| Der Pessimist ist der einzige Mist, auf dem nichts wächst |
08.03.2005: Satire & Kommentare
Katastrophengeil
Seitdem wir es geschafft hatten, die Kriegsschäden weitgehend zu beseitigen
und ein komfortables Leben sich abzeichnete, verfiel unsere Gesellschaft der Gier nach
Katastrophenprognosen. Diese Gier erschuf sogar eine neue politische Bewegung, die unser Leben
bis heute mitbestimmt. Gegen diese täglichen Verunsicherungen hilft nur eine gesunde Skepsis
- wir sollten leben und uns nicht fürchten!
Dieses Jahr wird baer45 sechzig. Ein derartiges Alter erlaubt, sich
zurückzulehnen und die Welt entspannter zu sehen. Dabei ist eine Rekapitulation der Zeit
seit dem zweiten Weltkrieg lehrreich. Ende der Fünfziger, das Gröbste war gerade überwunden,
herrschte großer Optimismus. Es gab Träume, mit dem Bau von Atomkraftwerken in jedem Kuhdorf,
sich für immer aller Energieprobleme zu entledigen. Alles schien machbar. Mit weiter
steigendem Wohlstand stieg dann klammheimlich die Angst vor der Zukunft. Man hatte wieder
was zu verlieren. Anfang der Siebziger verdichteten sich die Katastrophenprognosen:
Absehbares Ende von allen möglichen Rohstoffen im besonderen des Öls, Klimakatastrophen und
Bevölkerungsexplosion. Mit diesen Prognosen entstanden neue politische Bewegungen, die uns
auf den rechten Weg - den ökologischen - führen wollten. Manches war sicherlich sinnvoll.
Es gab wirklich keinen Grund sich weiter zu vergiften. Allerdings die fundamental
ideologischen Ausflüge in die Klimakatastrophe schädigen uns bis heute. Es wurde und wird,
ohne Sinn und Verstand, der Verzicht von Komfort gepredigt. Zur Untermauerung werden laufend
neue Katastrophenszenarien erzeugt, finanziert von unseren Steuergeldern. Man kann heute von
einer Katastrophenprognosenindustrie sprechen. Getrieben wird das Ganze von der
gesellschaftlichen Angst vor Veränderungen. So grassiert heute die Angst vor der
Vergreisung der Bevölkerung und es herrschen in diesem Zusammenhang wieder die Lüge und
sinnloser Aktionismus.
In diesem Kommentar wurde u. a. auch der Artikel
"Let's Stop Scaring Ourselves"
von Michael Crichton vom 5. Dezember 2004 verarbeitet.
Die Klimakatastrophe
Betrachtet man längere Zeiträume in der Klimaentwicklung, kann man natürliche
Veränderungen feststellen, die unserer heutigen Infrastruktur und Lebensweise nicht gut tun
würden. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert haben wir Veränderungen in Westeuropa
(Abkühlungs- und Erwärmungsphasen; CLIMDAT) erlebt, die weit extremer waren als die
letzten hundert Jahre und die Geschichte erheblich beeinflusst haben bis hin zum Auslösen
von Aufständen und Revolutionen. Das passierte alles ohne PKW-Verkehr und pauschaler
Flugreise in den Süden. Betrachtet man geologische Zeiträume, so gab es Veränderungen,
die, würden sie wieder auftreten, eine weitgehende Vernichtung der Menschheit herbeiführen würden.
Es soll hier also nicht die Klimaentwicklung in Frage gestellt werden. Abgelehnt werden nur die
Prognosen und deren angebliche "wissenschaftliche" Unterfütterung.
Im Jahre 1972 wurde folgende Klimaeinschätzung verbreitet: "Wir können uns
das Spiel mit dem Feuer einfach nicht erlauben ... . Es wäre fatal, die Hände in den Schoß
zu legen. Jeder Wissenschaftler, der das anders sieht, handelt unverantwortlich. Die
Anzeichen dafür, daß unser Klima sich bald dramatisch verschlechtert, lassen sich einfach
nicht länger ignorieren." Anlass dieser besorgten Worte war allerdings nicht die Angst
vor globaler Erwärmung, sondern vor globaler Abkühlung und einer drohenden Eiszeit. Die
meisten haben es inzwischen vermutlich vergessen, aber damals teilten viele Klimaforscher
diese Einschätzung: Die Temperaturen rund um den Globus waren seit dreißig Jahren stetig
gefallen, allein zwischen 1945 und 1968 auf der nördlichen Halbkugel um ein halbes Grad.
Das Packeis nahm zu. Die Gletscher wuchsen. In der Landwirtschaft hatten sich die
Wachstumszeiten innerhalb weniger Jahre um zwei Wochen verkürzt.
Szene aus dem Klima-Thriller "The Day After Tomorrow". Die Kosmische
Strahlung als Auslöser von Klimaveränderungen war bislang kaum im Blickfeld der Forschung
gewesen: Eiszeit durch Weltall-Strahlung?
1975 verkündete "Newsweek" "unheilvolle Anzeichen für eine beginnende
Veränderung der Wettermuster . . . mit weitreichenden politischen Auswirkungen für nahezu
jede Nation". Wissenschaftler prophezeiten, dass "die daraus entstehenden Hungersnöte
katastrophal sein könnten". Heute steht jedoch fest, dass die Temperaturen zu dem
Zeitpunkt, als "Newsweek" diese Befürchtungen abdruckte, bereits wieder stiegen. Schon ein
Jahrzehnt später sprachen Wissenschaftler von einem globalen Erwärmungstrend mit einem
Temperaturanstieg von bis zu drei Grad im 21. Jahrhundert. Derlei Prognosen hätten bedeutet,
dass in Hamburg Palmen wachsen würden, und sie sind seitdem nach unten korrigiert worden.
Bereits 1995 beliefen sich die mittelfristigen UN-Schätzungen auf vier Grad im Lauf der
nächsten hundert Jahre. Die Angst vor einer Erwärmung ist zwar nicht restlos ausgeräumt,
aber ein katastrophaler Klimawandel scheint immer unwahrscheinlicher.
Jedes Jahr lesen wir von neuen Methoden der Klimasimulation. Erst vor einigen
Wochen wurde die Meldung verbreitet, dass man nun endlich die "richtige Methode" gefunden
hätte. Was sagt uns das? Sollte das stimmen, waren alle anderen Methoden vorher falsch!
Seit uns mittels Hollywoodschinken eine Eiszeit bildlich vorgeführt wurde, wird in Zukunft
wieder mehr über die Abkühlung spekuliert werden - die Erderwärmung wird aus der Mode kommen.
Die Bevölkerungsexplosion
Ganz ähnlich haben während meines gesamten Erwachsenenlebens interessierte
Menschen in der ständigen Angst vor einer weltweiten Bevölkerungsexplosion und den
unvermeidlich damit einhergehenden Hungersnöten und Umweltkatastrophen gelebt. In den
sechziger Jahren beteuerten Experten wie Paul Ehrlich: "In den siebziger Jahren werden auf
der Welt Massenhungersnöte ausbrechen - Aberhundertmillionen Menschen werden sterben."
Ehrlich forderte Zwangsmaßnahmen zur Bevölkerungskontrolle, falls freiwillige Methoden
scheiterten. In den Siebzigern sagte der Club of Rome für das Jahr 2030 eine
Weltbevölkerung von vierzehn Milliarden Menschen voraus. Und selbst dann wäre noch kein
Ende in Sicht.
Statt dessen sanken die Fruchtbarkeitsziffern stetig. Zum Ausgang des
Jahrhunderts lagen sie ungefähr halb so hoch wie 1950, weshalb viele nun davon ausgehen, dass
die Weltbevölkerung maximal 9 Milliarden erreichen und dann wieder sinken wird (heute wird
sie auf 6 Milliarden geschätzt). Auch zu Massenhungersnöten kam es nicht. Statt dessen
führte die "Grüne Revolution", die aus der Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge und
aus besseren Saatgutsorten resultierte, bis Ende des Jahrhunderts zu einem Anstieg der
Pro-Kopf-Nahrungsmittelproduktion. Der Getreideertrag erhöhte sich dramatisch, was rund um
den Globus zu noch nie dagewesenen Rekordernten führte.
Ein Beispiel für diese Veränderungen war der Bevölkerungsanstieg in Indien,
der in den sechziger Jahren allgemein als ein Symbol für die Überbevölkerungskatastrophe
gesehen wurde. Westlichen Kindern, die ihr Essen nicht aufessen wollten, wurde mit den
hungernden Kindern in Indien ein schlechtes Gewissen gemacht. Doch im Jahre 2000 war Indien
ein Netto-Ausführer von Getreide geworden, und in den Vereinigten Staaten fürchtete man, dass
amerikanische Firmen ihre Produktion nach Indien verlegen würden, das über hervorragend
ausgebildete Arbeitskräfte verfügte. Fast niemand, der sich mit Bevölkerungspolitik
beschäftigte, sprach mehr von einer Explosion. Statt dessen sorgte man sich jetzt um die
neuen Probleme: Überalterung der Bevölkerung und Bevölkerungsrückgang.
Rohstoffknappheit
In den siebziger Jahren begann man, die Prognosen zu globalen Trends mittels
Computern zu erstellen. 1972 warnte uns der Club of Rome
mit seinen Computern davor, daß uns bald die Rohstoffe ausgehen würden. Schon 1993 wären
die Vorkommen an Gold, Quecksilber, Zinn, Zink, Öl, Kupfer, Blei und Erdgas erschöpft. Doch
das Jahr 1993 kam und ging. Alle diese Rohstoffe haben wir noch immer, und das zu
schwankenden Preisen, die aber insgesamt gesehen gefallen sind. Demnach gibt es offenbar
eine unverwüstliche Nachfrage nach beängstigenden Prognosen zur Rohstofferschöpfung. Die
Menschen werden es nie müde, sich mit dem jeweils neuesten Bericht zu befassen, der vor dem
nahenden Ende warnt. Aber irgendwann könnten wir doch damit anfangen, jede atemlose neue
Behauptung mit Skepsis zu betrachten.
Das Buch Die Grenzen des Wachstums Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit
war mit ein ideologischer Grundpfeiler der neuen ökologischen Bewegung. Seit diese Bewegung
erfolgreich unsere Geister vernebelt hat, müssen wir entgegen allen technischen Standards, den
Müll trennen und leere Blechdosen durch die Landschaft spazieren fahren. Um Energiekosten zu
"sparen", die man vorher konsequent künstlich verteuert hatte, fahren immer mehr Dieselfahrzeuge
und verpesten die Umwelt und erzeugen massenweise Lungenkrebs. Angst war noch nie ein guter Ratgeber!
Allerdings hat jetzt die ökologische Bewegung ein neues Ziel. Sie kann die Reduzierung
der Feinstaubbelastung fordern, die sie indirekt mit erzeugt hat.
Elektrosmog und weitere Ängste
Noch beängstigender war die gesundheitliche Bedrohung durch Technologie, zum
Beispiel die Angst vor Krebs durch sogenannten Elektrosmog. Die Elektrosmog-Panik hielt
über zehn Jahre hinweg an und kostete z. B. allein die Vereinigten Staaten nach Einschätzung eines
Experten fünfundzwanzig Milliarden Dollar, bevor zahlreiche Studien sie als unbegründet
einstuften. Paradoxerweise wurden dieselben Magnetfelder, die einst als krebserregend
eingestuft worden, zehn Jahre später als gesundheitsfördernd begrüßt. Manche Leute
befestigten sich Magneten an Beinen und Rücken oder schliefen auf Magnet-Matratzenauflagen,
um von den Magnetfeldern zu profitieren, die sie zuvor verteufelt hatten. Die
Magnettherapie wurde sogar eine neue Behandlungsmethode bei Depressionen.
Neben den großen Ängsten gibt es auch etliche kleinere: Saccharin,
Schweinepest, Zyklamate, Umwelthormone, Deodorants, Rasierapparate, Neonlampen, PC's,
aggressives Verhalten im Straßenverkehr, Killerbienen - die Liste ist endlos. Da verwundert
es auch nicht, daß der Verdacht aufkam, das Telefonieren mit Handys erhöhe das
Gehirntumor-Risiko, eine Angst, die trotz fehlender schlüssiger Beweise nicht auszumerzen
ist. So wurde eine britische Studie kaum von der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen,
derzufolge die von Handys ausgehende Strahlung die Gehirnfunktion sogar
verbessert. Und die erwiesenermaßen größte Gefahr durch Handys - ihre Benutzung beim
Autofahren - wird weitestgehend missachtet. Freisprechanlagen sind nur unwesentlich
ungefährlicher. Die eigentliche Gefahr besteht darin, überhaupt hinter dem Steuer zu
telefonieren.
Passenderweise endete das Jahrhundert mit einer letzten, völlig überzogenen
falschen Angst: die Jahr-2000-Katastrophe. Seit Jahren prophezeiten Computerexperten
Horrorszenarien vom Börsencrash bis zu Flugzeugabstürzen. Viele Leute räumten ihre
Sparkonten leer, verkauften ihre Häuser und zogen in sicherere Gebiete. Der Jahreswechsel
1999/2000 verlief problemlos.
Die Vergreisung
Die aktuellsten Katastrophenszenarien stellen die Prognosen des Statistischen Bundesamtes
über die demografische Entwicklung bis zum Jahre 2050 dar. Man stelle sich vor, in einem der am dichtesten
bevölkerten Gebieten der Welt nimmt die Bevölkerung ab. Schrecklich! Wir werden im Verhältnis mehr Alte als
heute haben. Die Sozialsysteme werden zusammenbrechen und deshalb müssen heute, zu einer Zeit,
wo die bevölkerungsreichen Jahrgänge noch im arbeitsfähigen Alter sind und damit eigentlich eine Idealsituation vorliegt,
Renten- und Krankenkassenleistungen zusammengestrichen werden. Tolle Logik! Oder etwa tolle Lüge?
Zur Bewertung von derartigen Prognosen empfiehlt sich als erstes das Studium von
Prognosen aus den Fünfzigern mit Blick auf die Jahrtausendwende. Man wird sie als Satire oder Witzstudien
ansehen, so trefflich haben die Wahrsagungen, pardon Berechnungen, gestimmt. Auch die heutigen Hochrechnungen berücksichtigen
z. B. nicht, dass Frauen zwischenzeitlich die Kinder später bekommen und damit die Methode
des Bundesamtes prinzipiell falsch ist. Sollten die Prognosen trotzdem zutreffen, bleibt unberücksichtigt,
dass z. B. den mehr Älteren weniger Kinder und Jugendliche gegenüberstehen. Auch Kinder und Jugendliche
erzeugen Kosten, müssen ernährt, gekleidet und ausgebildet werden. Wir liegen im Vergleich mit unseren westeuropäischen Nachbarn
am Ende bei der Quote der berufstätigen Frauen. Wollen wir sie weiter auf die Hochschule schicken und ihnen
anschließend einen Arbeitsplatz verweigern? Unsere heutigen Probleme sind nachweislich nicht
von demografischer, sondern von wirtschaftlicher Natur. Unsere heutigen Probleme beruhen auf
fast 8 Millionen Arbeitslosen (Offizielle + ABM + Umschulung). Auch im Jahre 2050 wird
die gesamtwirtschaftliche Situation wesentlich die Höhe unserer Sozialleistungen bestimmen.
Nur was erwirtschaftet wird kann konsumiert werden, heute und zukünftig. Im
Jahre 2050 wird die dann herrschende Situation bestimmen wie wir leben werden. Auch die
sogenannte private Vorsorge stellt in diesem Zusammenhang nicht anderes als ein Umlagesystem dar. Was nutzen
Immobilien oder Aktien, die dann nichts mehr wert sind? Die Riesterrente diente deshalb
primär, die aktuellen Renten zu kürzen (Nettolohnprinzip) und von den wirklichen Problemen abzulenken. Sicherer als eine staatlich
garantierte Rente ist sie nicht. Wir sollten keine Angst vor der Vergreisung haben. Da aus
biologischen Gründen ein Alter von deutlich über 100 Jahren unwahrscheinlich ist, haben wir in den
letzten zweihundert Jahren den größten Teil der Vergreisung schon geschafft. Während diesem Prozess
ist es uns immer besser gegangen.
***************
Mark Twain: "Ich hab' mir in meinem Leben schon haufenweise Sorgen gemacht,
und das meist völlig grundlos!"
Da sich so viele Ängste und Prognosen als falsch oder stark übertrieben
herausgestellt haben, sollte man sich über die Jüngsten nicht aufregen. Wenn man die Sorgen und
Befürchtungen in diesem Zusammenhang sieht, sollte man die meisten angstmachenden Dinge,
die man liest und hört, ausblenden oder zumindest unter großem Vorbehalt sehen. Man wird
so eine angehmere Zeit auf diesem Planeten verbringen.
Erläuterungen aus WIKIPEDIA:
Katastrophe
Eine Katastrophe (griechisch, aus altgriechisch katá - einer
Vorsilbe, die eine Umkehr oder Abwärtsrichtung ansagt und trephein - wenden) ist nach
bundesdeutschem Verständnis ein Schadensereignis, welches deutlich über die Ausmaße von
Schadensereignissen des täglichen Lebens hinausgeht und dabei Leben und Gesundheit
zahlreicher Menschen, erhebliche Sachwerte und / beziehungsweise die lebensnotwendigen
Versorgungsmaßnahmen für die Bevölkerung erheblich gefährdet oder einschränkt. Weiter ist
Voraussetzung zur Verwendung des Begriffs im fachlichen Sinne, dass adäquate Gegenmaßnahmen
nur gezielt getroffen werden können, wenn eine einheitliche / zentrale Koordination der
Abwehrmaßnahmen durch Katastrophenschutzbehörden erfolgt und Mittel des Katastrophenschutzes
für die Beseitigung der Katastrophe bzw. die Abmilderung ihrer Folgen herangezogen werden
müssen (siehe zum Beispiel Bayerisches Katastrophenschutzgesetz Art. 1).
Terminologisch ist Katastrophe von Großschadensereignis bzw. dessen Synonymen
Großschadenslage und Großunfall insofern abzugrenzen, als die Katastrophe generell ein
Hinzuziehen von Strukturen des Katastrophenschutzes (Führungseinheiten, Personal und
Material) zu ihrer Bewältigung erforderlich macht; ein Großschadensereignis stellt hingegen
eine Schadenslage dar, welche sich durch die Notwendigkeit der Integration von ortsfremden
Hilfseinheiten im Rahmen der überörtlichen Amtshilfe auszeichnet. Auf Katastrophenschutzmittel
muss dabei nicht notwendigerweise zurückgegriffen werden.
Der Zustand "Katastrophe" wird subjektiv empfunden und kommunikativ verbreitet.
Er kann von einem persönlichen Notfall, örtlichen Schadenfällen (Desaster, disaster) bis zu
einer großflächigen Zerstörung von Leben, Infrastruktur und Hilfsmöglichkeiten eines ganzen
Lebensraumes, sogar bis zum Untergang ganzer Gesellschaften reichen. Im Bereich der
Exekutive ist die Katastrophenabwehr eine Aufgabe des Katastrophenschutzes.
Geil
Geil: Das Adjektiv geil geht wahrscheinlich auf eine indoeuropäische Wurzel mit der Bedeutung
"aufschäumend", "heftig", "übermütig", "ausgelassen" und "lustig" zurück. Im Althochdeutschen
(seit dem 8. Jh.) wurde geil im Sinne von "übermütig", "überheblich" verwendet. Im
Mittelhochdeutschen (seit dem 12. Jh.) kann es für "kraftvoll", "mutwillig", "üppig",
"lustig", "froh", "fröhlich" und "schön" stehen.
Sexueller Kontext: Mit Geil werden auch die senkrecht nach oben stehenden Triebe von Bäumen
bezeichnet. Offenbar wurde dies mit den erregten Geschlechtsteil des Mannes assoziiert, so
dass geil seit dem 15. Jahrhundert in der Bedeutung "lüstern", "sexuell erregt" verwendet
wurde, eine Bedeutung, die bis in das 20. Jahrhundert hinein die vorherrschende bildete.
Im Etymologie-Duden von 1963 heißt es unter dem Stichwort noch "...Im heutigen
Sprachgebrauch wird 'geil' auschließlich im Sinne von geschlechtlich erregt, brünstig
verwendet."
Heutige Verwendung: In der Jugendsprache der 1970er und 1980er-Jahre
erlebte das Wort eine scheinbare Neuinterpretation, die bis heute anhält. Etwa Mitte der
1970er-Jahre erweiterte sich die Bedeutung im umgangssprachlichen Gebrauch zunächst in
Richtung "sexuell attraktiv". In den 1980er-Jahren wurde der Begriff schließlich aus dem
sexuellen Kontext (wieder) gelöst und seitdem als Steigerung von "gut", im Sinne von
"schön und toll" verwendet. Der Begriff wurde nicht mehr auf Personen, sondern auf
Produkte und Erlebnisse angewendet: "Das geile Motorrad", "Das geile Konzert". Dieser
Bedeutungswandel ist genau besehen eine sprachliche "Rückbesinnung", die näher an der
ursprünglichen Wortverwendung liegt, als die zwischenzeitlich dominierende "unanständige"
Bedeutung.
In Österreich pflegt man den Begriff "geiles Essen", wenn man ein besonders üppiges,
fettreiches Essen umschreibt.
GNU Free Documentation License
|