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Erhoffe das Beste und sei gefasst auf das Schlimmste

26.02.2002: Wertpapiere

Commerzbank, wohin gehst du?

Alte Dame leicht verwirrt

Seit über 130 Jahre (gegründet 1870) existiert die alte Dame Commerzbank. Als drittgrößte deutsche Großbank wird sie seit einigen Jahren von der Furcht, geschluckt zu werden, getrieben. Hin- und hergerissen zwischen dem Wollen eine internationale Großbank zu werden oder in einer deutschen Großbank aufzugehen hat sie inzwischen jede Menge Geld verbrannt. Ihre internationalen Engagements gingen größtenteils schief aus. Inzwischen werden Auslandengagements geschlossen respektive verkauft. Die alte Dame hat mit dieser Politik ihren Aktionären keine Freude gebracht. Seit Anfang 2000 war die Kursentwicklung der Commerzbank wesentlich schlechter als die Kursentwicklung der Deutschen Bank:

CBX-DBK

Ihre Marktkapitalisierung liegt inzwischen deutlich unter ihrem Buchwert. Sie gehört damit zu den gefallenen Engeln und zieht massiv die Geier und die Hyänen an. Sie ist zu Verwertung freigegeben.

Geier umkreisen den Kadaver

Was bringt mehr? Die komplette Ausschlachtung oder die teilweise Ausschlachtung mit Integration in einen Allfinanzkonzern? Drei Interessenten umkreisen die Bank:

Generali

Generali hat in der Vergangenheit schon einmal bissige Hyänen vertrieben und wollte in Deutschland und in Italien einen Allfinanzkonzern basteln. Generali hält direkt 9,89% und über ihre Mehrheitsbeteiligung AMB (ca. 65% gehören Generali und oh wie lustig ca. 9,5% der Allianz) 8,04% und über deren Tochter Volksfürsorge zusätzliche 6,43%. Der Großaktionär von Generali, Mediobanca (hält ca. 14% an Generali) besitzt zusätzlich 1,2%.

Macht in Summe 27, 56%.

Der Vorstand von Generali wurde allerdings von Mediobanca brutal beim Aufbau eines Allfinanzkonzerns à la Allianz zurückgepfiffen (musste den Hut nehmen). Damit macht die größte Aktionärsgruppe mindestens einen so verwirrten Eindruck wie die alte Dame selbst. Sie verkauft noch immer ihre Versicherungen über die Schalter der Commerzbank. Ob das so bleiben wird?

Münchner Rückversicherung

Seit kurzem ist die Münchner Rück mit

10,4%

an der alten Dame beteiligt. Natürlich nur als Geldanlage! Wegen Unterbewertung usw.. Eine Erhöhung der Beteiligung wurde nicht ausgeschlossen. Allerdings würde die alte Dame ganz prima zur Hypovereinsbank passen (diese betreibt das Schaltergeschäft ihres Großaktionärs Münchner Rück). Im Westen und im Norden ist die Hypovereinsbank kaum vertreten. In Bayern könnten die Commerzbankschalter geschlossen werden. Zusätzlich könnte man die Generali in Schach halten. Damit wäre schlussendlich auch das deutsche Finanzzentrum vom Main an die Isar gewandert. Die verschwägerten Großkonzerne Allianz und Münchner Rück könnten dann Deutschland, bei Bier und Brotzeit, vom Chinesischen Turm aus regieren.

Die Schlachter

Streiten sich zwei freut sich der Dritte. Vor einiger Zeit versuchte die sogenannte "Cobra-Gruppe" sich die Commerzbank unter den Nagel zu reißen. Generali trat als Retter in der Not auf. Die Cobra hält immer noch ca. 9,98% (angeblich seit April 2000 zu ca. 40 € je Aktie). Die Familie Ehlerding hält ca. 4 bis 5%. Sie hat in der Vergangenheit angeblich schon manches Geschäft mit Mitgliedern der Cobra-Gruppe über die Bühne gebracht. Heute kennen sie sich natürlich nicht mehr. Wieso auch? Die Cobra-Gruppe ist ja total anonym! Inzwischen ist auch (nicht staunen) WCM (Großaktionär Ehlerding) mit 5,5% eingestiegen.

Das macht nach Adam Riese ca. 20,5%.

WCM will seinen Anteil auf knapp unter 10% erhöhen (keiner will die Bankenaufsicht im Hause haben ... komisch). Alles nur wegen der tollen Geldanlage! Man hätte dann allerdings, so wie Generali, eine versteckte Sperrminorität. Die Banco Santander hält übrigens noch 5,11% und hat schon verlauten lassen, dass sie sich von ihrem Anteil trennen will (braucht Geld; hat etliches unter der südamerikanischen Sonne verbrannt)

Die Zuschauer

Ca. 39% der Commerzbankanteile befinden sich im Streubesitz. Sie werden die Zusammensetzung des Aufsichtsrates und damit den Vorstand nicht bestimmen. Es sind wohl die einzigen, die nur auf steigende Kurse hoffen. Oder werden Sie am Ende der Schlacht nur mit einigen Brotkrümmel abgefunden?

Spekulationen

Jeder sollte sich seinen eigenen Kopf zerbrechen und zu eigenen Schlussfolgerungen kommen. Auf keinen Fall sollte er so einem Geschreibsel von baer45 oder gar dem von schrägen Analysten glauben. Ein Investment in die Commerzbank sollte sich allerdings nicht nur am Verhältnis Buchwert/Marktkapitalisierung oder gar an der Dividendenrendite orientieren. Richtig Spaß macht hier nur, immer dann wenn die Gerüchteküche brodelt, das kurzfristige Zocken. Die sich anbahnende Schlacht sollte jedoch nicht aus dem Blickwinkel verschwinden. Kommt es zu der potentiellen Schlacht, ist manch heißer Zock möglich.


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