Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß (ich schätze
über 50%), dass Aktien in den nächsten 12 bis 15 Jahren schlechter
rentieren werden als Anleihen.
Begründung:
Der Aktienboom der vergangenen 20 Jahre hat auf einer Reihe
günstiger Faktoren beruht, die wir in absehbarer Zeit nicht mehr sehen
werden. Aus fundamentaler Sicht sind die Aktien immer noch sehr teuer
(überbewertet) und damit weiterhin anfällig für weitere
Kurskorrekturen.
Dividenden- und Gewinnrenditen
Auch wenn sie die letzten Jahre aus der Mode gekommen sind, sind
die Kenzahlen
und
immer noch die wesentlichsten Bewertungskriterien für die
Aktienmärkte.
So sind z.B. beide Kennzahlen für den amerikanischen
S&P500-Index in den letzten Jahren stark gefallen - vor allem durch die
gute Kursentwicklung - und liegen so niedrig wie seit über 30 Jahren nicht
mehr. Vor allem der Verfall der Dividendenrendite - es zeigt sich, dass die
Firmen nicht mehr in der Lage sind kursadäquate Dividenden zu zahlen -
berechtigt die Befürchtung, dass sich die Aktien zukünftig schlecht
entwickeln werden. So liegt heute (Januar 2002) die durchschnittliche
Dividendenrendite im S&P500 bei 1,4%.
Im DAX® ist die Entwicklung ähnlich. Hier liegt die
Dividendenrendite bei 1,2%. Auch hat der DAX® es bis heute es nicht zu einer
eigenständigen Entwicklung geschafft. Er versucht noch immer,
unabhängig von der Entwicklung der in ihm vertretenen Firmen, den
amerikanischen Markt nachzuäffen.
Gründe der Überbewertung
Grob haben vier Umweltfaktoren die Hausse der vergangenen
Jahrzehnten genährt:
Andauerndes Sinken der Inflationsraten. Eine geringere
Teuerung spricht nun mal für ein stabiles wirtschaftliches Umfeld und
steigert die Zuversicht in die Unternehmensgewinne. Vergessen sollte man nicht,
dass diese Entwicklung mit der Überwindung der Ölkrise begonnen
hatte, die politisch bedingt war und aus ähnlichen Gründen eine neue
Auferstehung erleben könnte. Die Inflationsraten sind immer noch niedrig.
Ein noch wesentlich weiteres Sinken würde in eine Deflation münden.
Schließen wir letzteres aus (Deflation wäre sicherlich kein gesunder
Nährboden für die Aktienmärkte), ist die Wahrscheinlichkeit
steigender respektive gleichbleibender Inflationsraten groß.
Andauerndes Sinken der Zinsen. Bedingt durch das Abnehmen
der Inflationsraten mussten zwangsweise die Zinsen stark sinken.
Umlaufrendite - 10 Jahre
DAX® - 10 Jahre
Und sinkende Zinsen machen Aktien als Alternativanlage generell
attraktiver. Ein zusätzlicher Anziehungspunkt war die günstigere
Besteuerung auf Gewinne aus Aktiengeschäften gegenüber klassischen
Geldanlagen. In wieweit diese steuerliche Bevorzugung erhalten bleibt, bleibt
abzuwarten. Ich befürchte, dass mit dem Fortschritt der
Verwaltungstechniken, dieser Vorzug abnehmen wird.
Geburtenstarke Jahrgänge. Mit dem Start der
Haussephase kamen die geburtenstarke Jahrgänge zu anlagefähigem Geld.
Damit wuchs die Anzahl der potentiellen Anleger gewaltig. Sie entwickelten,
bedingt durch die weiter oben aufgeführten Gründe, ein besonderes
Interesse für die Aktienanlage. Diese wachsende Anzahl hatte
zusätzlich das Wachsen der Pensionsfonds (insbesondere in den USA - bei
uns floss jedoch aus den gleichen Gründen erhebliches privates Geld in
Aktienfonds; der Pensionswahnsinn startet bei uns erst jetzt) zur Folge und war
damit ein weiterer Treibsatz für die Aktienkursentwicklung. Die
Geburtenentwicklung hat sich jedoch umgekehrt. Es kommen weniger potentielle
Anleger nach als wegfallen. Viele der Älteren haben schon mit der
Umschichtung in risikoärmere Anlagen begonnen. Und es werden im Laufe der
Jahre immer mehr werden. Zusätzlich wird die Bevölkerungsentwicklung
auch zu einem schwächeren Konsum und damit zu geringeren Gewinnen bei den
Firmen führen.
Die Euphorie. Die Hausse nährt bekanntlich die
Hausse. In einer derartigen Phase verbreiten Medien und Analysten einen
übertriebenen Optimismus. Dauert eine derartige Phase auch noch so lange
an, kommt es zum kollektiven Wahnsinn. Jedweder Bezug zur Realität geht
verloren. Die krusesten Anlagestrategien wachsen wie die Pilze im feuchten
Dickicht. Nur so ist der Technologiewahnsinn erklärbar, wo Milliarden
verbrannt wurden, nur um sinnlose Geschäftsideen ohne Inhalt zu
finanzieren. Gewinne waren nicht mehr notwendig. Die Zahlung von Dividenden war
gar verpönt. Die Buchhaltung und Bilanzierung erlebte eine tolle
(kriminelle??) Weiterentwicklung. Langsam ebbt dieser Wahnsinn ab. Verschwunden
ist er noch nicht ganz. Viele jedoch, die sich anstecken ließen und
erhebliches Geld verloren haben, werden den Aktienmärkten für immer
den Rücken zukehren (... verbranntes Kind scheut das Feuer
...).
Schlussfolgerung
"Aktien sind auf längere Sicht immer festverzinslichen
Papieren überlegen!"
"Kaufe Aktien und lege dich schlafen"
Für manche Phase stimmen diese Aussagen. Historisch sind sie
falsch! Über sehr große Zeiträume gesehen, ist der Unterschied
gering. Der konkrete Anleger lebt jedoch nicht ewig. Der Zeitraum, an dem er an
der Aktienbörse mit einem wesentlichen Geldbetrag tätig sein kann ist
relativ kurz (maximal 30 Jahre - es sei, er ist von Geburt aus reich).
Betrachtet man derartige Zeitscheiben, kam es schon oft vor, dass Anleihen
Aktien geschlagen haben. Ich glaube, dass wir uns wieder in einer derartigen
Zeitscheibe befinden. An der Aktienbörse in Zukunft Geld zu verdienen,
wird harte Arbeit werden. Für Langfristanleger und Anfänger wird die
Aktienanlage (direkt oder in Aktienfonds) nicht empfehlenswert sein. Kurz- und
Mittelfristanleger, welche die mentale Stärke haben Schwankungen
auszunutzen und die notwendigen Instrumente beherrschen, können weiterhin
Anleihen schlagen.
Natürlich ist in den nächsten 2 bis 4 Jahren eine
Annäherung an alte Höchstkurse nicht ausgeschlossen. Die
Wahrscheinlichkeit des Eintretens bleibt jedoch gering. Eine von vielen
erhoffte wirtschaftliche Erholung Ende des Jahres/Anfang nächsten Jahres
könnte für eine kurze Zeit den Weg nach Norden bereiten.
Anschliessend wird es jedoch ziemlich sicher wieder talwärts gehen.
Zum Abschluss noch ein kurzer Blick auf die verflossenen 12 Jahre
DAX®- und
- Entwicklung. Langfristanleger, die nach 1998 eingestiegen sind, hätten
besser Anleihen gekauft.