Nach 4 erfolgreichen Jahren steigt der DAX® auch im 5. Jahr in Folge. Seit
Ende 2006
legte unser Blue Chip Index um 320,11 Punkte zu (+4,85 %). Auf das gesamte Jahr hochgerechnet würde er am Jahresende
den Pegel von 8000 Zählern kitzeln. Seit Anfang des Jahres stieg der Pessimismus täglich an und er entlud sich Ende Februar in
einer Korrektur. Von seinem Jahreshoch mit 7027,59 Punkten stürzte der DAX auf 6.447,70 Punkte ab. Dieser Absturz war harmlos,
wenn man bedenkt wie viele die Korrektur förmlich herbei sehnten. Unser Index erholte sich unheimlich schnell und hat
zwischenzeitlich das alte Jahreshoch im Visier. Allerdings sind sowohl die politischen wie auch die wirtschaftlichen
Zeiten unruhiger geworden. Eine Wette, dass es im alten Aufstiegstempo weiter geht, sollte man deshalb nicht
abschließen. Die Stimmung ist weiterhin trüb. Der DAX® hat sich in diesem Quartal weiter verbilligt und wir erwarten
eine außergewöhlich reiche Erntesaison (Dividenden) und gute Quartalsberichte. Er hätte,
aus fundamentaler Sicht, Luft nach oben. Die Börsen in den USA dürfen allerdings nicht einbrechen.
Ausgangsdaten
Basis sind die Xetra®- Schlusskurse vom 30.03.2007. Die Kurse und
das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der
Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die
berechnet wird, das aktuelle
(Basis: Ende März 2007) der Aktien und die
sind aus der Süddeutschen Zeitung
(Schätzungen IBES - Quelle Thomson Financial/Datastream). Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe
).
D.h. eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine
Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch
der so genannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft
und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®.
Weitere Regeländerungen gab es zum Oktober 2006. Seitdem muss der
Firmensitz nicht mehr in Deutschland sein und das Gewicht wird bei 10% gekappt.
Code
Name
ISIN
Kurs
Dividende
KGV
Gewicht
1
ADS
ADIDAS-SALOMON
DE0005003404
40,93
0,33
15,00
1,15 %
2
ALV
ALLIANZ
DE0008404005
153,71
2,00
9,00
9,18 %
3
ALT
ALTANA
DE0007600801
48,62
1,10
13,00
0,47 %
4
BAS
BASF
DE0005151005
84,28
2,00
12,00
5,84 %
5
BMW
BAY.MOTOREN WERKE
DE0005190003
44,17
0,64
11,00
1,96 %
6
BAY
BAYER
DE0005752000
47,84
0,95
18,00
5,05 %
7
CBK
COMMERZBANK
DE0008032004
33,12
0,50
13,00
2,75 %
8
CON
CONTINENTAL
DE0005439004
96,76
1,00
13,00
1,96 %
9
DCX
DAIMLERCHRYSLER
DE0007100000
61,40
1,50
18,00
8,11 %
10
DBK
DEUTSCHE BANK
DE0005140008
100,84
2,50
9,00
6,95 %
11
DB1
DEUTSCHE BOERSE
DE0005810055
171,50
2,10
23,00
2,42 %
12
DPW
DEUTSCHE POST
DE0005552004
22,66
0,70
12,00
2,62 %
13
DPB
DEUTSCHE POSTBANK
DE0008001009
65,27
1,25
15,00
0,74 %
14
DTE
DT.TELEKOM
DE0005557508
12,38
0,72
15,00
4,77 %
15
EOA
E.ON
DE0007614406
101,78
2,75+4,25
14,00
9,73 %
16
FME
FRESEN.MED.CARE
DE0005785802
108,92
1,23
16,00
0,93 %
17
HEN3
HENKEL
DE0006048432
110,67
1,36
17,00
0,91 %
18
HRX
HYPO REAL ESTATE
DE0008027707
47,74
1,00
12,00
0,88 %
19
IFX
INFINEON TECH.
DE0006231004
11,65
0,00
30,00
1,20 %
20
LIN
LINDE
DE0006483001
80,65
1,40
19,00
1,31 %
21
LHA
LUFTHANSA
DE0008232125
20,33
0,50
13,00
1,29 %
22
MAN
MAN
DE0005937007
87,10
1,35
15,00
1,19 %
23
MEO
METRO
DE0007257503
53,01
1,02
18,00
1,18 %
24
MUV2
MUENCH.RUECKVERS.
DE0008430026
126,61
3,10
9,00
4,02 %
25
RWE
RWE
DE0007037129
79,19
1,75
14,00
5,09 %
26
SAP
SAP
DE0007164600
33,37
0,36
20,00
4,09 %
27
SIE
SIEMENS
DE0007236101
80,02
1,45
15,00
9,35 %
28
TKA
THYSSENKRUPP
DE0007500001
37,04
1,00
10,00
1,97 %
29
TUI1
TUI
DE000TUAG000
18,51
0,77
29,00
0,58 %
30
VOW
VOLKSWAGEN
DE0007664005
112,50
1,15
19,00
2,34 %
E.ON leistete neben der Dividendenzahlung auch noch eine Sonderzahlung
Im ersten Quartal 2007 wurde der DAX® nicht umgestellt. Wir werden im Laufe des Jahres mindestens
eine Umstellung erleben. Die ALTANA AG hat die ALTANA Pharma AG und damit das gesamte Pharmageschäfts
an die dänische Nycomed zum 31.12.2006 veräußert. Der vorläufige Veräußerungserlös beträgt ca. 4,6 Mrd. €uro. Der Veräußerungserlös
wird als Sonderdividende in der Höhe von ca. 32 €uro ausgeschüttet werden (Kurs aktuell: 48,62 €uro).
Die ALTANA AG wird sich zukünftig auf das Spezialchemiegeschäft konzentrieren.
Nach der Dividendenausschüttung im Mai 2007 ist ALTANA hinsichtlich der Marktkapitalisierung ein MDAX-Kandidat. Aufgrund der
so genannten "Fast Exit" Regel könnte über einen Titelaustausch und damit ein Ausscheiden von ALTANA aus dem DAX bereits Mitte
Juni entschieden werden. Der nächste ordentliche Anpassungstermin ist im September 2007. Da sich die Auszahlung der Sonderdividende auf Mai verschob fiel
der ursprünglich angedachte "Fast Exit" zu Ende März aus.
Umlaufrendite, €/US-$ und Rohölpreis
Für Zinsanleger bleibt die Luft dünn. Auch für dieses Jahr rechnen Analysten mit steigenden Renditen und
folglich mit fallenden Kursen. Die prognostisierte Entwicklung hat auch eingesetzt und wurde nur durch die Korrektur an den
Aktienmärkten Ende Februar unterbrochen. Dieses Jahr könnte eine teilweise Auflösung des
Yen Carry Trade die
Umlaufrendite zusätzlich stärken.
Seit unserer letzten Bewertung Ende 2006 gab es eine weitere Zinserhöhung durch die EZB. Seit dem 14. März, nach mittlerweile sieben
Zinserhöhungen in Folge, beträgt der Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des Eurosystems 3,75 %
(für Spitzenrefinanzierungsfazilität 4,75 % und für die die Einlagefazilität 2,75 %). Mit eine weiteren Erhöhung um 25 Basispunkte
ist im Sommer zu rechnen. In den USA gab es zwischenzeitlich keine weiteren Erhöhungen. Nach der 17. Erhöhung des Leitzinses
Ende Juni 2006 in Folge auf 5,25%, scheint in den USA der Gipfel erreicht zu sein. Seitdem hat das Federal Open Market Committee (FOMC)
der US-Notenbank den kurzfristigen Leitzinssatz erwartungsgemäß bei 5,25% belassen. Die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen
durch die FED in den USA kann baer45 nicht teilen. Die Kerninflation ist mit 2,7 % zu hoch und der Inflationsdruck hält an. Sollte
der Rohölpreis weiter auf dem heutigen hohen Niveau verharren oder eventuell noch ansteigen, wird eine Zinssenkung für
diesen Sommer unwahrscheinlich. Für den April und Mai rechnet er auf jeden Fall mit einem gleich bleibenden Zins in den USA. Die
Tagesgelder haben noch nicht voll auf die letzte Zinserhöhung der EZB reagiert. Die Spitzensätze liegen aktuell bei
2,7 bis 3,6 %. Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihre Tagesgelder zur Konkurrenz!
Die Rendite bei Bundesschatzbriefen ist beim Typ A (6 Jahre) angestiegen und beim
Typ B (7 Jahre) gesunken. Sie rentieren momentan mit 3,74 respektive 3,79 %.
Die Zinskurve bleibt flach. Man sollte deshalb sein Geld höchstens für einen Zeitraum von 1 bis 2 Jahre anlegen. Staatsanleihen
liefern für diesen Zeitraum ca. 4 %. Wenn die Aktienmärkte nicht weg brechen werden die kurzfristigen Zinsen weiter
anziehen.
Umlaufrenditen und €/US-$ Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung
bezüglich Umlaufrendite (Anleihen erster Bonität im €uro-Raum) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag.
Datum
Insgesamt
3-5 Jahre
5-8 Jahre
8-15 Jahre
15-30 Jahre
1 € in US-$
30.03.07
4,08 %
4,01 %
4,02 %
4,03 %
4,24 %
1,336
29.12.06
3,96 %
3,91 %
3,93 %
3,94 %
4,09 %
1,320
22.09.06
3,69 %
3,58 %
3,63 %
3,68 %
3,92 %
1,278
23.06.06
3,97 %
3,73 %
3,90 %
4,01 %
4,34 %
1,251
30.12.05
3,22 %
3,00 %
3,14 %
3,25 %
3,57 %
1,183
23.09.05
2,88 %
2,44 %
2,74 %
2,97 %
3,50 %
1,208
23.03.05
3,49 %
3,00 %
3,39 %
3,66 %
4,16 %
1,298
29.12.04
3,41 %
2,88 %
3,27 %
3,57 %
4,22 %
1,359
23.09.04
3,70 %
3,10 %
3,56 %
3,89 %
4,55 %
1,226
26.05.04
3,97 %
3,29 %
3,83 %
4,25 %
4,95 %
1,211
29.12.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,248
25.09.03
3,77 %
3,08 %
3,62 %
4,00 %
4,64 %
1,149
12.06.03
3,27 %
2,47 %
2,98 %
3,48 %
4,48 %
1,177
10.04.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,077
27.12.02
3,93 %
3,26 %
3,78 %
4,17 %
4,86 %
1,041
27.09.02
4,12 %
3,57 %
4,00 %
4,30 %
4,92 %
0,980
26.07.02
4,52 %
4,07 %
4,48 %
4,70 %
5,16 %
0,985
26.06.02
4,73 %
4,34 %
4,65 %
4,87 %
5,21 %
0.980
25.01.02
4,74 %
4,37 %
4,71 %
4,90 %
5,27 %
0,865
In den USA kriegt man momentan für Tagesgelder 5,31%. US-Staatsanleihen (Treasury Note) rentieren bei 5 Jahren mit 4,54%, bei 10 Jahren mit 4,65%
und bei 30 Jahren mit 4,85%. Das Zinsniveau dort unterscheidet sich immer noch deutlich zum Zinsniveau im €uroraum. Eine ganz andere Welt
ist Japan. Für kurzfristige Geldanlagen gibt es 0,7 % und für 10-jährige Staatsanleihen 1,62 %.
Nach einem kurzen Einbruch im Januar strebt der €uro wieder nach Norden. Jedes noch so geringe
Anzeichen einer Abschwächung der US-Konjunktur führt zu einem Ausbruchversuch. Momentan spekulieren viele Marktteilnehmer
für Juni mit einer Zinsanhebung der EZB und einer Zinssenkung durch die Fed. Der Zinsabstand zwischen €uro und US-$ würde sich
dann um weitere wahrscheinlich 50 Basispunkte verringern und den €uro weiter nach Norden treiben. Beide Zinsveränderungen sind allerdings
nicht garantiert. In den USA ist der Inflationsdruck im Gegensatz zu Europa sehr groß. Beide Zinsveränderungen könnten also
ausfallen. Nur ein starker Einbruch der Konjunktur in den USA würde die Fed trotzdem zu einer Zinssenkung zwingen. Allerdings
würde damit auch wieder die Immobilienblase in den USA gefüttert. Wahrscheinlich laufen die nächsten Monate die europäischen Aktien
weiterhin besser als die US-Amerikanischen. Auch das wird den US-$ nicht stützen. Auf längere Sicht wird der
US-$ weiter abwerten. Nur so kann man die nachhaltigen US-Handels- und Leistungsbilanzdefizite in den Griff zu kriegen. Hoffentlich geht die
Abwertung in kleinen Schritten vor sich. Ansonsten wäre mit einem größeren Trubel in den Finanzsystemen zu rechnen.
Auf jeden Fall ist ein Urlaub in den USA fast schon ein Zwang. Bezüglich Aktien muss man festhalten, dass die einheimischen Papiere
immer noch günstiger als die US-amerikanischen Aktien bewertet sind. Das könnte bedeuten, dass der Spruch "Bleibe im Land und ernähre dich
redlich" auch in diesem Jahr seine Gültigkeit behält.
Der sehr schwache Winter im Dezember in den wichtigsten Industrienationen sorgte für einen Verfall der
Rohölpreise bis Mitte Januar. Dann setzte in Nordamerika eine große Kältewelle ein und verteuerte den Ölpreis. Mit dem Ende
der Kältewelle begann wieder der Verfall der Preise und wäre wahrscheinlich weiter gegangen. Als erste zündelte dann Russland
mit seinen Raketenlieferungen an den Iran und der mentalen Unterstützung des dortigen Regimes. Der Iran fühlte sich damit mutiger
und provozierte am Tage der UN-Beschlüsse über die Sanktionen mit der Gefangennahme der britischen Grenzkontrollen
im Irak. Beide Länder sind große Ölexporteure. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Dadurch ist der Irankonflikt wieder in den
Fokus der Öffentlichkeit geraten und treibt den Rohölpreis. Viele fürchten, dass es noch in diesem Jahr zu einem heißen
Konflikt kommen könnte. baer45 glaubt nicht daran. Zuerst versucht die Weltgemeinschaft den Iran mit Sanktionen
auf Linie zu bringen, dann findet der amerikanische Präsidentenwahlkampf statt und dann braucht der neue Präsident/-in eine gewisse
Einarbeitungszeit. Nur wenn der Iran noch größere Provokationen vom Stapel lässt (z. B. die Sperrung der Straße von Hormuz),
ist ein frühzeitigerer Konflikt denkbar. Sollte der Iran wieder aus dem Fokus geraten und die Weltkonjunktur kühlt, wie erwartet,
in den nächsten 6 Monaten leicht ab, ist mit sinkenden Preisen zu rechnen. Ein sinkender Rohölpreis bedeutet leicht sinkende Zinsen in den USA.
Ein steigender Ölpreis wird den Inflationsdruck weltweit erhöhen und die wirtschaftliche Entwicklung abschwächen.
DAX®-Ergebnis
Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der
Januarbewertung 2002. Kein Unternehmen schreibt Verluste
und deshalb sind KGV(1) und KGV(2) identisch. Alle Berechnungen
berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.
Datum
DAX®-Stand
Dividenden- rendite
KGV(f)
KGV(1)
KGV(2)
30.03.07
6917,03
2,64 %
15,4
13,3
13,3
29.12.06
6596,92
2,72 %
15,4
14,8
14,7
22.09.06
5883,32
3,03 %
15,4
13,2
13,0
23.06.06
5529,74
3,28 %
15,4
12,5
12,4
30.12.05
5408,26
2,13 %
15,4
12,9
12,9
23.09.05
4882,58
2,31 %
15,4
13,7
13,6
23.03.05
4317,20
1,91 %
15,4
13,3
13,3
29.12.04
4247,75
1,89 %
15,4
13,1
13,1
23.09.04
3905,66
2,06 %
15,4
14,9
14,9
26.05.04
3867,52
2,12 %
15,4
15,3
15,3
29.12.03
3952,72
2,02 %
15,4
16,1
16,1
25.09.03
3326,27
2,40 %
15,4
18,7
15,9
12.06.03
3219,47
2,45 %
15,4
16,8
14,8
10.04.03
2697,10
3,24 %
15,4
13,4
11,7
27.12.02
2840,00
2,93 %
15,4
10,9
9,8
27.09.02
2918,90
2,87 %
15,4
12,9
11,8
26.07.02
3579,00
2,37 %
15,4
15,6
14,1
26.06.02
4099,05
2,07 %
15,4
17,1
16,2
25.01.02
5156,33
2,02 %
15,4
21,8
19,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den
In den letzten 12 Monaten hatten wir einen Dividendenausfall bei INFINEON TECH.
(Anteil am DAX®: 1,20%) zu beklagen. Sonst gab es fast durchgängig kräftige Dividendenerhöhungen und sogar eine Sonderzahlung durch E.ON
(sie wird bei der Berechnung Index-Dividendenrendite berücksichtigt und fällt bei der Kandidatenaufstellung für
Dividendenstrategien unter den Tisch). Die Sonderzahlung übertraf die Dividende deutlich.
Die Sanierungsarbeiten in den Firmen und die gute Weltkonjunktur tragen Früchte. Die Gewinne sind zweistellig gewachsen.
Die weiteren Kurssteigerungen haben die Dividendenrendite etwas reduziert. Sie bietet immer noch weit mehr als viele Banken für
die kurzfristige Geldanlage bereit sind zu zahlen. Sie sollte auf keinen Fall ignoriert werden. Für die bevorstehende Erntesaison haben schon
einige Firmen Dividendenerhöhungen angekündigt. THYSSENKRUPP und SIEMENS haben im Januar schon höhere Dividenden gezahlt.
TUI hat angekündigt keine Dividende zahlen zu wollen.
Trotz weiteren Kurssteigerungen hat sich die Bewertung des DAX® verbessert.
Er ist vom Bereich der fairen Bewertung in den Bereich der etwas preiswerteren Bewertung eingetreten. Berücksichtigt man
mögliche Effekte der Rechnungslegung nach IAS/IFRS gegenüber der früheren HGB-Methode, bleibt der DAX® trotzdem äußerst fair bewertet.
Ein weiterer Kursanstieg ist aus fundamentaler Sicht erlaubt.
Sollten die Zinsen auf dem heutigen niedrigen Niveau verharren, ist der DAX® immer noch bezahlbar. Er ist immer noch wesentlich
günstiger bewertet als der S&P500. Die sauber bilanzierten Gewinne seiner Teilnehmer sind immer noch höher als die
Proformaergebnisse der Teilnehmer bei seinem amerikanischen Konkurrenten. Trotzdem werden diese den weiteren Weg vorgeben.
Ein Kurseinbruch in den USA würde auch den DAX® nach Süden treiben. Ein seitwärts gerichteter Kursverlauf in den USA
wird in Europa zu Kurssteigerungen führen.
Der Currency Carry Trade
Als Currency Carry Trade (auch CCT) bezeichnet man eine Anlagestrategie auf dem Devisenmarkt.
Dabei nimmt der Investor in einer Währung mit vergleichsweise niedrigen Zinsen einen Kredit auf. Das so aufgenommene Geld
investiert er gleichzeitig in einer Währung mit vergleichsweise hohen Zinsen.
Die Rendite der Currency Carry Trades setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: zum einen die Differenz zwischen Haben- und
Sollzins, zum anderen der Ertrag aus der Wechselkursentwicklung. Während Zinsschwankungen über festverzinsliche Geschäfte
eliminiert werden können, erlauben Terminmarktgeschäfte einen Wegfall des Wechselkursrisikos. Die Sicherungsgeschäfte
können bei manchen Konstellationen die potentielle Rendite ganz auffressen und werden dann nicht getätigt. In derartigen
Konstellationen muss man im Falle des Falles schnell raus.
Relevanz von Currency Carry Trades
Gemäß der Zinsparitätentheorie dürften sich derartige Anlageformen aufgrund der einsetzenden Arbitrage nicht
rechnen. Entgegen der von der Theorie vorhergesagten fehlenden Rentierlichkeit haben sich Currency Carry Trades in den
letzten Jahren jedoch als hochprofitabel erwiesen. Die Deutsche Bundesbank hat in einer Studie theoretisch in der Spitze
eine Jahresrendite von 71 Prozent errechnet - zeitweilig berechnete sie aber auch jährliche Verluste von bis zu 20 Prozent.
Im Durchschnitt hätte man mit Currency Carry Trades jedoch eine jährliche Rendite von 15 Prozent erwirtschaften können.
Der Yen Carry Trade
Die japanische Notenbank versuchte seit Beginn der Neunziger-Jahre, mit nahezu auf Null reduzierten Langfristzinsen
die Wirtschaft mit so viel Liquidität zu versorgen, dass die stark deflatorischen Tendenzen kompensiert werden konnten.
Sicherlich fragte sich mancher der japanischen Notenbankiers, warum dieses bis dahin so untrügliche Konzept in Japan keine Früchte
trug? Heute wissen wir, der Yen Carry Trade war hauptsächlich daran schuld. Warum? Durch die Internationalisierung der
Finanzmärkte nahmen mehr und mehr Schuldner billige Kredite in Yen auf. In Deutschland wurden damit z. B. Immobilien finanziert.
In Europa und den USA wurden und werden höherverzinsliche Renten und Aktien gekauft. In Südkorea wurde eine riesige Immobilienblase erzeugt. Nur ein
relativ geringer Teil dieser umfangreichen Kredite floss in die japanische Wirtschaft zu dem eigentlichen Zwecke der
Industriestimulation.
Nun hat die japanische Notenbank die Zinsen angehoben und die Notenbanken der Industriestaaten wollen gegensteuern.
Es geht die Furcht um, die potentielle Auflösung des Yen Carry Trade könnte zu ruckartig vor sich gehen und die Finanzmärkte
gefährden. Die Auflösung würde zu einer Stärkung der japanischen Währung führen und damit weitere Auflösungen erzwingen. Die Kreditaufnahmen hatte zu einer
in Japan gern gesehen Schwächung des Yen geführt.
Eine Auflösung dieser Geschäfte (CCT) würde sicherlich die Aktienkurse drücken und die Zinsen an den Rentenmärkten
nach oben treiben. Japan würde an Exportstärke verlieren. Die sinkenden Renten- und Aktienkurse würden den Ausstieg noch
beschleunigen. Die Letzten würden die Hunde beißen - respektive pleite gehen. Als Beispiel mag der Zeitraum von 1989 bis 1991 dienen,
als die japanische Notenbank aufgrund der Überhitzung in den Immobilien- und Aktienmärkten den Leitzins vom 4 auf über 8 Prozent verdoppelte.
Der Yen Carry Trade wurde daraufhin pulverisiert. Nicht zufälligerweise kam es zu einer Bankenkrise in den USA und zu einer
Rezession in 1990/91.
Das andere Risiko des CCT ist die Entwicklung der Währungsrelationen. Verliert die Währung, in der man den Kredit investiert hat an Wert,
kann man gezwungen werden den CCT aufzulösen. Hier gibt es ein Beispiel, das wirklich ernst ist. In Südkorea hat sich die letzten Jahre
eine riesige Immobilienblase, finanziert durch billige Yen-Kredite, ausgebildet. Diese Yen's sind dann weiter in Privathände
geflossen. Der Won schwächelt inzwischen stark gegenüber dem Yen. Hier besteht eine realistische Gefahr (Wahrscheinlichkeit 30 %),
dass der Yen Carry Trade noch in diesem Jahr zusammenbrechen könnte und in Südkorea eine Finanzkrise auslösen würde.
Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
geniessen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von
Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
1
DTE
DT.TELEKOM
5,82 %
2
TUI1
TUI
4,16 %
3
DPW
DEUTSCHE POST
3,09 %
4
TKA
THYSSENKRUPP
2,70 %
5
EOA
E.ON
2,70 %
6
DBK
DEUTSCHE BANK
2,48 %
7
LHA
LUFTHANSA
2,46 %
8
MUV2
MUENCH.RUECKVERS.
2,45 %
9
DCX
DAIMLERCHRYSLER
2,44 %
10
BAS
BASF
2,37 %
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
11
ALT
ALTANA
2,26 %
12
RWE
RWE
2,21 %
13
HRX
HYPO REAL ESTATE
2,09 %
14
BAY
BAYER
1,99 %
15
MEO
METRO
1,92 %
Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie,
können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen
zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12.
"Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.
Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die
Lektüre von Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Kurs
1
DTE
DT.TELEKOM
12,38
2
TUI1
TUI
18,51
3
LHA
LUFTHANSA
20,33
4
DPW
DEUTSCHE POST
22,66
5
TKA
THYSSENKRUPP
37,04
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Kurs
6
DCX
DAIMLERCHRYSLER
61,40
7
BAS
BASF
84,28
8
DBK
DEUTSCHE BANK
100,84
Rangfolge nach Gewicht
Rang
Code
Name
Gewicht
1
EOA
E.ON
9,73 %
2
SIE
SIEMENS
9,35 %
3
ALV
ALLIANZ
9,18 %
4
DCX
DAIMLERCHRYSLER
8,11 %
5
DBK
DEUTSCHE BANK
6,95 %
6
BAS
BASF
5,84 %
7
RWE
RWE
5,09 %
8
BAY
BAYER
5,05 %
9
DTE
DT.TELEKOM
4,77 %
10
SAP
SAP
4,09 %
Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute im DAX® ein Gewicht von
68,166%. Ihr Anteil hat, seit unserer Bewertung Ende 2007, leicht abgenommen. Im gleichen Zeitraum
hat das Gewicht der Technologie (DT.TELEKOM + INFINEON TECH. + SAP + SIEMENS = 19,41%) weiter abgenommen.
Die MÜNCHNER RÜCK hätte fast zurück in die Titanenliste gefunden. SAP hätte etwas mehr schwächeln müssen.
Die MÜNCHNER RÜCK gehört immer noch zu den "billigen"
DAX®-Teilnehmer so wie auch viele andere Versicherungs-/Finanzwerte. Die Anleger mistrauen momentan allen
Versicherungen und international tätigen Finanzkonzernen (Immobilienkrise, Kredite an Hedge Fonds und Private Equity, CCT).
Ein KGV auf weiter
exotisch hohem Niveau (>= 20) hat nur die SAP und die DEUTSCHE BÖRSE. Man sieht daran, dass die Spekulanten sich mental
noch nicht vollständig von der alten Technologie-Blase verabschiedet haben. Eigentlich sind die Fusionsspekulationen
zur DEUTSCHE BÖRSE geplatzt. Aber die Spekulanten scheinen noch zu hoffen.
Kurzer Blick auf den Chart
Wir stoßen in höhere Regionen vor und damit wird der Markt wackeliger. Eine größere Korrektur im Mai
2006 wurde vorzüglich verdaut. Für dieses Jahr erwartete die Spekulantenfamilie eine vergleichbare Korrektur oder gar noch Schlimmeres.
War die Korrektur, die Ende Februar einsetzte und bis heute praktisch verdaut ist, das befürchtete respektive herbei gesehnte
Ereignis? Trotz oder gerade wegen der trüben Stimmung erwiesen sich die Märkte als sehr stabil.
Laut CONGNITREND vom 28. März spiegelt
sich die momentane Stimmung in einem Anteil von 38 % Bullisch, 37 % Bärisch und 25 % Neutral. Eine Stimmungslage, die auch weiter für
steigende Kurse sorgen müsste.
In der bevorstehenden Berichtsaison werden die DAX®-Unternehmen gute Ergebnisse vorlegen und ihre Bewertung damit nochmals
verbessern. Der Konsens unter den Volkswirten erwartet, dass der aktuelle Konjunkturzyklus noch ca. 2 bis 3 Jahre andauert.
Die Gewinne der Unternehmen werden allerdings nicht mehr zweistellig steigen. Im weiteren Jahresverlauf wird mit einer
Abkühlung gerechnet. Am Jahresende soll die Konjunktur dann wieder anziehen. Allerdings gibt es Risiken, die zu einer
wesentlich stärkeren Abkühlung führen könnten. Sollten die Gewinne sinken, werden sich die Bewertungen rapide
verschlechtern. Zu diesen Risiken zählen, neben unseren üblichen Kandidaten im internationalen Finanzsystem,
der Yen Carry Trade, die US-Immobilienkrise und die Rohölpreisentwicklung. Letztere wird wahrscheinlich maßgeblicher sein und stark von der
Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten abhängen.
An der Börse wird allerdings nicht die zurückliegende oder aktuelle sondern die zukünftige Situation bewertet. Je höher die Kurse
steigen umso misstrauischer wird die Spekulantenwelt und sie fängt an negative Nachrichten stärker in den Fokus zu stellen.
So werden wir sicherlich laufend übertriebene Aussagen bezüglich des Yen Carry Trade und der US-Immobilienkrise lesen. Treten in einer
derartigen Stimmungslage etwas bösartigere Ereignisse wie Ende Februar auf, kann dies einen massiven Absturz auslösen. Man sollte deshalb
die eigene Ausstiegsstrategie überprüfen respektive in Erinnerung rufen und die Pferdchen weiter laufen lassen. Es ist noch ein
erklecklicher Gewinn möglich aber nicht sicher.
Soll man jetzt noch einsteigen? Der DAX® ist äußerst fair bewertet. Das US-amerikanische
Vorbild S&P500 ist teurer, allerdings unter dem amerikanischen Blickwinkel noch im oberen Bereich der "fairen" Bewertung.
In der Praxis enteilen die Kurse immer wieder der fairen Bewertung. Mal nach Norden, mal nach Süden. Kaufen tut man Aktien im Regelfall wenn sie
"billig" sind oder besondere Chancen lauern. Billig sind die Aktien allerdings heute nicht mehr und das Verhältnis Chance/Risiko
wird täglich schlechter. Einer der bis heute nicht eingestiegen war und jetzt unbedingt einsteigen will wäre ein
typischer Indikator für eine "Milchmädchenhausse". Weil er den Einstieg total verpennt hatte, wird er die Ausgangstür
zum gegebenen Zeitpunkt nicht finden. Da ist sicherlich die Frage erlaubt, ob er nicht besser auf den nächsten
größeren Kurseinbruch warten soll. Er kommt so sicher wie das "Amen" in der Kirche.
baer45 wünscht allen Lesern "Frohe Ostern" und viel Glück
In den USA platzt die Immobilienblase. Schlägt die Krise auf die deutsche Konjunktur durch? Von Heike Buchter und Robert von Heusinger
Wenn sich dieser Tage Banker in Frankfurt, London, Tokyo, Hongkong oder New York treffen, stellen sie immer
dieselbe Frage: "Wo liegt das Zeug?" Mit dem "Zeug" sind amerikanische Hypothekenkredite minderer Qualität gemeint, subprime genannt.
Immer mehr einkommensschwache amerikanische Hausbesitzer, die in Deutschland wohl nie einen Baukredit bekommen hätten, müssen
neuerdings den Offenbarungseid leisten. Auf dem ganzen Globus grassiert seither die Angst bei den Finanzmanagern. Denn die Kredite
wurden gebündelt und als komplexe Wertpapiere von Investmentbanken in alle Welt verkauft. Das Volumen ist enorm. Es wird auf
mindestens 700 Milliarden Dollar geschätzt.
Eine Frage lautet: Wer hat diese Wertpapiere gekauft? "Vor allem Asiaten und Europäer", mutmaßt Jan Hatzius. Das erzähle man
sich zumindest in New York, dem Zentrum der Verpackungskünstler von Hypothekenkrediten, sagt der Chefvolkswirt für Amerika von
Goldman Sachs.
Die Anschlussfrage lautet: Klappen demnächst deutsche Volksbanken und Sparkassen zusammen, die diese Papiere gekauft haben
und ihren möglichen Wertverlust nicht verkraften? Müssen Lebensversicherer um Hilfe rufen, weil sie die Altersvorsorge der
Deutschen in dieses "Zeug" investiert haben? Oder liegen die faulen Kredite bei unregulierten Hedgefonds, die sich bei den
Wertpapierhändlern von der Wall Street auf Pump damit eingedeckt haben und jetzt ihre Schulden nicht mehr bedienen können?
Droht damit eine weltweite Kapitalmarktkrise?
Das ist das globale Rätsel. Niemand weiß die Antwort. Ein solcher Kredit kann durchaus im Portfolio - zum Beispiel - einer
deutschen Lebensversicherung landen. Er nimmt dafür einen langen, aber für Bankiers alltäglichen Weg. Investmentbanken wie
Goldman Sachs oder die Deutsche Bank kaufen regionalen amerikanischen Kreditinstituten zunächst die Hypotheken ab, fassen sie
zu Paketen zusammen und begeben dann Wertpapiere wie Anleihen oder Zertifikate darauf. Üblicherweise sind das sogenannte
Mortgage Backed Securities (MBS). Aus diesen werden in einem weiteren Schritt Fonds zusammengestellt, Collateralized Debt Obligations
(CDOs). Dann kommen die Ratingagenturen ins Spiel, die bewerten, wie sicher eine Investition in diese CDOs ist - und mit diesem
Siegel verkaufen die Investmentbanken sie schließlich an Investoren wie Lebensversicherer.
Der subprime-Bereich war dabei lange Zeit besonders beliebt, weil er hohe Zinsen bot. Angesichts der steigenden Kreditausfälle
stellt sich im Augenblick die Frage, ob die Bewertungen der Ratingagenturen gerechtfertigt waren. Sie basierten nämlich auf
historischen Ausfallwahrscheinlichkeiten - also der Erfahrung, wie häufig in der Vergangenheit bestimmte Immobilienkredite nicht
mehr bedient wurden. Die sind in der aktuellen Krise nicht sehr aussagekräftig.
Die Agentur Standard&Poor's hat denn auch schon im Februar angekündigt, möglicherweise die Kreditbewertung von MBS-Anleihen,
die im vergangenen Jahr ausgegeben wurden, als riskanter zu bewerten als zuvor. Und viele Brancheninsider warnen die Anleger
schon ganz offen. "Ich glaube nicht, dass Investoren in Asien und Europa verstehen, wie schwerwiegend das Risiko ist", sagt
Josh Rosner, Berater beim Researchhaus Graham Fisher & Co.
1994 lag das Volumen der besonders riskanten subprime-Kredite am US-Immobilienmarkt noch bei 35 Milliarden Dollar - Ende 2005
waren es fast zwanzigmal so viel, schätzt die amerikanische Verbraucherorganisation Center for Responsible Lending.
Ein Viertel aller Hypotheken wurde zuletzt an Schuldner mit schwacher Bonität vergeben. Anfangs sah das wie die Erfüllung des
amerikanischen Traums aus: Auch Bürger mit niedrigem Einkommen und ohne Sparguthaben konnten sich nun dank der großzügigen
Kredite ein eigenes Heim leisten. Der Anteil der Hausbesitzer in den USA stieg in den vergangenen zehn Jahren von 65 auf 69 Prozent.
Jetzt aber wächst die Sorge, dass aus dem Traum ein Albtraum wird.
"Sollte sich herausstellen, dass wir die steigenden Immobilienpreise der vergangenen Jahre vor allem der künstlich angeheizten
Nachfrage durch schwächere Kreditnehmer verdanken, sehe ich Probleme auf uns zukommen", sagt John Lonski, Volkswirt bei der
Ratingagentur Moody's. Viele der frischgebackenen Hausbesitzer können angesichts steigender Zinsen schon jetzt ihre Raten nicht
mehr bedienen und müssen verkaufen. Das Researchhaus First American CoreLogic rechnet für die kommenden sechs Jahre mit
1,1 Millionen Zwangsversteigerungen.
Ein gewaltiges Problem für die amerikanische Volkswirtschaft ohne Zweifel - doch wie gerechtfertigt sind die Sorgen, die nun
am internationalen Finanzmarkt aufgekommen sind? Wann drohen Folgen für Euroland oder Asien?
Die Antwort darauf lässt sich zumindest eingrenzen: Solche weltweiten Folgen können nur dann eintreten, wenn es wirklich zu
einem Zusammenbruch von Banken oder anderen Finanzinstituten kommt - dessen Wahrscheinlichkeit freilich im Augenblick kaum
abzuschätzen ist. Alle anderen Ansteckungsgefahren sind zum Glück äußerst gering. Die Weltkonjunktur ist robust, die Unternehmen
sind in guter Verfassung. "Erschreckend stabil", sagt sogar David Milleker, der Chefvolkswirt von Union Invest.
So dürfte subprime die Konjunktur der USA zwar schwächen, der Rest der Welt davon aber auf dem Wege der Realwirtschaft
kaum in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Kreditausfälle und die erwarteten Zwangsversteigerungen verschärfen zunächst die Lage
am amerikanischen Immobilienmarkt, der seit 2006 schwächelt. Selbst in einstigen Boom-Gebieten bleibt ein "Zu verkaufen"-Schild
nicht selten monatelang stehen. Bis Ende 2007 würden die Immobilienpreise um bis zu zehn Prozent fallen, fürchtet David Rosenberg,
Nordamerika-Volkswirt bei der Investmentbank Merrill Lynch.
Für die US-Volkswirtschaft bedeutet das ein halbes Prozent weniger Wachstum, und das wiederum beeinträchtigt über den Handel
das Wachstum im Rest der Welt. Wenn die amerikanischen Verbraucher wegen höherer Zinszahlungen und fallender Immobilienpreise
weniger konsumieren und mehr sparen, dann können deutsche und europäische Firmen weniger Produkte im Land der unbegrenzten
Möglichkeiten absetzen. Unter Ökonomen gilt die Faustformel: Ein Wachstumsverlust von einem Prozentpunkt in Amerika bedeutet
0,4 Prozentpunkte weniger Wachstum in Deutschland, so Carsten Patrick Meier, Konjunkturexperte am Institut für Weltwirtschaft
in Kiel. Normalerweise.
Allerdings sind die Zeiten nicht normal. Seit 2005 hat sich hierzulande die Stimmung der Unternehmen kräftig gebessert, in
Amerika dagegen geht sie seit 18 Monaten nach unten. Weil in Asien und Euroland die Konjunktur zunehmend von der Inlandsnachfrage
getragen wird, ist die Welt nicht mehr so abhängig von der Entwicklung in Amerika. Die Firmen Eurolands führen inzwischen 17 Prozent
ihrer Exportgüter nach Asien (ohne Japan) aus, viel mehr als nach Amerika. Auch andere Absatzregionen
Eurolands - Osteuropa, der Mittlere Osten, England und Skandinavien - wachsen. Außerdem handelt es sich bei der Korrektur auf
dem amerikanischen Wohnimmobilienmarkt vor allem um ein lokales Problem. "Kaum ein anderer Sektor hat so geringe
Außenhandelsbeziehungen wie der Bausektor", sagt Meier. Deshalb dürfte ein Wachstumseinbruch von einem Prozent in Amerika
diesmal nur 0,1 bis 0,2 Prozent vom deutschen Wachstum abziehen.
Nichts Ernstes also, falls es nicht zum Schlimmsten kommt und die amerikanische Konjunktur in eine regelrechte Rezession schlittert.
Noch allerdings wird das Risiko einer Rezession an den Finanzmärkten nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent taxiert, und
die Federal Reserve könnte dann immer noch mit raschen Zinssenkungen dagegenhalten. Die würden dann gleich auch die Wurzel des
Übels, den Immobilienmarkt, heilen helfen. "Nirgendwo sonst hat die Geldpolitik mehr Wirkung", sagt der Goldman-Sachs-Mann Jan
Hatzius.
Doch genug von der Realwirtschaft: Viel rascher erfolgt eine solche Ansteckung über das Bankensystem und die Finanzmärkte. Aber
auch hier lohnt es sich, genau hinzuschauen. Es stimmt: Der Finanzsektor ist von subprime aufgewühlt. Seit Ausbruch der
Hypothekenkrise im Februar ist es in Amerika schwierig geworden, an Kredite für Hauskäufe oder den Hausbau zu gelangen. Die
Konditionen haben sich binnen vier Wochen drastisch verschärft und sind inzwischen so restriktiv wie zuletzt 1991, schreiben
die Analysten der Investmentbank CSFB. Ein Szenario für eine Ansteckung wäre, dass diese Risikoscheu von den Hypotheken auch
auf Kredite an Unternehmen überspringt und damit schließlich auch die Kreditkosten für Firmen in Amerika und im Rest der Welt
verteuert.
Doch die Fachleute geben Entwarnung. "Danach sieht es nicht aus", sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt für Euroland bei der
Deutschen Bank. Die Bilanzen der Unternehmen sehen nämlich hervorragend aus. In Amerika hat sich seit 2001 die Verschuldung
der Firmen Jahr für Jahr verringert, Ähnliches gilt für die Unternehmen in Euroland. Solchen Bankkunden gibt man auch in
Zukunft weiter Kredit.
Mit etwas Glück ist diese Krise also nur eine Episode, doch eine Gefahr bleibt: Was die Not leidenden Hypothekenkredite am
Ende wirklich für die Portfolios der Banken, Lebensversicherer und Hedgefonds rund um den Globus bedeuten, ist bislang einfach
nicht abzuschätzen. Es könnte sein, dass arglose Investoren das Risiko im Vertrauen auf Ratingagenturen und Investmentbanken grob
unterschätzt haben. Es könnte sein, dass die modernen und hoch komplexen Finanzinstrumente wie CDOs die Risiken einzelner
Finanzhäuser erheblich vergrößert haben. Vielleicht kollabieren einige darunter, und dann könnte der Kollaps eine Lawine auslösen.
Mindestens wäre es ein großer Stresstest für das Weltfinanzsystem. Ausgang ungewiss.