| Nur wenigen ist ihre Glaubwürdigkeit mehr wert als Geld |
27.01.2002: DAX®-Bewertungen
Historische Entwicklung mit Ausblick
Wieso, weshalb, warum ....
Warum ist die Entwicklung eines Aktienindex interessant? Auch
für den Anleger in Einzelaktien? Was soll eine
Langfristbetrachtung von einem derartigen Kunstprodukt?
Ein Aktienindex spiegelt in einem spezifischen Bereich das
allgemeine Marktgeschehen wieder. Und Einzelwerte können
sich im Regelfall nicht ganz der allgemeinen Marktentwicklung
entziehen (natürlich keine Regel ohne Ausnahme).
Die Langfristbetrachtung hat aber ihre besonderen Tücken.
Die Teilnehmerzusammenstellung ändert sich. Einige
Teilnehmer ändern ihr Geschäftsmodell und werden in
anderen Märkten tätig. Über die Zeit ändert
sich das monetäre und wirtschaftliche Umfeld stark. Nichts
bleibt wie es mal war! Trotzdem spiegelt die
Langfristentwicklung viele unterschiedliche Situationen wieder
und zeigt kompakt die Geschichte auf.
Sowie es keine absolut richtige und durchführbare Methode
gibt, eine Einzelfirma zu bewerten, umso weniger gibt es die
Methode einen Gesamtmarkt zu bewerten. Allerdings kann eine
Bewertungsmethode zur eigenen Orientierung beitragen. Auch
diese Betrachtung hier will nur ein kleines Stück zur
Orientierung beitragen.
Man kann auch nicht aus dem Verlauf der Vergangenheit die
Zukunft prognostizieren. Bräuchte man nur charttechnisch
die Kurven zu verlängern, würde es wohl keine
Arbeitnehmer mehr geben.
Einigen Anlegern ist das Investieren in Einzelaktien zu
zeitaufwendig. Sie investieren in Märkte (kurz- oder
langfristig). Sie kaufen Indexzertifikate respektive
Indexaktien (aktiv gestaltete Fonds schneiden oft schlechter
ab). Auch hier stellt sich die Frage nach der
Weiterentwicklung. Wäre eine sehr hohe Rendite (manche
Verkäufer diverser Finanzprodukte wollen uns dies
suggerieren) garantiert, würde sich auch hier die Frage
nach der Notwendigkeit der regelmäßigen Arbeit noch
massiver stellen.
Was kann man also langfristig an Rendite erwarten? Ich selbst
glaube, dass die Langfristrendite bei Blue Chips nicht
wesentlich größer sein kann als bei AAA-Anleihen.
Man wird Phasen erleben in denen Aktien besser rentieren und
andere Phasen in denen Anleihen besser rentieren. Das beste
Ergebnis erziehlt man, wenn man phasengerecht die Mehrheit
seines Geldes in die richtigen Märkte steckt. Dazu sollte
man in der Lage sein, die Phasen rechtzeitig zu erkennen.
Mittelfristanleger (3 bis 6 Jahre), die in der Lage sind, im
Tief zu kaufen und im Hoch zu verkaufen, können von der
Volatilität profitieren und damit Anleihen in jeder Phase
schlagen. Hört sich jedoch einfacher an, als es ist. Auf
jeden Fall ist hierbei eine große analytische
Fähigkeit notwendig die zum Markt passenden Spekulationen
zu entwickeln und der Mut gepaart mit der notwendigen Geduld
sie durchzuführen.
Der DAX® von 1959 bis 2002
Der hier betrachtete Zeitraum fällt zeitgeschichtlich in
die friedlichste und prosperierenste Phase Deutschlands. Eine
starke wirtschaftliche Krise fiel nicht in diesen Zeitraum. Nur
die Ölkrise hat der wirtschaftlichen Entwicklung einen
Knacks verpasst, an deren Folgen wir zum Teil bis heute leiden.
Langfristanleger sollten sich deshalb bewusst sein, dass es
nicht auszuschließen ist, dass die nächsten 40 Jahre
eventuell schlimmere Ereignisse bringen könnten.
Die Nachkriegsära
Mit dem sogenannten Wirtschaftwunder fand eine starke
Entwicklung statt. Das Geld ging jedoch primär in den
Konsum und nicht in die Aktienmärkte. ... es gab
weniger Deppen als Papiere ... Die Nachkriegsära ist
eindeutig unterbewertet.
Fakten zur Ölkrise
-
Wachstumsverlangsamung des realen Pro-Kopf-Einkommens
(1965-70: 28%, 1970-1975: 15%)
-
Rückgang der Investitionsquote
(Bruttoinvestitionen/BSP) von 1965: 26% auf 1975: 20%
-
Hoher Anstieg der Arbeitslosenquote (1965: 0.7%, 1975:
4.7%).
-
Anstieg des Preisniveaus (1965-70: 19%, 1970-75: 38%).
-
Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems 1973 und damit
Übergang von festem zu flexiblem Wechselkurs
gegenüber dem Dollar. Aufwertung der DM von 1970: 3,64
DM/$ auf 1975: 2,46 DM/$.
-
Umverteilung zugunsten der Arbeitnehmer. Wachstum der
Nominallöhne (1965-70: 74%, 1970-75: 124%) und
Verringerung der gesamtwirtschaftlichen Kapitalrendite
führten zu steigender Lohnquote (=Anteil des
Bruttoeinkommens aus unselbständiger Arbeit am
Volkseinkommen) 1965: 65%, 1975: 75%.
-
Umverteilung zugunsten des Auslands. Verschlechterung der
deutschen Terms of trade (=Verhältnis aus Export- zu
Importpreisen) von 1970: 100 auf 1975: 95.
-
Durchschnittliches Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens der
OECD-Länder: 1950-73: 4,7%; 1973-92: 2,3%.
Arbeitslosigkeit 1950-73: 2,6%, 1974-89: 5,7%; Inflation:
4,6% vs. 7,5%.
-
Ölpreis stieg um 500 Prozent. Grundsätzlich
stellt dies einen Einkommenstransfer der Ölkäufer
an die Ölexporteure dar (Größenordnung 1,5%
des Welt-BSP). Da die OPEC-Mitglieder ihr zusätzliches
Einkommen nicht sofort konsumierten, sank weltweit die
Güternachfrage.
-
Bundesbank betreibt kontraktive Geldpolitik bis Ende 1974
um zu verdeutlichen, dass sie inflationäre Lohnpolitik
nicht unterstützt (Diskontsatz 1972: 3.4%, 1973: 6.2%,
1974: 6.9%).
Fundamental untermauern diese Fakten sehr schön den Chart.
Man kann diese Phase nicht so einfach als unterbewertet
annehmen.
Die Gründung
Der DAX® startete mit Beginn des Jahres 1988. Die Zeit vor 1988
ist auf Basis der Startregeln simuliert. Der Grundchart beruht
auf Auswertungen von Herrn Norbert Meyer zu Farwig (NMZF). Der
DAX® startete mit 1000 Punkten. War er damals fair bewertet? Zu
hoch? Zu tief? Muss jeder selbst entscheiden. Ich meine, dass
er damals fair bewertet war.
Die dann lang anhaltende Hausse bis 2000 (unterbrochen durch
politisch verursachte Crashs - diese sind immer nur von kurzer
Dauer - siehe 11. September) ist nicht mit wirtschaftlichen
Fundamentaldaten begründbar. Es war eine Phase von
andauernden Zinssenkungen, der Technologieeuphorie und vorallem
es gab mehr Deppen als Papiere.
Seit Anfang 2000 befinden wir uns in der Korrektur. Oder hatte
Oberbär Leuschel Recht und die Korrektur begann schon
1998? Es stellt sich die Frage, wo wir uns heute befinden? Ist
der DAX® heute fair bewertet?
Ich persönlich würde ihn eher in einem Bereich zwischen 3000 und 4000
als fair bewertet ansehen. Nun, die Börse nimmt
zukünftige Entwicklungen frühzeitig vorweg. Aktien
sind deshalb selten fair bewertet. Wir müssen also eine
Bestandsaufnahme von bekannten Risiken und erhofften
wirtschaftlichen Entwicklungen machen.
Bekannte Fakten und Hoffnungen
Die kurz- bis mittelfristige Entwicklung könnte durch
nachfolgende Beweggründe gesteuert werden:
-
hohe Liquidität im Markt bei sehr niedrigen Zinsen,
die verzweifelt bessere Chancen sucht.
-
da die aktuelle wirtschaftliche Abkühlung auch zu
einem gehörigen Anteil mental (insbesondere in
Deutschland) bestimmt war, die Hoffnung, dass bis Ende des
Jahres die Entwicklung sichtbar anzieht.
-
Inflation derzeit gemäßigt und damit Hoffnung
auf weiterhin niedrige Zinsen.
Dies alles könnte, wenn ansonsten keine neuen Krisen
(Terrorakte, Kriege, Finanzkrisen) in den Vordergrund drängen sollten, ein
Treibsatz sein, der den DAX® in den nächsten 2 bis 4
Jahren bis zu 8000 treiben könnte. Er würde sich
damit scheinbar seine Hausse fortsetzten. Ich glaube jedoch
nicht, dass er die 8000 in diesem Zeitraum überschreiten, geschweige
erreichen wird. Nachfolgende Fakten stellen eine potentielle
Bremse dar:
-
historisch sehr niedrige Zinsen. Damit besteht eine hohe
Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen mittelfristig anziehen
werden. Bleiben die Zinsen niedrig oder fallen noch
wesentlich weiter, werden sie das nur wegen andauernden
wirtschaftlichen Schwierigkeiten tun.
-
die Überinvestitionen im Technologiesektor müssen
noch bezahlt werden. Neue Technologien, die zu einer
wesentlichen erhöhten Rationalisierung beitragen
könnten, sind nicht in Sicht.
-
in den westlichen Industrienationen stagniert die
Bevölkerungsentwicklung und wird mittelfristig
abnehmen. Die sich daraus ergebenen strukturellen Probleme
sind im Ansatz noch nicht gelöst.
-
nicht unwahrscheinlich, dass es zu weiteren Terrorakten und
damit verbunden zu größeren kriegerischen
Auseinandersetzungen kommt. Nach Afghanistan der nahe und mittlere Osten,
Nordafrika, .....?
-
eine Finanzkrise, ausgelöst durch die hohe private
Verschuldung in den USA.
Die Wahrscheinlichkeit ist also nicht gering, dass wir die 60er
und 70er Jahre wiedersehen werden: nach einer weiteren Wanderung nach Süden
(Ziel: faire Bewertung?) eine Seitwärtsbewegung unter
hoher Volatilität. Auch damals gingen die Sprüche um
(Ölkrise): .... es wird nichts mehr sein wie es
war...Ende des goldenen Zeitalters ...usw.
Tablellarischer Ausblick
Die Tabelle hat Basis 1000 Anfang 1988 und schreibt seitdem ein
kontinuierliches Wachstum von n % p.a. fort:
| Jahr (01.01) | 4% p.a. | 6% p.a. | 8% p.a. | 10% p.a. | 12% p.a. | 14% p.a. |
| 2002 | 1731,68 | 2260,90 | 2937,19 | 3797,50 | 4887,11 | 6261,35 |
| 2003 | 1800,94 | 2396,56 | 3172,17 | 4177,25 | 5473,57 | 7137,94 |
| 2004 | 1872,98 | 2540,35 | 3425,94 | 4594,97 | 6130,39 | 8137,25 |
| 2005 | 1947,90 | 2692,77 | 3700,02 | 5054,47 | 6866,04 | 9276,46 |
| 2006 | 2025,82 | 2854,34 | 3996,02 | 5559,92 | 7689,97 | 10575,17 |
| 2007 | 2106,85 | 3025,60 | 4315,70 | 6115,91 | 8612,76 | 12055,69 |
| 2008 | 2191,12 | 3207,14 | 4660,96 | 6727,50 | 9646,29 | 13743,49 |
| 2009 | 2278,77 | 3399,56 | 5033,83 | 7400,25 | 10803,85 | 15667,58 |
| 2010 | 2369,92 | 3603,54 | 5436,54 | 8140,27 | 12100,31 | 17861,04 |
| 2011 | 2464,72 | 3819,75 | 5871,46 | 8954,30 | 13552,35 | 20361,58 |
| 2012 | 2563,30 | 4048,93 | 6341,18 | 9849,73 | 15178,63 | 23212,21 |
| 2013 | 2665,84 | 4291,87 | 6848,48 | 10834,71 | 17000,06 | 26461,92 |
| 2014 | 2772,47 | 4549,38 | 7396,35 | 11918,18 | 19040,07 | 30166,58 |
| 2015 | 2883,37 | 4822,35 | 7988,06 | 13109,99 | 21324,88 | 34389,91 |
| 2016 | 2998,70 | 5111,69 | 8627,11 | 14420,99 | 23883,87 | 39204,49 |
| 2017 | 3118,65 | 5418,39 | 9317,27 | 15863,09 | 26749,93 | 44693,12 |
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