Der buddhistische Gott Vadjra beherrscht momentan die Öffentlichkeit. Die Weltwirtschaft hat
ihren Absturz erheblich verlangsamt, in manchen Gebieten scheint sich so etwas wie ein Boden auszubilden. Hintergrund
sind die massiven weltweiten Konjunkturprogramme, die bisher noch keinen Ansatz zu einem nachhaltigen
Aufschwung erzeugen konnten.
Aber so was wollen wir nicht sehen!
Die momentane
Euphorie beruht nur auf Stimmungsindikatoren. Diese Indikatoren sind alle relativ neu und haben sich in einer derartig
großen Krise wie der Momentanen noch nicht bewähren können. Die Daten aus der realen Wirtschaft sind
grottenschlecht aber "besser als erwartet". Das zeigt uns nur wie schlecht viele Prognosen sind.
Das alles will aber keiner hören!
Die Finanzmarktkrise wurde durch den massiven Einsatz von Liquidität und der
Änderung der Bewertungsregeln ausgebremst, sie ist aber noch nicht zur Hälfte überwunden. Es werden noch viele
Institute in verstärkte Schwierigkeiten kommen und weitere Rettungsmaßnahmen werden notwendig werden.
Darüber wollen wir lieber nicht reden. Ergo: Alles wird Gut!.
Wir sollten uns nicht durch die Realitäten irritieren lassen. So sieht es auch unser DAX®.
Seit unserer letzten Bewertung Ende März
hat er um 32,78 % zugelegt. Seit dem bisherigen Jahrestief im gleichen Monat (3.588,89 Punkte) hat er sogar um stolze 55,52 % zugelegt.
Eine einmalige Rallye, welche die fundamentale wirtschaftliche Lage ignoriert. Die Stimmung wird durch einen vorsichtigen Optimismus geprägt.
43 % Bullen stehen 36 % Bären gegenüber (Quelle: Cognitrend).
Nicht auszuschließen, dass diese Rallye (Bärenmarktrallye?) noch einige Zeit intakt bleibt. Die Märkte werden
aber irgendwann die reale wirtschaftliche Lage berücksichtigen. Wann weiß niemand. Erst jetzt einzusteigen erscheint jedoch
risikoreich. Deshalb keine Angst, nur Geduld, die nächste Straßenbahn kommt bestimmt.
Ausgangsdaten
Basis sind die Xetra®-Schlusskurse vom 25.09.2009. Die Kurse und
das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der
Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die
berechnet wird und das aktuelle
(Basis: Aktuelle Schätzungen von I/B/E/S) der Aktien
sind aus der Süddeutschen Zeitung.
Die Zahlen zur
sind von der Deutschen Bundesbank.
Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe
).
D.h., eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine
Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch
der so genannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft
und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®.
Weitere
Regeländerungen
bezüglich Gewichtung und frei handelbarem Anteil
gab es im Oktober und November 2008.
Code
Name
ISIN
Kurs
Dividende
KGV
Gewicht
1
ADS
ADIDAS
DE0005003404
36,000
0,50
22
1,44 %
2
ALV
ALLIANZ
DE0008404005
81,230
3,50
10
7,52 %
3
BAS
BASF
DE0005151005
35,260
1,95
21
6,67 %
4
BMW
BAY.MOTOREN WERKE
DE0005190003
33,500
0,30
-
2,22 %
5
BAYN
BAYER
DE000BAY0017
46,220
1,40
14
7,87 %
6
BEI
BEIERSDORF
DE0005200000
39,230
0,70+0,20
23
0,81 %
7
CBK
COMMERZBANK
DE0008032004
8,315
0,00
-
1,23 %
8
DAI
DAIMLER
DE0007100000
33,660
0,60
-
5,92 %
9
DBK
DEUTSCHE BANK
DE0005140008
51,780
0,50
10
6,59 %
10
DB1
DEUTSCHE BOERSE
DE0005810055
57,720
2,10
14
2,21 %
11
DPW
DEUTSCHE POST
DE0005552004
12,565
0,60
17
2,18 %
12
DTE
DT.TELEKOM
DE0005557508
9,310
0,78
14
5,71 %
13
EOAN
E.ON
DE000ENAG999
28,210
1,50
11
10,01 %
14
FME
FRESEN.MED.CARE
DE0005785802
34,090
0,58
11
1,32 %
15
FRE3
FRESENIUS
DE0005785638
39,300
0,71
12
0,65 %
16
HEN3
HENKEL
DE0006048432
28,510
0,53
18
1,05 %
17
IFX
INFINEON TECH.
DE0006231004
3,505
0,00
-
0,78 %
18
SDF
K+S
DE0007162000
36,810
2,40
15
0,93 %
19
LIN
LINDE
DE0006483001
72,570
1,80
17
2,52 %
20
LHA
LUFTHANSA
DE0008232125
11,810
0,70
-
1,11 %
21
MAN
MAN
DE0005937007
57,260
2,00
23
1,17 %
22
MRK
MERCK
DE0006599905
68,190
1,50
13
0,91 %
23
MEO
METRO
DE0007257503
37,110
1,18
16
0,85 %
24
MUV2
MUENCH.RUECKVERS.
DE0008430026
106,350
5,50
9
4,27 %
25
RWE
RWE
DE0007037129
62,190
4,50
10
5,33 %
26
SZG
SALZGITTER
DE0006202005
67,770
1,40
165
0,53 %
27
SAP
SAP
DE0007164600
33,500
0,50
19
5,88 %
28
SIE
SIEMENS
DE0007236101
63,530
1,60
13
9,77 %
29
TKA
THYSSENKRUPP
DE0007500001
23,160
1,30
-
1,59 %
30
VOW
VOLKSWAGEN
DE0007664005
108,120
1,93
-
0,95 %
BEIERSDORF leistete neben der Dividendenzahlung auch noch eine Sonderzahlung. Rote Aktiengesellschaften schreiben Verluste!
Vor einer Woche verließ die HANN.RUECKVER. wegen zu geringem Börsenumsatz, in der
"Ordentlichen Anpassung",
den DAX®. Ersetzt wurden sie durch INFINEON TECH., die uns erst vor 6 Monaten verlassen hatte. Demnächst steht eine
erneute Umstellung an. Die Einigung in der Übernahmeschlacht zwischen PORSCHE und VOLKSWAGEN führt demnächst dazu, dass die
freie Marktkapitalisierung von VOLKSWAGEN wahrscheinlich unter 10% fallen wird und deshalb den DAX® wird verlassen müssen.
Seit einiger Zeit häufen sich die DAX®-Umstellungen. Sie schädigen den Index stark. Firmen, deren Marktkapitalisierung wegen
zu starken Kursverlusten zu gering wurde, verlassen den Index und werden durch die Spitzenreiter aus der tieferen Klasse
ersetzt. Deren Marktkapitalisierung ist meistens wesentlich höher und damit schrumpft das Gewicht der anderen Teilnehmer.
Die neuen Mitglieder müssten überproportional zulegen um diesen Schaden zu egalisieren. Das schaffen sie meistens nicht und
so bleibt ein Schaden im Index. Der DAX® hat einfach zu viele Mitglieder. Eine Kürzung auf 20 wäre empfehlenswert.
Die jetzige Bewertung ist durch die Umstellung begründet. Gleichzeitig wurde
ein neues Lotto-Depot zusammen gelost.
Umlaufrendite, €/US-$ und Rohölpreis
Seitdem vor 10 Monaten die Renditen bei Staatsanleihen abgestürzt sind haben es die Notenbanken mittels
Liquiditätsflutung geschafft die Umlaufrendite im Bereich von 3 % zu halten. Temporär aufgekommene Inflationsängste
hatten sie im Sommer für kurze Zeit etwas angehoben. Die Leitzinssenkung des Mindestbietungssatzes für die
Hauptrefinanzierungsgeschäfte im €urosystem zum 7. Mai auf 1 % (für Spitzenrefinanzierungsfazilität 1,75 % und für die Einlagefazilität 0,25 %)
übte einen weiteren Druck auf die Zinsen am kurzen Ende aus. Das lange Ende wird sehr stark von den wirtschaftlichen
Erwartungen angetrieben. Immer wenn sich Hoffnungen auf eine baldige wirtschaftliche Erholung manifestieren, entsteht
ein Drang nach Norden. Trotzdem wird momentan mit keiner Inflation gerechnet, auch wenn manche US-Großbank aus
durchsichtigem Interesse diese Trommel rührt.
Die Kurse der Staatsanleihen befinden sich bei allen Laufzeiten auf einem
sehr hohen Niveau.
Die Schwierigkeiten im Geldverkehr zwischen Banken sind immer noch nicht ausgestanden. Sie misstrauen sich immer noch massiv
und hinterlegen ihre überschüssigen kurzfristigen Gelder für einen miserablen Zins lieber bei der Zentralbank. Auch haben sie,
zum Teil zu Recht, eine großes Misstrauen bei der Kreditvergabe an Firmen. Sie kaufen mit dem
billigen Zentralbankgeld lieber Staatsanleihen - ein risikoloses Geschäft, so weit die Laufzeiten von Kredit und Anleihe aufeinander
abgestimmt sind. Allerdings kaufen sie in einem immer stärkeren Umfang länger laufende Anleihen (sowohl Staats- als auch
Firmenanleihen), die sie kurzfristig refinanzieren. HYPO REAL ESTATE und LEHMAN lassen grüßen. Auch zocken viele Banken mit dem
billigen Zentralbankgeld mit Rohstoffen und Aktien. Ob dieses Verhalten so von der EZB gewünscht war? Niedrige Zinsen sind
offensichtlich nicht die Medizin für alle Fälle. Oft machen sie erst richtig krank. Bezüglich der Zukunft ist die
Fachwelt zerstritten. Drei Parteien vertreten 3 Szenarien. Die einen erwarten eine lange Deflationsphase da die Wirtschaft noch nicht so bald
richtig ans Laufen kommen wird. Andere erwarten eine schlaffe wirtschaftliche Entwicklung mit stark ansteigenden Rohstoff-
und Energiepreisen, also eine bösartige Stagflation, ähnlich derjenigen der 70-ziger Jahren. Die dritte Gruppe erwartet eine
baldige Erholung der Wirtschaft mit einhergehenden sehr großen Inflationsraten. Wir haben also alles zur Auswahl.
In den USA, Japan und in Großbritannien ist man zum faktischen Gelddrucken ("Quantitative Easing") übergegangen. Die dortigen
Zentralbanken kaufen dem Staat seine Anleihen ab und kaufen am Markt besicherte Immobilienpapiere. Die EZB hat mit dem Kauf von
Pfandbriefen angefangen. Es herrscht panikartige Angst vor einer deutlichen Deflation, die in eine tiefe
Depression übergehen könnte. Ende des Winters sollen diese Maßnahmen in den USA auslaufen. Zu einer besseren
wirtschaftlichen Entwicklung hat dieses Gelddrucken bisher nicht beigetragen. Nichts davon ist beim Verbraucher angekommen. Nur
eine Inflation bei Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Energie wurde erreicht. Diese Blase 3.0 steht im Falle eines Falles einer
echten wirtschaftlichen Erholung im Wege. Das Experiment, das die Zentralbanken und die Politik momentan veranstalten ist ohne
Beispiel und zeigt bisher kaum einen Erfolg. Es bleibt spannend. Keiner kann abschätzen wie dieses Experiment enden wird.
Eine große Depression bleibt denkbar.
Nur Geld das sich durch die Wirtschaft bewegt ist wirkliches Geld. Geld das ruht nimmt nicht am
wirtschaftlichen Leben teil. Deshalb ist neben der schieren Menge auch die Umschlagsgeschwindigkeit des Geldes sehr wichtig.
Da die Umschlagsgeschwindigkeit schneller zurück geht wie neues Geld geschaffen wird, gehen auch die Preise zurück und wir erleben
momentan eine leichte Deflation. Dem sehr großen Angebot steht eine immer niedrigerere Nachfrage gegenüber und damit kühlt
die wirtschaftliche Entwicklung weiter ab. Die Staaten strengen sich idiotischerweise auch noch an überflüssige Überkapazitäten am Leben
zu halten. Es scheint, die Politik hat Freude an der Krise und will sie unbedingt verlängern. Wir bewegen uns momentan in Richtung Deflation trotz allen
Reflationierungsversuchen. Besonders ausgeprägt ist diese Situation in den USA. Bei den US-Verbrauchern, die bis über
beide Ohren verschuldet sind, explodiert die Sparquote. Zur US-Notenbank kann man nur feststellen: "Artisten in der Zirkuskuppel - ratlos".
Bis jetzt sind schon einmalig massive Neuemissionen von Staats- und Firmenanleihen gelaufen und wurden problemlos
vom Markt aufgenommen. Davon wurden viele von Banken mit dem billig von den Zentralbanken zur Verfügung gestelltem Geld
gekauft. Auch viele Spekulanten die mit einer heftigen Deflation rechnen, greifen bei Staatsanleihen zu. Die Neuemissionen
haben also nicht zu höheren Zinsen geführt. Bei Firmenanleihen ist der Abstand zu Staatsanleihen sogar erheblich geschrumpft.
Die Renditen bleiben am Boden. Die Banken zahlen zum Teil noch höhere Zinsen,
berauschend sind sie allerdings nicht mehr. Die Tageszinsen liegen aktuell in einem Bereich 0,15 bis 1,5 %, Festgelder in
einem 6-Monatsbereich erreichen sehr selten 2,0 %. Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihr Geld zur
Konkurrenz! Der Finanzminister profitiert weiterhin von der Krise. Seine dieses Jahr neu aufgelegte Tagesgeldanleihe zahlt aktuell
bei absoluter Sicherheit nur noch 0,2 %. Die Renditen bei
Bundesschatzbriefen sind leicht gestiegen. Sie betragen
momentan beim Typ A (6 Jahre) 2,45 % und beim Typ B (7 Jahre) 2,74 %. Sollte die Deflation sich
verfestigen werden die Zinsen bei allen Laufzeiten weiter sinken. In Japan herrscht
sie schon länger, in den USA wird sie täglich wahrscheinlicher und in der Eurozone ist diese Gefahr auch nicht auszuschließen.
Umlaufrenditen und €/US-$ Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung bezüglich Umlaufrendite (Anleihen, Obligationen sowie Schatzanweisungen des Bundes, seiner Sondervermögen und der Treuhandanstalt) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag.
Datum
Insgesamt
3-5 Jahre
5-8 Jahre
8-15 Jahre
15-30 Jahre
1 € in US-$
25.09.09
2,99 %
2,12 %
2,76 %
3,27 %
4,06 %
1,470
27.03.09
2,93 %
2,08 %
2,67 %
3,13 %
4,15 %
1,326
30.12.08
2,86 %
2,26 %
2,60 %
2,91 %
3,73 %
1,407
26.09.08
4,24 %
3,94 %
4,09 %
4,18 %
4,80 %
1,458
20.06.08
4,74 %
4,75 %
4,72 %
4,66 %
4,81 %
1,563
28.12.07
4,34 %
4,16 %
4,24 %
4,34 %
4,66 %
1,472
22.06.07
4,64 %
4,55 %
4,61 %
4,62 %
4,81 %
1,346
30.03.07
4,08 %
4,01 %
4,02 %
4,03 %
4,24 %
1,336
29.12.06
3,96 %
3,91 %
3,93 %
3,94 %
4,09 %
1,320
22.09.06
3,69 %
3,58 %
3,63 %
3,68 %
3,92 %
1,278
23.06.06
3,97 %
3,73 %
3,90 %
4,01 %
4,34 %
1,251
30.12.05
3,22 %
3,00 %
3,14 %
3,25 %
3,57 %
1,183
23.09.05
2,88 %
2,44 %
2,74 %
2,97 %
3,50 %
1,208
23.03.05
3,49 %
3,00 %
3,39 %
3,66 %
4,16 %
1,298
29.12.04
3,41 %
2,88 %
3,27 %
3,57 %
4,22 %
1,359
23.09.04
3,70 %
3,10 %
3,56 %
3,89 %
4,55 %
1,226
26.05.04
3,97 %
3,29 %
3,83 %
4,25 %
4,95 %
1,211
29.12.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,248
25.09.03
3,77 %
3,08 %
3,62 %
4,00 %
4,64 %
1,149
12.06.03
3,27 %
2,47 %
2,98 %
3,48 %
4,48 %
1,177
10.04.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,077
27.12.02
3,93 %
3,26 %
3,78 %
4,17 %
4,86 %
1,041
27.09.02
4,12 %
3,57 %
4,00 %
4,30 %
4,92 %
0,980
26.07.02
4,52 %
4,07 %
4,48 %
4,70 %
5,16 %
0,985
26.06.02
4,73 %
4,34 %
4,65 %
4,87 %
5,21 %
0.980
25.01.02
4,74 %
4,37 %
4,71 %
4,90 %
5,27 %
0,865
Die Finanzmarktkrise ist noch längstens nicht überwunden. Fachleute nehmen an, dass trotz geänderter
Bewertungsregeln erst die erste Hälfte des Schrottes abgeschrieben ist. Viele US- und andere Großbanken haben das rettende Ufer noch
nicht erreicht. Sie Zocken wie wild rum um temporär Gewinne zu machen und bei großem Glück zu überleben oder den
Status als Zombiebank verlassen zu können. Das Misstrauen in der Branche ist immer noch riesig. Momentan erhält man in den
USA für Tagesgelder 0,19 %. US-Staatsanleihen (Treasury Bonds) rentieren bei 2 Jahren mit 0,96 %, bei 5 Jahren mit 2,36 %, bei 10 Jahren
mit 3,32 % und bei 30 Jahren mit 4,09 %. Die Renditen liegen trotz den massiven Eingriffen der US-Notenbank etwas höher als in der
€urozone. Grund ist die explodierende US-Staatsverschuldung.
Japan ist ein nicht unwahrscheinliches Szenario für die USA. Die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen liegt dort
bei 1,31 %.
Der US-$ leidet heute aus mehreren Gründen. Die massive "Erholungspropaganda" bei gleichzeitig steigenden
Rohstoff-, Energie-, Firmenanleihe-, und Aktienpreisen hat die Risikoaversion erheblich gedämpft und damit ist die Flucht in den
angeblichen sicheren Hafen USA zum Stillstand gekommen. Die massiven Neuemissionen von US-Staatsanleihen wurden
nicht mehr in dem üblichen Ausmaße von Ausländern gekauft. Die US-Staatsanleihen wurden verstärkt von Inländern, dabei gehörte die
US-Notenbank zu den Großen, geordert. Damit konnte an dieser Front kein Aufwertungsdruck entstehen. Dann haben die US-Großbanken massiv
auf allen Märkten weltweit eingekauft und haben damit den $ geschwächt.
US-Banken und in den USA registrierte Banken können sich zu einem Zinssatz von 0,25-0 % Geld bei der
US-Notenbank ausleihen. Deshalb ist der US-$ inzwischen zu der beliebtesten
Carry Trade Währung
aufgestiegen und hat den Yen in dieser Rolle abgelöst. Das hat zu einer erheblichen Aufwertung der japanischen Währung und
ebenso vom €uro und vielen anderen Währungen beigetragen.
Mit dem zukünftigen Platzen der aktuellen Blase in praktisch allen Anlagenklassen (außer Immobilien - dort ist sie schon geplatzt), wird es zu massiven
Rückflüssen des US-$ kommen. Gleichzeitig werden etliche große Finanzinstitute in Schwierigkeiten kommen und die Angst vor dem
Zusammenbruch der Finanzmärkte wird wieder grassieren. Ob die US-Notenbank dieses alles wird verhindern können, darf
bezweifelt werden. Die vergangenen Jahre hat sie keine glückliche Hand bewiesen und so ziemlich alles verpennt was man verpennen
konnte. Seit vielen Jahren erzeugt sie nur eine Blase
nach der anderen und das in immer kürzeren Abständen. Dieses Verhalten unterminiert das Vertrauen in die USA.
Das könnte schlussendlich zu einer veritablen US-$- und damit einer weltweiten Devisenkrise führen und dann würde es stockdunkel
werden. Hoffen wir, dass der US-$ weiter kontrolliert verfallen wird und die drohenden Gefahren nicht eintreten werden.
Seit 2008 sinkt der weltweite Verbrauch von Rohöl und allen anderen Mineralölprodukten. Immer mehr Tankerschiffe
liegen voll getankt vor den Häfen. Trotzdem hat es die Spekulation (Großbanken und ihre Töchter und etliche ihrer börsengehandelten ETF's)
geschafft den Ölpreis in den Bereich von 70 US-$ zu treiben. So besteht z.B. der Phibro-Händler Andrew Hal auf seiner
Bonizahlung von 100 Millionen US-$. Er hat schließlich erfolgreich die Rohstoff- und Energiemärkte manipuliert.
Seine Handelsfirma Phibro ist Teil der mit Steuergeldern gestützten Citigroup. Die Zockerbanken sind momentan in
praktisch allen Anlageklassen tätig und treiben die Preise fast synchron nach Norden. Nur bei Immobilien sind sie und die
Notenbanken bis jetzt erfolglos. Dabei wollen sie dem gemeinen Menschen
weismachen, dass explodierende Rohstoff- und Energiepreise gut für die wirtschaftliche Entwicklung wären. Wer kann erwarten, dass die
Wirtschaft bei einem Preis von 200 US-$ je Fass Rohöl - etliche Großbanken träumten von dieser Preishöhe - noch atmen könnte?
Und was tut die Politik? Sie schaut zu wie die Zockerbanken mit diesem hochrisikanten Spiel versuchen sich auf Kosten von
großen Bevölkerungsschichten zu sanieren. So lange es bei diesem Verhalten bleibt, ist eine wirtschaftliche Erholung
praktisch ausgeschlossen. Wir marschieren dann sicher in eine längere und tiefere Stagflation. Es würden dann nur noch die Bonis
der Preistreiber florieren.
Dabei könnten niedrigere Rohstoff- und Energiepreise ein wirklich wirksames breit wirkendes
Konjunkturprogramm sein. Dieser Eigenhandel der Banken und ihrer Töchter gehört verboten - ebenso die Kreditvergabe für derartige
Geschäfte - und der Handel mit diesen Kontrakten
einer deutlichen Steuer unterworfen. Dies gilt auch für die Devisen- und
Lebensmittelmärkte. "Short" auf die DEUTSCHE BANK ist harmlos gegenüber
"long" in Weizen oder Öl. Die Regulierer gehen allerdings nur gegen den Leerverkauf von Aktien der Zockerbanken vor. Hungern
und Frieren darf die Menschheit unbegrenzt. Und die Zentralbanken stellen den Zockerbanken auch noch das billige Geld für diese Spielchen
zur Verfügung. Der Politik und der Finanzbranche scheint nicht bewusst zu sein, dass sie den Grundstein für neue revolutionäre
Zustände legen. Sollten wir wirklich in einer tiefen Depression oder Hyperinflation mit Massenarbeitslosigkeit und der Verarmung/Verelendung
großer Bevölkerungsteile landen, könnten wir Zustände bekommen die wir nur aus geschichtlichen Schilderungen kennen.
DAX®-Ergebnis
Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der
Januarbewertung 2002. 7 Unternehmen schreiben Verluste. Es sind
BAY.MOTOREN WERKE, COMMERZBANK,
DAIMLER, INFINEON TECH.,
LUFTHANSA, THYSSENKRUPP und VOLKSWAGEN.
Sie haben momentan ein Gewicht im DAX® von 13,8 %.
KGV(1) und KGV(2) unterscheiden sich deshalb stark. Da die hier praktizierte
Bewertungsmethode Verluste nicht berücksichtigt, wird das wirkliche KGV die 15,0 deutlich
überschreiten. Alle Berechnungen
berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.
Datum
DAX®-Stand
Dividenden- rendite
KGV(f)
KGV(1)
KGV(2)
25.09.09
5581,41
3,89 %
15,4
15,0
12,9
27.03.09
4203,55
6,51 %
15,4
9,1
9,1
30.12.08
4810,20
5,56 %
15,4
8,2
8,2
26.09.08
6063,50
4,28 %
15,4
10,7
10,6
20.06.08
6578,44
3,89 %
15,4
10,9
10,8
28.12.07
8067,32
2,50 %
15,4
12,8
12,8
22.06.07
7949,63
2,53 %
15,4
15,0
15,0
30.03.07
6917,03
2,64 %
15,4
13,3
13,3
29.12.06
6596,92
2,72 %
15,4
14,8
14,7
22.09.06
5883,32
3,03 %
15,4
13,2
13,0
23.06.06
5529,74
3,28 %
15,4
12,5
12,4
30.12.05
5408,26
2,13 %
15,4
12,9
12,9
23.09.05
4882,58
2,31 %
15,4
13,7
13,6
23.03.05
4317,20
1,91 %
15,4
13,3
13,3
29.12.04
4247,75
1,89 %
15,4
13,1
13,1
23.09.04
3905,66
2,06 %
15,4
14,9
14,9
26.05.04
3867,52
2,12 %
15,4
15,3
15,3
29.12.03
3952,72
2,02 %
15,4
16,1
16,1
25.09.03
3326,27
2,40 %
15,4
18,7
15,9
12.06.03
3219,47
2,45 %
15,4
16,8
14,8
10.04.03
2697,10
3,24 %
15,4
13,4
11,7
27.12.02
2840,00
2,93 %
15,4
10,9
9,8
27.09.02
2918,90
2,87 %
15,4
12,9
11,8
26.07.02
3579,00
2,37 %
15,4
15,6
14,1
26.06.02
4099,05
2,07 %
15,4
17,1
16,2
25.01.02
5156,33
2,02 %
15,4
21,8
19,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den
In den letzten 12 Monaten zahlten COMMERZBANK und INFINEON TECH.
keine Dividende (Gewicht im DAX®: 2,01%). Es gab für 2008 teilweise noch kräftige Dividendenerhöhungen und sogar BEIERSDORF leistete
eine zusätzliche Sonderausschüttung (sie werden bei der Berechnung der Index-Dividendenrendite berücksichtigt
und fallen bei der Kandidatenaufstellung für die Dividendenstrategien unter den Tisch). Es gab aber auch schon
erste deutliche Dividendenkürzungen. Diese und die stark angestiegenen Kurse haben die Dividendenrendite
fast halbiert. Trotzdem liegt sie immer noch weit über den klassischen Geldanlagen. Die momentanen
Dividendenzahlungen werden allerdings nicht zu halten sein. Durch die eingebrochenen Umsätze, die gesunkene
Produktivität (exzessive Kurzarbeit) und die damit stark geschrumpften Gewinne wird die Dividendensaison
2010 mickrig ausfallen. So schreibt, entsprechend den aktuellen I/B/E/S-Schätzungen, der gesamte deutsche
Automobilbau bis auf MAN inzwischen Verluste. Auch in der Finanzbranche sieht es nur auf den ersten Blick etwas besser
aus. Die Stahlbranche leidet stark. Allgemein sieht bis jetzt das Jahr 2009 grottenschlecht aus. Wir werden
also weitere Dividendenstreichungen respektive Dividendenkürzungen in 2010 erleben.
Aktienkäufe nur an vergangenen Dividendenzahlungen auszurichten könnte deshalb ein Schuss in den Ofen werden.
Gewinnschätzungen beruhen immer auf der vergangenen Entwicklung und hängen damit der aktuellen Entwicklung
hinterher. Auch scheint die jetzige Krise und deren Auswirkungen noch nicht voll von den Schätzungen berücksichtigt. Auch
die weltweiten Konjunkturprogramme, besonders die Abwrackprämien, verschleiern die wirkliche Lage und damit die
kommende Entwicklung. Schätzungen können sich eben nur annähern. Während der DAX® seit unserer Bewertung von Ende
März um 32,78 % zugelegt hat, hat das KGV(1) um 64,84 % zugelegt. Dabei untertreibt unser KGV(1) die wirkliche Lage,
bedingt durch die Bewertungsmethode, stark. Nur wenn man von einer langen Deflationsphase mit den zu heute
vergleichbaren niedrigen Zinsen ausgeht, wäre der DAX® "preiswert" bewertet. Allerdings wäre eine lange Deflationsphase
Gift für die Aktien. Nimmt man an, dass sich die niedrigen Zinsen in wenigen Jahren wieder normalisieren werden, wäre der
DAX® "überteuert". Dabei wird er wegen sehr wahrscheinlichen weiteren Gewinnabnahmen noch teurer werden (bei gleichem Kurs).
Den Index,
heute zu kaufen ist deshalb sehr gewagt. Auf Sicht von wenigen Jahren wird man sehr wahrscheinlich mental durch die Hölle
kriechen.
In unserer
vorherigen Bewertung
gingen wir noch davon aus, am Anfang einer Bärenmarktrallye zu stehen. Keiner konnte damals ahnen, dass die Banken auf
"Teufel komm raus" an den Märkten mit dem billigen Geld der Zentralbanken zocken würden und die Politik diesem Spielchen zuschauen
würde. Die Bären wurden in dieser liquiditätsgetriebenen Rallye gründlich einen Kopf kürzer gemacht. Bedingt durch den
exzessiven Eigenhandel der zum Teil staatlich gestützten Großbanken haben wir Pegelveränderungen erreicht, die eine Bärenmarktrallye
nur sehr selten, wenn überhaupt, schafft. Je höher der Pegel stieg umso stärker wurden auch andere Vermögensverwalter/Spekulanten
in den Markt getrieben. Bilanztechnisch kommt diese Entwicklung vielen Banken zu Gute. Es könnte also noch ein Stückchen so weiter
gehen, allerdings nicht ewig. Auch diese Blase wird platzen und die Kurse werden sich schnellstens der wirklichen Lage anpassen.
Am Ausgang wird es eng zugehen und manche Bank wird wieder die Hilfe des Steuerzahlers benötigen.
Die Haupttreiber der Kurse sind in den USA zu Hause. Die Großen US-Zombie- und Zockerbanken treiben auch bei uns zu einem erklecklichen Teil
die Kurse. Unsere Zockerbanken sind natürlich auch beteiligt. Es wird deshalb auch in den USA entschieden werden, wie es bei
uns weiter gehen wird.
Neben dem klassischen Eigenhandel der Banken an den Aktienmärkten nimmt auch
der Handel mittels Computerprogrammen, ohne menschliche Unterstützung, einen immer größeren Umfang an. Neben dem schon seit
einigen Jahren üblichen algorithmischen Handel hat seit einiger Zeit auch das Hochfrequenztrading erheblich
zugenommen. Sind "normale" Menschen inzwischen chancenlos? Kann man mit "Ja" beantworten wenn sie versuchen mit
Sentiment und technischer Analyse dagegen anzustinken. Sind Marktmanipulationen möglich? Große Banken und ihre Töchter
können mit einem abgestimmten Einsatz ihrer Mittel sehr wohl den Markt in eine bestimmte Richtung drängen. Im Verbund von
mehreren Großbanken, bei temporär gleicher Interessenlage, problemlos.
Der algorithmische Handel erlangt an den Börsen ein immer größeres Gewicht. Auf
dem elektronischen Handelssystem Xetra macht er schon 40 Prozent aller Handelsaktivitäten aus. Die Tendenz ist steigend.
Unter algorithmischem Handel sind jene Wertpapieraufträge zu verstehen, die auf der Basis von Computermodellen ohne
menschliches Eingreifen aufgegeben werden. Die Rechenmaschinen sind so programmiert, dass sie bei bestimmten Szenarien am
Aktienmarkt eine bestimmte Aktie in einer bestimmten Menge kaufen oder verkaufen. Ein lebender Händler hat damit unmittelbar
nichts mehr zu tun.
Hauptsache, es ist etwas los
Auch spielt die generelle Stimmung an der Börse keine Rolle. "Uns ist es am liebsten, wenn es an der Börse hoch hergeht, ob
die Kurse steigen oder nicht, spielt dabei keine Rolle", sagt Timo Wagner, Geschäftsführer der International Algorithmic
Trading GmbH (IAT). Im einfachsten Fall profitiert sein Unternehmen von einem Kursunterschied derselben Aktie an zwei Börsen.
Kostet eine Daimler-Aktie in Frankfurt beispielsweise 4 Cent mehr als in Mailand, sorgt das Computerprogramm augenblicklich
dafür, dass in Frankfurt Daimler-Aktien verkauft und in Mailand Daimler gekauft werden, bis sich die Preise angeglichen
haben.
Etwas komplizierter sind die Algorithmen auf bestimmte statistische Auffälligkeiten: Aus historischen Daten lässt sich
womöglich erkennen, dass der Kursverlauf einer Aktie in einem engen Verhältnis zum Gesamtmarkt steht. Steigt zum Beispiel
der Dax-Future kurzfristig schnell an und der Kurs der Siemens-Aktie ist noch unverändert, wird diese häufig bald darauf
auch einen Anstieg erfahren. Das Computerprogramm sorgt unmittelbar für den Kauf.
Zehn Millisekunden sind eine Ewigkeit
Da viele Händler statistische Auffälligkeiten beobachten, kommt es beim Handel auf jede Millisekunde an, weil die erwartete
Reaktion sonst eintritt, bevor der Computer reagiert hat. Die nahe Hamburg beheimatete IAT hat deshalb 30 Hochleistungs-Server
direkt an der Börse in Frankfurt aufgestellt. "Der Wertpapierauftrag braucht etwa eine Millisekunde auf 100 Kilometer",
erklärt Wagner.
"Bis Hamburg und zurück gingen uns so etwa 10 Millisekunden verloren, das ist zu viel." Die Deutsche Börse selbst braucht
für die Ausführung und Bestätigung einer Order noch ungefähr 15 Millisekunden - es soll bald noch schneller gehen. IAT
investiert etwa 65.000 Euro monatlich in seine Computertechnik, weitere 25.000 Euro kommen für Neuanschaffungen hinzu.
Handeln statt analysieren
Ihre Gewinne erwirtschaften die allein auf computergesteuerten Handel setzenden Händler nicht dadurch, dass sie das
Geschäftsmodell eines Unternehmens für langfristig erfolgreich halten, sondern weil sie ihr Computermodell richtig
programmiert haben. "Bei einer Allianz-Aktie beträgt unsere Gewinnspanne durchschnittlich 5 Cent je Aktie", sagt Wagner. Das
sind gerade mal knapp 0,04 Prozent des aktuellen Kurses von knapp 134 Euro.
Der Gewinn entsteht daher durch eine sehr rege Handelsaktivität. "Wir halten bei der Allianz maximal Aktien im Wert von
750.000 Euro", sagt Wagner. Das sind gut 5.000 Stück. Bis zum Mittag berichtet er aber schon von einem Umsatz von 128.000
Allianz-Aktien allein durch sein Unternehmen. Dies deutet an, wie oft die Computer die Aktien in kurzer Zeit kaufen und
wieder verkaufen, nur um sie wenige Augenblicke später doch wieder zu kaufen.
Menschen als Notbremse
Eine Garantie für Gewinne ist der algorithmische Handel natürlich nicht. Auf 60 zu 40 schätzt Wagner das Verhältnis der
ertragreichen Geschäfte zu den verlustreichen. Läuft bei einem Geschäft sichtbar etwas schief, wird der Algorithmus gestoppt.
Dafür und für die Entwicklung und Anpassung der Computerprogramme brauchen die computergetriebenen Händler Personal. Den
Handel selbst macht der Computer von alleine.
Dass sich das Geschäft insgesamt lohnt, zeigt die Statistik der Deutschen Börse. "Die erste technologische Revolution im
Handel von Finanzinstrumenten fand vor etwa zehn Jahren statt, als wir das elektronische Handelssystem Xetra in Betrieb
nahmen", sagt Michael Krogmann, Vertriebsdirektor im Kassamarkt der Deutschen Börse. "Auf die Automatisierung der Börsen
folgte in den vergangenen Jahren die Automatisierung der Auftragserteilung bis hin zur Investitionsentscheidung selbst - das
Algotrading. Seither konnten wir immer mehr algorithmischen Handel auf Xetra gewinnen."
Im Jahr 2003 lag der Anteil am Handelsvolumen auf Xetra bei 15 Prozent, 2005 waren es 25 Prozent, und heute beträgt der
Anteil an einem insgesamt ohnehin deutlich höheren Handelsvolumen rund 40 Prozent. Vor allem die großen Banken betreiben
algorithmischen Handel, aber auch spezialisierte Hedge-Fonds und selbständige Eigenhändler betätigen sich auf diesem
Geschäftsfeld.
Rabatt auf den Algorithmus
"Die algorithmischen Händler bekommen bei uns eine Kennung und erhalten so einen Abschlag auf die Transaktionskosten von bis
zu 49 Prozent", sagt Krogmann. 353 solcher Kennungen hat die Deutsche Börse vergeben. Das größte Volumen registriert die
Deutsche Börse in den Dax-Werten, aber auch in vielen kleineren Werten und börsengehandelten Investmentfonds (ETF) sind
algorithmische Händler mittlerweile aktiv. Dem Privatanleger nutzt das erhöhte Handelsvolumen. Denn je geringer die
Handelsumsätze in einer Aktie sind, zu desto ungünstigeren Kursen muss er seine Aktien kaufen und verkaufen. Ein reger
Handel hingegen bessert die Konditionen.
Die Angst, dass der rein computergesteuerte Handel das gesamte System ins Wanken bringen könnte, gibt es bei der Deutschen
Börse nicht. "Die algorithmischen Händler haben einen Panik-Button, den sie betätigen, wenn in ihrem System etwas
schiefläuft", sagt Krogmann.
Solche Fehlentwicklungen sind jedoch eher die Ausnahme, weiß Timo Wagner von IAT zu berichten. Bis zum Mittag hat sein
Handelshaus 13.000 Wertpapiergeschäfte abgewickelt. Das sind in den fünf Handelsstunden 43 in jeder Minute. Bis um 17.30 Uhr
werden alle Positionen glattgestellt sein. Am Ende eines Tages besitzt IAT keine einzige Aktie mehr.
Zum Hochfrequenztrading schrieb Markus Diem Meier in der Berner Zeitung
im Börsenteil am 27.07.2009.
Der Krieg der Computer um Tempo und Milliarden
Durch superschnelle Handelsstrategien ergründen Hochfrequenztrader die Absichten anderer Börsenteilnehmer –
und profitieren auf deren Kosten. In den USA sind die umstrittenen Geschäfte bereits ein Politikum.
Hochfrequenztrader mischen immer mehr die Aktienmärkte auf. In den USA ist das jetzt sogar ein Politikum:
Dort fordert der drittmächtigste Senator der regierenden Demokraten, Charles Schumer, bereits die Börsenaufsicht SEC zum
Eingreifen auf. Ebenfalls ins Gerede gekommen ist die neue Art, Aktienhandel zu betreiben, durch einen vermuteten Diebstahl
des einstigen Goldman-Sachs-Händlers Sergey Aleynikov bei seinem vormaligen Arbeitgeber. Dieser wird beschuldigt, bei
Goldman ein Programm samt zugehöriger Hardware gestohlen zu haben, das ein Hochfrequenztrading möglich macht. In der
Finanzgemeinde wurde bereits über den Vorteil spekuliert, den Aleynikovs Material einer anderen Bank bringen könnte und den
Schaden, der Goldman aus dem Diebstahl erwächst.
Hochfrequenz gegen "Algos"
Tatsächlich geht es beim Hochfrequenztrading um einen Kampf von superschnellen Handelscomputern gegen andere Computer, die
aber langsamer sind. Dabei dreht es sich allerdings bei beiden um Zeitfenster von Sekundenbruchteilen. Die superschnellen
Computer der Hochfrequenz-Trader versuchen die meist um Sekundenbruchteile langsameren, durch Algorithmen getriebene
Computer anderer Händler, «Algos» genannt, auszutricksen. Algos folgen programmierten Regeln, nach denen Käufe und
Verkäufe von Aktien oder anderer Anlagen ausgeführt werden. Durch ihre Geschwindigkeit können die Hochfrequenz-Trader diese
Regeln herausfinden und sie zu ihren Gunsten nutzen.
Ist zum Beispiel ein algorithmusgetriebener Handelscomputer so programmiert, dass er UBS-Aktien vom aktuellen Preis von
14,9 bis 14,93 Franken kaufen würde, kann das ein Hochfrequenz-System herausfinden. Es macht dazu innerhalb kleinster
Sekundenbruchteile kleine Angebote, etwa ab 14,95 abwärts und zieht sie ebenso schnell wieder zurück, wenn der "Algo" nicht
reagiert. Sobald er kauft, kennt der Hochfrequenz-Tradingcomputer dessen obere Kaufgrenze. Darauf kauft der
Hochfrequenztrader – noch immer innerhalb von Sekundenbruchteilen grössere Mengen an UBS-Aktien zum aktuellen Preis von
14,9 Franken und verkauft sie dem algorithmusgetriebenen Computerhändler zu 14,93. Der Gewinn aus dieser Strategie lässt
sich trotz der kleinen Spanne mit den gehandelten Volumen vergrössern. Die beschriebene Strategie wird "Automated Market
Making" genannt. Allen Strategien der High Frequency Trader ist gemeinsam, dass sie sich durch ihre Geschwindigkeit
Informationen auf Kosten der langsameren beschaffen.
An der Schweizer Börse bisher unbekannt
An der Schweizer Börse sind solche Strategien bisher nicht bekannt. Immerhin besteht dafür ein Potenzial, da auch hierzulande
viele grosse Marktteilnehmer mit "Algos" arbeiten, das heisst, ihr Aktienhandel beruht ebenfalls auf Algorithmen in
Computerprogrammen. Wie Börsensprecher Werner Vogt sagt, existieren keine Statistiken.
Welches Ausmass der Hochfrequenzhandel in den USA einnimmt, ist ebenfalls umstritten. Die meisten Quellen gehen von einem
Anteil am Tagesgeschehen von über 50 Prozent aus. Dabei sind es bisher erst relativ unbekannte Unternehmen, die sich hier
engagieren. Immerhin geht zu Goldman Sachs das Gerücht, die einstige Investmentbank verdanke dieser Art von Handel die
überraschend hohen Gewinne zum zweiten Quartal. Goldman selbst hat erklärt, die Bank betreibe keine unfairen Marktpraktiken.
Cracks der Finanzszene, wie Rick Bookstaber, unter anderem Autor des kritischen Bestsellers zur Finanzbranche "A Demon of
our own Design", sprechen von einem "Wettrüsten", das mit immer schnelleren Systemen an den Börsen ausgefochten werde.
Doch letztlich werde keiner der Beteiligten wirklich gewinnen können. Die Beteiligten am Wettkampf versuchten zwar ständig
mit Milliardeninvestitionen in Hard- und Software schneller als die anderen zu sein, doch die anderen würden ständig wieder
aufholen, womit der Vorteil verschwinde. Schliesslich seien letztlich die physikalischen Möglichkeiten der Verbesserungen
beschränkt.
Selbst den vermuteten Diebstahl von Serge Aleynikov bei Goldman Sachs hält Bookstaber daher für relativ unbedeutend. Für
ihn zeigt die Debatte um diesen bloss, wie wenig darüber bekannt ist, wie Goldman tatsächlich zu seinem beeindruckenden
Gewinn gekommen ist.
Zu diesem "Krieg" meint baer45: Das gesamte Geschehen ähnelt stark dem Spiel
Reise nach Jerusalem
Die Reise nach Jerusalem ist ein Gesellschaftsspiel mit beliebig vielen Mitspielern, das
einen einzigen Gewinner ermittelt. Dazu ordnet man Stühle im Kreis an, und zwar einen Stuhl weniger als Teilnehmer. Diese
stellen sich ebenfalls im Kreis auf. Sobald der Spielleiter die Musik ertönen lässt, müssen sich alle im Kreis um die Stühle
bewegen. Der Spielleiter stoppt die Musik zu einem willkürlichen Zeitpunkt; dann muss jeder Teilnehmer versuchen, sich
möglichst schnell auf einen freien Stuhl zu setzen; es bleibt am Schluss immer ein Teilnehmer stehen und scheidet aus. Nun
wird ein Stuhl entfernt und die verbliebenen Teilnehmer ermitteln wieder durch das musikgesteuerte Laufen und Stoppen einen
weiteren Verlierer. Das Spiel wird solange wiederholt, bis in der letzten Runde nur noch ein Stuhl und zwei Teilnehmer übrig
sind; wer diese gewinnt, ist der Gewinner des gesamten Spiels.
Ein vergleichbares Spiel betreiben die Großbanken. Nach jeder Runde gibt es weniger Großbanken.
Die momentane Runde läuft an den Aktien-, Energie- und Rohstoffmärkten.
Auch diese Runde wird so plötzlich enden wie die Runde mit den Immobilienschrottpapieren. Bekanntlich kann an den Börsen nur
eine Minderheit gewinnen. Die Mehrheit der Banken wird also stark verlieren und von den Gewinnern geschluckt werden. Für
die neu entstandenen Schäden wird der Steuerzahler aufkommen müssen. Dazu werden Sozialleistungen gestrichen und die Steuern
erhöht werden.
Schon in der ersten Weltwirtschaftkrise zog man in den USA die Konsequenzen und verbot den "normalen" Banken
das Zocken mit den Spareinlagen. Es gab daraufhin eine klare Trennung zwischen "normalen" Geschäftsbanken und Investitionsbanken.
Es gibt auch heute keinen Grund den Banken oder ihren Töchtern den Eigenhandel zu erlauben. Sogar Kredite für derartige
Spielchen dürften sie nicht vergeben dürfen. Spielcasinos sollten sich das notwendige Geld direkt am Markt aufnehmen.
Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von
Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
1
DTE
DT.TELEKOM
8,38 %
2
RWE
RWE
7,24 %
3
SDF
K+S
6,52 %
4
LHA
LUFTHANSA
5,93 %
5
TKA
THYSSENKRUPP
5,61 %
6
BAS
BASF
5,53 %
7
EOAN
E.ON
5,32 %
8
MUV2
MUENCH.RUECKVERS.
5,17 %
9
DPW
DEUTSCHE POST
4,78 %
10
ALV
ALLIANZ
4,31 %
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
11
DB1
DEUTSCHE BOERSE
3,64 %
12
MAN
MAN
3,49 %
13
MEO
METRO
3,18 %
14
BAYN
BAYER
3,03 %
15
SIE
SIEMENS
2,52 %
Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie,
können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen
zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12.
"Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.
Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die
Lektüre von Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Kurs
1
DTE
DT.TELEKOM
9,310
2
LHA
LUFTHANSA
11,810
3
DPW
DEUTSCHE POST
12,565
4
TKA
THYSSENKRUPP
23,160
5
EOAN
E.ON
28,210
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Kurs
6
BAS
BASF
35,260
7
SDF
K+S
36,810
8
RWE
RWE
62,190
Rangfolge nach Gewicht
Rang
Code
Name
Gewicht
1
EOAN
E.ON
10,01 %
2
SIE
SIEMENS
9,77 %
3
BAYN
BAYER
7,87 %
4
ALV
ALLIANZ
7,52 %
5
BAS
BASF
6,67 %
6
DBK
DEUTSCHE BANK
6,59 %
7
DAI
DAIMLER
5,92 %
8
SAP
SAP
5,88 %
9
DTE
DT.TELEKOM
5,71 %
10
RWE
RWE
5,33 %
Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute im DAX® ein Gewicht von
71,27 %. Ihr Anteil hat, seit unserer Bewertung Ende März, deutlich zugenommen. Der Grund liegt in der relativ stärkeren
Erholung der Titanen.
Im gleichen Zeitraum hat das Gewicht der Technologie (DT.TELEKOM + INFINEON TECH. + SAP + SIEMENS = 22,14 %)
trotz des Aufstiegs von INFINEON TECH. marginal abgenommen. Die DEUTSCHE BANK hat den Weg zurück in
die Titanenliste gefunden. In den letzten 6 Monaten sind Banken sehr gut gelaufen.
VOLKSWAGEN ist heraus gefallen wird demnächst sehr wahrscheinlich auch den DAX® verlassen.
Die öffentliche Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung und die sie begleitenden Prognosen
kommentierte Claus Hulverscheidt am 18.09.09
in der Süddeutschen Zeitung (Bild von baer45).
Verhöhnung der Menschen
Als der Euro vor ziemlich genau zwei Jahren erstmals die Marke von 1,45 Dollar knackte, da schlugen deutsche
Chefvolkswirte Alarm. Wenn das so weitergehe, so prophezeiten damals viele prominente Ökonomen zwischen Kiel und München,
dann werde die europäische Industrie in den USA bald kaum noch Waren verkaufen. Die Produkte aus der alten Welt seien zu
teuer, die Volkswirtschaften der EU massiv in Gefahr.
In dieser Woche erreichte der Euro die damalige Marke erneut, nachdem er zwischenzeitlich ein Viertel seines Werts eingebüßt
hatte. Krisengeheul aber war diesmal nirgendwo zu hören - aus einem einfachen Grund: Damals, im Sommer 2007, stand die
Ökonomenzunft am Beginn eines bizarren Wettlaufs um die pessimistischste Konjunkturprognose, der starke Euro galt da
geradezu als Menetekel.
Heute, zwei Jahre und eine Weltwirtschaftskrise später, ist dagegen Optimismus erste Ökonomenpflicht: Wenn derzeit überhaupt
vom Euro die Rede ist, dann dergestalt, dass sich die Gemeinschaftswährung inmitten der Turbulenzen als Bollwerk erwiesen
habe.
Seit dem Ende der Sommerpause ist praktisch kein Tag ins Land gegangen, an dem nicht irgendein Wirtschaftsforscher seine
Konjunkturprognose angehoben hätte. Die Teilnehmer dieses neuerlichen Rennens hoffen nicht zuletzt auf eine ordentliche
Schlagzeile, schließlich gehören neben den Ökonomen auch Journalisten - verhaltensbiologisch betrachtet - zu den
Herdentieren.
Nun ist ein gesunder Optimismus sicher wünschenswert. Gefährlich aber wird es, wenn aus Zuversicht eine Begeisterung wird,
die sich allein an sich selbst berauscht, und wenn Indizien, die nicht ins Bild passen, einfach vom Tisch gewischt werden.
Wer gar vom "Ende der Rezession" spricht, wie es jetzt US-Notenbankchef Ben Bernanke getan hat, verhöhnt die Menschen, denn
vielen von ihnen steht statt dem Ende der Rezession erst einmal das dicke Ende der Krise bevor: die Arbeitslosigkeit.
Zwar ist Bernankes Aussage technisch betrachtet richtig, da die Wirtschaft nicht mehr schrumpft. Was aber würde ein
Bergsteiger sagen, der in eine Felsspalte stürzt und nach langem Fall verletzt am Boden liegt: Alles in Butter?
Nach den Regeln der Mathematik ist es plausibel anzunehmen, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2010 um etwa ein bis
zwei Prozent wachsen wird. Noch aber ist das allein Folge der riesigen Konjunkturprogramme, die weltweit aufgelegt wurden.
Ob daraus ein echter Aufschwung wird, weiß niemand. Dagegen sprechen etwa die unverändert hohen Langfristzinsen, die die
Angst der Märkte vor einem Inflationsschub widerspiegeln und die die Firmen belasten.
Hinzu kommt, dass die traditionell hohe Sparquote in Deutschland zuletzt gesunken ist, weil viele Menschen - um die
Abwrackprämie mitzunehmen - ein PKW gekauft haben. Sie werden von 2010 an ihre Konten wieder auffüllen und damit den
Konsum drosseln. Und noch ein scheinbar in sich widersprüchliches Phänomen wird die Binnennachfrage belasten und die
allgemeine Stimmung trüben: Die Wirtschaft wächst - und zugleich wächst die Arbeitslosigkeit. Viele Firmen haben nämlich
bereits festgestellt, dass ihre noch aus Boom-Zeiten stammende mittelfristige Absatzplanung obsolet ist. Sie werden
entsprechend Stellen abbauen.
Auch viele der Indikatoren, die die Optimisten für sich auf der Habenseite verbuchen, eignen sich bei genauerem Hinsehen
nur bedingt als Hoffnungszeichen. Die Börsenkurse etwa steigen nicht deshalb mit wahnwitzigem Tempo, weil alle so
zuversichtlich wären, sondern weil die Händler nicht wissen, wohin mit der Flut an billigem Notenbankgeld.
Auch der Anstieg des Außenhandelsüberschusses ist weniger auf steigende Exporte als vielmehr auf sinkende Importe
zurückzuführen - ein eklatantes Schwächezeichen. Und schließlich: Selbst wenn die Wirtschaft über 2010 hinaus wachsen
sollte, wird Deutschland frühestens 2012, eher 2013, wieder das Wohlstandsniveau des Jahres 2008 erreichen. Um beim Bild
vom Bergsteiger zu bleiben: Die schwierige Bergung des Verletzten aus der Felsspalte hat gerade erst begonnen.
Kurzer Blick auf den Chart
Spekuliert man in längerfristigeren Schritten ist der gleitende Durchschnitt über 200 Tage sicherlich ein
brauchbarer Indikator. Wenn die Durchschnittslinie über die Preiskurve kommt steigt man ein und bleibt solange investiert
bis die Durchschnittslinie unter die Preiskurve kommt. Damit man nicht zu oft gefoppt wird und unsinnige Transaktionen tätigt,
arbeitet man mit einem zusätzlichen Sicherheitszuschlag von n %. Damit könnte man sich einen Ausschnitt aus einer jeweiligen
großen Welle in die eigene Kasse holen. Mit einem entsprechenden Sicherheitszuschlag wäre man also bei ca. 5200 Punkte wieder
eingestiegen. Das wäre allerdings, angesichts der weltwirtschaftlichen Lage, ein sehr hoher Einstiegspegel gewesen. Technisch
ist diese Situation durch den einmalig schnellen Absturz in 2008 und den darauf folgenden noch schnelleren Anstieg gegeben.
Sowohl den rabiaten Fall als auch den raketenstarken Wiederaufstieg haben wir dem massiven Eigenhandel und der computergesteuerten
Manipulation der Zockerbanken zu verdanken. Sowohl der computergestütze algorithmische Handel
als auch das mittels Computer durchgeführte Hochfrequenztrading berücksichtigt alte technische Erkenntnisse nicht, macht aber heute
den größten Teil des Handels aus. Obige Methoden, kombiniert mit dem menschlich gesteuerten Eigenhandel machen den weiteren
Kursverlauf absolut unberechenbar. Wir wissen nicht, wann der Hebel bei den Zockerbanken umgelegt wird und es mit
hoher Geschwindigkeit nach Süden gehen wird. Soweit wir in dieser Situation überhaupt noch in Aktien investieren wollen, müssen
wir den Zeitpunkt abwarten bis die Aktien auf Sicht von einigen Jahren wirklich "billig" sind. Man braucht einen
kombinierten Blick auf die Märkte in die das technische Geschehen, das Sentiment und die fundamentale Lage eingehen.
Man braucht Geld, Gedanken, Geduld und Glück.
Spielfelder für Aktien
Hohe Inflationsraten (längere Zeit über ca. 5 %) und auch fettere Deflationsraten (längere Zeit über ca. -3 %) waren in der
Vergangenheit immer Gift für die Aktienpreise. Ersteres würgt die Verbraucher und Letzteres erdrückt die Firmen. Erwartet man
auf Grund der Rettungsaktionen eins von beiden Szenarien, muss man nicht in Aktien investiert sein. Vergleichbare Rettungsaktionen
wie heute liefen auch in Japan. Japan hat es bis heute nicht geschafft sich zu befreien und eine langfristige Investition in
den Nikkei hat alle "schlafenden Investoren" arm gemacht. Von einem Pegel von ca. 37.000 Punkte im Jahr 1990 entwickelte er sich
bis heute auf ca. 10.000 Punkte. Er startete 1984 in der jetzigen Form bei 10.000 Punkten. Auch im DAX® kann man schon seit
über 10 Jahren mit der "Schlafmethode" kein Geld mehr verdienen. Was heute für
viele unvorstellbar ist könnte ohne weiteres auch bei uns eintreten: Der DAX entwickelt sich auf seinen Geburtspegel zurück.
Im Nikkei konnte man zwischenzeitlich, bei einem akzeptablen Timing, öfters schönes Geld verdienen. Ein derartiges Timing ist
allerdings nur im Rückblick einfach. In der Praxis wird man nur sehr selten und mit viel Glück einen optimalen Einstiegs- oder
Ausstiegszeitpunkt erwischen. Dicke Fehler wird man nicht aussitzen können. Umso wichtiger ist eine große Tolleranzschwelle.
Deshalb ist ein wirklich "billiger" Einstieg so wichtig. Man wird nicht jede größere Welle mitnehmen können.
Fundamentale Lage
Die Welt der Volkswirtschaftler ist über die aktuelle weltwirtschaftliche Lage und die weitere
Entwicklung zerstritten. Manche interpretieren schon eine langsamere Fallgeschwindigkeit als Erholung und/oder sehen die Genesung in
Werten die durch statistische Basiseffekte entstanden sind. Andere erwarten eine Konjunkturentwicklung die einem
die Treppe herunter springenden Gummiball entspricht. Nach deren Sicht würde er gerade bei der nächsten Stufe aufspringen und
hätte noch einige Stufen vor sich. Wieder andere erwarten, dass wir momentan einen Boden ausbilden und uns lange Zeit nicht
wirklich erholen werden. Betrachtet man die Daten konkreter, so gibt es partiell minimale Erholungen durch die massiven
weltweiten Konjunkturprogramme und ansonsten hat sich die Fallgeschwindigkeit nur erheblich verlangsamt. Nur so genannte
weiche Indikatoren (Stimmungen) lassen auf einen Aufschwung hoffen. Die Stimmung ist eindeutig besser als die Lage.
Oh Wunder, sogar bei uns in Deutschland. Die massive "Erholungspropaganda" durch interessierte Kreise und die durch die Zockerbanken
hochgetriebene Aktienpreise haben dazu beigetragen. So hellt sich bei uns z.B. die Stimmung der Verbraucher schon seit Anfang des Jahres
auf während gleichzeitig der Konsum erheblich zurück geht. Rechnet man die Sonderumsätze durch die Abwrackpämie heraus,
entwickelt er sich katastrophal. Dabei wird in den kommenden Monaten den Verbrauchern, bedingt durch höhere Arbeitslosigkeit und
höhere Abgaben, immer weniger Geld zur Verfügung stehen. Ob man mit guter Stimmung die notwendigen Waren geschenkt bekommen
wird?
Einen positiven Effekt haben die stark angestiegenen Aktien- und Anleihepreise. Die Risikoaversion ist erheblich
zurück gegangen. So konnten
etliche verschuldete DAX®-Unternehmen massiv Anleihen am Markt platzieren. Das hilft bei den bevorstehenden Umfinanzierungen.
Auch wollen diese Unternehmen jetzt starke Kapitalerhöhungen durchführen um ihre Verschuldung zurück zu führen. Besser wäre es
gewesen sie hätten sich in den verflossenen guten Jahren Fettpölsterchen zugelegt und hätten sich nicht wie Größenwahnsinnige
mit Übernahmen verspekuliert. Dann bräuchten sie mit den anstehenden Kapitalerhöhungen auch nicht ihre Aktienkurse zu verwässern.
Politische Risiken
Schwer zu beantworten ist die Frage ob und wann die Politik die Zockerbanken zügeln wird und die
risikoreichen Spielchen erheblich verteuern wird. Bis Ende 2011 will sie erstmal keine strengeren Eigenkapitalanforderungen
stellen. Ein Stagflation, bedingt durch explodierende Rohstoff- und Energiepreise, könnte sie schon zu einem
frühzeitigeren Handeln zwingen. Spätestens mit diesem Handeln wird die Blase 3.0, an der momentan so heftig gearbeitet
wird, platzen. Auch ein erneutes Krachen im Bankengebälk könnte zu disziplinierenden Maßnahmen (Verstaatlichung und
Abwicklung der Zockerbanken) führen.
Oft wurde in der Vergangenheit versucht große Krisen mittels Krieg zu "lösen". Als Kandidat zum
Verprügeln stünde momentan der Iran zur Verfügung. Sicherlich würde auch Russland mitspielen. Es wäre eine
einmalige Gelegenheit wieder mehr Geld für das eigene Gas und Rohöl zu bekommen.
Résumée
Einer der den glücklichen Einstieg im März geschafft hat (damals sah es nach einer üblichen Bärenmarktrallye aus)
wird den Gaul weiter reiten. Er sollte nur eine gute Ausstiegsstrategie parat haben. Einer der erst jetzt einsteigen will, kann auch richtig liegen, spielt allerdings unter einem sehr
großen Risiko. Alle anderen üben sich in großer Geduld und warten auf wirklich "billige" Einstiegskurse.
Neuer DAX®-Teilnehmer
INFINEON TECH.
ist ein Bauteilehersteller für elektronische Komponenten und Anwendungen. Seine Schwergewichte liegen in den
Bereichen Industrie, Sicherheit, Sensorik, LED's, Telekommunikation, Mobilkommunikation und Funk. Inzwischen hat sich der
Bauelementehersteller seiner Sparte Speicherchips entledigt. Dazu nachfolgende Bekanntmachung:
Am 23. Januar 2009 haben die Qimonda AG und ihre hundertprozentige Tochtergesellschaft
Qimonda Dresden GmbH & Co. oHG beim Amtsgericht in München Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.
Daraufhin wurde Qimonda von Infineon im zweiten Geschäftsquartal dekonsolidiert.