baer45: DAX®
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30.12.2004: DAX®-Bewertungen

Bewertung zum 29.12.2004

Ein ruhiges Börsenjahr neigt sich dem Ende entgegen. Nach dem fulminanten Aufstieg in 2003 haben wir ein Jahr mit einem im langjährigen Mittel liegenden Gewinn (7,46%) und niedrigster Volatilität, wie seit 1996 nicht mehr, erlebt. Fast 12 Monate kriechten wir seitwärts dahin. Im letzten Quartal scheint dann ein gelungener Ausbruch nach Norden stattgefunden zu haben. Die Weltkonjunktur ist weiterhin intakt. Der Rohölpreis hat sich beruhigt, der € treibt immer wieder neuen Rekorden zu. Wie wird es weiter gehen? Machen wir als erstes eine Standortbestimmung.

Ausgangsdaten

Basis sind die Xetra-Schlusskurse vom 29.12.2004. Die Kurse und das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die berechnet wird, das aktuelle (Basis: Dezember 2004) der Aktien und die sind aus der Süddeutschen Zeitung (Schätzungen IBES - Quelle Thomson Financial/Datastream). Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe ). D.h. eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®. Im Jahr 2004 hat es keine Umstellung im DAX® gegeben.

Umlaufrendite

Umlaufrendite 2004

Für Tagesgelder werden selten 2,75% Zinsen gezahlt. Relativ einfach kann man 2,5% erhalten. Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihre Tagesgelder zur Konkurrenz. Bundesschatzbriefe rentieren momentan mit 3,08 bis 3,39%. Während in den USA die Zinsen zwischenzeitlich auf breiter Front nach Norden abgedreht sind, sind sie bei uns, entgegen vieler Erwartungen, auch denen von baer45, weiter gesunken. Wir stehen wieder kurz vor dem Nachkriegstief aus der ersten Hälfte 2003. Die weiter gemächlich wachsende Konjunktur im Euroraum und der zwischenzeitlich stark angestiegene Rohölpreis und die weiter stark wachsende Staatsverschuldung in den großen europäischen Ländern haben es nicht geschafft die Inflation anzuheizen und damit eine Zinswende zu erzwingen. Die Zurückhaltung der Konsumenten in Deutschland war das ganze Jahr über erheblich und hat damit zur Preisstabilität beigetragen. Angeblich hat das Verbraucherverhalten sich im Dezember gewandelt und der Konsum ist seit langer Zeit wieder angestiegen. Wir haben auf jeden Fall das Zinstal, entgegen unserer Annahme in unserer Maibewertung, noch nicht verlassen. Eventuell haben wir es noch nicht erreicht. Der Rentenmarkt bleibt überraschend stark und die Anleiheblase ist bist zum Bersten gefüllt. Das noch immer fehlende Vertrauen in den Aktienmarkt trägt zu dieser ungesunden Situation bei. Auch wenn noch nicht absehbar ist wann der Anleihemarkt drehen wird, tanzen wir auf dem Vulkan und äußerste Vorsicht ist angesagt. Mit dem Drehen des Marktes ist mit erheblichen Kursverlusten zu rechnen.

Datum Insgesamt 3-5 Jahre 5-8 Jahre 8-15 Jahre 15-30 Jahre 1 € in US-$
29.12.04 3,41 % 2,88 % 3,27 % 3,57 % 4,22 % 1,359
23.09.04 3,70 % 3,10 % 3,56 % 3,89 % 4,55 % 1,226
26.05.04 3,97 % 3,29 % 3,83 % 4,25 % 4,95 % 1,211
29.12.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,248
25.09.03 3,77 % 3,08 % 3,62 % 4,00 % 4,64 % 1,149
12.06.03 3,27 % 2,47 % 2,98 % 3,48 % 4,48 % 1,177
10.04.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,077
27.12.02 3,93 % 3,26 % 3,78 % 4,17 % 4,86 % 1,041
27.09.02 4,12 % 3,57 % 4,00 % 4,30 % 4,92 % 0,980
26.07.02 4,52 % 4,07 % 4,48 % 4,70 % 5,16 % 0,985
26.06.02 4,73 % 4,34 % 4,65 % 4,87 % 5,21 % 0.980
25.01.02 4,74 % 4,37 % 4,71 % 4,90 % 5,27 % 0,865

Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung bezüglich Umlaufrendite (Anleihen, Obligationen sowie Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag. Wie schon erwähnt, unterscheidet sich die Zinslage in den USA zwischenzeitlich erheblich von der Unserigen. So rentieren z. B. Schatzamtbriefe (US-Treasury) bei 3 Monaten mit 2,24, bei 2 Jahren mit 3,10, bei 5 Jahren mit 3,68, bei 10 Jahren mit 4,25% und bei 30 Jahren mit 5,38%.

3 Jahre US-$/Euro

Am Beginn des letzten Quartals hat sich das stabile Verhältnis zwischen € und US-$ aufgelöst und der US-$ hat seinen seit 3 Jahren andauernden Verfall wieder fortgesetzt. Wir eilen von Allzeithoch zu Allzeithoch. Zwischenzeitlich spekuliert man mit Beträgen im Bereich von 1,50 US-$ für 1 €, Größenordnungen die Mitte der Neunziger, noch zu DM-Zeiten, erreicht wurden. Fundamental ist der weitere Verfall des US-$ berechtigt. So lange das US-amerikanische Leistungsbilanzdefizit nicht erheblich sinkt, wird es mit dem Verfall weiter gehen. Voraussetzungen zur Genesung sind sinkende Konsumausgaben und steigende Auslandsinvestitionen in den USA. Bei weiter anziehenden US-Zinsen und einem weiter fallenden US-$ werden wieder mehr Europäer US-Staatsanleihen kaufen und damit zu einem Bremseffekt beitragen. Auf jeden Fall bleibt ein Urlaub in den USA empfehlenswert und aus rein währungstechnischer Sicht spricht nichts gegen den Kauf von US-Aktien. Die Überbewertung ist dort allerdings teilweise schon sehr stark.

3 Jahre Rohölpreis

Die gut laufende Weltkonjunktur, technische Förderschwierigkeiten und politisch motivierte Ängste haben den Rohölpreis in diesem Jahr, auf Basis des US-$, in neue Höhen getrieben. So kostete ein Barrel (159 Liter) zeitweise fast 53 US-$. Inzwischen hat sich der Preisauftrieb beruhigt und das Barrel kostet nur noch 40 US-$. Betrachtet man die vergangenen 3 Jahre so hat der Ölpreis auf Basis des US-$ um ca. 100% zugelegt. In der gleichen Zeit wertete der € um ca. 55% gegenüber dem US-$ auf. Die Ölpreiserhöhung hat also den €-Raum weit weniger heftig getroffen als den US-$-Raum. Gleichzeitig legten, wie bei jedem Konjunkturaufschwung, auch viele andere Rohstoffe im Preis zu. Beim Stahl kam es sogar zu veritablen Engpässen und der deutsche Koks wurde wieder konkurrenzfähig. Natürlich haben nicht alle Rohstoffe im Preis entsprechend zugelegt. So hat z. B. das im Überfluss vorhandene Gold in diesen 3 Jahren, auf Basis des US-$, auch um ca. 55% zugelegt. Aus €-Sicht liegt damit keine Preisveränderung vor. In diesem Rohstoff hat sich nur der Verfall des US-$ gespiegelt. Die gestiegenen Rohstoffpreise werden sicherlich ihre Bremsspuren in der Weltkonjunktur hinterlassen.

3 Jahre Volatilität

Der Salamicrash seit 2000 und der dann folgende Irakkrieg in 2003 hat die Zittrigen aus den Aktien getrieben. Mehrheitlich gingen sie in den Besitz der Hartgesottenen übrig. André Kostolany hat diesen Vorgang anschaulich in seinem Timing-Ei beschrieben. In Deutschland wurden fast 30% der Anleger so stark geschädigt, dass sie auch in Zukunft nicht mehr an die Börse zurückkehren werden. Inzwischen besitzt dieser Kreis keine Aktien mehr. Zusätzlich gibt es einen erklecklichen Anteil, der noch Aktien besitzt, jedoch nicht mehr bereit ist zusätzlich Geld in Aktien zu investieren. Die große Besitzergruppe ist heute die Hartgesottene. Nach der guten Erholung in 2003 sind wir dieses Jahr bis zu einem kurzen Abschmieren im Sommer seitlich gelaufen um dann eine kleine Jahresendrallye hinzulegen und den Seitwärtskanal nach Norden zu Durchbrechen. Bei der heutigen Aktionärsstruktur ist es kaum verwunderlich, dass nicht auf schlechte Nachrichten reagiert wurde und wir historisch niedrige Volatilitäten, wie seit 1996 nicht mehr, erlebt haben. Deshalb war diese Börsenjahr auch kein Zungenschlecken für die Daytrader-Gemeinde. Viele von ihnen wurden endgültig erledigt. Sie hätten ihr Geld besser im Spielcasino, in angenehmer Atmosphäre und in Gesellschaft schöner Frauen verjubelt. Die diesjährige Börsenentwicklung hatte Ähnlichkeiten mit dem US-Präsidentenwahlzyklus (Börsenrhythmen). Wenn diese Theorie diesmal zutreffen sollte wird in 2005 die Weltkonjunktur intakt bleiben und noch viele prallgefüllte Tagesgeldtaschen vom Seitenaus in die Aktienanlage wechseln und uns weiter nach Norden bringen. Allerdings ist momentan schwer fassbar, in wie weit die gestiegenen Rohstoffpreise bremsend wirken werden und welche Kapriolen noch an den Devisenmärkten geschlagen werden.

Die Zinsentwicklung hat das Tal noch nicht verlassen respektive hat die Talsohle noch nicht erreicht. Bedingt durch das extrem niedrige Niveau ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie steigen werden höher als dass sie gleich bleiben oder sinken werden.

DAX®-Ergebnis

Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der Januarbewertung 2002. Auch diesmal schreiben alle DAX®-Teilnehmer Gewinne. Alle Berechnungen berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.

DatumDAX®-StandDividenden-
rendite
KGV(f)KGV(1)KGV(2)
29.12.044247,751,89 %15,413,113,1
23.09.043905,662,06 %15,414,914,9
26.05.043867,522,12 %15,415,315,3
29.12.033952,722,02 %15,416,116,1
25.09.033326,272,40 %15,418,715,9
12.06.033219,472,45 %15,416,814,8
10.04.032697,103,24 %15,413,411,7
27.12.022840,002,93 %15,410,99,8
27.09.022918,902,87 %15,412,911,8
26.07.023579,002,37 %15,415,614,1
26.06.024099,052,07 %15,417,116,2
25.01.025156,332,02 %15,421,819,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den

Dieses Jahr hatten wir Dividendenausfälle bei Commerzbank, Deutscher Telekom, Bayerischer HypoVereinsbank, Infineon und Lufthansa (Anteil am DAX®: 15,27%) zu beklagen. Die Sanierungsarbeiten in den Firmen zeigen jedoch schon ihre Früchte. Die Gewinnsituation der DAX®-Teilnehmer hat sich erheblich gebessert. Nächstes Jahr werden fast alle, (Infineon natürlich nicht) eine Dividende zahlen (große Überraschungen ausgenommen). Die Dividendenrendite hat sich wegen der Gewichtverschiebung weg von den guten Dividendenzahlern hin zu den Titanen und der Technologie leicht verschlechtert. Sie liegt allerdings immer noch wesentlich höher als viele Banken für die kurzfristige Geldanlage bereit sind zu zahlen. Sie sollte auf keinen Fall ignoriert werden. Zusätzlich wirkten natürlich auch die Kurssteigerungen mindernd auf die Dividendenrendite.

Die Gewinne der DAX®-Teilnehmer haben in voller Breite stark zugelegt und der DAX® ist deutlich unterbewertet. Sollte es keinen wirtschaftlichen Einbruch geben, sind aus fundamentaler Sicht weitere Kurssteigerungen erlaubt. Sollten die Zinsen auf dem heutigen niedrigen Niveau verharren, ist der DAX® ein Schnäppchen. Er ist immer noch wesentlich günstiger bewertet als der S&P500. Die sauber bilanzierten Gewinne seiner Teilnehmer sind immer noch höher als die Proformaergebnisse der Teilnehmer bei seinem amerikanischen Konkurrenten. Trotzdem werden diese den weiteren Weg vorgeben. Eine Unabhängigkeitserklärung wurde noch nicht unterschrieben.

Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht geniessen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameDividendenrendite
1TUITUI AG O.N. 4,43 %
2DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N4,24 %
3VOWVOLKSWAGEN AG ST O.N. 3,15 %
4TKATHYSSENKRUPP AG O.N. 3,09 %
5RWERWE AG ST A O.N. 3,06 %
6EOAE.ON AG O.N. 2,99 %
7MANMAN AG ST O.N. 2,69 %
8BASBASF AG O.N. 2,65 %
9DPWDEUTSCHE POST AG NA O.N. 2,62 %
10MEOMETRO AG ST O.N. 2,53 %

Die Bewerber:

RangCodeNameDividendenrendite
11LINLINDE AG O.N. 2,47 %
12DBKDEUTSCHE BANK AG NA O.N. 2,30 %
13BAYBAYER AG O.N. 2,01 %
14HEN3HENKEL KGAA VZO O.N. 1,87 %
15ALT ALTANA AG O.N. 1,79 %

Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie, können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12. "Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.

Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameKurs
1TKATHYSSENKRUPP AG O.N. 16,16
2DPWDEUTSCHE POST AG NA O.N. 16,79
3TUITUI AG O.N. 17,40
4MANMAN AG ST O.N. 27,92
5VOWVOLKSWAGEN AG ST O.N. 33,35

Die Bewerber:

RangCodeNameKurs
6DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N35,37
7MEOMETRO AG ST O.N. 40,39
8RWERWE AG ST A O.N. 40,80

Rangfolge nach Gewicht

RangCodeNameGewicht
1SIESIEMENS AG NA 11,34 %
2EOAE.ON AG O.N. 10,11 %
3DTEDT.TELEKOM AG NA 9,45 %
4DBKDEUTSCHE BANK AG NA O.N. 7,75 %
5ALVALLIANZ AG O.N. 7,38 %
6DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N6,45 %
7BASBASF AG O.N. 6,29 %
8SAPSAP AG ST O.N. 5,72 %
9RWERWE AG ST A O.N. 3,89 %
10BAYBAYER AG O.N. 3,75 %

Seit unserer letzten Bewertung im September haben die 10 größten Aktiengesellschaften heute ein Gewicht von ca. 72,13% im DAX®. Sie haben leicht zugelegt. Immer wenn es aufwärts geht, gewinnen die Titanen im DAX® überproportional. Seit dem hat auch die Technologie (27,56%) leicht zugelegt. Auf Jahresicht sind beide Gruppen leicht geschrumpft. Grund: das Jahr 2003 hatte außergewöhnliche Steigerungen vorzuweisen. Die Münchener Rück hat es immer noch nicht zurück in die Titanenliste gebracht. Es gibt immer noch zu große Naturkatastrophen. Diese führen zu Beitragserhöhungen und dann in ruhigeren Jahren zu einer Gewinnexplosion in der Rückversicherung. Da unser Staat klamm ist und deshalb weitere Privatisierungen eingeleitet hat, wird die Zahl der frei handelbaren Aktien von der Deutschen Telekom und von der Deutschen Post stark ansteigen. Die Deutsche Telekom hat nach SAP immer noch das größte KGV und ist unter Berücksichtigung aller Aktien die deutsche Firma mit der größten Marktkapitalisierung. Man sieht daran, dass die Spekulanten sich mental noch nicht vollständig von der alten TMT-Blase (Technologie, Medien und Telekommunikation) verabschiedet haben.

Kurzer Blick auf den Chart

Chart

Mit einer Rendite von 7,46% in 2004 liegt der DAX® in seinem langjährigen Mittel. Keine berauschende Performance, allerdings auch kein Grund zum Jammern. Die Stimmungsindikatoren waren das gesamte Jahr über deutlich im positiven Bereich. Dieser Optimismus hätte eine positive Entwicklung der deutschen Standardwerte normalerweise behindern müssen. Trotzdem gab es passable Gewinne. Auch für 2005 sind die Marktteilnehmer positiv gestimmt und erwarten weitere moderate Kursgewinne. Ob auch diesmal der Optimismus nicht als Kontraindikator wirken wird? Wenn keine bösartige Ereignisse eintreten ist das bei der aktuellen Aktionärsstruktur nicht ausgeschlossen. So liegt z. B. auch eine positivere wirtschaftliche Entwicklung, als von den Wirtschaftsinstituten erwartet, absolut im Bereich des Möglichen. Sollte sogar die angebliche Konsumverbesserung kein Fake sein, müssen die Kurse zwangsweise nach oben. Sonst würde es wirklich zu einer eklatanten Unterbewertung vom DAX® kommen.

baer45 war auch dieses Jahr mutig und hat wieder Prognosen für DAX®, 10-jährige Staatsanleihen und das Verhältnis US-$/€ abgegeben. Er sieht es allerdings nicht als eine ernst gemeinte Angelegenheit. Es ist nur ein Spiel, das nie Grundlage für eigene Spekulationen sein soll. Dann ist schon eher der Zufall zu empfehlen. Man sollte nie vergessen, dass Prognosen, ob sie nun aus dem Bauch heraus oder mit aufwendigen statistischen Mitteln von sogenannten Experten erzeugt werden, selten stimmen. Jeder, der viele Prognosen abgibt, wird auch Treffer haben und dann "Guru" gerufen werden. "Guru" ist allerdings kein schöner Name. Da gefällt mir "Bärchen" wesentlich besser.

Wir wollen uns jedoch nicht zu wahnsinnigen Bullen entwickeln und behalten die jetzt schon bekannten Risiken im Auge und sind jederzeit bereit zu handeln:

  • langsam stellt man eine Abhärtung gegenüber Terroranschlägen fest. Trotzdem würde ein empfindlicher Schlag gegen die USA dort einen neuen Crash auslösen und der DAX® würde verstärkt darauf reagieren.
  • der € will sich zum absoluten Bergsteiger entwickeln. Sollten die fundamentalen Fehlentwicklungen in den USA (US-amerikanische Leistungsbilanzdefizit) sich nicht mindern, kann das Ganze außer Tritt geraten mit erheblichen Konsequenzen für den internationalen Handel und die Finanzsysteme.
  • die Probleme in Südostasien, im nahen und mittleren Osten harren weiter einer Lösung. Kriegerische Auseinandersetzungen können zu jedem Zeitpunkt ausbrechen. Der Irak ist noch weit von einer Befriedung entfernt.
  • bleibt der Ölpreis so hoch oder steigt sogar noch weiter, droht uns mittelfristig eine Rezession.

Sollten keine besonderen Ereignisse auftreten, findet die nächste Bewertung mit der Umschichtung des Lotto-Depots Ende März 2005 statt.

Die Einschätzungen der Experten für 2005

  DAX®  Zinsen (10 Jahre) in %  € in US-$ 
 Experte  Hoch  Tief  Ende   Hoch  Tief  Ende   Hoch  Tief  Ende 
Activest4800360040004,503,504,251,401,261,37
Baden-Württem. Bank4800360047005,003,604,801,401,151,25
Bankhaus Lampe4900470048004,404,204,301,391,371,38
Bankhaus Reuschel4650386045004,203,504,201,381,281,33
Bayerische Landesbank4700380045004,603,604,301,401,181,26
Berenberg Bank5000360047504,753,654,501,501,181,25
Dresdner Bank4800410046004,803,804,601,401,321,32
Dr. Kohlhase Vermög.4700390045004,203,703,901,351,281,30
Fürst Fugger P. Bank4450390044004,403,854,401,381,291,38
Gerling4800390046504,503,454,251,431,201,32
Hauck & Aufhäuser4900400048004,753,754,501,351,151,20
LB Hessen-Thüringen4500370043004,303,304,101,421,281,35
HSBC Trinkhaus4400350041004,403,504,101,451,251,40
HSH Nordbank4550385044504,803,704,601,351,251,30
Independent Research4700380044504,153,304,051,451,281,38
ING BHF-Bank4800390046005,003,804,801,451,251,40
LB Baden-Württem.4900390046004,753,804,601,401,251,35
LB Rheinland-Pfalz4800390045004,703,804,501,401,201,20
M. M. Wartburg4850385047504,403,404,201,401,251,28
MEAG4700360044004,803,404,301,401,201,28
Merck Finck4700390045004,503,804,401,401,251,35
SEB5050390047505,153,804,701,451,101,30
Stadtsparkasse Köln4600370045004,603,504,601,401,281,28
Weberbank4440380042004,603,504,301,551,301,50
Durchschnitt4729384445134,593,634,391,411,241,32
baer45: DAX®-Index4821392146214,813,514,781,411,241,36

Anmerkungen: Die Daten der Fremdexperten sind aus der Süddeutschen Zeitung vom 23.12.2004. Humorlose Analysten, die nicht für jede Spalte eine Angabe machten, blieben unberücksichtigt. Da Prognosen die die Zukunft betreffen äußerst Risikoreich sind und der Redaktionsschluss in der ersten Dezemberhälfte lag, sind manche Prognosen schon auf dem Postweg verdorben. Die Liste der Teilnehmer ist nicht vollständig identisch mit der Tabelle von Ende Dezember 2003. Das hat einen einfachen Grund: manche haben sich mit ihren Prognosen so stark blamiert, dass ihre Führung eine Teilnahme nicht mehr erlaubt - andere haben neuen Mut bekommen und sind eingestiegen.
 
Die Prognosen von baer45 beruhen auch diesmal nicht auf Berechnungen. Sie sind nach einem ausgiebigen Abendessen mit anschließenden Einschlafstörungen urplötzlich hochgesprudelt!

Angst vor einer anderen Meinung

Analysten-Tipps gehen zumeist in die gleiche Richtung
 
V o n   M a r t i n   R e i m   (aus der Süddeutschen Zeitung vom 23.12.2004)

München - Stark steigende Zinsen, moderat zunehmende Aktienkurse und ein konstanter Euro: Das erwarten die Finanzmarkt-Beobachter im Durchschnitt für das kommende Jahr. An der Umfrage von Fachhochschule Südwestfalen und Süddeutscher Zeitung hatten sich Analysten aus 35 Unternehmen beteiligt. Wie schon bei ähnlichen Aktionen in früheren Jahren war bemerkenswert, wie einheitlich die Tipps zumeist sind. So gibt es keinen einzigen Beobachter, der bis Ende 2005 einen Verfall der Zinsen erwartet. Ähnlich ist das Bild bei den Aktien: Nur jeweils eine Hand voll Experten rechnet mit einem sinkenden Dax®, TechDAX® oder Dow, alle setzen auf einen - mehr oder weniger moderaten - Anstieg der Indizes. Lediglich beim Euro klaffen die Ansichten weit auseinander.

Diese weitgehende Einheitlichkeit hat, wie man aus Finanzhäusern hört, zwei Hauptgründe: Alle verwenden mehr oder weniger die selben Modelle, um Prognosen zu erstellen. Und selbst wenn jemand zu einer abweichenden Ansicht gelangen sollte, wird er sie kaum äußern. Denn für einen Erfolg gibt es, wie erfahrene Analysten betonen, weniger Anerkennung, als ein Misserfolg Ärger einbringt. Deshalb ist es gescheiter, mit der Masse zu gehen. Hat man Unrecht, kann man auf die vielen anderen verweisen. Liegt man richtig, muss man ja nicht an die große Glocke hängen, wer alles Ähnliches vorhergesagt hat.

Kleinanleger können Nutzen aus der Tatsache ziehen, dass die institutionellen Anleger in etwa die selbe Richtung disponieren. Beispiel Aktienmarkt: Da herrscht eine positive Grundstimmung für 2005, was bedeutet, dass die großen Häuser schon gekauft haben. Wer investiert ist, wird die Kurse aber nicht durch weitere Orders antreiben, sondern seine Papiere eher verkaufen. Deshalb ist der Optimismus ein Indiz dafür, dass die Kurse eher fallen als steigen.


Anmerkungen von baer45: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Es gibt keine einfachen Regeln um reich zu werden - auch nicht an der Börse! Die sogenannten großen Häuser sind im Regelfall Fondsverwalter und Versicherer. Über ihre Fondsregeln haben sie sich idiotischerweise gefesselt (Mindestinvestitionsquote usw.). Sie sind somit stark durch die Kleinanleger fremdgesteuert. Diese werden also auch die Richtung mitbestimmen, je nach dem ob sie ihre Fondsanteile verkaufen oder neue Anteile kaufen. Die Versicherer, insbesonders die Lebensversicherer, haben sich im Zusammenhang mit dem Salamicrash die Finger verbrannt. Ihre Aktienquote ist heute sehr gering. Sie wird kaum sinken. Demnächst werden diese "Profis" sich die Finger, bei ansteigenden Zinsen, mit den Renten (Anleihen) verbrennen. Der Crash im Zusammenhang mit dem Irakkrieg hat dazu geführt, dass große Aktienanteile im Besitz "fester Hände" sind. Wollen diese wirklich schon verkaufen? Hätte Martin Reim recht, wären die Prognosen noch von Nutzen. Glauben Sie mir, es gibt weder theoretisch noch praktisch eine Möglichkeit die Zukunft zu fassen!

Kurzanalyse der Expertenprognosen für 2004

  DAX  Zinsen (10 Jahre) in %  € in US-$ 
 Experte  Hoch  Tief  Ende   Hoch  Tief  Ende   Hoch  Tief  Ende 
30.12.20044267364742564,423,543,641,361,181,36
Durchschnitt f. 20044568350442745,134,244,801,281,121,21
baer45: DAX®-Index f. 20044621362143215,214,175,211,371,211,28

Die Aktienanlage wurde von allen relativ gut getroffen. Allerdings wurde eine etwas stärkere Bewegung erwartet. Bei der Entwicklung der 10-jährigen Staatsanleihen lagen alle stark daneben: es wurde schon in diesem Jahr die Trendwende erwartet. Bei den Devisen ging baer45 als klarer Sieger hervor. Und nun? Die Analyse bereichert uns mit der Erkenntnis, dass weder Großrechner noch hochbezahlte Experten für Prognosen notwendig sind. Letztendlich sind derartige Prognosen auch unwichtig. Wichtig ist eine ausführliche Sicht der politischen und wirtschaftlichen Lage. Dann braucht man noch ausreichende Informationen über die Werte, mit denen man spekulieren will und die notwendige Disziplin sich während dem Spekulationsprozess an seine eigene Vorgaben zu halten (Kauf- und Verkaufsregeln müssen vor dem Kauf festgelegt werden). Wenn man dann noch Glück und Geduld hat, wird die Spekulation gelingen. "Experten" sind dabei absolut unwichtig und kosten nur unser gutes Geld.

Viel Glück im neuen Jahr!

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