An der Börse ist eine halbe Wahrheit eine ganze Lüge
24.03.2005: DAX®-Bewertungen
Bewertung zum 23.03.2005
Am Karsamstag steht eine Umschichtung vom Lotto Depot an.
Deshalb führen wir eine neue DAX®-Bewertung durch - auch wenn sich scheinbar kaum etwas seit
unserer letzten Bewertung getan hat. Ende Januar schien die
Parole "Auf nach Norden" zu heißen. Nach einem neuen Mehrjahreshoch im März hat die Spekulantengemeinde
jedoch Angst vor diesem steilen Aufstieg bekommen und ist umgekehrt. Die Weltkonjunktur ist
weiterhin intakt. Der Rohölpreis hält sich auf einem Spitzenniveau und der € spürt
inzwischen die Zinserhöhungen im US-$-Raum. Wie wird es weiter gehen? Machen wir als
erstes eine Standortbestimmung.
Ausgangsdaten
Basis sind die Xetra-Schlusskurse vom 23.03.2005. Die Kurse und
das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der
Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die
berechnet wird, das aktuelle
(Basis: März 2005) der Aktien und die
sind aus der Süddeutschen Zeitung
(Schätzungen IBES - Quelle Thomson Financial/Datastream). Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe
).
D.h. eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine
Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch
der sogenannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft
und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®. Im Jahr 2004/2005
hat es keine Umstellung im DAX® gegeben.
Umlaufrendite
Bei den Tagesgeldern hat sich seit unserer letzten Bewertung
praktisch nichts getan. 2,75% sind erreichbar, 2,5% sind relativ einfach zu bekommen.
Zahlt Ihre Bank weniger? Wenn ja, tragen Sie Ihre Tagesgelder zur Konkurrenz!
Die Rendite bei Bundesschatzbriefen ist
weiter gefallen. Sie rentieren momentan mit 2,96 bis 3,17%. Während in den USA die Zinsen
seit einiger Zeit auf breiter Front nach Norden abgedreht sind, erlebten wir
im Februar ein Nachkriegstief. Zwischenzeitlich hat auch bei uns eine Erholung der
Umlaufrendite eingesetzt. Während in den USA die Zinsen und die Inflationsängste
weiter ansteigen, hat bis jetzt die Konsumzurückhaltung bei uns zu stabilen
Preisen geführt. Die Gefahr, dass durch die starken Ölpreissteigerungen Inflation
importiert wird ist zwischenzeitlich jedoch erheblich angewachsen. Die EZB wird dann
gegensteuern müssen und die Zinsen werden auch bei uns deutlicher anziehen. In den USA
entweicht inzwischen laut hörbar die Luft aus der Anleiheblase. Auch bei uns sollten sich
die Überlegungen eher um einen Ausstieg als um einen Einstieg in den Rentenmarkt drehen.
Datum
Insgesamt
3-5 Jahre
5-8 Jahre
8-15 Jahre
15-30 Jahre
1 € in US-$
23.03.05
3,49 %
3,00 %
3,39 %
3,66 %
4,16 %
1,298
29.12.04
3,41 %
2,88 %
3,27 %
3,57 %
4,22 %
1,359
23.09.04
3,70 %
3,10 %
3,56 %
3,89 %
4,55 %
1,226
26.05.04
3,97 %
3,29 %
3,83 %
4,25 %
4,95 %
1,211
29.12.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,248
25.09.03
3,77 %
3,08 %
3,62 %
4,00 %
4,64 %
1,149
12.06.03
3,27 %
2,47 %
2,98 %
3,48 %
4,48 %
1,177
10.04.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,077
27.12.02
3,93 %
3,26 %
3,78 %
4,17 %
4,86 %
1,041
27.09.02
4,12 %
3,57 %
4,00 %
4,30 %
4,92 %
0,980
26.07.02
4,52 %
4,07 %
4,48 %
4,70 %
5,16 %
0,985
26.06.02
4,73 %
4,34 %
4,65 %
4,87 %
5,21 %
0.980
25.01.02
4,74 %
4,37 %
4,71 %
4,90 %
5,27 %
0,865
Diese Tabelle zeigt die Umlaufrendite (Anleihen erster Bonität im €uro-Raum)
und der Stand des € im Verhältnis zum US-$ zum Stichtag an. Wie schon erwähnt,
unterscheidet sich die Zinslage in den USA zwischenzeitlich erheblich von der Unserigen.
So rentieren z. B. US-Bonds bei 2 Jahren mit 3,82, bei 5
Jahren mit 4,27, bei 10 Jahren mit 4,58% und bei 30 Jahren mit 4,85%.
Der furiose Aufstieg des €'s Ende 2004 wurde mit Jahresbeginn jäh unterbrochen.
Die Spekulationen der Analysten am Jahresende um einen kommenden Preis von 1,5 US-$ für 1 € müssen
warten oder gehen eventuell nicht auf. Die laufenden und konsequenten Erhöhungen
der Kurzfristzinsen durch die US-amerikanische Notenbank und die weiter brummende
US-amerikanische Konjunktur haben den € zur Umkehr gezwungen. An den anderen
fundamentalen Ursachen für den niedrigen US-$ hat sich noch nichts geändert.
Die Staatsverschuldung und das US-amerikanische Leistungsbilanzdefizit haben sich bis jetzt nicht
verringert. Eine Überraschung wäre also ein erneuter Verfall des US-$ nicht. Die weiter
steigenden Zinsen in den USA und der aktuell niedrige $-Preis locken natürlich viele
Europäer zum Kauf von US-Staatsanleihen. Diese Aktivitäten bremsen den Verfall des US-$. Auf jeden Fall bleibt ein Urlaub in den USA empfehlenswert und aus
rein währungstechnischer Sicht spricht nichts gegen den Kauf von US-Aktien.
Die Überbewertung ist dort allerdings teilweise schon sehr stark.
Die weiter gut laufende Weltkonjunktur, technische Förderschwierigkeiten und politisch
motivierte Ängste haben den Rohölpreis auf Basis US-$ seit Anfang 2005 weiter nach Norden getrieben.
Während wir in 2004 die Steigerungen des Rohölpreises
teilweise durch den Verfall des US-$ kompensieren konnten, werden in 2005 die
weiteren Rohölpreissteigerungen durch den stärker werdenden US-$ voll wirksam.
Es ist also auch bei uns mit einem Anziehen der Inflation zu rechnen und im
Gefolge mit dem Anziehen der Zinsen auf kurzfristiger und mittelfristiger Sicht. Die
Probleme am Rentenmarkt klopfen an die Tür.
Die Zinsentwicklung scheint die Talsohle durchschritten zu haben.
Auch bei dem heute noch extrem niedrigen Niveau ist die Wahrscheinlichkeit,
dass die Zinsen steigen werden höher als dass sie gleich bleiben oder sinken werden.
DAX®-Ergebnis
Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der
Januarbewertung 2002. Aktuell befindet sich kein DAX®-Teilnehmer in den
roten Zahlen. Alle Berechnungen
berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.
Datum
DAX®-Stand
Dividenden- rendite
KGV(f)
KGV(1)
KGV(2)
23.03.05
4317,20
1,91 %
15,4
13,3
13,3
29.12.04
4247,75
1,89 %
15,4
13,1
13,1
23.09.04
3905,66
2,06 %
15,4
14,9
14,9
26.05.04
3867,52
2,12 %
15,4
15,3
15,3
29.12.03
3952,72
2,02 %
15,4
16,1
16,1
25.09.03
3326,27
2,40 %
15,4
18,7
15,9
12.06.03
3219,47
2,45 %
15,4
16,8
14,8
10.04.03
2697,10
3,24 %
15,4
13,4
11,7
27.12.02
2840,00
2,93 %
15,4
10,9
9,8
27.09.02
2918,90
2,87 %
15,4
12,9
11,8
26.07.02
3579,00
2,37 %
15,4
15,6
14,1
26.06.02
4099,05
2,07 %
15,4
17,1
16,2
25.01.02
5156,33
2,02 %
15,4
21,8
19,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den
In den letzten 12 Monaten hatten wir Dividendenausfälle bei Commerzbank,
Deutscher Telekom, Bayerischer HypoVereinsbank, Infineon und Lufthansa
(Anteil am DAX®: 14,58%) zu beklagen. Die Sanierungsarbeiten in
den Firmen zeigen jedoch schon ihre Früchte. Die Gewinnsituation der DAX®-Teilnehmer hat
sich insgesamt erheblich gebessert. Dieses Jahr werden fast alle,
(Infineon und HypoVereinsbank wahrscheinlich nicht) eine Dividende zahlen (große Überraschungen ausgenommen).
Dabei werden bei einigen Unternehmen die Dividenden höher als im vergangenen Jahr ausfallen.
Die Dividendenrendite hat sich unwesentlich verbessert. Sie
liegt allerdings immer noch wesentlich höher als viele Banken für die kurzfristige
Geldanlage bereit sind zu zahlen. Sie sollte auf keinen Fall ignoriert werden.
Die Gewinne der DAX®-Teilnehmer haben in voller Breite weiter zugelegt und konnten
die Kuresteigerungen fast vollständig egalisieren. Der DAX® ist
immer noch unterbewertet.
Sollte es keinen wirtschaftlichen Einbruch geben, sind aus fundamentaler
Sicht weitere Kurssteigerungen erlaubt. Sollten die Zinsen auf dem heutigen niedrigen
Niveau verharren, ist der DAX® äußerst preiswert. Er ist immer noch wesentlich günstiger
bewertet als der S&P500. Die sauber bilanzierten Gewinne seiner
Teilnehmer sind immer noch höher als die Proformaergebnisse der Teilnehmer bei
seinem amerikanischen Konkurrenten. Trotzdem werden diese den weiteren Weg vorgeben.
Eine Unabhängigkeitserklärung wurde noch nicht unterschrieben.
Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
geniessen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von
Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
1
DCX
DAIMLERCHRYSLER AG NA O.N
4,42 %
2
TKA
THYSSENKRUPP AG O.N.
3,72 %
3
TUI
TUI AG O.N.
3,57 %
4
EOA
E.ON AG O.N.
3,06 %
5
VOW
VOLKSWAGEN AG ST O.N.
2,90 %
6
RWE
RWE AG ST A O.N.
2,76 %
7
BAS
BASF AG O.N.
2,53 %
8
MEO
METRO AG ST O.N.
2,46 %
9
DPW
DEUTSCHE POST AG NA O.N.
2,33 %
10
DBK
DEUTSCHE BANK AG NA O.N.
2,27 %
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
11
MAN
MAN AG ST O.N.
2,11 %
12
LIN
LINDE AG O.N.
2,11 %
13
SIE
SIEMENS AG NA
2,05 %
14
BAY
BAYER AG O.N.
1,97 %
15
SCH
SCHERING AG O.N.
1,86 %
Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie,
können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen
zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12.
"Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.
Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die
Lektüre von Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Kurs
1
TKA
THYSSENKRUPP AG O.N.
16,14
2
DPW
DEUTSCHE POST AG NA O.N.
18,91
3
TUI
TUI AG O.N.
21,58
4
DCX
DAIMLERCHRYSLER AG NA O.N
33,96
5
VOW
VOLKSWAGEN AG ST O.N.
36,25
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Kurs
6
MEO
METRO AG ST O.N.
41,45
7
RWE
RWE AG ST A O.N.
45,25
8
BAS
BASF AG O.N.
55,34
Rangfolge nach Gewicht
Rang
Code
Name
Gewicht
1
SIE
SIEMENS AG NA
10,89 %
2
EOA
E.ON AG O.N.
9,68 %
3
DTE
DT.TELEKOM AG NA
8,55 %
4
DBK
DEUTSCHE BANK AG NA O.N.
7,71 %
5
ALV
ALLIANZ AG O.N.
7,27 %
6
BAS
BASF AG O.N.
6,42 %
7
DCX
DAIMLERCHRYSLER AG NA O.N
6,07 %
8
SAP
SAP AG ST O.N.
5,30 %
9
RWE
RWE AG ST A O.N.
4,51 %
10
BAY
BAYER AG O.N.
3,97 %
Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute im DAX® ein Gewicht von
70,36%. Ihr Anteil hat, seit unserer Bewertung Ende Dezember 2004, abgenommen. Im gleichen Zeitraum
hat auch das Gewicht der Technologie (25,7%) abgenommen. Die großen Technologieunternehmen
laufen also weiterhin schlechter als der Markt. Die Münchener Rück hat es immer noch
nicht zurück in die Titanenliste gebracht. Es gibt immer noch zu große
Naturkatastrophen. Diese führen zu Beitragserhöhungen und
dann in ruhigeren Jahren zu einer Gewinnexplosion in der Rückversicherung.
Da unser Staat klamm ist, läuft der Verkauf seines Aktienbesitzes, ohne große Rücksicht
auf die aktuellen Kurse, weiter. Damit steigt der Anteil der frei handelbaren Aktien
der Deutschen Telekom und der Deutschen Post kontinuierlich an und verhindert
eine bessere Kursentwicklung bei diesen Unternehmen. Sie laufen immer noch schlechter
als der Markt. Die Deutsche Telekom hat nach SAP immer noch das größte KGV
und ist unter Berücksichtigung aller Aktien die deutsche Firma mit der
größten Marktkapitalisierung. Man sieht daran, dass die Spekulanten sich mental
noch nicht vollständig von der alten TMT-Blase (Technologie, Medien und Telekommunikation) verabschiedet haben.
Kurzer Blick auf den Chart
In der Bewertung zum 29.12.2004 hatten wir für den DAX®
eine 12-Monatsrendite von 7,46% festgestellt. Seit dem ist er um weitere 1,64% gestiegen.
Aufs Jahr hochgerechnet würden das fast 7% ausmachen, also eine ähnliche Größenordnung wie im Vorjahr.
Er schleicht also klammheimlich weiter mit einer Rendite, die im
langjährigen Mittel liegt, unter einer historisch niedrigen Volatilität,
nach Norden. Keine berauschende Performance, allerdings auch kein Grund zum Jammern.
Der schleichende Anstieg verhindert eine große Euphorie. Damit bleiben viele
Anleger am Seitenaus und werden immer nervöser. Eine gute Voraussetzung um plötzlich
einen größeren Schritt nach Norden zu tun. Die Weltwirtschaft ist immer noch gut
in Schuss und die Binnenkonjunktur ist alles andere als berauschend. Die Stimmung im Inland
ist stark schwankend und ohne klare Richtung. Die US-Börsen bestimmen im wesentlichen den
Gang des DAX®. Noch sieht die wirtschaftliche Entwicklung in den USA positiv aus. Es keinem
allerdings wegen drohender Inflationsgefahr Zinsängste. Wenn keine bösartigen Ereignisse
eintreten kann es also noch einige Zeit gemächlich nach Norden gehen. Erst im Sommer
wäre entsprechend den Erkenntnissen mit dem US-Präsidentenwahlzyklus
mit einer Abkühlung zu rechnen (Nachwahljahr).
Grund für diese Bewertung ist die Umschichtung des DAX®-Lotto-Depots
am Samstag Abend. Eventuell ist der Zufall in der Lage uns allen
einen klaren Hinweis über die zukünftige Entwicklung zu liefern. Oft ist allerdings die Strategie von Lotto
erst im nachhinein zu durchschauen.