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Wie gewonnen, so zerronnen

27.05.2004: DAX®-Bewertungen

Bewertung zum 26.05.2004

Ausgangsdaten

Basis sind die Xetra-Schlusskurse vom 26.05.2004. Die Kurse und das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die berechnet wird, das aktuelle (Basis: Mai 2004) der Aktien und die sind aus der Süddeutschen Zeitung (Schätzungen IBES - Quelle Thomson Financial/Datastream).

Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe ). D.h. eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Seit der letzten Bewertung hat es, wie erwartet, keine Umstellung im DAX® gegeben. Gerüchte über Fusionen im Bankenbereich verdichteten sich, es blieb jedoch alles beim Alten.

Umlaufrendite

Umlaufrendite 5 Jahre

Die Zinsen für Tagesgelder bewegen sich zwischen 0,50 und 2,80%. Die kurzfristigen Zinsen sind stabil geblieben. Nach der deutlichen wirtschaftlichen Erholung in den USA zeigt nun auch die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und Deutschland positive Tendenzen. Eine weitere EZB-Zinssenkung ist damit vom Tisch und in den USA wird noch in diesem Jahr mit einer Gesamtzinserhöhung von über 100 Basispunkten gerechnet. Diese Erwartungen haben den Höhenflug des €´s ausgebremst. Die Erhöhung der Staatsverschuldung trifft zwischenzeitlich praktisch alle großen EU-Länder. Der Staat erwartet offensichtlich auch Zinssteigerungen. Deshalb steigen die Zinsen bei Bundesschatzbriefen mit der Liegedauer rapide an. Die Rendite hängt allerdings der Marktentwicklung noch deutlich hinterher. Der Staat wird demnächst aufbessern müssen. Bedingt durch die sich wieder ausweitende Staatsverschuldung aller großen Industrieländer ist mit einem Steigen der mittel- und langfristigen Zinsen zu rechnen. Diese Entwicklung zeichnet sich schon sehr deutlich ab. Es scheint, als ob das Zinstal inzwischen hinter uns liegt. Aus der Anleiheblase beginnt die Luft wieder unüberhörbar zu entweichen und die Kursverluste steigen wieder an. Sollte sich die wirtschaftliche Entwicklung bestätigen und auch noch der Ölpreis länger auf dem aktuellen Niveau verharren, erleben wir eine deutliche Zunahme der Inflation und damit eine Beschleunigung des Zinsanstiegs. Bei Anleihen ist deshalb weiterhin mit Kursverlusten zu rechnen.

Datum Insgesamt 3-5 Jahre 5-8 Jahre 8-15 Jahre 15-30 Jahre 1 € in US-$
26.05.04 3,97 % 3,29 % 3,83 % 4,25 % 4,95 % 1,211
29.12.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,248
25.09.03 3,77 % 3,08 % 3,62 % 4,00 % 4,64 % 1,149
12.06.03 3,27 % 2,47 % 2,98 % 3,48 % 4,48 % 1,177
10.04.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,077
27.12.02 3,93 % 3,26 % 3,78 % 4,17 % 4,86 % 1,041
27.09.02 4,12 % 3,57 % 4,00 % 4,30 % 4,92 % 0,980
26.07.02 4,52 % 4,07 % 4,48 % 4,70 % 5,16 % 0,985
26.06.02 4,73 % 4,34 % 4,65 % 4,87 % 5,21 % 0.980
25.01.02 4,74 % 4,37 % 4,71 % 4,90 % 5,27 % 0,865

Euro/US-$ 26.05.04

Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung bezüglich Umlaufrendite (Anleihen, Obligationen sowie Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag. Man sieht im Chart eine deutlich inverse Kopplung an den Aktienmarkt. Mit den ersten größeren Verunsicherungen im Aktienmarkt in diesem Jahr, fiel die Umlaufrendite deutlich. Es begann eine Flucht zurück zu den Anleihen. Trotzdem die Verunsicherungen noch nicht verschwunden sind, steigen die Renditen (Umlaufrendite) wieder an. Die Gründe liegen in der wachsenden Staatsverschuldung, der Erholung der Wirtschaft und steigender Inflation (auch Ölpreis). Die Anleiheblase schrumpft wieder und manch leichtsinnigem Anleger sträuben sich, nach einer sehr kurzen Erholungsphase, wieder die Nackenhaare. Sollten wir wirklich in 2004 die prognostizierte wirtschaftliche Erholung erleben, werden die Kursverluste bei Anleihen noch erheblich ansteigen. Nur ein starker Verfall an den Aktienmärkten kann den Verfall der Anleihekursen kurzfristig ausbremsen. Der € hat sich beruhigt und läuft aktuell seitwärts bei 1,20 US-$. Es scheint, dass er die letzten Tage wieder den Weg nach Norden aufgenommen hat. Hintergrund soll die beginnende Kaufverweigerung der Asiaten am US-$-Anleihenmarkt sein. Der € hat immer noch ein Niveau, das einen Urlaub in den USA zwingend empfehlenswert macht. Gegen den Kauf von US-Aktien spricht aus rein währungstechnischer Sicht nichts, die Überbewertung ist dort allerdings teilweise schon sehr stark. Das weiterbestehende Handels- und Leistungsbilanzdefizit der USA (der tägliche Bedarf an ausländischem Kapital zur Deckung liegt bei 1,5 bis 2 Mrd. US-$) kann den € weiter nach Norden treiben. Der DAX® hat immer noch nicht zu einer eigenständigen Entwicklung gefunden und harrt täglich, um die Richtung kopieren zu können, der Börseneröffnung in den USA.

Der Impuls des Irakkrieges reichte um die Börsen bis Ende Januar nach Norden zu tragen. Seitdem stagniert die Entwicklung und jeder kleine Fortschritt führt zu Gewinnmitnahmen. Wir bewegen uns seitlich in einem Korridor zwischen 3725 und 4150. Es fehlt offensichtlich der Mut, die Aktienmärkte in weitere Überbewertungen zu treiben. In den USA brummt inzwischen die Wirtschaft, zeigt jedoch schon erste Abkühlungssymptome und in Europa, einschließlich Deutschlands, hat ein positives Wachstum eingesetzt. Viele bezweifeln jedoch, das dieser wirtschaftlicher Aufschwung nachhaltig sein wird. Der steigende Ölpreis, die Abkühlung des Wachstums in Asien (hier besonders China), die Abnahme der Rüstungsausgaben in den USA und die bevorstehende Haushaltssanierung in den USA nach der Wahl des Präsidenten, könnten der wirtschaftlichen Entwicklung jeden Schwung nehmen. Trotzallem werden wir zwischenzeitlich eine wachsende Inflation mit den daraus resultierenden Zinserhöhungen am kurzen Ende erleben. Dies wären auf mittlere Sicht keine rosigen Zeiten für den Aktien- und den Rentenmarkt.

Die Zinsentwicklung hat das Tal durchlaufen. Die Zinsen ziehen an. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie weiter steigen werden ist höher als dass sie gleich bleiben oder sinken werden.

DAX®-Ergebnis

Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der Januarbewertung 2002. Alle Berechnungen berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.

DatumDAX®-StandDividenden-
rendite
KGV(f)KGV(1)KGV(2)
26.05.043867,522,12 %15,415,315,3
29.12.033952,722,02 %15,416,116,1
25.09.033326,272,40 %15,418,715,9
12.06.033219,472,45 %15,416,814,8
10.04.032697,103,24 %15,413,411,7
27.12.022840,002,93 %15,410,99,8
27.09.022918,902,87 %15,412,911,8
26.07.023579,002,37 %15,415,614,1
26.06.024099,052,07 %15,417,116,2
25.01.025156,332,02 %15,421,819,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den

Trotzdem die Commerzbank, die Deutsche Telekom, die HypoVereinsbank und Infineon keine Dividenden zahlten stiegen die gewichteten Zahlungen wieder leicht an. Die Sanierungsarbeiten in den Firmen und die ersten wirtschaftlichen Frühlingsboten zeigen Wirkung. Die Dividendenrendite liegt am oberen Bereich der Zinsen für Tagesgelder und sollte auf keinen Fall ignoriert werden. Sie trägt unter längerfristigen Gesichtspunkten erheblich zur Gesamtperformance bei. Hält die positive Entwicklung an, ist mit weiter steigenden Dividenden zu rechnen. Die Entwicklung der Dividendenrendite wird natürlich zusätzlich durch die Kursentwicklung mitbestimmt werden.

Der DAX® liegt auf der Marke der fairen Bewertung und das zweite Mal, dass wir Bewertungen durchführen, schreiben alle Firmen Gewinne. Berücksichtigt werden muss, dass wir uns wahrscheinlich am Anfang eines Konjunkturaufschwungs befinden und die DAX®-Unternehmen ihre Rationalisierungsmaßnahmen weitgehend durchgeführt haben. Ein einsetzender Aufschwung wird deshalb schnell eine erhebliche Gewinnsteigerung bringen und bei gleichbleibenden Kursen das KGV senken. Der DAX® ist immer noch wesentlich günstiger bewertet als der S&P500. Die sauber bilanzierten Gewinne seiner Teilnehmer sind immer noch höher als die Proformaergebnisse der Teilnehmer bei seinem amerikanischen Konkurrenten. In der Vergangenheit wagte ich immer, bei einem DAX®-Stand unter 3500 die Behauptung, dass man mit dem Kauf von Indexpapieren auf die Sicht von 4 bis 5 Jahren den Rentenmarkt schlagen würde. Mutige, die während dem Irakkrieg eingestiegen sind, haben dieses Ergebnis längst erreicht und einige haben ihre Gewinne schon realisiert. Einer, der bei dem heutigen Stand einsteigt, muss wesentlich kurzfristiger auf unerwartete Ereignisse reagieren können.

Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht geniessen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameDividendenrendite
1LHALUFTHANSA AG VNA O.N. 5,19 %
2TUITUI AG O.N. 4,89 %
3DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N4,17 %
4TKATHYSSENKRUPP AG O.N. 3,73 %
5EOAE.ON AG O.N. 3,60 %
6RWERWE AG ST A O.N. 3,53 %
7BASBASF AG O.N. 3,36 %
8VOWVOLKSWAGEN AG ST O.N. 2,95 %
9DPWDEUTSCHE POST AG NA O.N. 2,70 %
10LINLINDE AG O.N. 2,66 %

Die Bewerber:

RangCodeNameDividendenrendite
11MEOMETRO AG ST O.N. 2,57 %
12BAYBAYER AG O.N. 2,18 %
13SCHSCHERING AG O.N. 2,10 %
14MANMAN AG ST O.N. 2,04 %
15DBKDEUTSCHE BANK AG NA O.N. 2,00 %

Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie, können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12. "Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.

Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameKurs
1LHALUFTHANSA AG VNA O.N. 11,55
2TKATHYSSENKRUPP AG O.N. 13,40
3TUITUI AG O.N. 15,75
4DPWDEUTSCHE POST AG NA O.N. 16,30
5RWERWE AG ST A O.N. 35,43

Die Bewerber:

RangCodeNameKurs
6VOWVOLKSWAGEN AG ST O.N. 35,55
7DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N35,98
8BASBASF AG O.N. 41,65

Rangfolge nach Gewicht

RangCodeNameGewicht
1SIESIEMENS AG NA 11,64 %
2DBKDEUTSCHE BANK AG NA O.N. 9,15 %
3EOAE.ON AG O.N. 9,09 %
4DTEDT.TELEKOM AG NA 7,73 %
5DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N7,46 %
6ALVALLIANZ AG O.N. 7,06 %
7SAPSAP AG ST O.N. 6,54 %
8BASBASF AG O.N. 5,82 %
9BAYBAYER AG O.N. 3,91 %
10MUV2MUENCH.RUECKVERS.VNA O.N.3,80 %

Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute ein Gewicht von ca. 72% im DAX® (2003: im Dezember 73%, im September 72%, im Juni 73%, im April 74%; 2002: im Dezember 73%, im September 73%, im Juli 74%, im Juni 67%, im Januar 70%). Der Weg vom DAX30 zum DAX10 bleibt ausgebremst - der Anteil der Titanen nahm leicht ab. Der Technologiesektor erreicht 27,5%. Der größte Titan ist, unter der Berücksichtigung der gesamten Marktkapitalisierung, immer noch die Deutsche Telekom. Inzwischen hat der Bund beschlossen, Haushaltstützungsmaßnahmen über weitere Privatisierungen abzudecken. Das wird der Kursentwicklung dieser Aktie und derjenigen der Deutschen Post nicht zuträglich sein. Die Deutsche Telekom wird wahrscheinlich weiterhin schlechter als der Markt abschneiden.

Kurzer Blick auf den Chart

Chart

Seit unserer letzten Bewertung vor 5 Monaten hat sich kaum etwas getan. Wir stehen zwar 85 Punkte tiefer, aber beim dem Auf und Ab in unserem Kanal zwischen 3725 und 4150 Punkten, kann das in einigen Tagen schon wieder egalisiert sein. Die Volatilität (VDAX®) ist weiter im Bereich absoluter Normalität. Sie schwankt zwischen 17 und 26. Werden wir über den Sommer diesen seitlichen Schiebebereich verlassen? Und wenn ja, in welcher Richtung? Gilt dieses Jahr eventuell wieder die statistisch erhärtete Börsenweisheit "Sell in Mai and go away"? Momentan sind die potentiellen Impulse nicht sichtbar, die uns über die 4170-Marke hinaustragen könnten. Es fehlt an Käufern. Viele haben in dem langen Abstieg seit 2000 sich die Finger verbrannt und Ihr Herz und Geld verloren. Sie trauen sich nicht mehr zurück respektive sie warten auf ihre Einstandskurse - manche warten Jahrzehnte - und steigen beim Erreichen aus. Für die Restlichen gilt wahrscheinlich: "Die wirtschaftliche Erholung ist weitgehends eingepreist - eine neue Blase finanzieren wir nicht". Erst eine neue Generation von Spekulanten kann wieder eine neue große Blase erzeugen.

Die allgemeine Gefahrenlage hat sich kaum verändert. Sollte einer der nachfolgenden Risiken eintreten, ist ein starker Fall nach Süden vorprogrammiert:

  • langsam stellt man eine Abhärtung gegenüber Terroranschlägen fest. Trotzdem würde ein empfindlicher Schlag gegen die USA dort einen neuen Crash auslösen und der DAX® würde verstärkt darauf reagieren.
  • der € macht aktuell auf hohem Niveau Pause. Trotzdem können die fundamentalen Fehlentwicklungen in den USA ihn wieder nordwärts jagen. Das US-amerikanische Leistungsbilanzdefizit hängt wie ein Fallbeil über unserem Finanzsystem und kann jederzeit in Aktion treten und damit eine veritable Weltwirtschaftskrise auslösen.
  • die Probleme in Südostasien, im nahen und mittleren Osten harren weiter einer Lösung. Kriegerische Auseinandersetzungen können zu jedem Zeitpunkt ausbrechen.

Sollten keine besonderen Ereignisse auftreten, findet die nächste Bewertung im Rahmen der Umschichtung des Lotto-Depots Ende September statt. Eine unwahrscheinliche Änderung in der Zusammenstellung des DAX® würde zu einer frühzeitigeren Bewertung führen.


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