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Es ist besser ungefähr recht zu haben, als sich tödlich zu irren

12.10.2002: Wertpapiere (mit dem Verkauf von INDEXCHANGE in 2007 angepasst)

DAX30 Unlimited Zertifikat

Die Commerzbank gestaltet ihre Indexzertifikate attraktiver. Sie wird damit zu einem direkten Konkurrenten der früheren Hypo-Vereinsbank-Tochter INDEXCHANGE und jetzigen (2007) Barclays Tochter Barclays Global Investors (Deutschland) AG, die den Indexfonds (Indexaktien) unter der Marke iShares vermarktet. iShares ist Marktführer börsengehandelter Indexfonds in Deutschland. Wir betrachten hier die grundsätzlichen Unterschiede beider Anlageformen und zeigen die wesentlichen Merkmale der Indexaktien "iShares DAX® (DE)" (ishares) und des "DAX30 Unlimited Zertifikats" (Commerzbank) auf.

In der heutigen Börsensituation ist es schwierig mittefristig possitive Resultate zu erzielen. Das Markettiming (kaufe billig - verkaufe teuer), in hochnervösen Situationen, mit Einzelaktien über Wellen mit einer Dauer von 3 Monaten bis zu 3 Jahren, ist äußerst risikoreich. Erst letzte Woche wurde uns mit der Gerüchteküche über die Commerzbank plastisch vor Augen geführt, wie schnell sich jeder Gewinn verflüchtigen kann. In der Annahme, dass wir noch lange Zeit eine hochvolatile, seitwärts verlaufende Börse mit großen Ausschlägen nach Süden und Norden haben werden, ist es risikoloser auf sichere, liquide und kostengünstige Indexprodukte zu setzen. Auch bei einer totalen Fehlspekulation mit verpasstem Ausstieg ist das Warten auf Erholung erheblich im Risiko gemildert. Voraussetzung dabei ist allerdings, dass das Indexprodukt nicht vorher vom Markt verschwindet und der Index selbst in der Mehrheit aus Firmen besteht, die in der Lage sind auch schlechte Zeiten zu überleben.

Zertifikate

Zertifikate sind im Regelfall Anleihen von Banken, deren aktueller Wert sich nach der gekoppelten Basis (bei Aktienindexzertifikaten der entsprechende Börsenindex) richtet. Die herausgebende Bank verpflichtet sich dabei, bei Börsenankauf oder Fälligkeit je nach Zertifikat ein Zehntel oder Hundertstel des Basiswertes zurückzuzahlen. Allerdings brachten bislang die meisten Zertifikate Nachteile für den Anleger mit sich - so etwa die in der Regel auf fünf oder zehn Jahre begrenzte Laufzeit, nach deren Ablauf der Anleger zwangsweise Kasse machen muss (Gebühren!). Außredem beziehen sich viele Indexzertifikate auf einen Kursindex und nicht auf einen "Return-" respektive "Performanceindex". Feiner aber bedeutender Unterschied: während beim "Performanceindex" die Dividenden der Unternehmen berücksichtigt werden, fallen diese beim Kursindex unter den Tisch. In der Praxis verursacht dies bei den großen Indizes wie DAX® oder EuroStoxx eine Renditeeinbuße von bis zu 3% pro Jahr.

Wichtig ist auch die Kostenstruktur. Fällt neben den Odergebühren der Hausbank für den Kauf und den Verkauf an der Börse auch noch ein Ausgabeaufschlag an? Wie hoch ist eine potentielle Verwaltungsgebühr? Ist die Liquidität an der Börse gesichert (Kursstellung) und wird ein maximaler Spread (Geld-Brief-Spanne) garantiert. Letzteres ist sehr wichtig für den plötzlichen Ausstieg, wenn viele aussteigen wollen oder umgekehrt. Da Zertifikate praktisch Derivate sind, gibt es keinen Schutz bei der Insolvenz des Herausgebers. Die Zertifikate sind dann, im Gegensatz zu Aktienfonds, wertlos. Einen wichtigen Vorteil besitzen die Zertifikate verglichen mit Aktienfonds. Nach aktueller Rechtssprechung ist jeder Gewinn, auch der durch Dividenden bei einem Performancezertifikat verursachte (im Gegensatz zu Indexfonds), nach Ablauf der Spekulationsfrist (1 Jahr), steuerfrei. Ob dieser steuertechnische Wahnsinn uns erhalten bleibt, ist reine Spekulation. So werden z.B. still und ohne Produktwerbung " (P)-Zertifikate " gehandelt. Herausgeber ist dabei die luxemburger Tochter einer deutschen Bank die sich mehrheitlich in Staatsbesitz befindet. Wer sind die Hauptbesitzer dieser Zertifikate? Wie lange schaut die Finanzverwaltung weiter weg? Legaler Steuerbetrug! Verluste und Gewinne während der Spekulationsfrist können steuertechnisch mit gleichartigen Geschäften verrechnet werden.

Das "DAX30 Unlimited Zertifikat" der Commerzbank
(WKN: 702 979)

Es werden hier nur die wichtigsten Attribute dieses Derivats wiedergegeben. Wie bei jedem Kauf eines Finanzproduktes, sollten Sie vorher den Verkaufsprospekt des Herausgebers genau studieren:

  • Basis ist der DAX®-Performanceindex (Dividenden werden berücksichtigt). Der Wert eines Zertifikats entspricht 1/100 des DAX® (P).

  • Laufzeit unbegrenzt (Kündigung wie bei jedem Finanzprodukt möglich).

  • Garantierter Spread (Geld-Brief-Spanne) von maximal 0,2% vom Briefkurs bei normalem Börsenverlauf. Kursstellung und Spreadstellung erfolgen in Xetra® durch die Commerzbank.

  • Kein Ausgabeaufschlag.

  • Keine Verwaltungsgebühr.

  • Die üblichen Ordergebühren Ihrer Hausbank bei Kauf und Verkauf.

  • Dividenden nach heutiger Rechtssprechung steuerfrei. Übliche Spekulationsfrist und Verrechnung von Verlusten und Gewinnen wie bei normalen Aktiengeschäften.

  • Totalverlust bei Insolvenz des Herausgebers.

Die Commerzbank verdient, im sichtbaren Anteil, lediglich im laufenden Börsenhandel, indem sie die Papiere zu niedrigen Kursen ankauft und zu höheren Kursen veräußert (Geld-Brief-Spanne von 0,2%). Mit dem im Hintergrund ablaufenden Sicherungsgeschäften kann sie natürlich noch zusätzliches Geld verdienen respektive verlieren. Die weltweite Derivatenblase wächst weiterhin ungebremst. Sie übertrifft inzwischen die zu Grunde liegende Basiswerte um ein Vielfaches. Viel Freude beim Platzen. Aber das ist ein anderes Thema.

Indexaktien

Indexaktien werden von Kapitalanlagegesellschaften (KAG) herausgegeben, an der Börse wie normale Aktien gehandelt und bilden den ihnen zu Grunde liegenden Index eins zu eins durch ein sogenanntes passives Management in einem Aktienfond nach. Mit ihnen sind im Regelfall alle börsenüblichen Geschäfte wie z.B. Leerverkäufe möglich. Dividenden werden bei einem Kursindex üblicherweise, abzüglich einer Verwaltungsgebühr, ausgeschüttet. Bei einem Performanceindex werden die Dividenden üblicherweise, nach Abzug einer Verwaltungsgebühr, wieder im Fondvermögen angelegt. Die KAG kann Aktien aus dem Fondvermögen ausleihen und so zusätzliche Einnahmen zur Deckung der Verwaltung erwirtschaften. Erträge, wie Zinsen und Dividenden, werden steuertechnisch wie bei einem normalen Aktienfond behandelt. Meistens gilt ein bestimmter Besitzstichtag für die steuerrechtliche Behandlung. Im Gegensatz zu Zertifikaten sind die Indexaktien auch im Falle der Pleite des Herausgebers gesetzlich geschütztes Sondervermögen und fallen nicht in die Insolvenzmasse. Beim Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist gelten die gleichen steuertechnischen Regeln wie bei normalen Aktien. Oft besteht für institionelle Anleger die Möglichkeit sicht die echten Aktien gegen die Indexaktien aushändigen zu lassen.

Passiv verwaltete Indexfonds (Indexaktien) haben auf mittel- oder langfristige Sicht eine bessere Performance als die meisten aktiv verwalteten Aktienfonds nach Abzug aller Kosten. Die Reklame mit den Analystenscharen, die das Betreiben eines angeblich effektiven Stockpicking erlauben, ist eben nur ein Märchen. Ähnliches gilt auch für sichere Anleihefonds. Nach Kosten schneidet die überwiegende Anzahl auf langfristige Sicht schlechter als Bundesschatzbriefe ab.

Wichtig ist auch hier die Kostenstruktur. Fällt neben den Odergebühren der Hausbank für den Kauf und den Verkauf an der Börse auch noch ein Ausgabeaufschlag an? Wie hoch ist eine potentielle Verwaltungsgebühr? Ist die Liquidität an der Börse gesichert (Kursstellung) und wird ein maximaler Spread (Geld-Brief-Spanne) garantiert. Letzteres ist sehr wichtig für den plötzlichen Ausstieg, wenn viele aussteigen wollen oder umgekehrt. In welchem Zeitabstand wird der Wert des Sondervermögens (NAV) festgestellt?

Die "iShares DAX® (DE)" von iShares (früher INDEXCHANGE)
(WKN: 593 393)

Es werden hier nur die wichtigsten Attribute dieses Aktienfond wiedergegeben. Wie bei jedem Kauf eines Finanzproduktes, sollten Sie vorher den Verkaufsprospekt des Herausgebers genau studieren:

  • Durch passives Fondmanagement wird der Performanceindex DAX® nachgebildet. Ein Anteil entsprach 1/100 vom DAX® beim Start.

  • Laufzeit unbegrenzt (Kündigung wie bei jedem Finanzprodukt möglich).

  • Garantierter maximaler Spread (Geld-Brief-Spanne) von 1% vom Briefkurs bei normalem Börsenverlauf. Kursstellung und Spread werden durch mehrere konkurrierende Sponsoren in Xetra® sichergestellt. In der Praxis wird dieser Spread deutlich unterschritten und bewegt sich, je nach Börsenlage zwischen 0,1 und 0,3%.

  • Kein Ausgabeaufschlag.

  • Verwaltungsgebühr + Depot 0,17% im Jahr. Verrechnung fortlaufend übers Geschäftsjahr.

  • Die üblichen Ordergebühren Ihrer Hausbank bei Kauf und Verkauf.

  • Erträge wie z.B. Dividenden und Zinsen unterliegen der Steuerpflicht wie bei allen anderen Aktienfonds. Übliche Spekulationsfrist und Verrechnung von Verlusten und Gewinnen wie bei normalen Aktiengeschäften.

  • Der Wert des Sondervermögens (NAV) wird fortlaufend im Xetra® auf Basis der Infos der KAG vom Vortage (Verwaltungsgebühr, etc.) festgestellt. Das Geschäftsjahr geht vom 1. Mai bis zum 30. April. Der Thesaurierstermin (Dividenden + eventuelle Zinsen) ist der erste Börsentag im Mai. Der steuerlich relevante Besitzstichtag ist der 30. April, das Ende des Geschäftsjahres. Kurzfristanleger sollten sich diese Termine unbedingt merken.

  • gesetzlich geschützes Sondervermögen bei Pleite des Herausgebers.

Der Wert eines "iShares DAX® (DE)"-Anteils (ca. 1/100 vom DAX® (P)) kann sich mittelfristig, bedingt durch die Verwaltungsgebühr und sonstige DAX®-Spezifika wie z.B. die angebliche Existenz von Teilaktien und der Art der DAX®-Berechnung, vom echten DAX® entfernen. Aktuell hinkt ein DAX-EX-Anteil der DAX®-Entwicklung etwas hinterher. Der Start war Ende 2000. Jedes Jahr kassiert der Bundesfinanzminister (Dividenden und Zinsgewinne).

Die bessere Wahl?

Fürs Traden, mit Laufzeiten von einigen Monaten (das Risiko bleibt überschaubar), hat dieses Zertifikat eine leicht bessere Performance als die Indexaktie. Es stellt sich jedoch die Frage, ob man sich in nervösen Zeiten auch noch den Stress einer potentiellen Pleite des Herausgebers antun soll? Je länger die Laufzeit, um so stärker kommt der Vorteil von der fehlenden Verwaltungsgebühr beim Zertifikat zu tragen. Solange wir auch noch die implizite Steuerfreiheit des Zertifikats bei Dividenden genießen dürfen (bis Mitte 2009), wird das Ergebnis stark unterschiedlich werden (eine um 1 bis 2% bessere Rendite nach Steuern je Jahr). Allerdings steigt auch das Risiko erheblich an. Man darf sich also nicht schlafen legen! Der Anleger muss in Zukunft abwägen, was ihm wichtiger ist. Die bessere Performance des Zertifikats der Commerzbank wegen den noch steuerfreien Dividenden und der fehlenden Verwaltungsgebühr oder der Schutz seines Vermögens bei den "iShares DAX® (DE)"-Anteilen. Spekulieren Sie selbst ob die Commerzbank, in der Zeit Ihres maximalen Anlagehorizonts, Pleite gehen wird.


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