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Mit Speck fängt man Mäuse, mit Versprechungen Aktionäre

28.12.2002: DAX®-Bewertungen

Bewertung zum 27.12.2002

Ausgangsdaten

Basis sind die Xetra-Schlusskurse vom 27.12.2002. Die Kurse und das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die berechnet wird, das aktuelle (Basis: Dezember 2002) der Aktien und die sind aus der Süddeutschen Zeitung (Schätzungen IBES - Quelle Thomson Financial/Datastream).

Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe ). D.h. eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Am 23.12.2002 ist Epcos, entsprechend den neuen Regeln, durch die Deutsche Börse ersetzt worden. Wie voraus gesagt, verliert der DAX® weiter an Kontinuität und damit an Qualität. Er mutuiert zu einem Fond mit mechanischer Anlagestragie und zu geringer Breite. Ein längerfristiges Investieren in DAX®-Indexpapieren wird damit immer gefährlicher. Kleinere Papiere legen in der unteren Liga fett an, steigen auf und magern anschließend ab. Er ist eben kein S&P500 mit 500 Teilnehmer und sollte deshalb auch ein anderes Regelwerk haben. Umstellungen werden wir weiterhin öfters erleben. Das aktuelle Regelwerk ist allerdings sehr günstig für die Deutsche Börse. Passive Indexfonds werden öfters zu Umschichtungen gezwungen und löhnen damit mehr Gebühren.

Umlaufrendite

Die Zinsen für Tagesgelder bewegen sich zwischen 1,5 und 3,5%. Nimmt man an, dass die Zinsen mittelfristig gleich bleiben respektive weiter sinken werden, sollte man auch einen Blick auf AAA-Anleihen, Pfandbriefe und Bundesschatzbriefe werfen. Allerdings rentieren die Staatspapiere stetig schlechter. Der Bundesfinanzminister will auch von der Verunsicherung der Märkte profitieren. Bei börsengehandelten Papieren sollte man allerdings große Vorsicht walten lassen. Drehen die Zinsen, ist mit erheblichen Kursverlusten zu rechnen. Eine längerfristige Anlage kann man heute nur im Glauben einer stetigen deflationären Entwicklung tun.

Datum Insgesamt 3-5 Jahre 5-8 Jahre 8-15 Jahre 15-30 Jahre 1 € in US-$
27.12.02 3,93 % 3,26 % 3,78 % 4,17 % 4,86 % 1,041
27.09.02 4,12 % 3,57 % 4,00 % 4,30 % 4,92 % 0,980
26.07.02 4,52 % 4,07 % 4,48 % 4,70 % 5,16 % 0,985
26.06.02 4,73 % 4,34 % 4,65 % 4,87 % 5,21 % 0.980
25.01.02 4,74 % 4,37 % 4,71 % 4,90 % 5,27 % 0,865

Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung bezüglich Umlaufrendite (Anleihen, Obligationen sowie Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag. Die Umlaufrendite sinkt seit der ersten Bewertung beständig. Hierin spiegelt sich die steigende Flucht aus der Aktienanlage. Auch das stetige Sinken des US-$ ist auf zurückgehende Investitionen in US-Aktien und der Flucht aus US-Anleihen zurückzuführen. Deshalb steigt das US-Leistungsbilanzdefizit weiter an. Seit unserer ersten Bewertung hat der € um über 20% zugelegt. Weitere 20% sind in einem mittelfristigen Zeitraum nicht unmöglich. Ohne Angst vor einem Irakkrieg wäre der € heute wahrscheinlich noch stärker. Bei einem Vergleich der Aktienkursentwicklung zwischen dem €- und dem US-Raum sollten die Devisenentwicklungen nicht aussen vor gelassen werden. Sollte sich die Konjunktur in den USA fundamental verbessern, wird dies den weiteren Anstieg des € stoppen.

Nettozuflüsse zu Aktienfonds gibt es praktisch nicht mehr. Ein Ausverkauf steht hier jedoch noch aus. Sollten die Aktienmärkte sich nicht innerhalb der nächsten Monate erholen, wird die Umlaufrendite weiter sinken. Die wirtschaftliche Entwicklung gibt momentan keine Signale für steigende Kurse ab. Die Endverbraucherpreise sind europaweit rückläufig. Es ist deshalb mit einer weiteren (letzten?) Zinssenkung durch die EZB zu rechnen. Nehmen wir an, dass es nicht zur großen Weltwirtschaftskrise kommt, sollte sich die Lage Ende 2003 bessern und die Zinsen in 2004 wieder nach Norden drehen. Dies wird dann zum Platzen der sich derzeit immer noch verstärkenden Anleiheblase führen. Die Sparquote steigt in Deutschland weiter kontinuierlich an. Die Ergebnisse bekommt der Einzelhandel zu spüren. Es sind immer noch riesige Mengen in Kurzfristanlagen (Geldmarktfonds, Tagesgelder) geparkt. Diese Gelder warten auf bessere Anleihezinsen und sich erholende Aktienmärkte. Sie gehören den Optimisten. Die Pessimisten kaufen heute noch Rentenpapiere mit Restlaufzeiten von über 3 Jahren. Diese Gruppe rechnet mit einer weiteren deflationären Entwicklung.

Bleibt eine Deflation mit einhergehender Stagnation aus (das schlimmste vorstellbare Szenario für die Aktienmärkte), ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen mittelfristig anziehen werden jedoch größer als dass sie gleich bleiben oder sinken werden.

DAX®-Ergebnis

Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der Januarbewertung. Die Deutsche Telekom schreibt immer noch Verluste und sie wird deshalb im KGV(1) mit einem ausgeglichen Ergebnis bewertet. Im KGV(2) bleibt sie außen vor (verbleiben 90,02 %). Alle Berechnungen berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.

DatumDAX®-StandDividenden-
rendite
KGV(f)KGV(1)KGV(2)
27.12.022840,002,93 %15,410,99,8
27.09.022918,902,87 %15,412,911,8
26.07.023579,002,37 %15,415,614,1
26.06.024099,052,07 %15,417,116,2
25.01.025156,332,02 %15,421,819,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den

Die Dividendenrendite ist erheblich und nähert sich erstklassigen Anleihen mit mittelfristigem Anlagehorizont an. Sie übertrifft die der Finanzierungsschätze des Bundes. Diese Rendite trägt, unter längerfristigen Gesichtspunkten, erheblich zur Gesamtperformance bei. Anleger in Zertifikate sollten diesen Aspekt nie aus dem Blickwinkel verlieren. Leider ist für die nähere Zukunft teilweise mit sinkenden respektive ganz ausfallenden Dividenden zu rechnen.

Der DAX® ist weiterhin fair bewertet, er wird schon "billig". Ohne Deutsche Telekom wäre er unterbewertet und stünde mit einem KGV von leicht unter 10. Dies ist eine der Voraussetzungen zur Erholung in starken Bärenmärkten wie dem Jetzigen. Leider ist diese Betrachtungsweise nicht ganz legal und darf auf keinen Fall für einen längerfristigen Investor in DAX®-Indexpapiere gelten. Unter mittelfristigen Gesichtspunkten (ca. 5 Jahre), ist der Kauf derartiger Papiere bei dem heutigen Indexstand ein günstiger Kauf. Die Wahrscheinlichkeit, dabei besser als mit Anleihen abzuschneiden, ist recht groß. Rechnet man sicher mit einem Irakkrieg im Februar 2003, kann man auf noch günstigere Kaufkurse warten.

Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht geniessen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameDividendenrendite
1TKATHYSSENKRUPP AG O.N. 5,98 %
2HVMBAY.HYPO-VEREINSBK.O.N. 5,92 %
3MLP3MARSCH.,LAUT.U.PA.O.N. VZ5,41 %
4CBKCOMMERZBANK AG O.N. 5,32 %
5TUITUI AG O.N. 4,89 %
6MANMAN AG ST O.N. 4,74 %
7MEOMETRO AG ST O.N. 4,64 %
8BAYBAYER AG O.N. 4,60 %
9EOAE.ON AG O.N. 4,19 %
10RWERWE AG ST A O.N. 4,15 %

Die Bewerber:

RangCodeNameDividendenrendite
11VOWVOLKSWAGEN AG ST O.N. 3,85 %
12DPWDEUTSCHE POST AG NA O.N. 3,74 %
13BASBASF AG O.N. 3,64 %
14DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N3,52 %
15LINLINDE AG O.N. 3,32 %

Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie, können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12. "Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.

Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameKurs
1CBKCOMMERZBANK AG O.N. 7,52
2MLP3MARSCH.,LAUT.U.PA.O.N. VZ9,25
3TKATHYSSENKRUPP AG O.N. 10,03
4MANMAN AG ST O.N. 12,66
5HVMBAY.HYPO-VEREINSBK.O.N. 14,35

Die Bewerber:

RangCodeNameKurs
6TUITUI AG O.N. 15,75
7BAYBAYER AG O.N. 19,55
8MEOMETRO AG ST O.N. 22,00

Rangfolge nach Gewicht

RangCodeNameGewicht
1SIESIEMENS AG NA 11,52 %
2DTEDT.TELEKOM AG NA 9,98 %
3DBKDEUTSCHE BANK AG NA O.N. 8,76 %
4DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N7,97 %
5EOAE.ON AG O.N. 7,91 %
6BASBASF AG O.N. 6,39 %
7ALVALLIANZ AG O.N. 5,96 %
8SAPSAP AG ST O.N. 5,29 %
9BAYBAYER AG O.N. 4,64 %
10MUV2MUENCH.RUECKVERS.VNA O.N.4,40 %

Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute ein Gewicht von ca. 73% im DAX® (im September 73%, im Juli 74%, im Juni 67%, im Januar 70%). Der Weg vom DAX30 zum DAX10 bleibt ausgebremst. Der Technologiesektor ist, trotz des Ausscheidens von Epcos, inzwischen wieder deutlich über ein Viertel gestiegen. Er hat sich, seit der letzten Bewertung, nachweislich besser als der DAX® entwickelt. Hervorzuheben sind DTE und SAP. Der überpräsente Finanzsektor wurde durch die Deutsche Börse verstärkt. Er entwickelt sich trotzdem schlecht. Die nächste Abstiegskandidat ist MLP. FME und MAN gehören zu den weiteren Gefährdeten.

Kurzer Blick auf den Chart

Chart

Der Abwärtstrend (der Längste und Größte seit der DAX®-Gründung) ist weiterhin intakt. Nichts konnte bis heute den Weg nach Süden stoppen. Eine einigermaßen gesicherte technische Bodenbildung ist noch nicht in Sicht. Seit dem Frühsommer bleibt die Volatilität (VDAX®) auf hohem Niveau. Wir befinden uns in einem typischen Tradermarkt. Meine Annahme eines südlichen Korridors zwischen 2500 und 3500 (she. Das Ei des A. Kostolany) hat bis heute gehalten, könnte jedoch noch bis zum Beginn des wahrscheinlichen Irakkrieges unterschritten werden. Der letzte Golfkrieg hatte im Vorfeld einen Absturz von über 30% gebracht. Dies erwarte ich heute in dieser Größenordnung nicht mehr. Etliches Angstpotential hat bis zum heutigen Bewertungsstichtag schon auf die Kurse gewirkt.

In ca. 3 Monaten feiern wir 3 Jahre Bärenmarkt. Der Längste seit der DAX®-Gründung, jedoch nicht der längste in der Nachkriegszeit. Man genieße hierzu den Langfristchart unter Historische Entwicklung. Wir sehen dort Abwärtsbewegungen von fast doppelter Zeitdauer und eine quasi Seitwärtsbewegung von über 20 Jahren. Damals bestand das Geldverdienen an der Börse aus harter Arbeit. Nix mit Schlafen. Trotzdem gab es, wie heute, unter dem kurz- und mittelfristigen Blickwinkel, einige Möglichkeiten ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Die Märkte siechen weiter ziellos dahin. Nur ein kräftiges Signal kann sie wieder beleben. Von der Wirtschaftsfront können wir ein derartiges Signal heute noch nicht erwarten. Ein kurzer erfolgreicher Irakkrieg (she. Kaufen wenn die Kanonen donnern ...) respektive die unwahrscheinliche Kapitulation der Irakführung könnte ein dementsprechendes Signal auslösen. Nach einem kurzen starken Fall im Vorfeld wäre die Gegenreaktion so groß, dass sie uns wesentlich über das heutige Niveau tragen würde. Denkbar wäre das Erreichen der 200-Tagelinie. Weiter nach oben könnten uns dann nur noch bessere Nachrichten aus der Wirtschaft bringen. Dazu könnte es im Spätwinter allerdings noch etwas zu früh sein. Allerdings sollte keiner mit einem sicheren Beginn des 3. Golfkrieges Ende Januar - Anfang Februar rechnen. Eventuell findet das Ganze erst ein Jahr später statt.

Die reinen Charttechniker werden heute behaupten, wir wären auf dem Weg die letzten Tiefs zu testen. In so unruhigen Zeiten wie heute bringt, unter mittelfristiger Sicht, die Charttechnik nur wenig. Kriege und Krisen nehmen keine Rücksicht auf die Charttechnik und werden auch nicht durch diese ausgelöst. Neben dem Golfkrieg, schweben weiterhin folgende Risiken über dem Börsengeschehen:

  • bleiben wir von größeren Terroraktionen und kriegerischen Auseinandersetzungen verschont?
  • Eskaliert die Nordkoreakrise?
  • wie weit steigt der Ölpreis?
  • treten keine größeren Krisen in den Finanzsystemen (Banken und Versicherungen) auf und bleibt die Südamerikakrise lokal.
  • verdeutlichen sich konkrete Indikatoren über eine wirtschaftliche Erholung oder geht es erst richtig bergab?
  • fällt der US-Dollar nicht ins Bodenlose (über 1,20 $/€) und zwingt damit die US-Notenbank zu Zinserhöhungen zwecks Leistungsbilanzdefizitfinanzierung?
  • bleiben wir die nächsten 12 Monate noch von großen TMT-Pleiten und damit einhergehenden Bankenpleiten verschont?

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