Heute Abend steht eine Umschichtung vom Lotto Depot an.
Deshalb führen wir eine neue DAX®-Bewertung durch. Seit unserer letzten Bewertung
hat sich viel getan. Trotz Terroranschlägen, explodierenden Rohölpreisen und Naturkatastropen
hat sich der DAX® wacker geschlagen und ist wesentlich besser gelaufen als viele seiner
ausländischen Konkurrenten. Die Weltkonjunktur ist weiterhin intakt, wir bekommen eine neue
Bundesregierung und der € stabilisiert sich trotz weiterer Zinserhöhungen im US-$-Raum.
Wie wird es weiter gehen? Machen wir als erstes eine Standortbestimmung.
Ausgangsdaten
Basis sind die Xetra-Schlusskurse vom 23.09.2005. Die Kurse und
das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der
Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die
berechnet wird, das aktuelle
(Basis: September 2005) der Aktien und die
sind aus der Süddeutschen Zeitung
(Schätzungen IBES - Quelle Thomson Financial/Datastream). Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe
).
D.h. eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine
Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch
der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft
und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®. Seit unserer letzten Bewertung
hat es keine Umstellung im DAX® gegeben.
Umlaufrendite
Die Tagesgeldern sind sich seit unserer letzten Bewertung
leicht gefallen. Sie liegen zwischen 2 und 2,75%.
Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihre Tagesgelder zur Konkurrenz!
Die Rendite bei Bundesschatzbriefen ist
weiter gefallen. Sie rentieren momentan mit 2,51 bis 2,75%. In den USA steigen die
Zinsen am kurzen Ende und die Inflationsängste weiter an und haben sich schon erheblich von den
Unserigen entfernt. Bei uns markiert die Umlaufrendite ein Nachkriegstief nach dem anderen.
Die Gefahr, dass durch die starken Ölpreissteigerungen Inflation importiert wird
steigt und erste merkliche Preiserhöhungen sind zwischenzeitlich spürbar. Die EZB wird bald
Gegensteuern müssen und die Zinsen werden auch bei uns anziehen. In den USA
entweicht inzwischen laut hörbar die Luft aus der Anleiheblase. Auch bei uns sollten sich
die Überlegungen eher um einen Ausstieg als um einen Einstieg in den Rentenmarkt drehen.
Datum
Insgesamt
3-5 Jahre
5-8 Jahre
8-15 Jahre
15-30 Jahre
1 € in US-$
23.09.05
2,88 %
2,44 %
2,74 %
2,97 %
3,50 %
1,208
23.03.05
3,49 %
3,00 %
3,39 %
3,66 %
4,16 %
1,298
29.12.04
3,41 %
2,88 %
3,27 %
3,57 %
4,22 %
1,359
23.09.04
3,70 %
3,10 %
3,56 %
3,89 %
4,55 %
1,226
26.05.04
3,97 %
3,29 %
3,83 %
4,25 %
4,95 %
1,211
29.12.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,248
25.09.03
3,77 %
3,08 %
3,62 %
4,00 %
4,64 %
1,149
12.06.03
3,27 %
2,47 %
2,98 %
3,48 %
4,48 %
1,177
10.04.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,077
27.12.02
3,93 %
3,26 %
3,78 %
4,17 %
4,86 %
1,041
27.09.02
4,12 %
3,57 %
4,00 %
4,30 %
4,92 %
0,980
26.07.02
4,52 %
4,07 %
4,48 %
4,70 %
5,16 %
0,985
26.06.02
4,73 %
4,34 %
4,65 %
4,87 %
5,21 %
0.980
25.01.02
4,74 %
4,37 %
4,71 %
4,90 %
5,27 %
0,865
Diese Tabelle zeigt die Umlaufrendite (Anleihen erster Bonität im €uro-Raum)
und der Stand des € im Verhältnis zum US-$ zum Stichtag an. In den USA herrschen
erheblich andere Zinsen. So rentieren z. B. AAA-Anleihen bei 3 Monaten mit 3,47,
bei 2 Jahren Jahren mit 4,02 , bei 5
Jahren mit 4,07, bei 10 Jahren mit 4,25% und bei 30 Jahren mit 4,52%.
Die regelmäßigen Leitzinserhöhungen in den USA zeigen Wirkung und mit dem
furiosen Aufstieg des €'s ist es vorbei. Momentan scheint er sich bei einem Stand
vom 1,20 US-$ zu stabilisieren. Sollten weitere Leitzinserhöhungen in den USA
anstehen, ist ein weiterer Verfall des €'s nicht ausgeschlossen. Die allerdings
wesentlich günstiger bewerteten europäischen Aktien locken weiterhin US-amerikanische
Investoren nach Europa und steuern so gegen. An den allgemeinen
fundamentalen Ursachen für den relativ niedrigen US-$ hat sich noch nichts geändert.
Die Staatsverschuldung und das US-amerikanische Leistungsbilanzdefizit haben sich bis jetzt nicht
merklich verringert. Eine Überraschung wäre also ein erneuter Verfall des US-$ nicht. Sollte die Inflation
in Europa noch stärker werden, muss die EZB die Leitzinsen auch bei uns erhöhen.
Dies könnte den € wieder erstarken lassen. Auf jeden Fall bleibt ein Urlaub in den USA
empfehlenswert und aus rein währungstechnischer Sicht spricht nichts gegen den Kauf von US-Aktien.
Die Überbewertung ist dort allerdings teilweise schon sehr stark.
Die weiter gut laufende Weltkonjunktur, technische Förderschwierigkeiten und politisch
motivierte Ängste und letzendlich die Schäden an den Ölförderanlagen und in der verarbeitenden Ölindustrie
in den USA durch die Wirbelstürme, treiben den Rohölpreis auf Basis US-$ weiter und scheinbar
unaufhörlich nach Norden. Während wir in 2004 die Steigerungen des Rohölpreises
teilweise durch den Verfall des US-$ kompensieren konnten, werden in 2005 die
weiteren Rohölpreissteigerungen durch den stärker werdenden US-$ voll wirksam. Trotzdem
schützt und der hohe € weiterhin. Bei einem Preis von z.B. 65 US-$ für ein
Fass Rohöl beträgt der Preis heute in € 53,8. Würde der € noch bei 0,83 US-$ stehen, würde
das Fass 78,31 € kosten. Der schon länger sehr hohe Ölpreis zeigt, trotz am
Boden liegender Binnenkonjunktur, inzwischen seine inflatorischen Wirkungen auch bei uns.
Wir müssen uns also langsam mit dem Gedanken an steigende Zinsen, auf kurzfristige
und mittelfristige Sicht, anfreunden. Die Probleme am Rentenmarkt klopfen an die Tür.
Das letze Mal glaubten wir, die Zinsen hätten die Talsohle durchschritten. Aber es ging weiter
runter zu immer neuen Nachkriegstiefs. Trotzdem ist die Umlaufrendite auch heute
bei dem noch extrem niedrigen Niveau. Die Wahrscheinlichkeit,
dass die Zinsen steigen werden ist deshalb höher als dass sie gleich bleiben oder sinken werden.
DAX®-Ergebnis
Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der
Januarbewertung 2002. Infineon Tech. ist wieder
in die Verluszone geraten und befleckt die ansonsten extraordinäre Entwicklung des DAX®.
Dieses Leichgewicht ist deshalb nicht im KGV(2) vertreten. Alle Berechnungen
berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.
Datum
DAX®-Stand
Dividenden- rendite
KGV(f)
KGV(1)
KGV(2)
23.09.05
4882,58
2,31 %
15,4
13,7
13,6
23.03.05
4317,20
1,91 %
15,4
13,3
13,3
29.12.04
4247,75
1,89 %
15,4
13,1
13,1
23.09.04
3905,66
2,06 %
15,4
14,9
14,9
26.05.04
3867,52
2,12 %
15,4
15,3
15,3
29.12.03
3952,72
2,02 %
15,4
16,1
16,1
25.09.03
3326,27
2,40 %
15,4
18,7
15,9
12.06.03
3219,47
2,45 %
15,4
16,8
14,8
10.04.03
2697,10
3,24 %
15,4
13,4
11,7
27.12.02
2840,00
2,93 %
15,4
10,9
9,8
27.09.02
2918,90
2,87 %
15,4
12,9
11,8
26.07.02
3579,00
2,37 %
15,4
15,6
14,1
26.06.02
4099,05
2,07 %
15,4
17,1
16,2
25.01.02
5156,33
2,02 %
15,4
21,8
19,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den
In den letzten 12 Monaten hatten wir Dividendenausfälle bei
Bayerischer HypoVereinsbank und Infineon Tech.
(Anteil am DAX®: 3,54%) zu beklagen. Die Sanierungsarbeiten in
den Firmen tragen also schon sichtbare Früchte. Die Gewinnsituation der DAX®-Teilnehmer hat
sich insgesamt erheblich gebessert. Bei vielen Unternehmen sind die Dividenden höher als im vergangenen Jahr ausgefallen und
viele Nichtzahler schütten wieder eine Dividende aus.
Die Dividendenrendite hat sich, trotz stark gestiegenen Kursen, verbessert. Sie
liegt immer noch wesentlich höher als viele Banken für die kurzfristige und mittelfristige
Geldanlage bereit sind zu zahlen. Sie sollte auf keinen Fall ignoriert werden.
Nicht nur die Kurse, nein auch die Gewinne der DAX®-Teilnehmer haben in voller Breite weiter zugelegt und
DAX® bleibt weiter
unterbewertet. Sollte es keinen weltwirtschaftlichen Einbruch geben, sind aus fundamentaler
Sicht weitere Kurssteigerungen erlaubt. Sollten die Zinsen auf dem heutigen niedrigen
Niveau verharren, ist der DAX® preiswert. Er ist immer noch wesentlich günstiger
bewertet als der S&P500. Die sauber bilanzierten Gewinne seiner
Teilnehmer sind immer noch höher als die Proformaergebnisse der Teilnehmer bei
seinem amerikanischen Konkurrenten. Trotzdem werden diese den weiteren Weg vorgeben.
Eine Unabhängigkeitserklärung wurde noch nicht unterschrieben.
Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
geniessen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von
Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
1
TUI
TUI
4,61 %
2
DTE
DT.TELEKOM
4,14 %
3
TKA
THYSSENKRUPP
3,62 %
4
DCX
DAIMLERCHRYSLER
3,57 %
5
EOA
E.ON
3,09 %
6
BAS
BASF
2,88 %
7
RWE
RWE
2,76 %
8
LHA
LUFTHANSA
2,75 %
9
DPW
DEUTSCHE POST
2,58 %
10
MEO
METRO
2,52 %
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
11
MAN
MAN
2,52 %
12
DBK
DEUTSCHE BANK
2,28 %
13
MUV2
MUENCH.RUECKVERS.
2,22 %
14
ALT
ALTANA
2,08 %
15
LIN
LINDE
2,08 %
Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie,
können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen
zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12.
"Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.
Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die
Lektüre von Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Kurs
1
LHA
LUFTHANSA
10,92
2
DTE
DT.TELEKOM
14,98
3
TKA
THYSSENKRUPP
16,56
4
TUI
TUI
16,69
5
DPW
DEUTSCHE POST
19,41
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Kurs
6
MEO
METRO
40,46
7
DCX
DAIMLERCHRYSLER
42,01
8
RWE
RWE
54,25
Rangfolge nach Gewicht
Rang
Code
Name
Gewicht
1
EOA
E.ON
9,99 %
2
SIE
SIEMENS
9,88 %
3
ALV
ALLIANZ
7,86 %
4
DTE
DT.TELEKOM
7,53 %
5
DBK
DEUTSCHE BANK
7,35 %
6
DCX
DAIMLERCHRYSLER
6,95 %
7
BAS
BASF
5,89 %
8
SAP
SAP
5,62 %
9
RWE
RWE
4,80 %
10
BAY
BAYER
4,06 %
Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute im DAX® ein Gewicht von
69,93%. Ihr Anteil hat, seit unserer Bewertung Ende März 2005, leicht abgenommen. Im gleichen Zeitraum
hat auch das Gewicht der Technologie (23,93%) abgenommen. Die großen Technologieunternehmen
laufen also weiterhin schlechter als der Markt. Die Münchener Rück hat es immer noch
nicht zurück in die Titanenliste gebracht. Es gibt immer noch zu große
Naturkatastrophen mit zu großen Schäden (Wirbelstürme in den USA). Diese führen zu Beitragserhöhungen und
dann in ruhigeren Jahren zu einer Gewinnexplosion in der Rückversicherung.
Da unser Staat klamm ist, läuft der Verkauf seines Aktienbesitzes, ohne große Rücksicht
auf die aktuellen Kurse, weiter. Inzwischen ist die Deutsche Post vollständig privatisiert
und die Deutsche Telekom wird es wahrscheinlich in 2006 sein. Beide Unternehmen liefen
deshalb in den vergangenen 12 Monaten schlechter als der Markt. Dies bleibt wahrscheinlich
auch noch das Schicksal der Deutschen Telekom für die nächsten Monate. Die Ertragssituation
von den früheren Staatsunternehmen hat sich stark verbessert. Ein KGV auf weiter
exotisch hohem Niveau hat die SAP. Man sieht daran, dass die Spekulanten sich mental
noch nicht vollständig von der alten Technologie-Blase verabschiedet haben.
Kurzer Blick auf den Chart
In den ersten 3 Monate des Jahres war der DAX® um gemütliche 1,64% gestiegen. Im jetzigen
Bewertungszeitraum legte er einen Zahn zu und stieg um 13,10%. Es könnte also ein besseres
Ergebnis als 2004 werden (+7,46%). Mehrmals hatte der DAX® in dieser Periode die Marke
von 5000 Punkten überschritten, wurde allerdings immer wieder vom steigenden Rohölpreis
zurückgepfiffen. Am Chart ist klar ersichtlich, dass der DAX® immer noch ein vergleichbares
Verhalten wie die US-Börsen hat. Deshalb wird die Entwicklung in den USA im wesentlichen
auch den Verlauf des Restjahres bestimmen. Die Weltwirtschaft ist immer noch gut
in Schuss und die Binnenkonjunktur ist alles andere als berauschend. Die Stimmung im Inland
ist stark schwankend und ohne klare Richtung. Allerdings droht der hohe Rohölpreis immer stärker
eine Gefahr für die Weltkonjunktur zu werden. Es werden die Inflations- und Zinsängste
zunehmen. Da die Stimmung an den Börsen alles andere als berauschend ist, könnten wir am
Jahresende über der Marke von 5000 Punkten stehen. Also eine typische Zeit weiter investiert
zu bleiben. Allerdings ein Neueinstieg birgt auf mittelfristige Sicht schon größere
Risiken.
Grund für diese Bewertung ist die Umschichtung des DAX®-Lotto Depots
am Samstag Abend, das sehr wahrscheinlich nur eine sehr kurze Lebenszeit haben wird (DAX®-Umstellung: Verabschiedung der HypoVereinsbank).
Wir brauchen also nicht zu hoffen, dass der Zufall uns diesmal
sinnvolle Hinweise liefern wird.