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Von Gewinnmitnahmen wird niemand arm

14.06.2003: DAX®-Bewertungen

Bewertung zum 12.06.2003

Ausgangsdaten

Basis sind die Xetra-Schlusskurse vom 12.06.2003. Die Kurse und das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die berechnet wird, das aktuelle (Basis: Juni 2003) der Aktien und die sind aus der Süddeutschen Zeitung (Schätzungen IBES - Quelle Thomson Financial/Datastream).

Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe ). D.h. eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Trotzdem die Regeln Umstellungen im DAX® erlauben würden, hat die Börse auch zum kommenden Quartalsende keine Änderungen im Listing angekündigt. Dieses Jahr scheint in dieser Hinsicht ein ruhiges Jahr zu werden.

Umlaufrendite

Die Zinsen für Tagesgelder bewegen sich zwischen 0,50 und 3,0%. Die kurzfristigen Zinsen (EZB-Zinssenkung) sind weiter gesunken. Eine weitere EZB-Zinssenkung ist von dieser nicht ausgeschlossen worden. Der Staat bietet seine Bundesschatzbriefe aktuell zu schlechten Konditionen an. Will er seinen Schulden weiter erhöhen, wird er demnächst aufbessern müssen. Bedingt durch die sich wieder ausweitende Staatsverschuldung aller großen Industrieländer ist mit einem Steigen der mittel- und langfristigen Zinsen zu rechnen. Da jedoch mit weiteren potentiellen Zinssenkungen der EZB und dem Andauern der Blase am Rentenmarkt zu rechnen ist, wird dies kaum noch in 2003 eintreten. Ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt in die Anleiheblase kann mit großen Kursverlusten bestraft werden.

Datum Insgesamt 3-5 Jahre 5-8 Jahre 8-15 Jahre 15-30 Jahre 1 € in US-$
12.06.03 3,27 % 2,47 % 2,98 % 3,48 % 4,48 % 1,177
10.04.03 3,94 % 3,30 % 3,86 % 4,20 % 4,87 % 1,077
27.12.02 3,93 % 3,26 % 3,78 % 4,17 % 4,86 % 1,041
27.09.02 4,12 % 3,57 % 4,00 % 4,30 % 4,92 % 0,980
26.07.02 4,52 % 4,07 % 4,48 % 4,70 % 5,16 % 0,985
26.06.02 4,73 % 4,34 % 4,65 % 4,87 % 5,21 % 0.980
25.01.02 4,74 % 4,37 % 4,71 % 4,90 % 5,27 % 0,865

Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung bezüglich Umlaufrendite (Anleihen, Obligationen sowie Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag. Das weitere Sinken der Renditen (Umlaufrendite) ist noch nicht gestoppt. Sie sinken auf breiter Front. Die Angst vor einer Deflation mit einem weiteren einhergehenden wirtschaftlichen Abschwung scheint die Anleiheblase weiter aufzupusten. Sie nimmt wirklich gefährliche Dimensionen an. Wenn die Zinsen drehen sollten, wird Heulen und Zähneknirschen herrschen. Derzeit haben wir die Situation mit einem gleichzeitigen Zustrom zu Aktien und Anleihen. Es sind viele Entscheidungen gefallen und die Tagesgelder werden abgebaut (bei einigen Banken bessern sich die Konditionen für Tagesgelder). Der Irakkrieg und SARS sind inzwischen verdaut und der € hat zwischenzeitlich einen fulminanten Höhenflug hingelegt. Fast hätte er die 1,20 zum US-$ erreicht. Zur Verdeutlichung: der heutige US-$ würde 1,66 DM kosten. Kein historisches Tief aber ein Beachtliches. Die Zeit zum Urlaub in den USA ist wieder gekommen. Aus rein währungstechnischer Sicht ist ein Kauf von US-Aktien wieder durchführbar. Ob schon das Ende des €-Antiegs naht? Die Vergangenheit zeigt, dass Trends in den Devisenmärkten relativ lange andauern und in jede Richtung richtig fest übertreiben. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der € weiter steigt. Den größten Teil der Bergbesteigung wird er allerdings schon hinter sich haben.

Der Irakkrieg hat nochmals die Lebensversicherungen massiv aus den Aktien getrieben. Sie sind stark auf Renten und Anleihen umgestiegen und verstärken die aktuelle Blase auf diesem Markt. Drehen die Zinsen, steht der nächste Ergebniseinbruch in diesem Bereich an. Die Regeln für die Lebensversicherungen sind eben nicht für diese stark volatilen Märkte geschaffen worden. Nur eine nachhaltige deflationäre Entwicklung könnte die aktuelle Anleihespekulationen aufgehen lassen. Höhere Staatsschulden und dadurch erzeugte höhere Inflationsraten zeigen allerdings in eine andere Richtung. Auch ein Anziehen der Konjunktur wird die Inflationsraten nach oben treiben.

Bleibt eine Deflation mit einhergehender Stagnation aus (das schlimmste vorstellbare Szenario für die Aktienmärkte), ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen mittelfristig anziehen werden jedoch größer als dass sie gleich bleiben oder sinken werden.

DAX®-Ergebnis

Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der Januarbewertung 2002. Commerzbank, Deutsche Telekom und Infineon schreiben weiterhin Verluste und fehlen im KGV(2) (verbleiben 87,07 %) und werden im KGV(1) so bewertet als ob sie keine Verluste hätten. Alle Berechnungen berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.

DatumDAX®-StandDividenden-
rendite
KGV(f)KGV(1)KGV(2)
12.06.033219,472,45 %15,416,814,8
10.04.032697,103,24 %15,413,411,7
27.12.022840,002,93 %15,410,99,8
27.09.022918,902,87 %15,412,911,8
26.07.023579,002,37 %15,415,614,1
26.06.024099,052,07 %15,417,116,2
25.01.025156,332,02 %15,421,819,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den

Die Dividendenrendite ist eingebrochen und entspricht inzwischen der Rendite von Anleihen mit kurzfristigem Anlagehorizont. Die Rendite ist immer noch stark und trägt unter längerfristigen Gesichtspunkten erheblich zur Gesamtperformance bei. Auf Dividenden sollte man nie verzichten! Dieses Jahr ist die Anzahl der Firmen, die keine Dividende mehr zahlen können. weiter angestiegen. Bleibt der Aufschwung aus, könnten weitere Firmen sich hinzu gesellen.

Der DAX® hat sich inzwischen deutlich von der Marke der fairen Bewertung entfernt. Erholt sich die wirtschaftliche Konjunktur, werden die Gewinne vieler DAX®-Unternehmen ansteigen und die Firmen damit billiger werden. Unter mittelfristigen Gesichtspunkten (ca. 4 Jahre), bleibt deshalb der Kauf von Indexpapieren ein günstiger Kauf. Die Wahrscheinlichkeit, dabei besser als mit Anleihen abzuschneiden, ist recht groß. Wesentlich preiswerter konnten Mutige kurz vor Kriegsbeginn einkaufen. Sie haben das obige Ergebnis schon längst erreicht.

Der DAX® hat seit unserer ersten Bewertung 37% verloren (zwischenzeitlich waren die Verluste über 57%). Ein "mutiger" US-Bürger der damals den DAX® kaufte stellt fest: "nur 15% verloren und dabei ist der DAX® auch noch wesentlich "billiger" als der S&P500 - soll ich nachkaufen?". Er hat natürlich u.A. die Währungsrelationen berücksichtigt und nicht nur einfach Charts verglichen und damit ulkige Vergleiche vermieden.

Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht geniessen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameDividendenrendite
1TUITUI AG O.N. 5,62 %
2DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N5,30 %
3BAYBAYER AG O.N. 4,56 %
4RWERWE AG ST A O.N. 4,36 %
5MANMAN AG ST O.N. 4,18 %
6MLP3MLP AG4,13 %
7TKATHYSSENKRUPP AG O.N. 4,03 %
8EOAE.ON AG O.N. 3,99 %
9VOWVOLKSWAGEN AG ST O.N. 3,83 %
10MEOMETRO AG ST O.N. 3,83 %

Die Bewerber:

RangCodeNameDividendenrendite
11BASBASF AG O.N. 3,66 %
12LINLINDE AG O.N. 3,66 %
13DPWDEUTSCHE POST AG NA O.N. 3,11 %
14SIESIEMENS AG NA 2,34 %
15FMEFRESEN.MED.CARE AG O.N. 2,30 %

Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie, können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12. "Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.

Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)

Die Kandidaten:

Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von Bärische Warnungen unter Strategien.

RangCodeNameKurs
1TKATHYSSENKRUPP AG O.N. 9,92
2MLP3MLP AG12,11
3TUITUI AG O.N. 13,70
4MANMAN AG ST O.N. 14,34
5BAYBAYER AG O.N. 19,74

Die Bewerber:

RangCodeNameKurs
6RWERWE AG ST A O.N. 25,24
7MEOMETRO AG ST O.N. 26,60
8DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N28,31

Rangfolge nach Gewicht

RangCodeNameGewicht
1SIESIEMENS AG NA 10,84 %
2DBKDEUTSCHE BANK AG NA O.N. 10,64 %
3DTEDT.TELEKOM AG NA 9,19 %
4EOAE.ON AG O.N. 8,47 %
5DCXDAIMLERCHRYSLER AG NA O.N7,43 %
6SAPSAP AG ST O.N. 6,72 %
7BASBASF AG O.N. 6,46 %
8ALVALLIANZ AG O.N. 5,22 %
9BAYBAYER AG O.N. 4,37 %
10MUV2MUENCH.RUECKVERS.VNA O.N.3,43 %

Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute ein Gewicht von ca. 73% im DAX® (2003: im April 74%; 2002: im Dezember 73%, im September 73%, im Juli 74%, im Juni 67%, im Januar 70%). Der Weg vom DAX30 zum DAX10 bleibt ausgebremst. Die Lage normalisiert sich weiter. Der Technologiesektor erreicht immer noch 28%. Ein Grund liegt sicherlich im Absturz des Finanzsektors. Die Münchner Rück ist inzwischen in die Liste der Titanen zurückgekehrt. Der größte Titan ist, unter der Berücksichtigung der gesamten Marktkapitalisierung, immer noch die Deutsche Telekom. Wehe ihren Aktionären, wenn der Bund demnächst weitere Anteile zwecks Budgetsanierung auf den Markt wirft. Diese Aktie ist wirklich nur für kurzfristige Spekulationen geeignet.

Kurzer Blick auf den Chart

Chart

Der Abwärtstrend (der Längste und Größte seit der DAX®-Gründung) ist weiterhin intakt. Aktuell verläuft er im Bereich 3600 bis 3700. Der 11. September unterbrach das 1. Mal den kontinuierlichen Verfall des Marktes - es erfolgte ein Absturz. Die anschließende technische Gegenreaktion sorgte dafür, dass die nach Unten eingedellte 200-Tage-Linie durchbrochen wurde. Anschließend ging der Verfall kontinuierlich weiter. Die Angst während des Afghanistankrieges und die sich anschließend steigernde Gewissheit, dass es zu einem Irakkrieg kommen würde, beschleunigte den Verfall bis kurz vor Kriegsbeginn. Die entsprechende technische Gegenreaktion schaffte es wieder, die noch stärker nach Unten eingedellte 200-Tage-Linie ein 2. Mal nach Oben zu durchbrechen. Oberhalb der 200-Tage-Linie entwickeln die Bullen ein Wohlgefühl - drunter fühlen sich die Bären zu Hause. Die Baisse endet, nach üblichen Sprachgebrauch erst wenn der Abwärtstrend gebrochen wurde. Der Abwärtstrend kann durch eine nachhaltige Seitwärtsbewegung respektive durch eine bullische Aufwärtsbewegung gebrochen werden. Es wird nicht mehr sehr lange dauern bis die Frage entschieden ist, ob wir uns aktuell in einer Bärenmarktrally befinden oder die Baisse als beendet erklärt wird. Was verraten uns diese Spuren im Sand für die Zukunft:

  • Der Verfall des Marktes wird weitergehen. Mit der technischen Gegenreaktion auf ein weiteres starkes politisches Ereignis werden wir das dritte Durchbrechen nach Oben der 200-Tage-Linie erleben. Begründung: Alle guten Dinge sind Drei! Wie lange wird sich dieses Spiel noch dauern? Ewig? Spätestens mit dem Durchbrechen der Null-Linie wird Schluss sein!
  • Im zweiten Anlauf gelingt die Zerstörung des Abwärtstrend bestimmt. Es ist statistisch bewiesen, dass mit die zweite Aufwärtsbewegung öfters als die Erste zum Erfolg führt. Stimmt! Und Dritte öfters als die Zweite ...

Ich glaube nicht, dass uns die Vergangenheit einen sicheren Hinweis auf die Zukunft gibt. Wesentlicher wird sein, ob wir von weiteren Katastrophen heimgesucht oder ob sich wirtschaftliche Erholungstendenzen abzeichnen werden. Auf kurzfristige Sicht (bis 6 Monate) wage ich keinen Ausblick. Auf mittelfristige Sicht (2 bis 4 Jahre), glaube ich dass wir die 4400 überschreiten werden. Begründung: ich bin nicht der absolute Pessimist! Diejenigen die Sicherheit für Ihre Entscheidungen der nächsten 6 Monate haben wollen, sollten eine Münze werfen. Der Zufall ist oft erfolgreicher als alle Analysen. Die Glücklichen, die schon gekauft haben, schauen weiter den steigenden Kursen zu (im Ernstfall den Ausstieg nicht vergessen!).

Eine wirtschaftliche Erholung ist momentan noch nicht in Sicht. Sie wird, wie so oft, für den Herbst/Winter prognostiziert. Fundamentale Indikatoren, die diesen Optimismus rechtfertigen könnten, fehlen. Eher droht eine kleine Rezession. Trotzdem ist es nicht unmöglich, dass im nächsten Winter/Frühjahr eine starke wirtschaftliche Erholung beginnt. Die Börsen sehen dies angeblich immer schon 6 Monate vorher. Allerdings sehen sie dies öfters als es im wirklichen Leben vorkommt. Und weil sie es so oft sehen, haben sie auch irgendwann Recht. Die Fehlseherei wird anschließend schnell vergessen.


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