Ein ruhiges Börsenjahr neigt sich dem Ende entgegen. Nach dem fulminanten Aufstieg
in 2003 haben wir ein Jahr mit einem im langjährigen Mittel liegenden Gewinn (7,46%) und niedrigster Volatilität, wie seit 1996 nicht mehr, erlebt.
Fast 12 Monate kriechten wir seitwärts dahin. Im letzten Quartal scheint dann ein gelungener Ausbruch
nach Norden stattgefunden zu haben. Die Weltkonjunktur ist weiterhin intakt. Der Rohölpreis hat sich
beruhigt, der € treibt immer wieder neuen Rekorden zu. Wie wird es weiter gehen? Machen wir als
erstes eine Standortbestimmung.
Ausgangsdaten
Basis sind die Xetra-Schlusskurse vom 29.12.2004. Die Kurse und
das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der
Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die
berechnet wird, das aktuelle
(Basis: Dezember 2004) der Aktien und die
sind aus der Süddeutschen Zeitung
(Schätzungen IBES - Quelle Thomson Financial/Datastream). Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe
).
D.h. eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine
Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch
der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft
und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®. Im Jahr 2004
hat es keine Umstellung im DAX® gegeben.
Umlaufrendite
Für Tagesgelder werden selten 2,75% Zinsen gezahlt. Relativ einfach kann
man 2,5% erhalten. Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihre Tagesgelder
zur Konkurrenz. Bundesschatzbriefe rentieren momentan
mit 3,08 bis 3,39%. Während in den USA die Zinsen zwischenzeitlich auf breiter Front nach
Norden abgedreht sind, sind sie bei uns, entgegen vieler Erwartungen, auch
denen von baer45, weiter gesunken. Wir stehen wieder kurz vor dem Nachkriegstief
aus der ersten Hälfte 2003. Die weiter gemächlich wachsende Konjunktur im Euroraum
und der zwischenzeitlich stark angestiegene Rohölpreis und die weiter stark
wachsende Staatsverschuldung in den großen europäischen Ländern haben es nicht
geschafft die Inflation anzuheizen und damit eine Zinswende zu erzwingen. Die
Zurückhaltung der Konsumenten in Deutschland war das ganze Jahr über erheblich und
hat damit zur Preisstabilität beigetragen. Angeblich hat das Verbraucherverhalten sich
im Dezember gewandelt und der Konsum ist seit langer Zeit wieder angestiegen. Wir haben
auf jeden Fall das Zinstal, entgegen unserer Annahme in unserer Maibewertung,
noch nicht verlassen. Eventuell haben wir es noch nicht erreicht. Der Rentenmarkt
bleibt überraschend stark und die Anleiheblase ist bist zum Bersten gefüllt. Das noch immer
fehlende Vertrauen in den Aktienmarkt trägt zu dieser ungesunden Situation bei.
Auch wenn noch nicht absehbar ist wann der Anleihemarkt drehen wird, tanzen wir
auf dem Vulkan und äußerste Vorsicht ist angesagt. Mit dem Drehen des Marktes ist
mit erheblichen Kursverlusten zu rechnen.
Datum
Insgesamt
3-5 Jahre
5-8 Jahre
8-15 Jahre
15-30 Jahre
1 € in US-$
29.12.04
3,41 %
2,88 %
3,27 %
3,57 %
4,22 %
1,359
23.09.04
3,70 %
3,10 %
3,56 %
3,89 %
4,55 %
1,226
26.05.04
3,97 %
3,29 %
3,83 %
4,25 %
4,95 %
1,211
29.12.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,248
25.09.03
3,77 %
3,08 %
3,62 %
4,00 %
4,64 %
1,149
12.06.03
3,27 %
2,47 %
2,98 %
3,48 %
4,48 %
1,177
10.04.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,077
27.12.02
3,93 %
3,26 %
3,78 %
4,17 %
4,86 %
1,041
27.09.02
4,12 %
3,57 %
4,00 %
4,30 %
4,92 %
0,980
26.07.02
4,52 %
4,07 %
4,48 %
4,70 %
5,16 %
0,985
26.06.02
4,73 %
4,34 %
4,65 %
4,87 %
5,21 %
0.980
25.01.02
4,74 %
4,37 %
4,71 %
4,90 %
5,27 %
0,865
Diese Tabelle zeigt die Umlaufrendite (Anleihen erster Bonität im €uro-Raum)
und der Stand des € im Verhältnis zum US-$ zum Stichtag an. Wie schon erwähnt,
unterscheidet sich die Zinslage in den USA zwischenzeitlich erheblich von der Unserigen.
So rentieren z. B. Schatzamtbriefe (US-Treasury) bei 3 Monaten mit 2,24, bei 2
Jahren mit 3,10, bei 5 Jahren mit 3,68, bei 10 Jahren mit 4,25% und bei 30 Jahren
mit 5,38%.
Am Beginn des letzten Quartals hat sich das stabile Verhältnis zwischen € und US-$
aufgelöst und der US-$ hat seinen seit 3 Jahren andauernden Verfall wieder fortgesetzt.
Wir eilen von Allzeithoch zu Allzeithoch. Zwischenzeitlich spekuliert man mit Beträgen im
Bereich von 1,50 US-$ für 1 €, Größenordnungen die Mitte der Neunziger, noch zu DM-Zeiten,
erreicht wurden. Fundamental ist der weitere Verfall des US-$ berechtigt.
So lange das US-amerikanische Leistungsbilanzdefizit nicht erheblich sinkt, wird es mit
dem Verfall weiter gehen. Voraussetzungen zur Genesung sind sinkende Konsumausgaben und
steigende Auslandsinvestitionen in den USA. Bei weiter anziehenden US-Zinsen und einem
weiter fallenden US-$ werden wieder mehr Europäer US-Staatsanleihen kaufen und damit zu einem
Bremseffekt beitragen. Auf jeden Fall bleibt ein Urlaub in den USA empfehlenswert und aus
rein währungstechnischer Sicht spricht nichts gegen den Kauf von US-Aktien.
Die Überbewertung ist dort allerdings teilweise schon sehr stark.
Die gut laufende Weltkonjunktur, technische Förderschwierigkeiten und politisch motivierte Ängste haben den Rohölpreis
in diesem Jahr, auf Basis des US-$, in neue Höhen getrieben. So kostete ein
Barrel (159 Liter) zeitweise fast 53 US-$. Inzwischen hat sich der Preisauftrieb
beruhigt und das Barrel kostet nur noch 40 US-$. Betrachtet man die vergangenen 3 Jahre
so hat der Ölpreis auf Basis des US-$ um ca. 100% zugelegt. In der gleichen Zeit
wertete der € um ca. 55% gegenüber dem US-$ auf. Die Ölpreiserhöhung hat also
den €-Raum weit weniger heftig getroffen als den US-$-Raum. Gleichzeitig legten,
wie bei jedem Konjunkturaufschwung, auch viele andere Rohstoffe im Preis zu. Beim
Stahl kam es sogar zu veritablen Engpässen und der deutsche Koks wurde wieder
konkurrenzfähig. Natürlich haben nicht alle Rohstoffe
im Preis entsprechend zugelegt. So hat z. B. das im Überfluss vorhandene Gold in diesen
3 Jahren, auf Basis des US-$, auch um ca. 55% zugelegt. Aus €-Sicht liegt damit keine
Preisveränderung vor. In diesem Rohstoff hat sich nur der Verfall des US-$ gespiegelt.
Die gestiegenen Rohstoffpreise werden sicherlich ihre Bremsspuren in der Weltkonjunktur
hinterlassen.
Der Salamicrash seit 2000 und der dann folgende Irakkrieg in 2003 hat die Zittrigen
aus den Aktien getrieben. Mehrheitlich gingen sie in den Besitz der Hartgesottenen
übrig. André Kostolany hat diesen Vorgang anschaulich in seinem
Timing-Ei beschrieben. In Deutschland wurden fast
30% der Anleger so stark geschädigt, dass sie auch in Zukunft nicht mehr an die
Börse zurückkehren werden. Inzwischen besitzt dieser Kreis keine Aktien mehr.
Zusätzlich gibt es einen erklecklichen Anteil, der noch Aktien besitzt, jedoch nicht mehr
bereit ist zusätzlich Geld in Aktien zu investieren. Die große Besitzergruppe ist heute die
Hartgesottene. Nach der guten Erholung in 2003 sind wir dieses Jahr bis zu einem kurzen
Abschmieren im Sommer seitlich gelaufen um dann eine kleine Jahresendrallye hinzulegen und
den Seitwärtskanal nach Norden zu Durchbrechen. Bei der heutigen Aktionärsstruktur
ist es kaum verwunderlich, dass nicht auf schlechte Nachrichten reagiert wurde und wir
historisch niedrige Volatilitäten, wie seit 1996 nicht mehr, erlebt haben. Deshalb war diese Börsenjahr auch kein
Zungenschlecken für die Daytrader-Gemeinde. Viele von ihnen wurden endgültig erledigt. Sie hätten ihr
Geld besser im Spielcasino, in angenehmer Atmosphäre und in Gesellschaft schöner Frauen
verjubelt. Die diesjährige Börsenentwicklung hatte Ähnlichkeiten mit dem US-Präsidentenwahlzyklus
(Börsenrhythmen). Wenn diese Theorie diesmal zutreffen sollte
wird in 2005 die Weltkonjunktur intakt bleiben und noch viele prallgefüllte Tagesgeldtaschen
vom Seitenaus in die Aktienanlage wechseln und uns weiter nach Norden bringen.
Allerdings ist momentan schwer fassbar, in wie weit die gestiegenen Rohstoffpreise bremsend
wirken werden und welche Kapriolen noch an den Devisenmärkten geschlagen werden.
Die Zinsentwicklung hat das Tal noch nicht verlassen respektive hat die Talsohle
noch nicht erreicht. Bedingt durch das extrem
niedrige Niveau ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie steigen
werden höher als dass sie gleich bleiben oder sinken werden.
DAX®-Ergebnis
Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der
Januarbewertung 2002. Auch diesmal schreiben alle DAX®-Teilnehmer Gewinne. Alle Berechnungen
berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.
Datum
DAX®-Stand
Dividenden- rendite
KGV(f)
KGV(1)
KGV(2)
29.12.04
4247,75
1,89 %
15,4
13,1
13,1
23.09.04
3905,66
2,06 %
15,4
14,9
14,9
26.05.04
3867,52
2,12 %
15,4
15,3
15,3
29.12.03
3952,72
2,02 %
15,4
16,1
16,1
25.09.03
3326,27
2,40 %
15,4
18,7
15,9
12.06.03
3219,47
2,45 %
15,4
16,8
14,8
10.04.03
2697,10
3,24 %
15,4
13,4
11,7
27.12.02
2840,00
2,93 %
15,4
10,9
9,8
27.09.02
2918,90
2,87 %
15,4
12,9
11,8
26.07.02
3579,00
2,37 %
15,4
15,6
14,1
26.06.02
4099,05
2,07 %
15,4
17,1
16,2
25.01.02
5156,33
2,02 %
15,4
21,8
19,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den
Dieses Jahr hatten wir Dividendenausfälle bei Commerzbank,
Deutscher Telekom, Bayerischer HypoVereinsbank, Infineon und Lufthansa
(Anteil am DAX®: 15,27%) zu beklagen. Die Sanierungsarbeiten in
den Firmen zeigen jedoch schon ihre Früchte. Die Gewinnsituation der DAX®-Teilnehmer hat sich
erheblich gebessert. Nächstes Jahr werden fast alle,
(Infineon natürlich nicht) eine Dividende zahlen (große Überraschungen ausgenommen).
Die Dividendenrendite hat sich wegen der Gewichtverschiebung weg von den guten
Dividendenzahlern hin zu den Titanen und der Technologie leicht verschlechtert. Sie
liegt allerdings immer noch wesentlich höher als viele Banken für die kurzfristige
Geldanlage bereit sind zu zahlen. Sie sollte auf keinen Fall ignoriert werden.
Zusätzlich wirkten natürlich auch die Kurssteigerungen mindernd auf die Dividendenrendite.
Die Gewinne der DAX®-Teilnehmer haben in voller Breite stark zugelegt und der DAX® ist
deutlich unterbewertet. Sollte es keinen wirtschaftlichen Einbruch geben, sind aus fundamentaler
Sicht weitere Kurssteigerungen erlaubt. Sollten die Zinsen auf dem heutigen niedrigen
Niveau verharren, ist der DAX® ein Schnäppchen. Er ist immer noch wesentlich günstiger
bewertet als der S&P500. Die sauber bilanzierten Gewinne seiner
Teilnehmer sind immer noch höher als die Proformaergebnisse der Teilnehmer bei
seinem amerikanischen Konkurrenten. Trotzdem werden diese den weiteren Weg vorgeben.
Eine Unabhängigkeitserklärung wurde noch nicht unterschrieben.
Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
geniessen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von
Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
1
TUI
TUI AG O.N.
4,43 %
2
DCX
DAIMLERCHRYSLER AG NA O.N
4,24 %
3
VOW
VOLKSWAGEN AG ST O.N.
3,15 %
4
TKA
THYSSENKRUPP AG O.N.
3,09 %
5
RWE
RWE AG ST A O.N.
3,06 %
6
EOA
E.ON AG O.N.
2,99 %
7
MAN
MAN AG ST O.N.
2,69 %
8
BAS
BASF AG O.N.
2,65 %
9
DPW
DEUTSCHE POST AG NA O.N.
2,62 %
10
MEO
METRO AG ST O.N.
2,53 %
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
11
LIN
LINDE AG O.N.
2,47 %
12
DBK
DEUTSCHE BANK AG NA O.N.
2,30 %
13
BAY
BAYER AG O.N.
2,01 %
14
HEN3
HENKEL KGAA VZO O.N.
1,87 %
15
ALT
ALTANA AG O.N.
1,79 %
Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie,
können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen
zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12.
"Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.
Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die
Lektüre von Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Kurs
1
TKA
THYSSENKRUPP AG O.N.
16,16
2
DPW
DEUTSCHE POST AG NA O.N.
16,79
3
TUI
TUI AG O.N.
17,40
4
MAN
MAN AG ST O.N.
27,92
5
VOW
VOLKSWAGEN AG ST O.N.
33,35
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Kurs
6
DCX
DAIMLERCHRYSLER AG NA O.N
35,37
7
MEO
METRO AG ST O.N.
40,39
8
RWE
RWE AG ST A O.N.
40,80
Rangfolge nach Gewicht
Rang
Code
Name
Gewicht
1
SIE
SIEMENS AG NA
11,34 %
2
EOA
E.ON AG O.N.
10,11 %
3
DTE
DT.TELEKOM AG NA
9,45 %
4
DBK
DEUTSCHE BANK AG NA O.N.
7,75 %
5
ALV
ALLIANZ AG O.N.
7,38 %
6
DCX
DAIMLERCHRYSLER AG NA O.N
6,45 %
7
BAS
BASF AG O.N.
6,29 %
8
SAP
SAP AG ST O.N.
5,72 %
9
RWE
RWE AG ST A O.N.
3,89 %
10
BAY
BAYER AG O.N.
3,75 %
Seit unserer letzten Bewertung im September haben die 10 größten Aktiengesellschaften
heute ein Gewicht von ca. 72,13% im DAX®. Sie haben leicht zugelegt. Immer wenn es aufwärts geht,
gewinnen die Titanen im DAX® überproportional. Seit dem hat auch die
Technologie (27,56%) leicht zugelegt. Auf Jahresicht sind beide Gruppen leicht
geschrumpft. Grund: das Jahr 2003 hatte außergewöhnliche Steigerungen vorzuweisen.
Die Münchener Rück hat es immer noch nicht zurück in die Titanenliste gebracht.
Es gibt immer noch zu große Naturkatastrophen. Diese führen zu Beitragserhöhungen und
dann in ruhigeren Jahren zu einer Gewinnexplosion in der Rückversicherung.
Da unser Staat klamm ist und deshalb weitere Privatisierungen eingeleitet hat, wird
die Zahl der frei handelbaren Aktien von der Deutschen Telekom und von der Deutschen Post stark
ansteigen. Die Deutsche Telekom hat nach SAP immer noch das größte KGV
und ist unter Berücksichtigung aller Aktien die deutsche Firma mit der
größten Marktkapitalisierung. Man sieht daran, dass die Spekulanten sich mental
noch nicht vollständig von der alten TMT-Blase (Technologie, Medien und Telekommunikation) verabschiedet haben.
Kurzer Blick auf den Chart
Mit einer Rendite von 7,46% in 2004 liegt der DAX® in seinem langjährigen Mittel.
Keine berauschende Performance, allerdings auch kein Grund zum Jammern. Die
Stimmungsindikatoren waren das gesamte Jahr über deutlich im positiven Bereich.
Dieser Optimismus hätte eine positive Entwicklung der deutschen Standardwerte
normalerweise behindern müssen. Trotzdem gab es passable Gewinne.
Auch für 2005 sind die Marktteilnehmer positiv gestimmt und erwarten weitere
moderate Kursgewinne. Ob auch diesmal der Optimismus nicht als Kontraindikator
wirken wird? Wenn keine bösartige Ereignisse eintreten ist das bei der aktuellen
Aktionärsstruktur nicht ausgeschlossen. So liegt z. B. auch eine positivere
wirtschaftliche Entwicklung, als von den Wirtschaftsinstituten erwartet, absolut
im Bereich des Möglichen. Sollte sogar die angebliche Konsumverbesserung kein
Fake sein, müssen die Kurse zwangsweise nach oben. Sonst würde es wirklich zu
einer eklatanten Unterbewertung vom DAX® kommen.
baer45 war auch dieses Jahr mutig und hat wieder Prognosen für DAX®, 10-jährige
Staatsanleihen und das Verhältnis US-$/€ abgegeben. Er sieht es allerdings nicht
als eine ernst gemeinte Angelegenheit. Es ist nur ein Spiel, das nie Grundlage für
eigene Spekulationen sein soll. Dann ist schon eher der Zufall
zu empfehlen. Man sollte nie vergessen, dass Prognosen, ob sie nun aus dem
Bauch heraus oder mit aufwendigen statistischen Mitteln von sogenannten Experten
erzeugt werden, selten stimmen.
Jeder, der viele Prognosen abgibt, wird auch Treffer haben und dann "Guru"
gerufen werden. "Guru" ist allerdings kein schöner Name. Da gefällt mir "Bärchen"
wesentlich besser.
Wir wollen uns jedoch nicht zu wahnsinnigen Bullen entwickeln und behalten
die jetzt schon bekannten Risiken im Auge und sind jederzeit bereit zu handeln:
langsam stellt man eine Abhärtung gegenüber Terroranschlägen fest.
Trotzdem würde ein empfindlicher Schlag gegen die USA dort einen neuen
Crash auslösen und der DAX® würde verstärkt darauf reagieren.
der € will sich zum absoluten Bergsteiger entwickeln. Sollten
die fundamentalen Fehlentwicklungen in den USA (US-amerikanische Leistungsbilanzdefizit)
sich nicht mindern, kann das Ganze außer Tritt geraten mit erheblichen
Konsequenzen für den internationalen Handel und die Finanzsysteme.
die Probleme in Südostasien, im nahen und mittleren Osten harren
weiter einer Lösung. Kriegerische Auseinandersetzungen können zu jedem
Zeitpunkt ausbrechen. Der Irak ist noch weit von einer Befriedung entfernt.
bleibt der Ölpreis so hoch oder steigt sogar noch weiter, droht uns
mittelfristig eine Rezession.
Sollten keine besonderen Ereignisse auftreten, findet die nächste Bewertung
mit der Umschichtung des Lotto-Depots Ende
März 2005 statt.
Die Einschätzungen der Experten für 2005
DAX®
Zinsen (10 Jahre) in %
€ in US-$
Experte
Hoch
Tief
Ende
Hoch
Tief
Ende
Hoch
Tief
Ende
Activest
4800
3600
4000
4,50
3,50
4,25
1,40
1,26
1,37
Baden-Württem. Bank
4800
3600
4700
5,00
3,60
4,80
1,40
1,15
1,25
Bankhaus Lampe
4900
4700
4800
4,40
4,20
4,30
1,39
1,37
1,38
Bankhaus Reuschel
4650
3860
4500
4,20
3,50
4,20
1,38
1,28
1,33
Bayerische Landesbank
4700
3800
4500
4,60
3,60
4,30
1,40
1,18
1,26
Berenberg Bank
5000
3600
4750
4,75
3,65
4,50
1,50
1,18
1,25
Dresdner Bank
4800
4100
4600
4,80
3,80
4,60
1,40
1,32
1,32
Dr. Kohlhase Vermög.
4700
3900
4500
4,20
3,70
3,90
1,35
1,28
1,30
Fürst Fugger P. Bank
4450
3900
4400
4,40
3,85
4,40
1,38
1,29
1,38
Gerling
4800
3900
4650
4,50
3,45
4,25
1,43
1,20
1,32
Hauck & Aufhäuser
4900
4000
4800
4,75
3,75
4,50
1,35
1,15
1,20
LB Hessen-Thüringen
4500
3700
4300
4,30
3,30
4,10
1,42
1,28
1,35
HSBC Trinkhaus
4400
3500
4100
4,40
3,50
4,10
1,45
1,25
1,40
HSH Nordbank
4550
3850
4450
4,80
3,70
4,60
1,35
1,25
1,30
Independent Research
4700
3800
4450
4,15
3,30
4,05
1,45
1,28
1,38
ING BHF-Bank
4800
3900
4600
5,00
3,80
4,80
1,45
1,25
1,40
LB Baden-Württem.
4900
3900
4600
4,75
3,80
4,60
1,40
1,25
1,35
LB Rheinland-Pfalz
4800
3900
4500
4,70
3,80
4,50
1,40
1,20
1,20
M. M. Wartburg
4850
3850
4750
4,40
3,40
4,20
1,40
1,25
1,28
MEAG
4700
3600
4400
4,80
3,40
4,30
1,40
1,20
1,28
Merck Finck
4700
3900
4500
4,50
3,80
4,40
1,40
1,25
1,35
SEB
5050
3900
4750
5,15
3,80
4,70
1,45
1,10
1,30
Stadtsparkasse Köln
4600
3700
4500
4,60
3,50
4,60
1,40
1,28
1,28
Weberbank
4440
3800
4200
4,60
3,50
4,30
1,55
1,30
1,50
Durchschnitt
4729
3844
4513
4,59
3,63
4,39
1,41
1,24
1,32
baer45: DAX®-Index
4821
3921
4621
4,81
3,51
4,78
1,41
1,24
1,36
Anmerkungen: Die Daten der Fremdexperten sind aus der
Süddeutschen Zeitung vom 23.12.2004. Humorlose Analysten, die nicht für jede Spalte
eine Angabe machten, blieben unberücksichtigt. Da Prognosen die die Zukunft betreffen
äußerst Risikoreich sind und der Redaktionsschluss in der ersten
Dezemberhälfte lag, sind manche Prognosen schon auf dem Postweg
verdorben. Die Liste der Teilnehmer ist nicht vollständig identisch mit der
Tabelle von Ende Dezember 2003. Das hat einen
einfachen Grund: manche haben sich mit ihren Prognosen
so stark blamiert, dass ihre Führung eine Teilnahme nicht mehr erlaubt - andere haben neuen Mut
bekommen und sind eingestiegen.
Die Prognosen von baer45 beruhen auch diesmal nicht auf Berechnungen. Sie
sind nach einem ausgiebigen Abendessen mit anschließenden Einschlafstörungen urplötzlich hochgesprudelt!
Angst vor einer anderen Meinung
Analysten-Tipps gehen zumeist in die gleiche Richtung
V o n M a r t i n R e i m (aus der Süddeutschen Zeitung vom 23.12.2004)
München - Stark steigende Zinsen, moderat zunehmende Aktienkurse und ein konstanter
Euro: Das erwarten die Finanzmarkt-Beobachter im Durchschnitt für das kommende Jahr. An der
Umfrage von Fachhochschule Südwestfalen und Süddeutscher Zeitung hatten sich Analysten aus
35 Unternehmen beteiligt. Wie schon bei ähnlichen Aktionen in früheren Jahren war bemerkenswert,
wie einheitlich die Tipps zumeist sind. So gibt es keinen einzigen Beobachter, der bis Ende 2005
einen Verfall der Zinsen erwartet. Ähnlich ist das Bild bei den Aktien: Nur jeweils eine Hand voll Experten
rechnet mit einem sinkenden Dax®, TechDAX® oder Dow, alle setzen auf einen - mehr oder weniger
moderaten - Anstieg der Indizes. Lediglich beim Euro klaffen die Ansichten weit
auseinander.
Diese weitgehende Einheitlichkeit hat, wie man aus Finanzhäusern hört, zwei Hauptgründe:
Alle verwenden mehr oder weniger die selben Modelle, um Prognosen zu erstellen. Und selbst wenn jemand zu
einer abweichenden Ansicht gelangen sollte, wird er sie kaum äußern. Denn für einen Erfolg gibt es,
wie erfahrene Analysten betonen, weniger Anerkennung, als ein Misserfolg Ärger einbringt. Deshalb
ist es gescheiter, mit der Masse zu gehen. Hat man Unrecht, kann man auf die vielen anderen
verweisen. Liegt man richtig, muss man ja nicht an die große Glocke hängen, wer alles Ähnliches
vorhergesagt hat.
Kleinanleger können Nutzen aus der Tatsache ziehen, dass die institutionellen
Anleger in etwa die selbe Richtung disponieren. Beispiel Aktienmarkt: Da herrscht eine positive
Grundstimmung für 2005, was bedeutet, dass die großen Häuser schon gekauft haben. Wer investiert
ist, wird die Kurse aber nicht durch weitere Orders antreiben, sondern seine Papiere eher
verkaufen. Deshalb ist der Optimismus ein Indiz dafür, dass die Kurse eher fallen als steigen.
Anmerkungen von baer45: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Es gibt keine einfachen Regeln um reich zu werden - auch nicht an der Börse! Die sogenannten
großen Häuser sind im Regelfall Fondsverwalter und Versicherer. Über ihre Fondsregeln haben sie sich idiotischerweise
gefesselt (Mindestinvestitionsquote usw.). Sie sind somit stark durch die Kleinanleger fremdgesteuert. Diese
werden also auch die Richtung mitbestimmen, je nach dem ob sie ihre Fondsanteile verkaufen
oder neue Anteile kaufen. Die Versicherer, insbesonders die Lebensversicherer, haben sich im Zusammenhang
mit dem Salamicrash die Finger verbrannt. Ihre Aktienquote ist heute sehr gering. Sie wird
kaum sinken. Demnächst werden diese "Profis" sich die Finger, bei ansteigenden Zinsen, mit den
Renten (Anleihen) verbrennen. Der Crash im Zusammenhang mit dem Irakkrieg hat dazu geführt, dass
große Aktienanteile im Besitz "fester Hände" sind. Wollen diese wirklich schon verkaufen? Hätte Martin
Reim recht, wären die Prognosen noch von Nutzen. Glauben Sie mir, es gibt weder theoretisch
noch praktisch eine Möglichkeit die Zukunft zu fassen!
Kurzanalyse der Expertenprognosen für 2004
DAX
Zinsen (10 Jahre) in %
€ in US-$
Experte
Hoch
Tief
Ende
Hoch
Tief
Ende
Hoch
Tief
Ende
30.12.2004
4267
3647
4256
4,42
3,54
3,64
1,36
1,18
1,36
Durchschnitt f. 2004
4568
3504
4274
5,13
4,24
4,80
1,28
1,12
1,21
baer45: DAX®-Index f. 2004
4621
3621
4321
5,21
4,17
5,21
1,37
1,21
1,28
Die Aktienanlage wurde von allen relativ gut getroffen. Allerdings wurde eine etwas
stärkere Bewegung erwartet. Bei der Entwicklung der 10-jährigen Staatsanleihen lagen
alle stark daneben: es wurde schon in diesem Jahr die Trendwende erwartet. Bei den Devisen ging
baer45 als klarer Sieger hervor. Und nun? Die Analyse bereichert uns mit der Erkenntnis,
dass weder Großrechner noch hochbezahlte Experten für Prognosen notwendig sind.
Letztendlich sind derartige Prognosen auch unwichtig. Wichtig ist
eine ausführliche Sicht der politischen und wirtschaftlichen Lage. Dann braucht man noch ausreichende
Informationen über die Werte, mit denen man spekulieren will und die notwendige Disziplin sich
während dem Spekulationsprozess an seine eigene Vorgaben zu halten (Kauf- und Verkaufsregeln müssen
vor dem Kauf festgelegt werden). Wenn man dann noch Glück und
Geduld hat, wird die Spekulation gelingen. "Experten" sind dabei absolut unwichtig und kosten
nur unser gutes Geld.