausfälle und die erwarteten Zwangsversteigerungen verschärfen zunächst die Lage am amerikanischen Immobilienmarkt, der seit 2006 schwächelt. Selbst in einstigen Boom-Gebieten bleibt ein "Zu verkaufen"-Schild nicht selten monatelang stehen. Bis Ende 2007 würden die Immobilienpreise um bis zu zehn Prozent fallen, fürchtet David Rosenberg, Nordamerika-Volkswirt bei der Investmentbank Merrill Lynch.
 
Für die US-Volkswirtschaft bedeutet das ein halbes Prozent weniger Wachstum, und das wiederum beeinträchtigt über den Handel das Wachstum im Rest der Welt. Wenn die amerikanischen Verbraucher wegen höherer Zinszahlungen und fallender Immobilienpreise weniger konsumieren und mehr sparen, dann können deutsche und europäische Firmen weniger Produkte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten absetzen. Unter Ökonomen gilt die Faustformel: Ein Wachstumsverlust von einem Prozentpunkt in Amerika bedeutet 0,4 Prozentpunkte weniger Wachstum in Deutschland, so Carsten Patrick Meier, Konjunkturexperte am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Normalerweise.
 
Allerdings sind die Zeiten nicht normal. Seit 2005 hat sich hierzulande die Stimmung der Unternehmen kräftig gebessert, in Amerika dagegen geht sie seit 18 Monaten nach unten. Weil in Asien und Euroland die Konjunktur zunehmend von der Inlandsnachfrage getragen wird, ist die Welt nicht mehr so abhängig von der Entwicklung in Amerika. Die Firmen Eurolands führen inzwischen 17 Prozent ihrer Exportgüter nach Asien (ohne Japan) aus, viel mehr als nach Amerika. Auch andere Absatzregionen Eurolands - Osteuropa, der Mittlere Osten, England und Skandinavien - wachsen. Außerdem handelt es sich bei der Korrektur auf dem amerikanischen Wohnimmobilienmarkt vor allem um ein lokales Problem. "Kaum ein anderer Sektor hat so geringe Außenhandelsbeziehungen wie der Bausektor", sagt Meier. Deshalb dürfte ein Wachstumseinbruch von einem Prozent in Amerika diesmal nur 0,1 bis 0,2 Prozent vom deutschen Wachstum abziehen.
 
Nichts Ernstes also, falls es nicht zum Schlimmsten kommt und die amerikanische Konjunktur in eine regelrechte Rezession schlittert. Noch allerdings wird das Risiko einer Rezession an den Finanzmärkten nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent taxiert, und die Federal Reserve könnte dann immer noch mit raschen Zinssenkungen dagegenhalten. Die würden dann gleich auch die Wurzel des Übels, den Immobilienmarkt, heilen helfen. "Nirgendwo sonst hat die Geldpolitik mehr Wirkung", sagt der Goldman-Sachs-Mann Jan Hatzius.
 
Doch genug von der Realwirtschaft: Viel rascher erfolgt eine solche Ansteckung über das Bankensystem und die Finanzmärkte. Aber auch hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Es stimmt: Der Finanzsektor ist von subprime aufgewühlt. Seit Ausbruch der Hypothekenkrise im Februar ist es in Amerika schwierig geworden, an Kredite für Hauskäufe oder den Hausbau zu gelangen. Die Konditionen haben sich binnen vier Wochen drastisch verschärft und sind inzwischen so restriktiv wie zuletzt 1991, schreiben die Analysten der Investmentbank CSFB. Ein Szenario für eine Ansteckung wäre, dass diese Risikoscheu von den Hypotheken auch auf Kredite an Unternehmen überspringt und damit schließlich auch die Kreditkosten für Firmen in Amerika und im Rest der Welt verteuert.
 
Doch die Fachleute geben Entwarnung. "Danach sieht es nicht aus", sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt für Euroland bei der Deutschen Bank. Die Bilanzen der Unternehmen sehen nämlich hervorragend aus. In Amerika hat sich seit 2001 die Verschuldung der Firmen Jahr für Jahr verringert, Ähnliches gilt für die Unternehmen in Euroland. Solchen Bankkunden gibt man auch in Zukunft weiter Kredit.
 
Mit etwas Glück ist diese Krise also nur eine Episode, doch eine Gefahr bleibt: Was die Not leidenden Hypothekenkredite am Ende wirklich für die Portfolios der Banken, Lebensversicherer und Hedgefonds rund um den Globus bedeuten, ist bislang einfach nicht abzuschätzen. Es könnte sein, dass arglose Investoren das Risiko im Vertrauen auf Ratingagenturen und Investmentbanken grob unterschätzt haben. Es könnte sein, dass die modernen und hoch komplexen Finanzinstrumente wie CDOs die Risiken einzelner Finanzhäuser erheblich vergrößert haben. Vielleicht kollabieren einige darunter, und dann könnte der Kollaps eine Lawine auslösen. Mindestens wäre es ein großer Stresstest für das Weltfinanzsystem. Ausgang ungewiss.
 
 
Quelle: © DIE ZEIT, 22.03.2007 Nr. 13


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