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Die Märkte sind amoralisch

23.06.2008: DAX®-Bewertungen

Bewertung zum 20.06.2008

Bankenkrise

Nein, kein erneuter Angriff auf Hochhäuser in New York, wie das rechte Kunstwerk suggerieren könnte. Diesmal sind es die Banken selbst, die sich abfackeln. Wie schon in unserer letzten Bewertung vermutet, schädigt die Banken- und Schuldenkrise die Aktienmärkte und letztendlich auch die Wirtschaft. Vorerst scheint es vorbei mit dem Höhenritt. Seit unserer Bewertung von Ende 2007 verliert der DAX® 18,46%. Auf die Sicht von 12 Monaten ist es ein Verlust von 17,25%. Dabei wurden dieses Jahr einmalig hohe Dividenden gezahlt und bei den meisten DAX®-Firmen außerhalb der Finanzbranche brummt noch immer das Geschäft. Die starke wirtschaftliche Abkühlung in den USA hat bei unseren Firmen bis jetzt kaum Spuren hinterlassen. Inwieweit und wie stark die US-Schwäche die restliche Weltwirtschaft treffen wird, ist immer noch umstritten. Unabhängig davon beeinflussen die US-Börsen die restlichen Börsen auf unserem Globus stark. Die Stimmung der Marktteilnehmer schwankt momentan stark mit der jeweiligen Kursentwicklung. Aktuell stehen 46% Bullen, 31% Bären gegenüber (Quelle: Cognitrend). Entgegen den Aussagen mancher Berufsoptimisten ist die Kreditkrise noch nicht bewältigt. Die Preise der US-Immobilien befinden sich weiter im freien Fall und erhöhen damit den Druck auf die Banken und schnüren den Konsumenten die Luft ab. Die Explosion der Rohstoff- und Energiepreise tut ihr Übriges. Auch im Euroland gibt es erste Bremsspuren. Es ist nur eine Frage der Zeit bis diese Entwicklung unsere Exporte schädigt. Spätestens dann werden die Gewinne der DAX®-Firmen schrumpfen. Keine rosigen Zeiten für florierende Aktienkurse.

Ausgangsdaten

Basis sind die Xetra®- Schlusskurse vom 20.06.2008. Die Kurse und das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die berechnet wird, das aktuelle (Basis: Schätzungen Thomson Financial vom Juni 2008) der Aktien und die sind aus der Süddeutschen Zeitung. Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe ). D.h., eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®. Weitere Regeländerungen gab es zum Oktober 2006. Seitdem muss der Firmensitz nicht mehr in Deutschland sein und das Gewicht wird bei 10 % zum jeweiligen nächsten Bewertungsstichtag gekappt. Es wird wieder angehoben wenn es durch eine vorangegangene Kappung am Bewertungsstichtag unter 10% liegt. So starten z.B. E.ON und SIEMENS am Montag mit einem Gewicht von je 10,00%.

CodeNameISINKursDividendeKGVGewicht
1ADSADIDASDE000500340442,120,5014,001,34 %
2ALVALLIANZ DE0008404005116,355,507,008,51 %
3BASBASF DE000515100589,813,9011,006,85 %
4BMWBAY.MOTOREN WERKEDE000519000332,401,068,001,66 %
65BAYBAYER DE000575200050,611,3513,006,13 %
6CBKCOMMERZBANKDE000803200418,991,008,001,84 %
7CONCONTINENTALDE000543900462,802,008,001,61 %
8DAIDAIMLERDE000710000044,382,008,006,71 %
9DBKDEUTSCHE BANKDE000514000858,624,508,004,86 %
10DB1DEUTSCHE BOERSEDE000581005577,802,1014,002,46 %
11DPWDEUTSCHE POSTDE000555200417,720,9010,002,40 %
12DPBDEUTSCHE POSTBANKDE000800100957,491,2513,000,74 %
13DTEDT.TELEKOMDE000555750810,020,7813,004,62 %
14EOAE.ON DE0007614406126,214,1014,0010,47 %
15FMEFRESEN.MED.CAREDE000578580234,520,5412,001,01 %
16HEN3HENKELDE000604843226,950,5312,000,76 %
17HRXHYPO REAL ESTATEDE000802770721,010,507,000,67 %
18IFXINFINEON TECH.DE00062310046,350,00-,--0,74 %
19LINLINDE DE000648300192,801,7017,002,04 %
20LHALUFTHANSA DE000823212514,651,257,001,11 %
21MANMAN DE000593700778,513,158,001,24 %
22MRKMERCKDE0006599905 89,361,20+2,0015,000,93 %
23MEOMETRO DE000725750343,041,1814,000,70 %
24MUV2MUENCH.RUECKVERS.DE0008430026118,595,508,003,96 %
25RWERWE DE000703712978,883,1513,005,58 %
26SAPSAP DE000716460033,230,5018,004,62 %
27SIESIEMENS DE000723610172,691,6015,009,70 %
28TKATHYSSENKRUPPDE000750000141,921,3010,002,23 %
29TUI1TUI DE000TUAG00015,440,2512,000,45 %
30VOWVOLKSWAGEN DE0007664005182,461,8015,004,07 %
MERCK leistete neben der Dividendenzahlung auch noch eine Sonderzahlung

Im Laufe dieses Jahres wurde die DAX®-Zusammensetzung nicht verändert. Sollte der Verkauf der DEUTSCHEN POSTBANK noch dieses Jahr über die Bühne gehen, wird eine zusätzliche Bewertung außer der Reihe durchgeführt werden. Der Hauptgründe für diese Bewertung sind das Ende der aktuellen Anlageperiode im DAX®-Lotto und der übliche Bewertungszeitpunkt zur Mitte des Jahres.

Umlaufrendite, €/US-$ und Rohölpreis

Entwicklung der Umlaufrendite (12 Monate)

Im Januar gingen die Aktien in den freien Fall über und verursachten eine große Flucht in Staatsanleihen (Sicherheit). Die Bankenkrise wurde virulent und manche befürchteten die Pleite großer Banken. Mit der Rettung der großen US-Investmentbank Bear Stearns im März durch die Fed (Garantie durch die Fed bis zu 30 Milliarden US-$ bei der Übernahme durch JP Morgan) verschwand diese Furcht und der Markt drehte. Auch ein erneuter Absturz der Aktienmärkte konnte die Umlaufrendite nicht mehr stark beeinflussen. Es stand und steht jetzt die Inflation im Fokus. Die Kreditkrise bewahrt jetzt nicht mehr die Besitzer von Rentenpapieren vor größeren Kursverlusten. Sie bot sogar im Einzelfall temporär eine Ausstiegsmöglichkeit mit Gewinn respektive wesentlich geringeren Verlusten. Momentan bringen die kurzfristigen Geldanlagen schon mehr Rendite als die mittel- bis längerfristigen Geldanlagen. "Cash is King", wegen unsicheren Aktienmärkten und weil die Furcht vor großen Bankenpleiten verschwunden ist. Wenn die Zinsen weiter steigen werden, was angesichts der inflationären Entwicklung so sein sollte, erwächst den Aktien starke Konkurrenz.
 
Seit unserer Bewertung Ende Juni 2007 gab es keine Zinsveränderung mehr durch die EZB. Nach dem dem 13. Juni, nach acht Zinserhöhungen in Folge, bleibt der Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des €urosystems 4,00 % (für Spitzenrefinanzierungsfazilität 5,00 % und für die Einlagefazilität 3,00 %). Die EZB hat jetzt, wegen den erhöhten Inflationserwartungen und trotz massiven Leitzinsänderungen in den USA, Leitzinserhöhungen angedroht. Der Markt erwartet einen ersten Zinsschritt im Juli. Der US-Leitzins liegt aktuell bei 2%. Ende 2007 lag er noch bei 4,25%. Im Juni 2007 stand er noch bei 5,25%. Der Federal Open Market Committee (FOMC) der US-Notenbank hat mit jeweils 2 Zinssenkungen im Januar und im März und einer im April die inflationäre Entwicklung ignoriert und nur die Ziele Bankensanierung, Aktienmärkte und Konjunktur verfolgt. Deshalb nimmt der Markt die momentane Drohung, die Zinsen wieder zu erhöhen, nicht ernst. Es wird sobald mit keiner Leitzinserhöhung in den USA gerechnet. Wahrscheinlicher erscheint sogar eine weitere Leitzinssenkung. Bedingt durch die Vertrauenskrise am Geldmarkt ist es zu einem gestiegenen Liquiditätsbedarf der Banken gekommen und die Tageszinsen haben zugelegt. Die Spitzensätze liegen aktuell bei 3,25 bis 5,5%. Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihre Tagesgelder zur Konkurrenz! Festgelder in einem 6-Monatsbereich erreichen zum Teil schon über 5%. Der Bundesfinanzminister musste schon reagieren. Die Renditen bei Bundesschatzbriefen sind angestiegen. Sie betragen momentan beim Typ A (6 Jahre) 4,19% und beim Typ B (7 Jahre) 4,29%. Die inflationäre Entwicklung schreit nach Zinserhöhungen. Die Kreditkrise, die Devisenparitäten und die Entwicklung der Aktienmärkte scheinen das nicht mehr verhindern zu können.

Umlaufrenditen und €/US-$
Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung bezüglich Umlaufrendite (Anleihen, Obligationen sowie Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag.
 
Datum Insgesamt 3-5 Jahre 5-8 Jahre 8-15 Jahre 15-30 Jahre 1 € in US-$
20.06.08 4,74 % 4,75 % 4,72 % 4,66 % 4,81 % 1,563
28.12.07 4,34 % 4,16 % 4,24 % 4,34 % 4,66 % 1,472
22.06.07 4,64 % 4,55 % 4,61 % 4,62 % 4,81 % 1,346
30.03.07 4,08 % 4,01 % 4,02 % 4,03 % 4,24 % 1,336
29.12.06 3,96 % 3,91 % 3,93 % 3,94 % 4,09 % 1,320
22.09.06 3,69 % 3,58 % 3,63 % 3,68 % 3,92 % 1,278
23.06.06 3,97 % 3,73 % 3,90 % 4,01 % 4,34 % 1,251
30.12.05 3,22 % 3,00 % 3,14 % 3,25 % 3,57 % 1,183
23.09.05 2,88 % 2,44 % 2,74 % 2,97 % 3,50 % 1,208
23.03.05 3,49 % 3,00 % 3,39 % 3,66 % 4,16 % 1,298
29.12.04 3,41 % 2,88 % 3,27 % 3,57 % 4,22 % 1,359
23.09.04 3,70 % 3,10 % 3,56 % 3,89 % 4,55 % 1,226
26.05.04 3,97 % 3,29 % 3,83 % 4,25 % 4,95 % 1,211
29.12.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,248
25.09.03 3,77 % 3,08 % 3,62 % 4,00 % 4,64 % 1,149
12.06.03 3,27 % 2,47 % 2,98 % 3,48 % 4,48 % 1,177
10.04.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,077
27.12.02 3,93 % 3,26 % 3,78 % 4,17 % 4,86 % 1,041
27.09.02 4,12 % 3,57 % 4,00 % 4,30 % 4,92 % 0,980
26.07.02 4,52 % 4,07 % 4,48 % 4,70 % 5,16 % 0,985
26.06.02 4,73 % 4,34 % 4,65 % 4,87 % 5,21 % 0.980
25.01.02 4,74 % 4,37 % 4,71 % 4,90 % 5,27 % 0,865

Die massiven Leitzinssenkungen in den USA haben die Zinsen am kurzen Ende runter geprügelt und die Zinskurve hat sich aufgesteilt. Die Zinsen am langen Ende sind angestiegen. Das ist zwar gut für die Sanierung der Banken aber schlecht für Immobilienbesitzer die umfinanzieren müssen. Es ist also kein nachhaltiger Beitrag zur Lösung der Krise. Momentan erhält man für Tagesgelder 1,9%. US-Staatsanleihen (Treasury Note) rentieren bei 2 Jahren mit 2,89%, bei 5 Jahren mit 3,59%, bei 10 Jahren mit 4.17% und bei 30 Jahren mit 4,73%. In der Schweiz rentieren 10-jährige Staatsanleihen momentan mit 3,39%. Eine ganz andere Welt ist Japan. Die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen ist dort auf 1,76% gestiegen.

Entwicklung des Verhältnisses €/US-$ (12 Monate)

Auch in diesem Jahr verliert der US-$ weiter massiv an Wert. Ende April war der bisherige Höhepunkt. Es mussten 1,60$ für ein €uro hingeblättert werden. Die Verbalakrobatik der Fed (Drohung mit Leitzinserhöhungen) hat den US-$ zwischenzeitlich etwas stärker reden können. Die realen Gegebenheiten (Zinsen, Schulden, Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit) werden den weiteren Verfall mittelfristig am Laufen halten. Da die kurzfristige Spekulation an den Devisenmärkten, die keinen fundamentalen Hintergrund hat, stark wirkt, sind natürlich erhebliche Übertreibungen in beide Richtungen möglich.
 
Seit unserer Bewertung von Ende 2007 hat der €uro um 6,18% zugelegt. Im gleichen Zeitraum sind die US-Aktien aus den großen Indizes weniger stark gefallen wie die der DAX®-Teilnehmer. Der Gewinn des €uros konnte dies nur zum Teil ausgleichen. Viele US-Anleger haben offensichtlich ihre Gelder nach Hause geholt und viele deutsche Spekulanten scheinen skeptischer bezüglich der weiteren Entwicklung zu sein. Oft wird von einer €urostärke gesprochen. Das stimmt nicht. Der €uro liegt im Mittelfeld der Währungen. Gegenüber vielen anderen Währungen hat der US-$ stärker verloren. Bei anderen wichtigen EU-Handelspartnern, gegenüber deren Währungen der US-$ mehr verloren hat, liegt der Unterschied aus €urosicht nur bei wenigen Punkten. Das ist ein Grund, neben verbilligten Einfuhren von Halbzeug, weshalb die Wirtschaft in Deutschland kaum geschädigt wurde. Andere Länder im €uroraum ächzen inzwischen unter der Bürde des schwachen US-$. Dieses Klagen scheint oft vorgeschoben und soll von den selbst gemachten Problemen ablenken. Nach dem Motto: "Die anderen sind schuld - besonders die böse europäische Union"! Der schwächere US-$ hat zwischenzeitlich dazu beigetragen die US-Ausfuhren zu steigern. Noch sind die zusätzlichen Volumina zu gering. Sie werden aber, sollten die aktuellen Währungsverhältnisse anhalten, weiter ansteigen. Allerdings fördert der schwache US-$ die Inflation in den USA erheblich. Soll zwischenzeitlich sogar der Fed schon aufgefallen sein. Exportstarke US-Firmen steigern über die Devisenverschiebungen ihren in US-$ bilanzierten Gewinn.

Entwicklung des Rohölpreises (12 Monate)

Vor 5 Jahren war ein Fass Rohöl noch für etwa 28 $ zu haben. Heute muss man schon 135 $ hinlegen. Eine Verfünffachung innerhalb der kurzen Zeit. Auch in vielen anderen Rohstoffbereichen (Industriemetallen, Lebensmittel, ...) tobt sich die Spekulation aus. Neben einer erhöhten Nachfrage und manchmal auch einem zurückgehenden Angebot, trägt die kurzfristige Spekulation ohne realen Hintergrund eine erkleckliche Schuld an dieser Preisentwicklung. So konnte man die letzten Monate beim Rohöl sehr deutlich am jeweiligen Monatswechsel die Umschichtung der Monatskontrakte in der Preisentwicklung beobachten. Deutet sich eine Preisberuhigung an, werden die entsprechenden Nachrichten erzeugt. Dazu gehört immer noch der Iran. Goldman Sachs will schließlich in absehbarer Zeit einen Preis von 200 $ je Fass sehen. So stark wird der €uro nicht steigen können um diese Preisvorstellungen zu kompensieren. Bis jetzt konnte er nur deutlich dämpfend wirken. Für die €urozone hat sich die letzten 5 Jahre der Ölpreis nicht verfünffacht sondern nur verdreifacht. Deshalb ist die offizielle Inflationsrate in der €urozone auch höher als in den USA. Wundersame Statistik. So befinden sich die USA auch nicht in einer heftigen Stagflation. Nein, die Wirtschaft wächst noch immer und wird in diesem Sommer noch stärker wachsen. Es stehen immerhin Präsidentschaftswahlen vor der Tür. Da muss es aufwärts gehen! Darüber lacht die Welt und sie hat Recht.
 
Das billige Geld aus den USA und Japan (niedrige Zinsen), angeblich zur Ankurbelung der Konjunktur, überschwemmt die Weltmärkte und bietet den Hebel für heftige Spekulationen. Nach dem Irrsinn am Immobilienmarkt sind jetzt die Rohstoffmärkte dran. Die stark steigenden Preise für Energie, Lebensmittel und andere Rohstoffe treiben die Inflation an und diese würgt die wirtschaftliche Entwicklung so richtig ab. Damit erreicht die Fed das genaue Gegenteil von dem was sie angeblich erreichen will. Was soll man auch von einem Verein halten, der gegen alle möglichen Krankheiten wie z.B. Rezession, Bankenkrise, Immobilienkrise und Inflation nur eine Medizin kennt: Zinssenkungen! Die US-Weicheier wollen immer die Rezession, die zu einem ganz normalen Wirtschaftszyklus gehört, verhindern. Das Endergebnis ist die Schädigung der freien Märkte und ein immer größeres Einwirken des Staates. Gewinne fallen dabei privat an und Verluste werden sozialisiert. Die wahnsinnigsten Spekulationen werden risikolos.
 
Unser gesamter Wohlstand seit dem Beginn der industriellen Revolution beruht auf niedrigen Energiepreisen und auf nichts anderem. Die jetzigen Energiepreise werden so wie in den 70-ziger und 80-ziger Jahren für eine weitere Verarmung sorgen. Es lebe das billige Geld! Damit wird alles teurer!

DAX®-Ergebnis

Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der Januarbewertung 2002. Nur INFINEON TECH. schreibt Verluste (Gewicht 0,74%) und deshalb sind KGV(1) und KGV(2) unterschiedlich. Alle Berechnungen berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.

DatumDAX®-StandDividenden-
rendite
KGV(f)KGV(1)KGV(2)
20.06.086578,443,89 %15,410,910,8
28.12.078067,322,50 %15,412,812,8
22.06.077949,632,53 %15,415,015,0
30.03.076917,032,64 %15,413,313,3
29.12.066596,922,72 %15,414,814,7
22.09.065883,323,03 %15,413,213,0
23.06.065529,743,28 %15,412,512,4
30.12.055408,262,13 %15,412,912,9
23.09.054882,582,31 %15,413,713,6
23.03.054317,201,91 %15,413,313,3
29.12.044247,751,89 %15,413,113,1
23.09.043905,662,06 %15,414,914,9
26.05.043867,522,12 %15,415,315,3
29.12.033952,722,02 %15,416,116,1
25.09.033326,272,40 %15,418,715,9
12.06.033219,472,45 %15,416,814,8
10.04.032697,103,24 %15,413,411,7
27.12.022840,002,93 %15,410,99,8
27.09.022918,902,87 %15,412,911,8
26.07.023579,002,37 %15,415,614,1
26.06.024099,052,07 %15,417,116,2
25.01.025156,332,02 %15,421,819,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den

In den letzten 12 Monaten hatten wir nur einen Dividendenausfall bei INFINEON TECH. (Anteil am DAX®; 0,74% %) zu beklagen. Sonst gab es fast durchgängig kräftige Dividendenerhöhungen und sogar eine Sonderzahlung durch MERCK (sie wird bei der Berechnung Index-Dividendenrendite berücksichtigt und fällt bei der Kandidatenaufstellung für Dividendenstrategien unter den Tisch). Die Sanierungsarbeiten in den Firmen haben sie für die Globalisierung fit gemacht. Die noch gute Weltkonjunktur trägt immer noch Früchte. Besonders die Nachfrage nach Produkten der Investitionsgüterindustrie ist erheblich. Die Auftragsbücher sind voll. Abnehmer sind oft Länder mit einem sehr starken Zugriff des Staates auf die Wirtschaft. Derartige Strukturen reagieren auf Veränderungen nicht so schnell wie wirklich freie Marktwirtschaften. Die zwischenzeitlich durchgesetzten und noch kommenden Lohnerhöhungen werden auf der Kostenseite demnächst stärkere Wirkung zeigen. Der Kurs ist seit Jahresanfang um über 18,46% eingebrochen. Dies hat sicherlich auch zu einer Erhöhung der Dividendenrendite beigetragen. Vergleicht man jedoch den heutigen DAX®-Stand mit dem von Ende 2006, sieht man wie stark die Dividendenzahlungen zugelegt haben. Der starke Kurseinbruch hat auch zu einer Verbesserung des KGV beigetragen. Allerdings beträgt diese KGV-Verbesserung nur ca. 14%. Darin wird ersichtlich, dass die Gewinnmargen schon schrumpfen (Energie- und Rohstoffpreise und erhöhte Personalkosten, die nicht mehr weitergereicht werden können). Die Dividendenrendite ist mit 3,89% erheblich und sie bietet immer noch weit mehr als viele Banken für die kurzfristige Geldanlage bereit sind zu zahlen. Sie sollte auf keinen Fall ignoriert werden. Die Gewinne befinden sich immer noch auf einem geschichtlich außergewöhnlich hohen Stand. Dieses Niveau und auch das Niveau der Dividendenzahlungen wird mittelfristig nur sehr schwierig zu halten sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch bei guter Konjunktur abnehmen wird, ist sehr groß. Die Wahrscheinlichkeit, dass das weltweite wirtschaftliche Wachstum sich weiter abschwächt ist leider auch sehr groß.

Entwicklung des DAX® (12 Monate)

Der DAX® hielt sich Ende 2007, im Verhältnis zu anderen Indizes, überraschend stark um dann Anfang 2008 umso stärker abzustürzen. Heute kennt man den Hintergrund. Jerome Kievel, hauptberuflich Zocker bei der Société Générale, verspielte unter den Augen seines Arbeitgebers fast 5 Milliarden €uro mit Wetten hauptsächlich auf den DAX®. Dabei hatte der Absturz des DAX® fast einen weltweiten Crash ausgelöst. Sogar die Fed sah sich im Zusammenhang mit diesem Absturz zu einer außergewöhnlichen Leitzinssenkung, noch vor der Börseneröffnung in den USA, gezwungen. Lächerlich! Trotzdem ist der DAX® aus aktueller KGV-Sicht deutlich unterbewertet. Dabei zeigt er allerdings seit einiger Zeit ein gespaltenes Bild. Die Konzerne aus dem Bereich Banken und Versicherungen zeigen ein besonders niedriges KGV und tragen damit auch zu der sehr günstigen Gesamtbewertung wesentlich bei. Hintergrund sind die großen Kursverluste in diesem Sektor. Der Markt unterstellt diesen Konzernen, dass sie noch viele Leichen aus der Kreditkrise im Keller haben, die erst noch gehoben werden müssen. Hätten diese Konzerne eine ähnliche Kursentwicklung wie die Übrigen mitgemacht, läge der DAX® heute im Bereich der "fairen" Bewertung. Die Frage die sich stellt ist, ob der Markt die Kreditkrise und deren potentiellen Auswirkungen bis jetzt richtig bewertet hat. baer45 meint, dass eine solche Einschätzung zurzeit keiner bieten kann, auch nicht der Markt!

Das wirkliche Risiko für das KGV liegt in der außergewöhnlichen Gewinnsituation, die so auch in guten Jahren kaum aufrecht zu erhalten sein wird. Optimierungen und Rationalisierungen sind kaum noch möglich. Die Gehälter steigen an und die Weltkonjunktur zeigt schon stärkere Abkühlungsanzeichen. Letzteres ist für den immer noch amtierenden Exportweltmeister besonders ungünstig. Es bleibt dann auch noch die absolut fehlende Transparenz im Banken- und Versicherungsbereich. Nicht auszuschließen ist, dass auch einige Konzerne aus anderen Sektoren Subprime-Schrott in ihren Firmenpensionsfonds begraben haben und demnächst Geld nachschießen müssen. Allerdings ist der DAX® unter der Berücksichtigung aller Aspekte wesentlich günstiger bewertet als der S&P500. Die sauberer bilanzierten Gewinne seiner Teilnehmer sind immer noch wesentlich höher als die Proformaergebnisse der Teilnehmer bei seinem amerikanischen Konkurrenten. Trotzdem werden diese den weiteren Weg vorgeben. Weitere Kurseinbrüche in den USA würden auch den DAX® weiter nach Süden treiben. Käme es zu einer größeren Krise, würde eine starke Flucht in die Sicherheit stattfinden. Als Sicherheit werden u. a. global agierende Großkonzerne angesehen. Die befinden sich mehrheitlich in den USA.

SZ-Indikator

Der SZ-Euroland-Indikator fällt im Juni ungewohnt kräftig von nach unten revidierten 1,95 auf nur noch 1,46%. Einen so starken Rückgang verzeichnete er zuletzt Ende 2001. Geht es nach dem SZ-Euroland-Indikator, befindet sich der Euroraum also inmitten eines ausgewachsenen Abschwungs. Das bedeutet, dass das Land jetzt in eine schwierigere Phase der konjunkturellen Schwäche eintritt, denn der SZ-Euroland-Indikator signalisiert nun klar unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum - sein langfristiger Durchschnitt liegt bei immerhin 2,3%. Für deutsche Ohren mag diese Erkenntnis befremdlich klingen, sagen hiesige Forscher doch immer, die Ökonomie sei stabil, zum Beispiel der berühmte Ifo-Geschäftsklimaindex. Doch Euroland ist nicht nur Deutschland. Und so sieht es in Spanien, Italien oder auch Irland und Portugal derzeit viel schlechter aus als hierzulande.


Obiger Artikel ist aus der Süddeutschen Zeitung vom 21./22. Juni 2008 (Wirtschaftsteil). Die zugehörige Graphik wurde entsprechend dem Original rekonstruiert.
 
Seit Mai 2000 wird in der Süddeutschen Zeitung jeweils an einem Samstag zur Monatsmitte der vom Makro Research der DekaBank konstruierte SZ-Euroland-Indikator veröffentlicht. Ziel des Gesamtindikators ist es, konjunkturelle Umkehrpunkte frühzeitig und zuverlässig zu signalisieren. Die methodische Darstellung findet sich auf der Homepage der DekaBank unter www.dekabank.de/economics. Die langen Zeitreihen ab März 1994 sind bei den Datenbankanbietern Reuters Eco-Win unter den Kürzeln "ew:emu07030" (monatlich) bzw. "ew:emu07035" (quartalsweise) und bei Thomson Financial unter den Datastream-Mnemonics "EMSZINDMR" (monatlich) bzw. "EMSZINDQR" (quartalsweise) abrufbar.



Anmerkung von baer45:
Der Großteil unserer Exporte geht in den Euroraum. Wir sollten die Schwierigkeiten unserer Handelspartner mit etwas Zeitverzug auch bei uns merken. Ob die EZB bei einer sichtbaren Abkühlung im Euroraum wirklich den Leitzins erhöhen wird? Wir werden sehen, wie ernst es ihr mit der Inflationsbekämpfung wirklich ist.

Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameDividendenrendite
1LHALUFTHANSA 8,53 %
2DTEDT.TELEKOM7,78 %
3DBKDEUTSCHE BANK7,68 %
4CBKCOMMERZBANK5,27 %
5DPWDEUTSCHE POST5,08 %
6ALVALLIANZ 4,73 %
7MUV2MUENCH.RUECKVERS.4,64 %
8DCXDAIMLER4,51 %
9BASBASF 4,34 %
10MANMAN 4,01 %

Die Bewerber:

RangCodeNameDividendenrendite
11RWERWE 3,99 %
12BMWBAY.MOTOREN WERKE3,27 %
13EOAE.ON 3,25 %
14CONCONTINENTAL3,18 %
15TKATHYSSENKRUPP3,10 %

Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie, können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12. "Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.

Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameKurs
1DTEDT.TELEKOM10,02
2LHALUFTHANSA 14,65
3DPWDEUTSCHE POST17,72
4CBKCOMMERZBANK18,99
5DCXDAIMLER44,38

Die Bewerber:

RangCodeNameKurs
6DBKDEUTSCHE BANK58,62
7MANMAN 78,51
8BASBASF 89,81

Rangfolge nach Gewicht

RangCodeNameGewicht
1EOAE.ON 10,47 %
2SIESIEMENS 9,70 %
3ALVALLIANZ 8,51 %
4BASBASF 6,85 %
5DCXDAIMLER6,71 %
6BAYBAYER 6,13 %
7RWERWE 5,58 %
8DBKDEUTSCHE BANK4,86 %
9SAPSAP 4,62 %
10DTEDT.TELEKOM4,62 %

Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute im DAX® ein Gewicht von 68,05 %. Ihr Anteil hat, seit unserer Bewertung Ende 2007, geringfügig abgenommen. Im gleichen Zeitraum hat auch das Gewicht der Technologie (DT.TELEKOM + INFINEON TECH. + SAP + SIEMENS = 19,68 %) geringfügig abgenommen. Zu den "billigen" Teilnehmern gehören durchgehend die Banken und Versicherungen. Die Anleger misstrauen immer noch diesen Finanzkonzernen (Immobilienkrise, Kredite an Hedge Fonds und Private Equity, CCT). Diese "billigen" risikoreichen Versicherungs-/Finanzwerte bringen den DAX® in den Bereich der "preiswerten" Bewertung. Ohne die Kreditkrise und der Preisexplosion bei der Energie und den Rohstoffen bestünde großes Potential nach Norden respektive der DAX® würde schon wesentlich höher stehen.

Kurzer Blick auf den Chart

In realen €uro gerechnet, stagnieren die globalen Aktienkurse per saldo seit dem Frühjahr 2004 - und damit auch seit dem Frühjahr 1997. Der deutsche Aktienmarkt trägt bloß vier Prozent zur Kapitalisierung der wichtigsten Aktienmärkte der Erde bei. In den USA unterdessen wurden die bisherigen Kursgewinne seit 1997 fast gänzlich von der Inflation aufgezehrt, sodass der reale S&P500 selbst in US-$ gerechnet seither quasi auf der Stelle tritt. In realen €uro ausgedrückt, entspricht das einem Wertverlust von einem Fünftel. Noch interessanter wird die Betrachtung, wenn man bedenkt, dass der reale, in €uro denominierte MSCI-Welt derzeit auf dem Stand vom Frühjahr 1997 steht. Sowas bezeichnet man üblicherweise als Bärenmarkt. Seit dem erneut begonnenen Abstieg Anfang des Jahres sollte das auch für den DAX® unstrittig sein. Einige Marktbeobachter erwarten den schlimmsten Bärenmarkt seit über 100 Jahren. Die 60-ziger und 70-ziger lassen in schlimmerer Ausführung Grüßen.

DAX® - Landezone

Betrachtet man den Chart, könnte man glauben, der DAX® hätte zwischenzeitlich das Hoch aus dem Jahre 2000 geschlagen. Berücksichtigen muss man, dass der DAX® ein Perfomance- und kein Preisindex ist. In ihm akkumulieren sich die gezahlten Dividenden. Man konnte also das bildlich dargestellte Ergebnis nur erreichen wenn man die Dividenden nicht versteuern musste. Der DAX KURSINDEX® (ISIN: DE0008467440) blieb 2007 deutlich unter dem Hoch aus dem Jahr 2000.
 
Manche Bären glauben, der weitere Abstieg vollzöge sich so wie während des Salamicrashs 2000-2003. Man übersieht dabei, dass ohne den Terror und die dann drohenden Kriege der Abstieg wahrscheinlich bei 5000 Zählern zum Stillstand gekommen wäre. Ohne weitere kriegerische Ereignisse (z.B. Iran) sieht baer45 deshalb auch das Erreichen dieser Marke als erstes Ziel bis spätestens im Jahre 2009. Ob es anschließend noch tiefer runter gehen sollte ist momentan, wegen der unklaren Lage an den Finanzmärkten und bezüglich der Ungewissheit über die konjunkturelle Lage der Weltwirtschaft, nicht abschätzbar. Auch werden Inflation und die Geldpolitik der Zentralbanken einen noch nicht abschätzbaren Einfluss haben. Ob diese Spekulation aufgeht wird im wesentlichen in den USA bestimmt werden. Sie werden uns im Falle eines Falles in den Keller treiben und wir werden dabei wahrscheinlich wieder ein höheres Tempo vorlegen.
 
In einem Bärenmarkt wird ein KGV von 10 bei noch brummender Wirtschaft und einer rekordverdächtigen Gewinnsituation nicht unbedingt als preiswert angesehen. Eine Halbierung des Gewinns ist schnell erreicht und schon steht das KGV bei 20. Im S&P500 liegt das KGV momentan über 20, alles andere als preiswert.

Endstation Hoffnung

Die Immobilienkrise in den USA, die die Banken- und Schuldenkrise ausgelöst hat, betrifft nicht nur Geldinstitute die sich verspekuliert haben oder die Weltwirtschaft, die durch diese Finanzkrise geschädigt wurde und wird. Nein, die Menschen, die auf die Versprechungen der Banken hereingefallen sind, sind mit am schwersten getroffen. Peter Hossli hat dazu einen Artikel im SonntagsBlick Magazin veröffentlicht. Hier können Sie den Artikel lesen. Sollte es Schwierigkeiten mit obigem Link geben, können sie hier eine Abschrift (PDF-Datei) finden.

Die nähere Zukunft

Das Ende der Banken- und Schuldenkrise wurde von interessierter Seite schon mehrfach ausgerufen. Umso erschreckender waren die immer wieder aufgetauchten faulen Eier. Die Banken selbst trauen sich gegenseitig immer noch nicht über den Weg. Das ist z.B. für die €urozone sehr schön am EURIBOR Dreimonatsgeld / Tagessatz ablesbar. Wir werden unter Garantie noch weitere böse Überraschungen erleben.
 
Neben der Schädigung durch die Schuldenkrise muss die wirtschaftliche Entwicklung auch noch die Preisexplosionen bei der Energie, den Lebensmitteln und den anderen Rohstoffen verkraften. Das hält der stärkste Mann nicht aus. Die Konjunktur wird sich also zwangsweise weiter abschwächen und wir werden in eine längere Periode von einem weltweiten schwachem Wachstum mit steigender Protektion übergehen. Sollte Barack Obama Präsident werden, wird sich der Protektionismus in den USA rapide erhöhen. Die schönen Zeiten der Globalisierung gehen zu Ende. Jetzt wird die Rechnung präsentiert.
 
Der US-amerikanische Verbraucher und die USA sind bis über die Halskrause verschuldet und werden sich aus dieser Schuldenfalle auch noch nicht so schnell befreien können. Der Staat versucht, trotz allen gegensätzlichen offiziellen Aussagen, eine teilweise Entschuldung über einen kontrollierten Verfall des US-$. Dabei ist er momentan sehr erfolgreich. Er bestraft damit auch die ausländischen Besitzer von riesigen Mengen an US-Staatspapieren. Gleichzeitig wird auch der US-Verbraucher das "Sparen" lernen müssen. Er wird täglich ärmer und wird sich immer weniger die teurer werdende Importware leisten können. An den weltweiten Ungleichgewichten sind nicht nur die Länder mit negativer Handelsbilanz und verschuldeten Verbraucher schuldig. Die gleiche Schuld tragen die Exportweltmeister und die übertriebenen Sparer. Die USA werden auf jeden Fall noch nicht so bald Konjunkturlokomotive für die Weltwirtschaft spielen können.

Résumée

Der Nebel lichtet sich und der Ausblick ist nicht rosig. Die Zeit, wo man mit dem Aktienkauf und einem anschließenden gesunden Schlaf sehr viel Geld verdienen konnte ist auf absehbare Zeit vorbei. Geldverdienen an der Börse ist wieder harte Arbeit. Man muss ein akzeptables Timing beherrschen, d. h. den Mut, die Geduld und das Glück zu akzeptablen Zeitpunkten ein- und dann später wieder auszusteigen. baer45 hofft, dass zwischenzeitlich schon Gewinnmitnahmen gelaufen sind respektive ein Ausstieg erfolgt ist. Für einen Neueinstieg auf Sicht von mehreren Jahren ist es momentan noch zu früh. Man sollte sich dabei auch nicht vom Geschwätz der Banken bezüglich der Abgeltungssteuer irritieren lassen. Die Gier und das Steuerecht waren noch nie gute Anlageberater.
 
baer45 hat sich diesmal mit konkreten Aussagen weit aus dem Fenster gelehnt. Deshalb kommt es bestimmt anders als hier dargestellt oder auch nicht. Er wünscht allen Spekulanten ein glückliches Händchen bei ihren Aktionen, auch wenn heute schon feststeht, dass nicht alle gewinnen werden.

Konjunkturbericht der Süddeutschen Zeitung

Die L-Konjunktur

Von  N i k o l a u s  P i p e r

Wenige Dinge sind derzeit so wechselhaft wie die Meinungen über die Zukunft der amerikanischen Wirtschaft. Ende vorigen Jahres noch glaubte eine Mehrheit der Experten, den Vereinigten Staaten werde eine Rezession erspart bleiben. Als im Januar viele schlimme Zahlen aus den Banken kamen, wechselte die Stimmung: Das Land schien bereits in eine Rezession gerutscht zu sein. Dann fiel das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal mit 0,9 Prozent erstaunlich stark aus, und die Stimmung drehte sich erneut. Die letzte Wende kam Anfang Juni. Nach der jüngsten Statistik ist die Arbeitslosenquote von 5,0 auf 5,5 Prozent gestiegen, der größte Zuwachs seit 22 Jahren.

Inzwischen stellen sich amerikanische Ökonomen in ihrer Mehrheit auf eine L-förmige Konjunkturkurve ein: Sie beschreibt einen Einbruch, gefolgt von einer längeren Wachstumsschwäche. Die gute Nachricht dabei ist, dass der Knick des L vermutlich schon erreicht ist, dass es also nicht mehr viel schlimmer werden wird. Die schlechte Nachricht: Amerika dürfte auf absehbare Zeit die Weltkonjunktur bremsen, überdies lauern im Finanzsektor ein paar nicht zu unterschätzende Risiken für die Gesamtwirtschaft.

Vieles in diesen Tagen ist interpretationsbedürftig. Der außerordentliche Anstieg der Arbeitslosenzahlen zum Beispiel wurde mitverursacht durch eine ungewöhnlich hohe Zahl von College-Absolventen, die nach Jobs suchen. Trotzdem besteht kein Zweifel daran, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert hat. Die Industrieproduktion ist im Mai überraschend um 0,2 Prozent gesunken. Einige Ökonomen werten dies als Stabilisierung nach einem heftigen Produktionseinbruch im April, andere hatten auf einen Produktionsanstieg gehofft und sind jetzt pessimistischer geworden. Auffallend, dass die Produktion der Versorgungsunternehmen um 1,8 Prozent gesunken ist, ein Zeichen dafür, dass die Amerikaner angesichts explodierender Ölpreise zu sparen begonnen haben. "Der neue Bericht zur Industrieproduktion illustriert gut die gegenwärtige Lage der amerikanischen Wirtschaft", sagt Harm Bandholz, Volkswirt bei Unicredit in New York. "Erstens liegt die verbleibende Stärke der Wirtschaft im Export. Während der letzten vier Quartale waren die Nettoausfuhren für 45 Prozent des Wirtschaftswachstums verantwortlich. Im Gegensatz dazu ist die Inlandsnachfrage zurückgegangen, was besonders die Konsumgüterindustrie belastet." Die Kapazitätsauslastung ist auf durchschnittlich 79,4 Prozent gesunken.

Amerikas Verbraucher leiden unter den Folgen der hohen Rohstoffpreise und der Immobilienkrise. Der Benzinpreis hat in den meisten Bundesstaaten die psychologisch wichtige Marke von vier Dollar pro Gallone überschritten. Viele Arbeitnehmer können nicht auf ihr Auto verzichten, sie müssen ihre übrigen Konsumausgaben einschränken, um die Benzinrechnung bezahlen zu können. Sinkende Hauspreise belasten die Haushaltsvermögen. Viele Familien hatten bis jetzt ihren Lebensstandard zum Teil dadurch gesichert, dass sie einen Kredit auf ihr Eigenheim aufgenommen hatten. Jetzt müssen sie sich auf kleinere Budgets umstellen.

Zunächst einmal gibt es allerdings für viele Familien eine Erleichterung. Als Teil ihres Konjunkturpakets hat die Regierung im Mai 57 Millionen Steuerschecks von bis zu 600 Dollar pro Person an Mittel- und Kleinverdiener verschickt. Das Geld wird jetzt ausgegeben und dürfte der Konsumgüterindustrie ein relativ starkes drittes Quartal bescheren. Aber was kommt danach?

Der Chefvolkswirt der Bank of America, Peter Kretzmer, ist für die absehbare Zukunft noch relativ optimistisch. In seiner diese Woche aktualisierten Prognose erwartet Kretzmer für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent, für 2009 von 2,3 Prozent. Jan Hatzius, Chefvolkswirt für Nordamerika bei Goldman Sachs, dagegen glaubt, dass einige der Wirtschaftszahlen nachträglich nach unten korrigiert werden. "Letztendlich stecken wir wohl in einer Rezession." Im Durchschnitt des laufenden Jahres werde das Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Prozent zulegen, im nächsten Jahr um 1,0 Prozent. Die Hauspreise, so Hatzius' Prognose, werden im Durchschnitt der USA noch um zehn Prozent sinken müssen — mit den unvermeidlichen Konsequenzen für den privaten Verbrauch.

Was aber macht die Notenbank Fed? Nachdem der Präsident der Federal Reserve, Ben Bernanke, ungewöhnlich deutlich seine Sorgen wegen des schwachen Dollars und steigender Teuerungsraten ausgedrückt hat, glauben viele Händler an den Finanzmärkten, dass nicht nur die Zeit der Zinssenkungen vorbei ist, sondern dass die Fed in diesem Jahr noch ihre Sätze erhöhen könnte. Manche rechnen damit, dass dies sogar schon im August passieren wird. Im ersten Quartal sind die Verbraucherpreise um 3,5 Prozent gestiegen, vor allem wegen Öl und Lebensmitteln. Aber wie wird die Fed die Risiken von Inflation und Rezession gegeneinander abwägen? Harm Bandholz von Unicredit glaubt, dass das Risiko Rezession schwerer wiegt und dass die Zinserhöhung daher später kommen wird. Jan Hatzius von Goldman Sachs rechnet auf absehbare Zeit mit überhaupt keiner Zinserhöhung.


Obiger Artikel ist aus der Süddeutschen Zeitung vom 21./22. Juni 2008 (Wirtschaftsteil).


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