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Reich wird immer der, der zu früh verkauft

30.09.2008: DAX®-Bewertungen

Bewertung zum 26.09.2008

Wall Street

Was al-Qaida nicht schaffte, schaffte die Gier und Unvernunft der Banken. Inzwischen gibt es an der Wall Street keine Investmentbanken mehr. Sie sind Pleite, übernommen oder in den Mantel einer normalen Geschäftsbank geflüchtet (damit sie einfacher Unterstützung durch die Bundesbank erhalten). Versicherungen und Banken stehen vor dem Kollaps und der Staat muss die Verluste sozialisieren. Die riesigen Bonis jedoch haben die professionellen Zocker bei den Banken und deren Manager längstens eingestrichen. Die Krise zieht inzwischen die Gesamtwirtschaft und praktisch alle Aktienkurse nach unten. Seit unserer letzten Bewertung von Ende Juni verliert der DAX® weitere 7,83 %. Seit dem Hoch Anfang Januar 2008 beträgt der Verlust 25,31 %. Wir befinden uns also zweifelsfrei in einem Bärenmarkt. Dabei wurden dieses Jahr einmalig hohe Dividenden gezahlt und bei den meisten DAX®-Firmen außerhalb der Finanzbranche brummte das Geschäft. Inzwischen gibt es allerdings deutliche Schwächezeichen und auch die Gewinne entwickeln sich nicht mehr wie noch in 2007. Das KGV verringerte sich nicht proportional zu den Kursverlusten, ergo die Gewinne schrumpfen. Die hohen Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise hinterlassen ihre Spuren im Konsum. Die Wirtschaft entwickelt sich weltweit schwächer. In den USA droht eine lang anhaltende Rezession. Die Stimmung der Marktteilnehmer ist trotzdem noch bullisch. Es scheinen viele investiert zu sein. Aktuell stehen 51% Bullen 27% Bären gegenüber (Quelle: Cognitrend). Die Kredit- und Bankenkrise scheint ihrem Höhepunkt entgegen zu streben. Täglich kommen mehr Finanzinstitute in Schwierigkeiten und müssen gerettet oder abgewickelt werden. War das das Licht am Ende vom Tunnel, was einige teuer bezahlte Manager schon Anfang des Jahres sahen? Wahrscheinlich schon. Sie haben es nur falsch interpretiert. Es war nicht die Sonne sondern die verbrennenden Banken und Versicherungen. Diese Krise ist erst dabei ihre Spuren in der "realen" Wirtschaft zu hinterlassen. Keine rosige Aussichten für die weitere wirtschaftliche Entwicklung und für florierende Aktienkurse.

Ausgangsdaten

Basis sind die Xetra®- Schlusskurse vom 26.09.2008. Die Kurse und das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die berechnet wird, das aktuelle (Basis: Schätzungen Thomson Financial vom September 2008) der Aktien und die sind aus der Süddeutschen Zeitung. Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe ). D.h., eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®. Weitere Regeländerungen gab es zum Oktober 2006. Seitdem muss der Firmensitz nicht mehr in Deutschland sein und das Gewicht wird bei 10 % zum jeweiligen nächsten Bewertungsstichtag gekappt. Es wird wieder angehoben wenn es durch eine vorangegangene Kappung am Bewertungsstichtag unter 10% liegt.

CodeNameISINKursDividendeKGVGewicht
1ADSADIDASDE000500340438,4800,5012,001,33 %
2ALVALLIANZ DE0008404005103,3405,507,008,13 %
3BASBASF DE000515100534,9701,958,005,75 %
4BMWBAY.MOTOREN WERKEDE000519000328,2201,069,001,58 %
65BAYBAYER DE000575200053,6301,3514,007,13 %
6CBKCOMMERZBANKDE000803200414,4101,006,001,65 %
7CONCONTINENTALDE000543900462,5002,009,000,91 %
8DAIDAIMLERDE000710000038,5602,008,005,97 %
9DBKDEUTSCHE BANKDE000514000854,9004,5010,005,07 %
10DB1DEUTSCHE BOERSEDE000581005565,2602,1012,002,21 %
11DPWDEUTSCHE POSTDE000555200415,4850,9010,002,26 %
12DPBDEUTSCHE POSTBANKDE000800100935,3901,259,000,50 %
13DTEDT.TELEKOMDE000555750810,7450,7815,005,56 %
14EOAE.ON DE000761440635,3401,3712,0010,51 %
15FMEFRESEN.MED.CAREDE000578580235,4400,5413,001,15 %
16HEN3HENKELDE000604843227,1000,5312,000,84 %
17HRXHYPO REAL ESTATEDE000802770713,4900,506,000,43 %
18IFXINFINEON TECH.DE00062310044,9000,00-,--0,64 %
19SDFK+S DE000716200052,8600,508,001,20 %
20LINLINDE DE000648300179,0901,7014,001,94 %
21LHALUFTHANSA DE000823212514,4351,258,001,15 %
22MANMAN DE000593700752,0003,155,000,89 %
23MRKMERCKDE0006599905 76,1701,20 + 2,0013,000,86 %
24MEOMETRO DE000725750336,7001,1812,000,71 %
25MUV2MUENCH.RUECKVERS.DE0008430026112,2505,509,004,03 %
26RWERWE DE000703712967,8703,1511,004,80 %
27SAPSAP DE000716460039,1400,5021,006,05 %
28SIESIEMENS DE000723610166,7901,6014,009,48 %
29TKATHYSSENKRUPPDE000750000123,3001,305,001,35 %
30VOWVOLKSWAGEN DE0007664005257,7901,8021,005,91 %
MERCK leistete neben der Dividendenzahlung auch noch eine Sonderzahlung

Grund für diese Bewertung ist eine neue Zusammenstellung des DAX®. Die TUI musste den DAX® wegen einer zu geringen Marktkapitalisierung verlassen und wurde am 22.09.2008 durch K+S ersetzt. Es drohen weitere Umstellungen. Einige Firmen haben zu viel Geld und wollen DAX®-Unternehmen übernehmen. Einige DAX®-Teilnehmer sind in Schwierigkeiten. Alles Gründe, die für ein Dahinschmelzen der freien Marktkapitalisierung sorgen und damit wird eventuell ein Fast Exit ausgelöst. Bedingt durch die aktuelle Umstellung wurde ein neues DAX®-Lotto-Depot zusammen gelost.
 
Die heutige Bewertung wird in kompakter Form durchgeführt. Im wesentlich läuft das Geschehen an den Börsen wie erwartet. Wirklich neue Erkenntnisse liegen nicht vor. Zum Jahresende erfolgt dann wieder eine ausführliche Bewertung.

Umlaufrendite, €/US-$ und Rohölpreis

Entwicklung der Umlaufrendite (12 Monate)

Die Bankenkrise und die Turbulenzen an den Aktienmärkten erzeugen einen großen Drang nach Sicherheit. Staatsanleihen und wenige erstklassische Anleihen von Industriebetrieben sind gefragt. Das führt, trotz explodierender Inflation (Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise), zu sinkenden Renditen. Dagegen steigen die Renditen der Anleihen von Finanzinstituten, schwächeren Industrie- und Handelsunternehmen stark an. Sogar Pfandbriefe werden billiger. Sicherheit geht über alles und deshalb wird die Inflation ignoriert. Wenn es zu einer Beruhigung an der Bankenfront kommen sollte, kann der Markt relativ schnell drehen und die Inflation steht wieder im Fokus. Die Kreditkrise bewahrt dann nicht mehr die Besitzer von Rentenpapieren vor größeren Kursverlusten. Bevor es soweit ist, kann man seine glücklichen Kursgewinne kassieren. Momentan bringen die kurzfristigen Geldeinlagen (Tagesgelder, Festgelder) mehr Rendite als die mittel- bis längerfristigen Geldanlagen. Die Banken brauchen Geld und sind bereit höhere Zinsen zu zahlen.
 
Am 9. Juli 2008 ist de momentan letzte Leitzinserhöhung der EZB in Kraft getreten. Sie betrug 25 Basispunkte und der Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des €urosystems beträgt nun 4,25 % (für Spitzenrefinanzierungsfazilität 5,25 % und für die Einlagefazilität 3,25 %). Die EZB hat, wegen den erhöhten Inflationserwartungen und trotz massiven Leitzinsänderungen in den USA, weitere Leitzinserhöhungen angedroht. In der aktuellen Bankenkrise und Angesicht des sich abschwächenden Wirtschaftswachstums rechnet aber keiner mehr mit weiteren Leitzinserhöhungen in 2008. Der US-Leitzins liegt aktuell bei 2%. Ende 2007 lag er noch bei 4,25%. Im Juni 2007 stand er noch bei 5,25%. Der Federal Open Market Committee (FOMC) der US-Notenbank hat mit jeweils 2 Zinssenkungen im Januar und im März und einer im April die inflationäre Entwicklung ignoriert und nur die Ziele Bankensanierung, Aktienmärkte und Konjunktur verfolgt. Bis jetzt scheint diese Strategie nicht aufgegangen zu sein. Die Inflation ist explodiert und die Banken sterben trotzdem wie die Fliegen. Zinssätze sind eben kein Allheilmittel, sie helfen auch nicht gegen Grippe. Da empfiehlt sich eine sinnvolle Vorsorge mit rechtzeitigem Impfen. Bedingt durch die Vertrauenskrise am Geldmarkt ist es zu einem gestiegenen Liquiditätsbedarf der Banken gekommen und die Tageszinsen haben zugelegt. Die Spitzensätze liegen aktuell bei 3,25 bis 5,5%. Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihre Tagesgelder zur Konkurrenz! Immerhin bietet der Finanzminister über seine neu aufgelegte Tagesgeldanleihe schon 3,73% und die ist wirklich sicher. Die Renditen der Bundesschatzbriefe sind gesunken. Sie betragen momentan beim Typ A (6 Jahre) 3,70% und beim Typ B (7 Jahre) 3,75%. Die Konditionen und alle notwendigen Informationen zur sicheren Geldanlage vom Bundesfinanzminister findet man bei der Deutschen Finanzagentur. Wie man sieht, hat Sicherheit in Zeiten wie diesen auch seinen Preis und der Finanzminister kann den Bund billiger refinanzieren.

Umlaufrenditen und €/US-$
Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung bezüglich Umlaufrendite (Anleihen, Obligationen sowie Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag.
 
Datum Insgesamt 3-5 Jahre 5-8 Jahre 8-15 Jahre 15-30 Jahre 1 € in US-$
26.09.08 4,24 % 3,94 % 4,09 % 4,18 % 4,80 % 1,458
20.06.08 4,74 % 4,75 % 4,72 % 4,66 % 4,81 % 1,563
28.12.07 4,34 % 4,16 % 4,24 % 4,34 % 4,66 % 1,472
22.06.07 4,64 % 4,55 % 4,61 % 4,62 % 4,81 % 1,346
30.03.07 4,08 % 4,01 % 4,02 % 4,03 % 4,24 % 1,336
29.12.06 3,96 % 3,91 % 3,93 % 3,94 % 4,09 % 1,320
22.09.06 3,69 % 3,58 % 3,63 % 3,68 % 3,92 % 1,278
23.06.06 3,97 % 3,73 % 3,90 % 4,01 % 4,34 % 1,251
30.12.05 3,22 % 3,00 % 3,14 % 3,25 % 3,57 % 1,183
23.09.05 2,88 % 2,44 % 2,74 % 2,97 % 3,50 % 1,208
23.03.05 3,49 % 3,00 % 3,39 % 3,66 % 4,16 % 1,298
29.12.04 3,41 % 2,88 % 3,27 % 3,57 % 4,22 % 1,359
23.09.04 3,70 % 3,10 % 3,56 % 3,89 % 4,55 % 1,226
26.05.04 3,97 % 3,29 % 3,83 % 4,25 % 4,95 % 1,211
29.12.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,248
25.09.03 3,77 % 3,08 % 3,62 % 4,00 % 4,64 % 1,149
12.06.03 3,27 % 2,47 % 2,98 % 3,48 % 4,48 % 1,177
10.04.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,077
27.12.02 3,93 % 3,26 % 3,78 % 4,17 % 4,86 % 1,041
27.09.02 4,12 % 3,57 % 4,00 % 4,30 % 4,92 % 0,980
26.07.02 4,52 % 4,07 % 4,48 % 4,70 % 5,16 % 0,985
26.06.02 4,73 % 4,34 % 4,65 % 4,87 % 5,21 % 0.980
25.01.02 4,74 % 4,37 % 4,71 % 4,90 % 5,27 % 0,865

Nach den massiven Leitzinssenkungen in den USA hat die Flucht in die Sicherheit die Renditen bei allen Laufzeiten weiter in den Keller getrieben. Momentan erhält man für Tagesgelder 2,5% (die Banken brauchen Geld). US-Staatsanleihen (Treasury Note) rentieren bei 2 Jahren mit 2,17%, bei 5 Jahren mit 3,04%, bei 10 Jahren mit 3,85% und bei 30 Jahren mit 4,40%. In der Schweiz sind die Renditen von 10-jährige Staatsanleihen auf 2,76% gefallen. Eine ganz andere Welt ist Japan. Die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen ist dort auf 1,46% gefallen. Der Geldmarkt zwischen den Banken ist inzwischen ausgetrocknet und bricht ersten Instituten das Genick. Euribor und Dollar-Libor kennen nur noch eine Richtung: Nach Norden!

Entwicklung des Verhältnisses €/US-$ (12 Monate)

Der Verfall des US-$ erreichte im Juli mit über 1,60 $ für einen € seinen Höhepunkt. Dann ging der Spekulation die Luft aus (viele US-Spekulanten verkauften ihre europäischen Aktien) und der US-$ gewann Terrain zurück (Repatriierung des US-$). Die aktuell explodierende Staatsverschuldung der USA wird ihn wahrscheinlich weiter stärken. Längerfristig wird er jedoch wieder an Wert verlieren. Die massive Emittierung von zusätzlichen US-Staatsanleihen kann nur von Ausländern aufgesogen werden und erhöht damit die Nachfrage nach dem US-$. Sollte das Angebot nicht aufgesogen werden, würden die Staatsanleihen und mit ihnen der US-$ abstürzen. Dann bekämen wir nach der Bankenkrise die Devisenkatastrophe.

Entwicklung des Rohölpreises (12 Monate)

Die Spekulation trieb den Rohölpreis im August zu neuen Rekorden. Mit dem riesigen Geldbedarf in den USA brach diese Spekulation zusammen und der Ölpreis fiel schnell unter 100 $. Seit der Eskalation der Bankenkrise und der neu aufgetretenen Furcht vor einem starken US-$-Verfall, erholten sich die Rohstoffpreise etwas. Bei einer sich weiter abkühlenden Weltwirtschaft und einem temporär stärkeren US-$ wird diese Erholung wahrscheinlich keinen Bestand haben. Die herumwandernde Liquiditätsblase ist allerdings immer noch sehr groß und könnte sich wieder an den Rohstoffen festbeißen. Sie wandert solange über die verschiedenen Anlageklassen bis sie sich verschlissen hat. Die immer schwieriger werdende Kreditgewährung wird diesen Vorgang erheblich beschleunigen

DAX®-Ergebnis

Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der Januarbewertung 2002. Nur INFINEON TECH. schreibt Verluste (Gewicht 0,64%) und deshalb sind KGV(1) und KGV(2) unterschiedlich. Alle Berechnungen berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.

DatumDAX®-StandDividenden-
rendite
KGV(f)KGV(1)KGV(2)
26.09.086063,504,28 %15,410,710,6
20.06.086578,443,89 %15,410,910,8
28.12.078067,322,50 %15,412,812,8
22.06.077949,632,53 %15,415,015,0
30.03.076917,032,64 %15,413,313,3
29.12.066596,922,72 %15,414,814,7
22.09.065883,323,03 %15,413,213,0
23.06.065529,743,28 %15,412,512,4
30.12.055408,262,13 %15,412,912,9
23.09.054882,582,31 %15,413,713,6
23.03.054317,201,91 %15,413,313,3
29.12.044247,751,89 %15,413,113,1
23.09.043905,662,06 %15,414,914,9
26.05.043867,522,12 %15,415,315,3
29.12.033952,722,02 %15,416,116,1
25.09.033326,272,40 %15,418,715,9
12.06.033219,472,45 %15,416,814,8
10.04.032697,103,24 %15,413,411,7
27.12.022840,002,93 %15,410,99,8
27.09.022918,902,87 %15,412,911,8
26.07.023579,002,37 %15,415,614,1
26.06.024099,052,07 %15,417,116,2
25.01.025156,332,02 %15,421,819,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den

In den letzten 12 Monaten hatten wir nur einen Dividendenausfall bei INFINEON TECH. (Anteil am DAX®; 0,64% %) zu beklagen. Sonst gab es fast durchgängig kräftige Dividendenerhöhungen und sogar eine Sonderzahlung durch MERCK (sie wird bei der Berechnung Index-Dividendenrendite berücksichtigt und fällt bei der Kandidatenaufstellung für Dividendenstrategien unter den Tisch). Die weiter verfallende Kurse lassen natürlich die Dividendenrendite optisch weiter ansteigen. Bei einer weiteren Abkühlung der Wirtschaft, bei gleichzeitiger Erhöhung der Kosten (Löhne und Gehälter, Energie- und Rohstoffpreise), werden die Dividendenzahlungen nächstes Jahr wahrscheinlich niedriger ausfallen.

Entwicklung des DAX® (12 Monate)

Der DAX® marschiert weiter konsequent nach Süden. Primär wird er dabei von der Kredit- und Bankenkrise getrieben. Aber auch schon außerhalb der Finanzbranche zeigen sich erste Zeichen von Schwäche. Deshalb ist ein KGV von ca. 10 nur auf den ersten Blick preiswert. Sollte es wirklich mit der wirtschaftlichen Entwicklung weiter bergab gehen, ist das KGV schneller auf 20 wie man schauen kann. Bis dato versucht der DAX® immer noch das Kursgeschehen in den USA nachzuäffen. Dort ist zwischenzeitlich die Bewertung alles andere als preiswert. Die sich auch bei uns verschärfende Bankenkrise wird den Konsumenten zu einer noch stärkeren Zurückhaltung verführen als es die Inflation schon gemacht hat. Goldige Zeiten für Bären, auch wenn der Leerverkauf von etlichen Aktien zeitweise eingeschränkt wurde. Wie man sieht fallen die Kurse trotzdem, besonders schnell bei den Aktien wo der Leerverkauf verboten ist. Nicht die Geier sind Schuld, dass auf Feldern und Wiesen massenweise Aas herumliegt.
 
Halten Sie ihr Geld zusammen, machen sich Gedanken ab welchem Pegel Sie einzusteigen gedenken und üben sie sich in Geduld. Es macht nichts, wenn dann ein Einstieg erst im Jahr 2009 sinnvoll erscheint und die Abgeltungssteuer wirkt. Steuern sind ein schlechter Ratgeber! Mit etwas Glück beim Timing und der Auswahl der Aktien/ETF's, kann man dann auf Sicht von einigen Jahren eine "nette" Rendite einfahren. Um die zu sichern, muss man dann eh verkaufen. Aktien Jahrzehnte zu halten und zu glauben damit Geld zu verdienen, ist ein großer Irrtum. Im Schlafen verdient man kein Geld!

Schafft die Zentralbanken ab!

Das moderne Finanzsystem ist am Ende, es ist Zeit für ein neues

Von  S i m o n e  B o e h r i n g e r

Wir befinden uns in der größten Krise seit Bestehen des modernen Geldsystems. Die Wall Street, bis vor kurzem wichtigstes Finanzzentrum der Welt, ist pleite. Zur Rettung des Bankwesens will der amerikanische Staat mehr Geld ausgeben als je zuvor in so kurzer Zeit. Es geht nicht anders, sonst gehe die Welt unter, rufen Notenbanker und Politiker all jenen zu, die Zweifel an dieser neuen Art des Sozialismus erkennen lassen.

Vielleicht doch? Wie wäre es, das Finanzsystem als solches in Frage zu stellen? Anstatt nach Grenzen für die Prämien von Bankern zu rufen und nach einer strengeren Regel hier und einer härteren Regulierung da, ist es Zeit, über eine neue Finanzordnung nachzudenken. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass die Krisenbewältigung nach dem Platzen großer Marktblasen per Nothilfe von Zentralbank und Staat erfolgte. Nur die Größenordnung nahm im Laufe der Zeit zu. Bezahlen mussten am Ende die Bürger, in Form von Arbeitslosigkeit, höheren Steuern oder Inflation.

So senkte die Federal Reserve auch nach dem großen Börsenkrach 1929 die Leitzinsen und gab zusätzlich Geld aus, nur es reichte offenbar nicht, um die Folgen des damaligen Aktiencrashs mit anschließender Bankenkrise zu beseitigen. Die Lehre daraus war fatal, ist aber bis heute die herrschende Meinung: Krisen könne man nur bewältigen, indem man genügend Liquidität zur Verfügung stellt. Ein Freibrief für Zentralbanken, dies teils ungeachtet ihrer eigenen Richtlinien auch zu tun.

Was noch schlimmer ist: Es ist auch ein Freibrief für die großen Geschäftsbanken, stärker ins Risiko zu gehen in der Gewissheit, ihre Zentralbank werde schon helfen, wenn es eng wird, schon um Kettenreaktionen zu verhindern. Dass zu viel Geld oft gleich die nächste Blase am Kapitalmarkt provoziert, wird billigend in Kauf genommen. So folgte auf die Aktienblase der New Economy nach einer Politik des billigen Geldes prompt die Immobilienblase, deren Folgen nun die Welt in Atem halten.

Seinen Ursprung hat das moderne Finanzwesen im Jahr 1913. Damals wurde die amerikanische Notenbank Federal Reserve gegründet, als Zentralinstitut der Geschäftsbanken. Sie bestimmte mit dem Leitzins fortan den Preis kurzfristiger Kredite und das Wachstum der Geldmenge. Darüber hinaus fungierte sie als Quelle von Krediten für die Geschäftsbanken. Die Fed sollte die Branche schützen vor großen Krisen wie jener 1907, als ein einzelner Banker namens J.P. Morgan die Branche praktisch im Alleingang vor dem Untergang rettete, indem er die Risiken der anderen auf seine Bücher nahm. Genau diese Schutzfunktion ist bis heute eine der Aufgaben der Fed, übrigens auch der meisten anderen Notenbanken inklusive der europäischen. Den Geschäftsbanken ist es erlaubt, ein Vielfaches ihrer Einlagen auszuleihen. Damit kurzfristig kein Engpass entsteht, wenn zum Beispiel viele Menschen auf einmal ihr Geld abheben wollen, können sich die Geldhäuser jederzeit zum aktuellen Zinssatz bei der Zentralbank refinanzieren.

Das Risiko, mit schlechten Geschäften zu scheitern, ist in diesem sogenannten Teildeckungssystem für einzelne Großbanken geringer, als wenn sie auf sich allein gestellt agieren müssten und nur bei anderen Instituten Geld leihen könnten. Dass es jetzt an der Wall Street dennoch zu einer solchen Pleitewelle kam, ist dem schieren Ausmaß zu verdanken, mit dem die Banken sich verspekulierten. Ohne die Rückendeckung einer Zentralbank würden sich riskante Geschäftsstrategien schnell herumsprechen, der Markt würde betreffenden Häusern ihre Grenzen früher aufzeigen und für Darlehen umfänglich Sicherheiten verlangen.

Auch viele Bankbilanzen wären sauberer als heute. Ein Preis dafür ist aber zu zahlen: In einem Finanzsystem ohne Zentralbank ist es nicht möglich, durch großzügige Verschuldungsorgien Konjunkturzyklen abzukürzen. Es gibt keine Liquiditätsspritze für klamme Banken, auch Regierungen können nur begrenzt Schulden machen. Wenn der Markt ihr nicht mehr Staatsanleihen abkauft, muss die Regierung sparen. Kreditwürdig ist dann nur, wer solide wirtschaftet.


Obiger Kommentar ist aus der Süddeutschen Zeitung vom 24. September 2008.

Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameDividendenrendite
1LHALUFTHANSA 8,66 %
2DBKDEUTSCHE BANK8,20 %
3DTEDT.TELEKOM7,26 %
4CBKCOMMERZBANK6,94 %
5MANMAN 6,06 %
6DPWDEUTSCHE POST5,81 %
7BASBASF 5,58 %
8TKATHYSSENKRUPP5,58 %
9ALVALLIANZ 5,32 %
10DAIDAIMLER5,19 %

Die Bewerber:

RangCodeNameDividendenrendite
11MUV2MUENCH.RUECKVERS.4,90 %
12RWERWE 4,64 %
13EOAE.ON 3,88 %
14BMWBAY.MOTOREN WERKE3,76 %
15HRXHYPO REAL ESTATE3,71 %

Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie, können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12. "Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.

Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameKurs
1DTEDT.TELEKOM10,75
2CBKCOMMERZBANK14,41
3LHALUFTHANSA 14,44
4DPWDEUTSCHE POST15,49
5TKATHYSSENKRUPP23,30

Die Bewerber:

RangCodeNameKurs
6BASBASF 34,97
7DAIDAIMLER38,56
8MANMAN 52,00

Rangfolge nach Gewicht

RangCodeNameGewicht
1EOAE.ON 10,51 %
2SIESIEMENS 9,48 %
3ALVALLIANZ 8,13 %
4BAYBAYER 7,13 %
5SAPSAP 6,05 %
6DAIDAIMLER5,97 %
7VOWVOLKSWAGEN 5,91 %
8BASBASF 5,75 %
9DTEDT.TELEKOM5,56 %
10DBKDEUTSCHE BANK5,07 %

Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute im DAX® ein Gewicht von 69,56 %. Ihr Anteil hat, seit unserer Bewertung von Ende Juni 2008, geringfügig zugenommen. Im gleichen Zeitraum hat auch das Gewicht der Technologie (DT.TELEKOM + INFINEON TECH. + SAP + SIEMENS = 21,73 %) etwas stärker zugenommen. Zu den "billigen" Teilnehmern gehören durchgehend die Banken und Versicherungen. Die Anleger misstrauen immer noch diesen Finanzkonzernen (Immobilienkrise, Bankenkrise, Kredite an Hedge Fonds und Private Equity, CCT). Diese "billigen" risikoreichen Versicherungs-/Finanzwerte bringen den DAX® in den Bereich der "preiswerten" Bewertung. Ohne die Kreditkrise, der Preisexplosion bei der Energie und den Rohstoffen und den schlechten Aussichten für das Wirtschaftswachstum bestünde großes Potential nach Norden respektive der DAX® würde schon wesentlich höher stehen. So ist aber die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Gewinne stark schrumpfen werden und wir eventuell in eine Rezession abrutschen. Sollten diese Annahmen stimmen, ist der DAX® zu teuer, so wie aktuell die meisten Aktien.

Unsichere Altersvorsorge

Die Rente war sicher

Norbet Blüm

Die virtuelle Finanzwelt hat die Realwirtschaft längst abgehängt. Das Credo der Finanzkapitalisten: zocken sei lukrativer als arbeiten.
 
Eine Außenansicht von  N o r b e r t  B l ü m

Schlag nach bei Hans Christian Andersen. Dass der Kaiser in seinem Märchen keine neuen Kleider, sondern gar nichts trug, sah jeder; aber keiner gab es zu, weil niemand als dumm gelten wollte. Denn dumm war, wer nicht sah, was die Hofschranzen als wunderbar ausgegeben hatten. Nur ein Bub, der seiner Sinne noch mächtig war, rief: "Aber der Kaiser ist doch nackt." Alle waren verblüfft, nun schämte sich sogar der Kaiser, denn auch er hatte die Schönheit seiner Gewänder für real, seinen Verstand aber für verrückt gehalten. Seine Höflinge hatten ihm stündlich ins Ohr geraunt, wie exquisit er gewandet sei.

So geht es auch in der zweigeteilten Welt des virtuellen Finanzkapitals und der realen Arbeit zu. Die Scheidelinie verläuft zwischen Schein und Sein. Die Illusionswerte sind lukrativer als die Substanzwerte. Der Unterschied zwischen der virtuellen und der realen Welt lässt sich jedoch nicht beliebig steigern. Auch ein Luftballon kann platzen, und irgendwann platzen auch die größten Finanzblasen. Dazu bedarf es nicht eines kleinen Jungen, sondern nur irgendjemandes, der bei den großen Spielen plötzlich Angst um sein Geld bekommt und nicht mehr mitspielt. Man kann auch alles übertreiben, selbst Mutige bekommen bisweilen Angst vor ihrer Courage.

97 Prozent des Finanzkapitals, das den Erdball umkreist, haben mit Wertschöpfung und realen Gütern nichts mehr zu tun. Es ist Spielgeld, das zum Zocken verwendet wird. Mit den Dollar-Billionen, welche die Erde in sechs Tagen umkreisen, kann das amerikanische Sozialprodukt eines Jahres aufgekauft werden. Das Handelsvolumen der Frankfurter Derivatenbörse Eurex war im Jahr 2006 genau 46-mal größer als das deutsche Bruttoinlandsprodukt desselben Zeitraums. Der Handel mit Zinsderivaten war 1600-mal höher als die Summe aller Investitionen im Inland.

Die Realwirtschaft abgehängt

Die virtuelle Welt der Finanzgeschäfte hat die reale Welt der Wirtschaft abgehängt. Wertschöpfung, Arbeit und Produktion verkommen zur Restgröße. Mit Arbeit und Eigentum hat diese Art von Finanzkapitalismus so viel zu tun wie eine Fata Morgana mit einer real existierenden Oase. Die Sprache der Finanziers, Bankiers und Börsianer verrät schon ihr pubertäres Versteckspiel: "Expander-Zertifikate", "Airbag-Zertifikate", "Outperformance-Zertifikate". Diese Wortspiele sind Hokuspokus - wie die Sache, die sie ausdrücken sollen.

Die Kapitalmassen ziehen um den Erdball und suchen verzweifelt Bodenkontakt. Sie kreisen über den Börsenplätzen herum. Viele Landeplätze gibt es nicht mehr. Es wird privatisiert auf Teufel komm heraus. Denn was nicht privatisiert ist, eignet sich auch nicht zur Finanzvermarktung. Wasserversorgung, Strafvollzug ... alles wird privatisiert und kapitalisiert. Als letzte Beute steht das Sozialsystem im Visier der globalen Kapitalstrategen. Kapitalisierung von Rente, Pflege, Krankenversicherung, das ist deshalb der letzte Schrei der Finanzkapitalisten, die sich als Retter aus sozialer Not maskiert haben.

"Die Rente ist sicher", habe ich vor zwanzig Jahren gesagt. Nun darf man hinzufragen: Welche denn? Bestimmt nicht die börsenorientierte! Von 112.000 Pensionsfonds der Vereinigten Staaten haben 32.000 überlebt. Der umlagefinanzierten Rentenversicherung ist ein solches Desaster noch nie passiert. 700 Milliarden Dollar werden jetzt ins amerikanische Bankensystem gepumpt. Aber das ist nur die erste Anzahlung. Weitere Raten werden folgen. Das ist vorerst so viel Geld, wie die Rentenversicherung hierzulande ungefähr in drei Jahren ausgibt.

Dem Kapital hinterhergeflattert

Die Umverteiler gelten als sozialistische Teufel. Auf der Börse aber wird mehr umverteilt, als es die Rentenversicherung je schaffte. Wenn sich der Kurs einer global gehandelten Aktie um ein Prozent ändert, wird mehr umverteilt, als an diesem Tag auf der ganzen Welt an Lohn verdient wird. Wenn ein Unternehmen mit hohem Aktienkurs verstaatlicht wird, ist das "Sozialismus". Bei niedrigen Aktienkursen ist es "Sicherung der Marktwirtschaft". Bei welchem Aktienkurs wandelt sich Verstaatlichung in Marktwirtschaft?

Eine durchkapitalisierte Gesellschaft ist eine bodenlose Gesellschaft. In ihr kommt der Mensch nur noch im Überbau vor, als "Humankapital". Auch als "Ich-AG" kann der Arbeiter notfalls noch überleben, sozusagen ein Homunkulus, der Vorstandschef, Hauptaktionär, Arbeitnehmer und Kunde seiner selbst ist. Ohne die Maske des Kapitals rührt sich eben nichts mehr in der kapitalistischen Gesellschaft. In einer solchen Gesellschaft flattern die Menschen wie die Zugvögel hinter dem Kapital her. Heimatlos ist der moderne Arbeitnehmer. Er gehört nirgends dazu. Zum Unternehmen jedenfalls nicht, das ist längst zur Kapitalsammelstelle degeneriert.

Jahrtausende hat der Mensch gebraucht, um Sesshaftigkeit zu üben. Jetzt wird ihm wieder Wanderschaft zugemutet. Mobilität soll sein Wesen ausmachen. Nur nicht festlegen, nur nicht festsitzen. Immer offen und beweglich soll er sein. Der Tagelöhner ist die Leitfigur der mobilen, flexiblen Wirtschaft, die keine anderen Regeln mehr kennt als profitablen Kapitaleinsatz. Deshalb weg mit Kündigungsschutz, weg mit Mitbestimmung und so weiter. Arbeit ist Arbeitskraft und sonst nichts.

Leistung ist kein Glücksspiel

Doch der Mensch ist nicht so knochenlos, wie es die neue Biegsamkeit verlangt. Die Natur des Menschen schlägt zurück. Der Neoliberalismus scheitert am Menschen, wie er ist, sein will und soll. Erst wenn sich das Kapital wieder in Eigentum zurückverwandelt, also wenn Mein und Dein wieder identifizierbar sind, hat es eine Überlebenschance. Eigentum muss auf Arbeit fußen, wenn es seine Legitimation erhalten will. In der christlichen Soziallehre rechtfertigt sich Eigentum als "Frucht der Arbeit". Eigentum, das nicht in Arbeit seinen Ursprung hat, stand dagegen immer unter dem Verdacht, gestohlen zu sein, wurde allenfalls als "Besitzergreifung herrenlosen Gutes" akzeptiert.

Arbeit, mit der Eigentum legitimiert wird, kann freilich in vielerlei Gestalt auftreten. Sie kann auch eine Finanzdienstleistung sein, aber nur so lange sich diese Finanzdienstleistung in der Pflicht sieht, dem Allgemeinwohl zu dienen. Die Leistung, auf der die Marktwirtschaft basiert, ist kein Glücksspiel, sondern Motivation und Legitimation für Erfolg. Arbeit ist die reale Quelle des Wohlstandes. Das wusste Adam Smith, der als Erfinder der Marktwirtschaft gilt. Seine neoliberalen Nachfahren haben es vergessen.


Obiger Artikel ist aus der Süddeutschen Zeitung vom 25. September 2008.


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