Was al-Qaida nicht schaffte, schaffte die Gier und Unvernunft der Banken. Inzwischen gibt es an der
Wall Street keine Investmentbanken mehr. Sie sind Pleite, übernommen oder in den Mantel einer normalen Geschäftsbank
geflüchtet (damit sie einfacher Unterstützung durch die Bundesbank erhalten). Versicherungen und Banken stehen vor dem
Kollaps und der Staat muss die Verluste sozialisieren. Die riesigen Bonis jedoch haben die professionellen
Zocker bei den Banken und deren Manager längstens eingestrichen. Die Krise zieht inzwischen die Gesamtwirtschaft und praktisch
alle Aktienkurse nach unten. Seit unserer
letzten Bewertung
von Ende Juni verliert der DAX® weitere 7,83 %. Seit dem Hoch Anfang Januar 2008
beträgt der Verlust 25,31 %. Wir befinden uns also zweifelsfrei in einem Bärenmarkt.
Dabei wurden dieses Jahr einmalig hohe Dividenden gezahlt und bei den meisten DAX®-Firmen außerhalb der
Finanzbranche brummte das Geschäft. Inzwischen gibt es allerdings deutliche Schwächezeichen und auch die Gewinne
entwickeln sich nicht mehr wie noch in 2007. Das KGV verringerte sich nicht proportional zu den Kursverlusten, ergo die Gewinne schrumpfen.
Die hohen Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise hinterlassen ihre Spuren im Konsum. Die Wirtschaft entwickelt
sich weltweit schwächer. In den USA droht eine lang anhaltende Rezession. Die Stimmung
der Marktteilnehmer ist trotzdem noch bullisch. Es scheinen viele investiert zu sein.
Aktuell stehen 51% Bullen 27% Bären gegenüber (Quelle: Cognitrend).
Die Kredit- und Bankenkrise scheint ihrem Höhepunkt entgegen zu streben. Täglich kommen mehr Finanzinstitute in Schwierigkeiten
und müssen gerettet oder abgewickelt werden. War das das Licht am Ende vom Tunnel, was einige teuer bezahlte Manager schon Anfang
des Jahres sahen? Wahrscheinlich schon. Sie haben es nur falsch interpretiert. Es war nicht die Sonne sondern
die verbrennenden Banken und Versicherungen. Diese Krise ist erst dabei ihre Spuren in der "realen"
Wirtschaft zu hinterlassen. Keine rosige Aussichten für die weitere wirtschaftliche Entwicklung und für florierende Aktienkurse.
Ausgangsdaten
Basis sind die Xetra®- Schlusskurse vom 26.09.2008. Die Kurse und
das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der
Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die
berechnet wird, das aktuelle
(Basis: Schätzungen Thomson Financial vom September 2008) der Aktien und die
sind aus der Süddeutschen Zeitung.
Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe
).
D.h., eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine
Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch
der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft
und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®.
Weitere Regeländerungen gab es zum Oktober 2006. Seitdem muss der
Firmensitz nicht mehr in Deutschland sein und das Gewicht wird bei 10 % zum jeweiligen nächsten Bewertungsstichtag gekappt.
Es wird wieder angehoben wenn es durch eine vorangegangene Kappung am Bewertungsstichtag unter 10% liegt.
Code
Name
ISIN
Kurs
Dividende
KGV
Gewicht
1
ADS
ADIDAS
DE0005003404
38,480
0,50
12,00
1,33 %
2
ALV
ALLIANZ
DE0008404005
103,340
5,50
7,00
8,13 %
3
BAS
BASF
DE0005151005
34,970
1,95
8,00
5,75 %
4
BMW
BAY.MOTOREN WERKE
DE0005190003
28,220
1,06
9,00
1,58 %
65
BAY
BAYER
DE0005752000
53,630
1,35
14,00
7,13 %
6
CBK
COMMERZBANK
DE0008032004
14,410
1,00
6,00
1,65 %
7
CON
CONTINENTAL
DE0005439004
62,500
2,00
9,00
0,91 %
8
DAI
DAIMLER
DE0007100000
38,560
2,00
8,00
5,97 %
9
DBK
DEUTSCHE BANK
DE0005140008
54,900
4,50
10,00
5,07 %
10
DB1
DEUTSCHE BOERSE
DE0005810055
65,260
2,10
12,00
2,21 %
11
DPW
DEUTSCHE POST
DE0005552004
15,485
0,90
10,00
2,26 %
12
DPB
DEUTSCHE POSTBANK
DE0008001009
35,390
1,25
9,00
0,50 %
13
DTE
DT.TELEKOM
DE0005557508
10,745
0,78
15,00
5,56 %
14
EOA
E.ON
DE0007614406
35,340
1,37
12,00
10,51 %
15
FME
FRESEN.MED.CARE
DE0005785802
35,440
0,54
13,00
1,15 %
16
HEN3
HENKEL
DE0006048432
27,100
0,53
12,00
0,84 %
17
HRX
HYPO REAL ESTATE
DE0008027707
13,490
0,50
6,00
0,43 %
18
IFX
INFINEON TECH.
DE0006231004
4,900
0,00
-,--
0,64 %
19
SDF
K+S
DE0007162000
52,860
0,50
8,00
1,20 %
20
LIN
LINDE
DE0006483001
79,090
1,70
14,00
1,94 %
21
LHA
LUFTHANSA
DE0008232125
14,435
1,25
8,00
1,15 %
22
MAN
MAN
DE0005937007
52,000
3,15
5,00
0,89 %
23
MRK
MERCK
DE0006599905
76,170
1,20 + 2,00
13,00
0,86 %
24
MEO
METRO
DE0007257503
36,700
1,18
12,00
0,71 %
25
MUV2
MUENCH.RUECKVERS.
DE0008430026
112,250
5,50
9,00
4,03 %
26
RWE
RWE
DE0007037129
67,870
3,15
11,00
4,80 %
27
SAP
SAP
DE0007164600
39,140
0,50
21,00
6,05 %
28
SIE
SIEMENS
DE0007236101
66,790
1,60
14,00
9,48 %
29
TKA
THYSSENKRUPP
DE0007500001
23,300
1,30
5,00
1,35 %
30
VOW
VOLKSWAGEN
DE0007664005
257,790
1,80
21,00
5,91 %
MERCK leistete neben der Dividendenzahlung auch noch eine Sonderzahlung
Grund für diese Bewertung ist eine neue Zusammenstellung des DAX®. Die TUI musste den DAX® wegen einer zu geringen Marktkapitalisierung
verlassen und wurde am 22.09.2008 durch K+S ersetzt. Es drohen weitere Umstellungen. Einige Firmen haben zu viel Geld
und wollen DAX®-Unternehmen übernehmen. Einige DAX®-Teilnehmer sind in Schwierigkeiten.
Alles Gründe, die für ein Dahinschmelzen der freien Marktkapitalisierung sorgen und damit wird eventuell ein
Fast Exit ausgelöst.
Bedingt durch die aktuelle Umstellung wurde ein neues
DAX®-Lotto-Depot
zusammen gelost.
Die heutige Bewertung wird in kompakter Form durchgeführt. Im wesentlich läuft das
Geschehen an den Börsen wie erwartet. Wirklich neue Erkenntnisse liegen nicht vor. Zum Jahresende erfolgt dann wieder
eine ausführliche Bewertung.
Umlaufrendite, €/US-$ und Rohölpreis
Die Bankenkrise und die Turbulenzen an den Aktienmärkten erzeugen einen großen Drang nach Sicherheit. Staatsanleihen und
wenige erstklassische Anleihen von Industriebetrieben sind gefragt. Das führt, trotz explodierender
Inflation (Energie-, Lebensmittel- und Rohstoffpreise), zu sinkenden Renditen. Dagegen steigen die Renditen der
Anleihen von Finanzinstituten, schwächeren Industrie- und Handelsunternehmen stark an. Sogar Pfandbriefe werden billiger.
Sicherheit geht über alles und deshalb wird die Inflation ignoriert.
Wenn es zu einer Beruhigung an der Bankenfront kommen sollte, kann der Markt relativ schnell drehen und die Inflation steht
wieder im Fokus. Die Kreditkrise bewahrt dann nicht mehr die Besitzer von Rentenpapieren vor
größeren Kursverlusten.
Bevor es soweit ist, kann man seine glücklichen Kursgewinne kassieren.
Momentan bringen die kurzfristigen Geldeinlagen (Tagesgelder, Festgelder) mehr Rendite als die mittel- bis
längerfristigen Geldanlagen. Die Banken brauchen Geld und sind bereit höhere Zinsen zu zahlen.
Am 9. Juli 2008 ist de momentan letzte Leitzinserhöhung der EZB in Kraft getreten. Sie betrug 25 Basispunkte und
der Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des €urosystems beträgt nun 4,25 %
(für Spitzenrefinanzierungsfazilität 5,25 % und für die Einlagefazilität 3,25 %). Die EZB hat, wegen den erhöhten
Inflationserwartungen und trotz massiven Leitzinsänderungen in den USA, weitere Leitzinserhöhungen angedroht.
In der aktuellen Bankenkrise und Angesicht des sich abschwächenden Wirtschaftswachstums rechnet aber keiner mehr mit
weiteren Leitzinserhöhungen in 2008.
Der US-Leitzins liegt aktuell bei 2%. Ende 2007 lag er noch bei 4,25%. Im Juni 2007 stand er noch bei 5,25%.
Der Federal Open Market Committee (FOMC) der US-Notenbank hat mit jeweils 2 Zinssenkungen im Januar und im März
und einer im April die inflationäre Entwicklung ignoriert und nur die Ziele Bankensanierung, Aktienmärkte und
Konjunktur verfolgt. Bis jetzt scheint diese Strategie nicht aufgegangen zu sein. Die Inflation ist explodiert und die Banken
sterben trotzdem wie die Fliegen. Zinssätze sind eben kein Allheilmittel, sie helfen auch nicht gegen Grippe. Da
empfiehlt sich eine sinnvolle Vorsorge mit rechtzeitigem Impfen.
Bedingt durch die Vertrauenskrise am Geldmarkt ist es zu einem gestiegenen
Liquiditätsbedarf der Banken gekommen und die Tageszinsen haben zugelegt.
Die Spitzensätze liegen aktuell bei 3,25 bis 5,5%. Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihre Tagesgelder zur
Konkurrenz! Immerhin bietet der Finanzminister über seine neu aufgelegte Tagesgeldanleihe schon 3,73% und die ist
wirklich sicher. Die Renditen der Bundesschatzbriefe sind gesunken. Sie betragen momentan beim
Typ A (6 Jahre) 3,70% und beim Typ B (7 Jahre) 3,75%. Die Konditionen und alle notwendigen Informationen zur sicheren Geldanlage vom
Bundesfinanzminister findet man bei der
Deutschen Finanzagentur.
Wie man sieht, hat Sicherheit in Zeiten wie diesen auch seinen Preis und der Finanzminister kann den Bund billiger refinanzieren.
Umlaufrenditen und €/US-$ Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung bezüglich Umlaufrendite (Anleihen, Obligationen sowie Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag.
Datum
Insgesamt
3-5 Jahre
5-8 Jahre
8-15 Jahre
15-30 Jahre
1 € in US-$
26.09.08
4,24 %
3,94 %
4,09 %
4,18 %
4,80 %
1,458
20.06.08
4,74 %
4,75 %
4,72 %
4,66 %
4,81 %
1,563
28.12.07
4,34 %
4,16 %
4,24 %
4,34 %
4,66 %
1,472
22.06.07
4,64 %
4,55 %
4,61 %
4,62 %
4,81 %
1,346
30.03.07
4,08 %
4,01 %
4,02 %
4,03 %
4,24 %
1,336
29.12.06
3,96 %
3,91 %
3,93 %
3,94 %
4,09 %
1,320
22.09.06
3,69 %
3,58 %
3,63 %
3,68 %
3,92 %
1,278
23.06.06
3,97 %
3,73 %
3,90 %
4,01 %
4,34 %
1,251
30.12.05
3,22 %
3,00 %
3,14 %
3,25 %
3,57 %
1,183
23.09.05
2,88 %
2,44 %
2,74 %
2,97 %
3,50 %
1,208
23.03.05
3,49 %
3,00 %
3,39 %
3,66 %
4,16 %
1,298
29.12.04
3,41 %
2,88 %
3,27 %
3,57 %
4,22 %
1,359
23.09.04
3,70 %
3,10 %
3,56 %
3,89 %
4,55 %
1,226
26.05.04
3,97 %
3,29 %
3,83 %
4,25 %
4,95 %
1,211
29.12.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,248
25.09.03
3,77 %
3,08 %
3,62 %
4,00 %
4,64 %
1,149
12.06.03
3,27 %
2,47 %
2,98 %
3,48 %
4,48 %
1,177
10.04.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,077
27.12.02
3,93 %
3,26 %
3,78 %
4,17 %
4,86 %
1,041
27.09.02
4,12 %
3,57 %
4,00 %
4,30 %
4,92 %
0,980
26.07.02
4,52 %
4,07 %
4,48 %
4,70 %
5,16 %
0,985
26.06.02
4,73 %
4,34 %
4,65 %
4,87 %
5,21 %
0.980
25.01.02
4,74 %
4,37 %
4,71 %
4,90 %
5,27 %
0,865
Nach den massiven Leitzinssenkungen in den USA hat die Flucht in die Sicherheit die Renditen
bei allen Laufzeiten weiter in den Keller getrieben. Momentan erhält man für Tagesgelder 2,5% (die Banken brauchen Geld).
US-Staatsanleihen (Treasury Note) rentieren bei 2 Jahren mit 2,17%, bei 5 Jahren mit 3,04%, bei 10 Jahren
mit 3,85% und bei 30 Jahren mit 4,40%.
In der Schweiz sind die Renditen von 10-jährige Staatsanleihen auf 2,76% gefallen. Eine ganz andere Welt
ist Japan. Die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen ist dort auf 1,46% gefallen.
Der Geldmarkt zwischen den Banken ist inzwischen ausgetrocknet und bricht ersten Instituten das Genick.
Euribor und Dollar-Libor kennen nur noch eine Richtung: Nach Norden!
Der Verfall des US-$ erreichte im Juli mit über 1,60 $ für einen € seinen Höhepunkt.
Dann ging der Spekulation die Luft aus (viele US-Spekulanten verkauften ihre europäischen Aktien) und der US-$
gewann Terrain zurück (Repatriierung des US-$). Die aktuell explodierende
Staatsverschuldung der USA wird ihn wahrscheinlich weiter stärken. Längerfristig wird er jedoch wieder an Wert verlieren.
Die massive Emittierung von zusätzlichen US-Staatsanleihen kann nur von Ausländern aufgesogen werden und erhöht damit
die Nachfrage nach dem US-$. Sollte das Angebot nicht aufgesogen werden, würden die Staatsanleihen und mit ihnen der
US-$ abstürzen. Dann bekämen wir nach der Bankenkrise die Devisenkatastrophe.
Die Spekulation trieb den Rohölpreis im August zu neuen Rekorden. Mit dem riesigen Geldbedarf in den USA
brach diese Spekulation zusammen und der Ölpreis fiel schnell unter 100 $. Seit der Eskalation der Bankenkrise
und der neu aufgetretenen Furcht vor einem starken US-$-Verfall, erholten sich die Rohstoffpreise etwas. Bei einer
sich weiter abkühlenden Weltwirtschaft und einem temporär stärkeren US-$ wird diese Erholung wahrscheinlich keinen Bestand haben.
Die herumwandernde Liquiditätsblase ist allerdings immer noch sehr groß und könnte sich wieder an den Rohstoffen festbeißen.
Sie wandert solange über die verschiedenen Anlageklassen bis sie sich verschlissen hat. Die immer schwieriger werdende
Kreditgewährung wird diesen Vorgang erheblich beschleunigen
DAX®-Ergebnis
Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der
Januarbewertung 2002. Nur INFINEON TECH. schreibt Verluste (Gewicht 0,64%)
und deshalb sind KGV(1) und KGV(2) unterschiedlich. Alle Berechnungen
berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.
Datum
DAX®-Stand
Dividenden- rendite
KGV(f)
KGV(1)
KGV(2)
26.09.08
6063,50
4,28 %
15,4
10,7
10,6
20.06.08
6578,44
3,89 %
15,4
10,9
10,8
28.12.07
8067,32
2,50 %
15,4
12,8
12,8
22.06.07
7949,63
2,53 %
15,4
15,0
15,0
30.03.07
6917,03
2,64 %
15,4
13,3
13,3
29.12.06
6596,92
2,72 %
15,4
14,8
14,7
22.09.06
5883,32
3,03 %
15,4
13,2
13,0
23.06.06
5529,74
3,28 %
15,4
12,5
12,4
30.12.05
5408,26
2,13 %
15,4
12,9
12,9
23.09.05
4882,58
2,31 %
15,4
13,7
13,6
23.03.05
4317,20
1,91 %
15,4
13,3
13,3
29.12.04
4247,75
1,89 %
15,4
13,1
13,1
23.09.04
3905,66
2,06 %
15,4
14,9
14,9
26.05.04
3867,52
2,12 %
15,4
15,3
15,3
29.12.03
3952,72
2,02 %
15,4
16,1
16,1
25.09.03
3326,27
2,40 %
15,4
18,7
15,9
12.06.03
3219,47
2,45 %
15,4
16,8
14,8
10.04.03
2697,10
3,24 %
15,4
13,4
11,7
27.12.02
2840,00
2,93 %
15,4
10,9
9,8
27.09.02
2918,90
2,87 %
15,4
12,9
11,8
26.07.02
3579,00
2,37 %
15,4
15,6
14,1
26.06.02
4099,05
2,07 %
15,4
17,1
16,2
25.01.02
5156,33
2,02 %
15,4
21,8
19,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den
In den letzten 12 Monaten hatten wir nur einen Dividendenausfall bei INFINEON TECH.
(Anteil am DAX®; 0,64% %) zu beklagen. Sonst gab es fast durchgängig kräftige Dividendenerhöhungen und sogar eine Sonderzahlung
durch MERCK (sie wird bei der Berechnung Index-Dividendenrendite berücksichtigt und fällt bei der
Kandidatenaufstellung für Dividendenstrategien unter den Tisch). Die weiter verfallende Kurse lassen natürlich die
Dividendenrendite optisch weiter ansteigen. Bei einer weiteren Abkühlung der Wirtschaft, bei gleichzeitiger Erhöhung der
Kosten (Löhne und Gehälter, Energie- und Rohstoffpreise), werden die Dividendenzahlungen nächstes Jahr wahrscheinlich niedriger
ausfallen.
Der DAX® marschiert weiter konsequent nach Süden. Primär wird er dabei von der Kredit- und Bankenkrise
getrieben. Aber auch schon außerhalb der Finanzbranche zeigen sich erste Zeichen von Schwäche. Deshalb ist ein KGV
von ca. 10 nur auf den ersten Blick preiswert. Sollte es wirklich mit der wirtschaftlichen Entwicklung weiter bergab
gehen, ist das KGV schneller auf 20 wie man schauen kann. Bis dato versucht der DAX® immer noch das Kursgeschehen in den
USA nachzuäffen. Dort ist zwischenzeitlich die Bewertung alles andere als preiswert. Die sich auch bei uns
verschärfende Bankenkrise wird den Konsumenten zu einer noch stärkeren Zurückhaltung verführen als es die Inflation
schon gemacht hat. Goldige Zeiten für Bären, auch wenn der Leerverkauf von etlichen Aktien zeitweise
eingeschränkt wurde. Wie man sieht fallen die Kurse trotzdem, besonders schnell bei den Aktien wo der
Leerverkauf verboten ist. Nicht die Geier sind Schuld, dass auf Feldern und Wiesen massenweise Aas herumliegt.
Halten Sie ihr Geld zusammen, machen sich Gedanken ab welchem Pegel Sie einzusteigen gedenken und üben
sie sich in Geduld. Es macht nichts, wenn dann ein Einstieg erst im Jahr 2009 sinnvoll erscheint und die Abgeltungssteuer
wirkt. Steuern sind ein schlechter Ratgeber! Mit etwas Glück beim Timing und der Auswahl der Aktien/ETF's, kann man dann auf Sicht von
einigen Jahren eine "nette" Rendite einfahren. Um die zu sichern, muss man dann eh verkaufen. Aktien Jahrzehnte zu halten
und zu glauben damit Geld zu verdienen, ist ein großer Irrtum. Im Schlafen verdient man kein Geld!
Schafft die Zentralbanken ab!
Das moderne Finanzsystem ist am Ende, es ist Zeit für ein neues
Von S i m o n e B o e h r i n g e r
Wir befinden uns in der größten Krise seit Bestehen des modernen Geldsystems. Die Wall Street,
bis vor kurzem wichtigstes Finanzzentrum der Welt, ist pleite. Zur Rettung des Bankwesens will der amerikanische
Staat mehr Geld ausgeben als je zuvor in so kurzer Zeit. Es geht nicht anders, sonst gehe die Welt unter, rufen
Notenbanker und Politiker all jenen zu, die Zweifel an dieser neuen Art des Sozialismus erkennen lassen.
Vielleicht doch? Wie wäre es, das Finanzsystem als solches in Frage zu stellen? Anstatt nach
Grenzen für die Prämien von Bankern zu rufen und nach einer strengeren Regel hier und einer härteren Regulierung
da, ist es Zeit, über eine neue Finanzordnung nachzudenken. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass die
Krisenbewältigung nach dem Platzen großer Marktblasen per Nothilfe von Zentralbank und Staat erfolgte. Nur die
Größenordnung nahm im Laufe der Zeit zu. Bezahlen mussten am Ende die Bürger, in Form von Arbeitslosigkeit, höheren
Steuern oder Inflation.
So senkte die Federal Reserve auch nach dem großen Börsenkrach 1929 die Leitzinsen und gab
zusätzlich Geld aus, nur es reichte offenbar nicht, um die Folgen des damaligen Aktiencrashs mit anschließender
Bankenkrise zu beseitigen. Die Lehre daraus war fatal, ist aber bis heute die herrschende Meinung: Krisen könne man
nur bewältigen, indem man genügend Liquidität zur Verfügung stellt. Ein Freibrief für Zentralbanken, dies teils
ungeachtet ihrer eigenen Richtlinien auch zu tun.
Was noch schlimmer ist: Es ist auch ein Freibrief für die großen Geschäftsbanken, stärker ins Risiko
zu gehen in der Gewissheit, ihre Zentralbank werde schon helfen, wenn es eng wird, schon um Kettenreaktionen zu
verhindern. Dass zu viel Geld oft gleich die nächste Blase am Kapitalmarkt provoziert, wird billigend in Kauf
genommen. So folgte auf die Aktienblase der New Economy nach einer Politik des billigen Geldes prompt die
Immobilienblase, deren Folgen nun die Welt in Atem halten.
Seinen Ursprung hat das moderne Finanzwesen im Jahr 1913. Damals wurde die amerikanische Notenbank
Federal Reserve gegründet, als Zentralinstitut der Geschäftsbanken. Sie bestimmte mit dem Leitzins fortan den Preis
kurzfristiger Kredite und das Wachstum der Geldmenge. Darüber hinaus fungierte sie als Quelle von Krediten für die
Geschäftsbanken. Die Fed sollte die Branche schützen vor großen Krisen wie jener 1907, als ein einzelner Banker
namens J.P. Morgan die Branche praktisch im Alleingang vor dem Untergang rettete, indem er die Risiken der anderen
auf seine Bücher nahm. Genau diese Schutzfunktion ist bis heute eine der Aufgaben der Fed, übrigens auch der meisten
anderen Notenbanken inklusive der europäischen. Den Geschäftsbanken ist es erlaubt, ein Vielfaches ihrer Einlagen
auszuleihen. Damit kurzfristig kein Engpass entsteht, wenn zum Beispiel viele Menschen auf einmal ihr Geld abheben
wollen, können sich die Geldhäuser jederzeit zum aktuellen Zinssatz bei der Zentralbank refinanzieren.
Das Risiko, mit schlechten Geschäften zu scheitern, ist in diesem sogenannten Teildeckungssystem für
einzelne Großbanken geringer, als wenn sie auf sich allein gestellt agieren müssten und nur bei anderen Instituten
Geld leihen könnten. Dass es jetzt an der Wall Street dennoch zu einer solchen Pleitewelle kam, ist dem schieren
Ausmaß zu verdanken, mit dem die Banken sich verspekulierten. Ohne die Rückendeckung einer Zentralbank würden sich
riskante Geschäftsstrategien schnell herumsprechen, der Markt würde betreffenden Häusern ihre Grenzen früher
aufzeigen und für Darlehen umfänglich Sicherheiten verlangen.
Auch viele Bankbilanzen wären sauberer als heute. Ein Preis dafür ist aber zu zahlen: In einem
Finanzsystem ohne Zentralbank ist es nicht möglich, durch großzügige Verschuldungsorgien Konjunkturzyklen
abzukürzen. Es gibt keine Liquiditätsspritze für klamme Banken, auch Regierungen können nur begrenzt Schulden
machen. Wenn der Markt ihr nicht mehr Staatsanleihen abkauft, muss die Regierung sparen. Kreditwürdig ist dann nur,
wer solide wirtschaftet.
Obiger Kommentar ist aus der Süddeutschen Zeitung vom 24. September 2008.
Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von
Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
1
LHA
LUFTHANSA
8,66 %
2
DBK
DEUTSCHE BANK
8,20 %
3
DTE
DT.TELEKOM
7,26 %
4
CBK
COMMERZBANK
6,94 %
5
MAN
MAN
6,06 %
6
DPW
DEUTSCHE POST
5,81 %
7
BAS
BASF
5,58 %
8
TKA
THYSSENKRUPP
5,58 %
9
ALV
ALLIANZ
5,32 %
10
DAI
DAIMLER
5,19 %
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
11
MUV2
MUENCH.RUECKVERS.
4,90 %
12
RWE
RWE
4,64 %
13
EOA
E.ON
3,88 %
14
BMW
BAY.MOTOREN WERKE
3,76 %
15
HRX
HYPO REAL ESTATE
3,71 %
Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie,
können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen
zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12.
"Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.
Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die
Lektüre von Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Kurs
1
DTE
DT.TELEKOM
10,75
2
CBK
COMMERZBANK
14,41
3
LHA
LUFTHANSA
14,44
4
DPW
DEUTSCHE POST
15,49
5
TKA
THYSSENKRUPP
23,30
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Kurs
6
BAS
BASF
34,97
7
DAI
DAIMLER
38,56
8
MAN
MAN
52,00
Rangfolge nach Gewicht
Rang
Code
Name
Gewicht
1
EOA
E.ON
10,51 %
2
SIE
SIEMENS
9,48 %
3
ALV
ALLIANZ
8,13 %
4
BAY
BAYER
7,13 %
5
SAP
SAP
6,05 %
6
DAI
DAIMLER
5,97 %
7
VOW
VOLKSWAGEN
5,91 %
8
BAS
BASF
5,75 %
9
DTE
DT.TELEKOM
5,56 %
10
DBK
DEUTSCHE BANK
5,07 %
Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute im DAX® ein Gewicht von
69,56 %. Ihr Anteil hat, seit unserer Bewertung von Ende Juni 2008, geringfügig zugenommen. Im gleichen Zeitraum
hat auch das Gewicht der Technologie (DT.TELEKOM + INFINEON TECH. + SAP + SIEMENS = 21,73 %) etwas stärker zugenommen.
Zu den "billigen" Teilnehmern gehören durchgehend die Banken und Versicherungen. Die Anleger misstrauen immer noch
diesen Finanzkonzernen (Immobilienkrise, Bankenkrise, Kredite an Hedge Fonds und Private Equity, CCT).
Diese "billigen" risikoreichen Versicherungs-/Finanzwerte bringen den DAX® in den Bereich der
"preiswerten" Bewertung. Ohne die Kreditkrise, der Preisexplosion bei der Energie und den
Rohstoffen und den schlechten Aussichten für das Wirtschaftswachstum bestünde großes Potential
nach Norden respektive der DAX® würde schon wesentlich höher stehen. So ist aber die Wahrscheinlichkeit sehr groß,
dass die Gewinne stark schrumpfen werden und wir eventuell in eine Rezession abrutschen. Sollten diese Annahmen stimmen, ist der DAX®
zu teuer, so wie aktuell die meisten Aktien.
Unsichere Altersvorsorge
Die Rente war sicher
Die virtuelle Finanzwelt hat die Realwirtschaft längst abgehängt.
Das Credo der Finanzkapitalisten: zocken sei lukrativer als arbeiten.
Eine Außenansicht von N o r b e r t B l ü m
Schlag nach bei Hans Christian Andersen. Dass der Kaiser in seinem Märchen keine neuen Kleider,
sondern gar nichts trug, sah jeder; aber keiner gab es zu, weil niemand als dumm gelten wollte. Denn dumm war, wer
nicht sah, was die Hofschranzen als wunderbar ausgegeben hatten. Nur ein Bub, der seiner Sinne noch mächtig war,
rief: "Aber der Kaiser ist doch nackt." Alle waren verblüfft, nun schämte sich sogar der Kaiser, denn auch er hatte
die Schönheit seiner Gewänder für real, seinen Verstand aber für verrückt gehalten. Seine Höflinge hatten ihm
stündlich ins Ohr geraunt, wie exquisit er gewandet sei.
So geht es auch in der zweigeteilten Welt des virtuellen Finanzkapitals und der realen Arbeit zu. Die
Scheidelinie verläuft zwischen Schein und Sein. Die Illusionswerte sind lukrativer als die Substanzwerte. Der
Unterschied zwischen der virtuellen und der realen Welt lässt sich jedoch nicht beliebig steigern. Auch ein
Luftballon kann platzen, und irgendwann platzen auch die größten Finanzblasen. Dazu bedarf es nicht eines kleinen
Jungen, sondern nur irgendjemandes, der bei den großen Spielen plötzlich Angst um sein Geld bekommt und nicht mehr
mitspielt. Man kann auch alles übertreiben, selbst Mutige bekommen bisweilen Angst vor ihrer Courage.
97 Prozent des Finanzkapitals, das den Erdball umkreist, haben mit Wertschöpfung und realen Gütern
nichts mehr zu tun. Es ist Spielgeld, das zum Zocken verwendet wird. Mit den Dollar-Billionen, welche die Erde in
sechs Tagen umkreisen, kann das amerikanische Sozialprodukt eines Jahres aufgekauft werden. Das Handelsvolumen der
Frankfurter Derivatenbörse Eurex war im Jahr 2006 genau 46-mal größer als das deutsche Bruttoinlandsprodukt
desselben Zeitraums. Der Handel mit Zinsderivaten war 1600-mal höher als die Summe aller Investitionen im Inland.
Die Realwirtschaft abgehängt
Die virtuelle Welt der Finanzgeschäfte hat die reale Welt der Wirtschaft abgehängt. Wertschöpfung,
Arbeit und Produktion verkommen zur Restgröße. Mit Arbeit und Eigentum hat diese Art von Finanzkapitalismus so viel
zu tun wie eine Fata Morgana mit einer real existierenden Oase. Die Sprache der Finanziers, Bankiers und Börsianer
verrät schon ihr pubertäres Versteckspiel: "Expander-Zertifikate", "Airbag-Zertifikate",
"Outperformance-Zertifikate". Diese Wortspiele sind Hokuspokus - wie die Sache, die sie ausdrücken sollen.
Die Kapitalmassen ziehen um den Erdball und suchen verzweifelt Bodenkontakt. Sie kreisen über den
Börsenplätzen herum. Viele Landeplätze gibt es nicht mehr. Es wird privatisiert auf Teufel komm heraus. Denn was
nicht privatisiert ist, eignet sich auch nicht zur Finanzvermarktung. Wasserversorgung, Strafvollzug ... alles wird
privatisiert und kapitalisiert. Als letzte Beute steht das Sozialsystem im Visier der globalen Kapitalstrategen.
Kapitalisierung von Rente, Pflege, Krankenversicherung, das ist deshalb der letzte Schrei der Finanzkapitalisten,
die sich als Retter aus sozialer Not maskiert haben.
"Die Rente ist sicher", habe ich vor zwanzig Jahren gesagt. Nun darf man hinzufragen: Welche denn?
Bestimmt nicht die börsenorientierte! Von 112.000 Pensionsfonds der Vereinigten Staaten haben 32.000 überlebt. Der
umlagefinanzierten Rentenversicherung ist ein solches Desaster noch nie passiert. 700 Milliarden Dollar werden
jetzt ins amerikanische Bankensystem gepumpt. Aber das ist nur die erste Anzahlung. Weitere Raten werden folgen. Das
ist vorerst so viel Geld, wie die Rentenversicherung hierzulande ungefähr in drei Jahren ausgibt.
Dem Kapital hinterhergeflattert
Die Umverteiler gelten als sozialistische Teufel. Auf der Börse aber wird mehr umverteilt, als es die
Rentenversicherung je schaffte. Wenn sich der Kurs einer global gehandelten Aktie um ein Prozent ändert, wird mehr
umverteilt, als an diesem Tag auf der ganzen Welt an Lohn verdient wird. Wenn ein Unternehmen mit hohem Aktienkurs
verstaatlicht wird, ist das "Sozialismus". Bei niedrigen Aktienkursen ist es "Sicherung der Marktwirtschaft". Bei
welchem Aktienkurs wandelt sich Verstaatlichung in Marktwirtschaft?
Eine durchkapitalisierte Gesellschaft ist eine bodenlose Gesellschaft. In ihr kommt der Mensch nur
noch im Überbau vor, als "Humankapital". Auch als "Ich-AG" kann der Arbeiter notfalls noch überleben, sozusagen
ein Homunkulus, der Vorstandschef, Hauptaktionär, Arbeitnehmer und Kunde seiner selbst ist. Ohne die Maske des
Kapitals rührt sich eben nichts mehr in der kapitalistischen Gesellschaft. In einer solchen Gesellschaft flattern
die Menschen wie die Zugvögel hinter dem Kapital her. Heimatlos ist der moderne Arbeitnehmer. Er gehört nirgends
dazu. Zum Unternehmen jedenfalls nicht, das ist längst zur Kapitalsammelstelle degeneriert.
Jahrtausende hat der Mensch gebraucht, um Sesshaftigkeit zu üben. Jetzt wird ihm wieder Wanderschaft
zugemutet. Mobilität soll sein Wesen ausmachen. Nur nicht festlegen, nur nicht festsitzen. Immer offen und beweglich
soll er sein. Der Tagelöhner ist die Leitfigur der mobilen, flexiblen Wirtschaft, die keine anderen Regeln mehr
kennt als profitablen Kapitaleinsatz. Deshalb weg mit Kündigungsschutz, weg mit Mitbestimmung und so weiter.
Arbeit ist Arbeitskraft und sonst nichts.
Leistung ist kein Glücksspiel
Doch der Mensch ist nicht so knochenlos, wie es die neue Biegsamkeit verlangt. Die Natur des
Menschen schlägt zurück. Der Neoliberalismus scheitert am Menschen, wie er ist, sein will und soll. Erst wenn
sich das Kapital wieder in Eigentum zurückverwandelt, also wenn Mein und Dein wieder identifizierbar sind, hat es
eine Überlebenschance. Eigentum muss auf Arbeit fußen, wenn es seine Legitimation erhalten will. In der
christlichen Soziallehre rechtfertigt sich Eigentum als "Frucht der Arbeit". Eigentum, das nicht in Arbeit
seinen Ursprung hat, stand dagegen immer unter dem Verdacht, gestohlen zu sein, wurde allenfalls als
"Besitzergreifung herrenlosen Gutes" akzeptiert.
Arbeit, mit der Eigentum legitimiert wird, kann freilich in vielerlei Gestalt auftreten. Sie kann
auch eine Finanzdienstleistung sein, aber nur so lange sich diese Finanzdienstleistung in der Pflicht sieht, dem
Allgemeinwohl zu dienen. Die Leistung, auf der die Marktwirtschaft basiert, ist kein Glücksspiel, sondern Motivation
und Legitimation für Erfolg. Arbeit ist die reale Quelle des Wohlstandes. Das wusste Adam Smith, der als Erfinder
der Marktwirtschaft gilt. Seine neoliberalen Nachfahren haben es vergessen.
Obiger Artikel ist aus der Süddeutschen Zeitung vom 25. September 2008.