Der Wert des Geldes ist der Pulsschlag des Staates
23.03.2010: DAX®-Bewertungen
Bewertung zum 19.03.2010
Kauft Gold, kauft Immobilien, denn das Ende des Geldes ist nah. Es wird sich in einer
Hyperinflation auflösen. So schallt es immer lauter aus den Medien. Die Angst vor der Inflation wird
angeheizt. Nur mit Angst kann man so richtig tolle Geschäfte machen. So kriegt man auch noch den letzten
nutzlosen Klumpen Gold an die Frau und die letzte überteuerte Schrottimmobilie an den Mann.
Dabei ist in Westeuropa nur eines sicher: Die Bevölkerung nimmt ab und es werden immer mehr
Immobilien leer stehen. Gold wird industriell nur wenig gebraucht und essen kann man es auch nicht. Sollte wirklich
das Geldsystem zusammenbrechen und das Geld "wertlos" werden, wird nichts mehr funktionieren. Man braucht dann
weder Gold noch überflüssige Immobilien, man braucht dann etwas zu essen und Waffen um sein Essen zu verteidigen.
baer45 empfiehlt flüssige Fertignahrung in Dosen, da die Wasserversorgung dann auch nicht mehr gesichert ist.
Mit dem Papiergeld kann man die Konserven einfach und schnell erwärmen.
Wir stecken in einer tiefen Bilanzrezession. Nach den Firmen und Konsumenten sind jetzt die Staaten
dabei sich zu stark zu verschulden. Bei einer derartigen Fehlentwicklung kommt man irgendwann an der Schuldenbremse nicht mehr
vorbei (Griechenland lässt grüßen). Mit der momentan explosiven Neuverschuldung der Staaten gewinnen wir nur etwas Zeit,
nutzen sie aber nicht. Die Regulierung des Finanzcasinos macht keine Fortschritte und die über Verschuldung
aufgebauten Fehlstrukturen und Ungleichgewichte werden mittels staatlichen Konjunkturprogrammen am Leben gehalten.
Es herrscht allenthalben die Illusion, man könnte wieder an den Zustand von vor der Krise anknüpfen und wie
gehabt weiter machen. Dabei marschieren wir mit großen Schritten auf eine Deflation zu und müssen beten,
dass wir nicht in einer heftigen Depression landen werden.
Seit letzter Bewertung von Ende 2009
hat der DAX®, nach einem kurzen Ausflug ins Untergeschoss, nur minimal um 0,35 % zugelegt. Es gelten im wesentlichen
noch die Aussagen aus der vorherigen Bewertung. Deshalb wird diese Bewertung nur als "kompakte" Bewertung durchgeführt.
Die Stimmung ist sehr gut. Der Bull/Bear-Index strebt resolut nach Norden. 53 % Bullen stehen 27 % Bären
gegenüber (Quelle: Cognitrend). Aktien- und Rohstoffpreise
gaukeln uns eine Welt und eine Zukunft vor, die nicht ansatzweise der aktuellen Lage und den zukünftigen Möglichkeiten
entspricht. Ursache ist das billige Geld. Diese Phase wird, angesichts der desolaten Lage, noch längere Zeit
andauern. Spätestens mit ihrem Ende steht die Ausnüchterung an.
Ausgangsdaten
Basis sind die Xetra®- Schlusskurse vom 19.03.2010. Die Kurse und
das jeweilige Gewicht einer Aktie im DAX® sind von der
Deutschen Börse. Die Dividenden mit denen die
berechnet wird und das aktuelle
(Basis: Aktuelle Schätzungen von I/B/E/S) der Aktien
sind aus der Süddeutschen Zeitung.
Die Zahlen zur
sind von der Deutschen Bundesbank.
Die DAX®-Bewertung wird gewichtet ausgeführt ( siehe
).
D.h., eine Aktie mit sehr großer Marktkapitalisierung geht stärker in das Ergebnis ein als eine
Aktie mit einer weit geringeren Marktkapitalisierung. Seit dem 24.06.2002 wird dabei nur noch
der so genannte frei handelbare Anteil berücksichtigt. Dieser Anteil wird regelmäßig überprüft
und verändert damit ebenso wie der Kurs das Gewicht der Aktie im DAX®.
Weitere
Regeländerungen
bezüglich Gewichtung und frei handelbarem Anteil gab es im Oktober und November 2008.
Code
Name
ISIN
Kurs
Dividende
KGV
Gewicht
1
ADS
ADIDAS AG O.N.
DE0005003404
39,100
0,50
16
1,53 %
2
ALV
ALLIANZ SE VNA O.N.
DE0008404005
88,930
3,50
8
7,52 %
3
BAS
BASF SE O.N.
DE0005151005
44,300
1,95
14
7,62 %
4
BAYN
BAYER AG NA
DE000BAY0017
50,580
1,40
13
7,83 %
5
BMW
BAY.MOTOREN WERKE AG ST
DE0005190003
32,060
0,30
20
1,93 %
6
BEI
BEIERSDORF AG O.N.
DE0005200000
44,115
0,7+0,2
22
0,82 %
7
CBK
COMMERZBANK AG O.N.
DE0008032004
6,331
0,00
--
0,88 %
8
DAI
DAIMLER AG NA O.N.
DE0007100000
34,375
0,60
22
5,50 %
9
DBK
DEUTSCHE BANK AG NA O.N.
DE0005140008
54,010
0,50
9
6,26 %
10
DB1
DEUTSCHE BOERSE NA O.N.
DE0005810055
52,860
2,10
13
1,84 %
11
LHA
LUFTHANSA AG VNA O.N.
DE0008232125
12,285
0,70
307
1,05 %
12
DPW
DEUTSCHE POST AG NA O.N.
DE0005552004
13,005
0,60
12
2,05 %
13
DTE
DT.TELEKOM AG NA
DE0005557508
9,890
0,78
14
5,51 %
14
EOAN
E.ON AG NA
DE000ENAG999
26,290
1,50
9
9,04 %
15
FME
FRESEN.MED.CARE KGAA ST
DE0005785802
40,075
0,58
12
1,41 %
16
FRE3
FRESENIUS SE VZ O.ST O.N.
DE0005785638
54,660
0,71
15
0,83 %
17
HEN3
HENKEL AG+CO.KGAA VZO
DE0006048432
38,100
0,53
17
1,27 %
25
IFX
INFINEON TECH.AG NA O.N.
DE0006231004
4,444
0,00
25
0,90 %
19
SDF
K+S AG O.N.
DE0007162000
44,825
2,40
22
1,20 %
20
LIN
LINDE AG O.N.
DE0006483001
88,170
1,80
16
2,78 %
21
MAN
MAN SE ST O.N.
DE0005937007
59,260
2,00
21
1,10 %
22
MRK
MERCK KGAA O.N.
DE0006599905
60,240
1,50
12
0,73 %
23
MEO
METRO AG ST O.N.
DE0007257503
41,990
1,18
14
1,00 %
24
MUV2
MUENCH.RUECKVERS.VNA O.N.
DE0008430026
116,600
5,50
9
4,26 %
25
RWE
RWE AG ST O.N.
DE0007037129
64,010
4,50
9
4,99 %
26
SZG
SALZGITTER AG O.N.
DE0006202005
67,140
1,40
19
0,48 %
27
SAP
SAP AG O.N.
DE0007164600
34,400
0,50
17
5,52 %
28
SIE
SIEMENS AG NA
DE0007236101
71,280
1,60
16
11,15 %
29
TKA
THYSSENKRUPP AG O.N.
DE0007500001
25,095
0,30
32
1,59 %
30
VOW3
VOLKSWAGEN AG VZO O.N.
DE0007664039
72,160
1,99
18
1,42 %
BEIERSDORF leistete neben der Dividendenzahlung auch noch eine Sonderzahlung. Rote Aktiengesellschaften schreiben Verluste!
Im Februar stellte die DEUTSCHE BÖRSE die börsentägliche allgemein zugängliche Veröffentlichung der Gewichte der
DAX®-Teilnehmer ein. Allgemein verfügbar sind diese Daten jetzt nur noch von den sogenannten Verkettungstagen.
Diese sind der jeweils dritte Freitag im letzten Monat eines Quartals. Die Bewertungen finden also zukünftig immer
nur auf Basis dieser Daten statt. Veröffentlicht werden diese Daten immer an dem, dem Verkettungstag folgenden Börsentag.
Im Laufe des ersten Quartals 2010 wurde der DAX® nicht umgestellt.
Umlaufrendite
Nach dem Märztief 2009 bei den Aktien gab es offensichtlich "Umschichtungen" von Staatsanleihen zu
Aktien und die Umlaufrendite erholte sich etwas. Seit dem Beginn des Sommers letzten Jahres sinkt die
Umlaufrendite, trotz hohen Neuemissionen an Staatsanleihen des Bundes, kontinuierlich vor sich hin. Langsam schwindet
die Hoffnung in einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung und die Befürchtungen vor weiteren Schwierigkeiten
in der Bankenlandschaft steigen wieder an. Die US-Immobilienkrise ist alles andere als verdaut. Man hat sie durch
neue Bewertungsmethoden in den Bilanzen teilweise zugedeckt. So kann ein Teil der Schrottpapiere zum Nominalwert
in die Bilanz. Dann droht auf dem Gewerbeimmobiliensektor Unbill. Die Schifffahrt liegt am Boden und die steigende
Anzahl an Firmen- und Privatpleiten stärkt auch nicht die Finanzbranche.
Das Geld gibt es weiterhin sehr billig bei den Zentralbanken. Deshalb versuchen sich die Banken immer
noch mit dem Zinsunterschied zwischen länger laufenden Staatsanleihen und kurzfristigen Ausleihungen bei den
Zentralbanken zu sanieren. Es wäre ein gefährliches Spiel, wenn überraschend die Zinsen ansteigen würden. Damit rechnen
aber weder die Banken noch die Staaten. Auch dieses Jahr steht eine massive Erhöhung der Neuverschuldung an. Die will
der Staat billig am Markt platzieren. Also weder die Staaten noch die Finanzbranche rechnen mit einem
baldigen Anziehen der Inflation. Wie sollten die Preise für die Konsumenten auch stark zulegen können wenn diesen
immer weniger Geld zum Konsumieren verbleibt? Über das billige Geld der Notenbanken gelingt es momentan nur die
Rohstoff-, Energie-, Anleihe-, Aktien- und in manchen Gegenden Deutschlands die Immobilienpreise in die Höhe zu
treiben. Dadurch bleibt dem Konsumenten und den Firmen für andere Ausgaben noch weniger Geld. Die Politik der
Notenbanken verschärft also die deflationären Tendenzen. Sollten wir in eine längere Deflationsphase erleben, werden die
nominalen Renditen noch weiter sinken. Man sollte allerdings die realen Renditen berücksichtigen. Dabei ist zu der
nominalen Rendite der steuerfreie Preisverfall hinzu zu addieren.
Keiner kann in die Zukunft schauen und es herrscht immer noch eine große Auseinandersetzung ob wir
demnächst eine Deflation oder Inflation zu erwarten haben. Wenn man mit Inflation rechnet, auch erst in wenigen Jahren,
sollte man die Finger von Staatsanleihen mit langen Restlaufzeiten lassen. Die
Kursverluste
könnten erheblich sein.
Seit dem Mai 2009 hat die EZB keine Veränderung der Leitzinsen mehr vorgenommen. Sie verharren auf
einem historischem Tief. Der Leitzins (Mindestbietungssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte des €urosystems)
beträgt 1 % (die Spitzenrefinanzierungsfazilität 1,75 % und die Einlagefazilität 0,25 %). Auch in den USA
verharrt der Leitzins in einem Bereich von 0 bis 0,25% und soll nach Aussage der amerikanischen Notenbank
noch sehr lange so tief bleiben. Das "Quantitative Easing" (Aufkauf von hypothekengesicherten Schrottpapieren
und Staatsanleihen) will die US-Notenbank in diesem Monat beenden. Ob sie das bei den bevorstehenden
einmalig großen Neuemissionen von Staatsanleihen wird durchstehen können? Es darf bezweifelt werden. Viele deutsche Konzerne haben
sich mit Neuemissionen von Firmenanleihen mit Geld vollgesogen und hoffen so die Krise zu überstehen. Diese Rechnung
geht nur auf, wenn die Krise nicht zu lange andauert. Ansonsten kann diese zusätzliche Verschuldung Selbstmord bedeuten.
Die Verbraucher schränken sich weiter beim Konsum ein (sparen) und meiden den Aktienmarkt. Viele verlassen ihn sogar.
Auch das führt zu einer weiteren Verschlechterung der Konditionen für Einlagen bei den Banken. Tagesgeldzinsen liegen
heute meistens unter 1%. Bei Direktbanken gibt es etwas mehr. Festgelder in einem 6-Monatsbereich
erreichen sehr selten 1,5 %. Tendenz weiter sinkend. Der Finanzminister profitiert stark von der Krise.
Die Rendite seiner Tagesgeldanleihe ist
weiter gesunken und zahlt aktuell bei absoluter Sicherheit 0,18 %. Auch die Renditen bei
Bundesschatzbriefen sind wieder gesunken. Sie betragen momentan beim
Typ A (6 Jahre) 2,16 % und beim Typ B (7 Jahre) 2,45 %.
Umlaufrenditen und €/US-$ Diese Tabelle dokumentiert die Entwicklung seit unserer ersten Bewertung
bezüglich Umlaufrendite (Anleihen erster Bonität im €uro-Raum) und dem Verhältnis des € zum US-$ zum jeweiligen Bewertungsstichtag.
Datum
Insgesamt
3-5 Jahre
5-8 Jahre
8-15 Jahre
15-30 Jahre
1 € in US-$
19.03.10
2,75 %
1,78 %
2,54 %
3,08 %
3,87 %
1,353
30.12.09
3,02 %
2,09 %
2,78 %
3,31 %
4,12 %
1,433
25.09.09
2,99 %
2,12 %
2,76 %
3,27 %
4,06 %
1,470
27.03.09
2,93 %
2,08 %
2,67 %
3,13 %
4,15 %
1,326
30.12.08
2,86 %
2,26 %
2,60 %
2,91 %
3,73 %
1,407
26.09.08
4,24 %
3,94 %
4,09 %
4,18 %
4,80 %
1,458
20.06.08
4,74 %
4,75 %
4,72 %
4,66 %
4,81 %
1,563
28.12.07
4,34 %
4,16 %
4,24 %
4,34 %
4,66 %
1,472
22.06.07
4,64 %
4,55 %
4,61 %
4,62 %
4,81 %
1,346
30.03.07
4,08 %
4,01 %
4,02 %
4,03 %
4,24 %
1,336
29.12.06
3,96 %
3,91 %
3,93 %
3,94 %
4,09 %
1,320
22.09.06
3,69 %
3,58 %
3,63 %
3,68 %
3,92 %
1,278
23.06.06
3,97 %
3,73 %
3,90 %
4,01 %
4,34 %
1,251
30.12.05
3,22 %
3,00 %
3,14 %
3,25 %
3,57 %
1,183
23.09.05
2,88 %
2,44 %
2,74 %
2,97 %
3,50 %
1,208
23.03.05
3,49 %
3,00 %
3,39 %
3,66 %
4,16 %
1,298
29.12.04
3,41 %
2,88 %
3,27 %
3,57 %
4,22 %
1,359
23.09.04
3,70 %
3,10 %
3,56 %
3,89 %
4,55 %
1,226
26.05.04
3,97 %
3,29 %
3,83 %
4,25 %
4,95 %
1,211
29.12.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,248
25.09.03
3,77 %
3,08 %
3,62 %
4,00 %
4,64 %
1,149
12.06.03
3,27 %
2,47 %
2,98 %
3,48 %
4,48 %
1,177
10.04.03
3,94 %
3,30 %
3,86 %
4,20 %
4,87 %
1,077
27.12.02
3,93 %
3,26 %
3,78 %
4,17 %
4,86 %
1,041
27.09.02
4,12 %
3,57 %
4,00 %
4,30 %
4,92 %
0,980
26.07.02
4,52 %
4,07 %
4,48 %
4,70 %
5,16 %
0,985
26.06.02
4,73 %
4,34 %
4,65 %
4,87 %
5,21 %
0.980
25.01.02
4,74 %
4,37 %
4,71 %
4,90 %
5,27 %
0,865
Auch in den USA liegen die Renditen am Boden und sind zum Teil weiter gesunken. Momentan erhält man dort für
Tagesgelder 0,18 %. US-Staatsanleihen (Treasury Note) rentieren bei 2 Jahren mit 0,99 %, bei 5 Jahren mit 2,46 %, bei 10 Jahren
mit 3,69 % und bei 30 Jahren mit 4,58 %. Die Renditen liegen im mittleren und längeren Anlagezeitraum trotz den massiven
Eingriffen der US-Notenbank etwas höher als in Deutschland. Eine ganz andere Welt ist Japan - ein nicht unwahrscheinliches
Szenario für die westliche Welt. Die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen beträgt 1,1 %.
€uro/US-$
Mit einem Einbruch bei den Energiepreisen im Dezember 2009 setzte eine deutliche Erholung des US-$ ein.
Über die Jahreswende kam es zu einer leichten Erholung. Im Januar begann dann ein größerer Rückzug des US-$ aus Europa im Zusammenhang mit dem Aktienpreisverfall
(Currency Carry Trade).
Billige US-$ und billige Yen verließen die Eurozone und schwächten damit den Euro. Ein absolut natürliches Marktverhalten, das bei einem weit
stärkeren Verfall der Aktien- und Rohstoffpreise (Deleverage: Abbau der Schulden mit denen die Spekulationsgeschäfte finanziert wurden)
den Europreis in US-$ bis temporär unter die Parität treiben könnte. Gleichzeitig setze
eine große angelsächsische Propagandaoffensive ein, die diesen "Euroverfall" der großen Staatsverschuldung einiger Euroländer
zubuchte. Dabei gibt es Staaten in den USA, die in einem schlimmeren Zustand als Griechenland sind und für Großbritannien sieht es
zappenduster aus. Man könnte Unterstellen, die Propaganda, die unter dem Motto lief "Haltet den Dieb", sollte primär von den
Problemen in Großbritannien ablenken. Das führte zu einer verstärkten Devisenspekulation gegen den Euro. So konnte dieser
die Aufwärtsentwicklung der Aktien nicht mehr mitmachen. Trotz allem ist der Euro im Verhältnis zum US-$ immer noch
überbewertet. Ein Preisvergleich der Güter und Dienstleistungen würde eher einen Preis für einen Euro von 1,15 bis 1,25 US-$ rechtfertigen.
Das Thema Staatsverschuldung ist jetzt auf jeden Fall auf dem Tisch und wird diesen sobald nicht mehr verlassen.
Es ist damit fraglich, ob die Angelsachsen sich selbst damit einen guten Dienst erwiesen haben. Der Euro wird auf jeden Fall nicht an einer
temporären Zahlungsunfähigkeit Griechenlands zerbrechen. Die Staaten werden aber in voller Breite ihre Neuverschuldungen zügeln
müssen. So wird man auch bei uns in 2011 primär Steuer-, Abgabenerhöhungen und Streichungen in den sozialen Leistungen erleben.
Die Staaten werden sukzessive in eine deflationäre Politik rutschen, nicht nur die Griechen. Sie sind uns nur geringfügig voraus.
Auch Großbritannien und die USA werden spätestens dann ihre Geldpolitik zügeln müssen. Ansonsten müssten sie dann noch mehr
Staatsanleihen durch ihre Notenbanken aufkaufen lassen. Es könnte sein, dass das vermeintliche Licht am Horizont nicht das Ende der
Wirtschaftskrise sondern das Ende des "leichten Geldes" ankündigt.
Eventuell wollen die USA, Japan und Großbritannien die Welt einem neuen Experiment aussetzen:
Wie lange kann man unbestraft das Gelddrucken fortsetzen bis uns alles um die Ohren fliegt? Auch in China ist der
totale Irrsinn ausgebrochen. Es werden Geisterstädte gebaut und Brücken ins "Nirgendwo" damit die Beschäftigung nicht zu stark
abnimmt. Auch müssen Staatsfirmen dort PKW's und Laster kaufen die sie gar nicht benötigen. Diese rosten jetzt auf dem Hof
vor sich hin. Nur an die Ursachen wagt sich keiner ran. Die über Jahrzehnte angehäufte Verschuldung und die damit einhergehenden
Ungleichgewichte im Handel und Fehlentwicklungen in den wirtschaftlichen Strukturen sind einfach zu groß für unsere kleinen Politiker.
Wenn Wirtschaften so einfach wäre, dass es reicht fleißig Geld zu Drucken und Unsinniges zu produzieren, fragt man
sich, wieso es jemals Wirtschaftskrisen mit einem einhergehendem großen Elend gab?
Leichtes Rohöl (WTI)
Noch immer ist der Verbrauch von Rohstoffen und Energie nicht angestiegen. Trotzdem verharrt der Preis seit Monaten im
Bereich von 80 $ je Fass Rohöl. Inzwischen hat man festgestellt, dass die Statistik bezüglich den US-Ölvorräten schon längere Zeit
nicht stimmt und sie einen zu großen Verbrauch vorgespielt hat. Es kommt also nicht auf den richtigen Verbrauch an. Gelten tun nur
sinnloses Zahlenwerk und das billige Geld in der Hand der Großbanken und ihrer Hedgefonds. Für alle möglichen Rohstoffe gehen inzwischen
die Zwischenlagerkapazitäten aus und vor den Häfen liegen die Tanker als Spekulationslager vor Anker. Es wäre eine gute Hilfe für
den Schiffsbau weitere Tanker zu bauen um damit die Spekulationslager noch größer werden zu lassen. Die Verbraucher werden wohl zweimal zahlen müssen.
Jetzt über die erhöhten Preise und später wenn die Blase platzt über die Steuer um die Banken zu stützen.
Unsere Politik ist offensichtlich unfähig und schaut dem Spiel weiter zu und die
überflüssigen Zentralbanken
liefern den Treibstoff zum Abzocken der realen Welt.
DAX®-Ergebnis
Die Tabelle zeigt die Entwicklung vom DAX® seit der
Januarbewertung 2002. Nach den aktuellen Schätzungen schreibt nur COMMERZBANK mit einem Gewicht von 0,88 % im DAX®
Verluste. Deshalb sind KGV(1) und KGV(2) unterschiedlich. Alle Berechnungen
berücksichtigen das jeweilige Gewicht der Aktien im DAX®.
Datum
DAX®-Stand
Dividenden- rendite
KGV(f)
KGV(1)
KGV(2)
19.03.10
5978,22
3,56 %
15,4
12,7
12,6
30.12.09
5957,43
3,64 %
15,4
13,2
13,1
25.09.09
5581,41
3,89 %
15,4
15,0
12,9
27.03.09
4203,55
6,51 %
15,4
9,1
9,1
30.12.08
4810,20
5,56 %
15,4
8,2
8,2
26.09.08
6063,50
4,28 %
15,4
10,7
10,6
20.06.08
6578,44
3,89 %
15,4
10,9
10,8
28.12.07
8067,32
2,50 %
15,4
12,8
12,8
22.06.07
7949,63
2,53 %
15,4
15,0
15,0
30.03.07
6917,03
2,64 %
15,4
13,3
13,3
29.12.06
6596,92
2,72 %
15,4
14,8
14,7
22.09.06
5883,32
3,03 %
15,4
13,2
13,0
23.06.06
5529,74
3,28 %
15,4
12,5
12,4
30.12.05
5408,26
2,13 %
15,4
12,9
12,9
23.09.05
4882,58
2,31 %
15,4
13,7
13,6
23.03.05
4317,20
1,91 %
15,4
13,3
13,3
29.12.04
4247,75
1,89 %
15,4
13,1
13,1
23.09.04
3905,66
2,06 %
15,4
14,9
14,9
26.05.04
3867,52
2,12 %
15,4
15,3
15,3
29.12.03
3952,72
2,02 %
15,4
16,1
16,1
25.09.03
3326,27
2,40 %
15,4
18,7
15,9
12.06.03
3219,47
2,45 %
15,4
16,8
14,8
10.04.03
2697,10
3,24 %
15,4
13,4
11,7
27.12.02
2840,00
2,93 %
15,4
10,9
9,8
27.09.02
2918,90
2,87 %
15,4
12,9
11,8
26.07.02
3579,00
2,37 %
15,4
15,6
14,1
26.06.02
4099,05
2,07 %
15,4
17,1
16,2
25.01.02
5156,33
2,02 %
15,4
21,8
19,6
Erläuterungen zur Tabelle finden Sie in den
Letztes Jahr zahlten nur COMMERZBANK und INFINEON TECH. keine Dividende (Anteil am DAX® 1,78 %) und
werden es dieses Jahr sehr wahrscheinlich auch wieder nicht tun. BEIERSDORF leistete eine Sonderzahlung (sie wird bei der Berechnung der
Index-Dividendenrendite berücksichtigt und fällt bei der Kandidatenaufstellung für die Dividendenstrategien unter den Tisch).
Dieses Jahr zahlten bisher nur SIEMENS und THYSSENKRUPP Dividenden. Die Dividendenzahlung von SIEMENS war unverändert, die von
THYSSENKRUPP stark reduziert. Etliche weitere Firmen haben Dividendenkürzungen angekündigt. Bei gleichbleibendem Punktestand im
DAX® ist also mit einer weiteren Reduzierung der Dividendenrendite zu rechnen. Die I/B/E/S- Schätzungen zur Gewinnentwicklung
haben sich bei einigen Schwergewichten leicht verbessert und bei weniger stark gewichteten Teilnehmern zum Teil verschlechtert.
Alles in allem führen die geänderten Erwartungen, trotz leichten Kursgewinnen, zu einem geringfügig verbesserten KGV. Der DAX®
hat seit Ende letzten Jahres um 0,35 % zulegt, in einem Maße das geringer als oft die täglichen Schwankungen sind.
Während im Herbst 2009 noch die Mehrzahl der Volkswirte mit einer deutlichen wirtschaftlichen Erholung in 2010
gerechnet hat, hat sich der Blick inzwischen eingetrübt. Es wird nur noch mit einem sehr geringen Wachstum respektive mit
einem erneuten Eintauchen in die Rezession gerechnet. Wie erwartet ziehen inzwischen dunkle Wolken am Horizont der
PKW-Konjunktur auf. Die wegen der Abwrackprämie vorgezogenen Käufe fangen an sich auszuwirken. Die Finanzbranche hat das
rettende Ufer noch nicht erreicht und schon kündigen sich im Bereich Gewerbeimmobilien und Staatsanleihen neue Risiken an.
Auch die Notenbanken sehen noch keine Ansätze für eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft und wollen deshalb den Leitzins
noch sehr lange sehr tief lassen. Der Handel an den Börsen geht weiter zurück. Das angeblich "dumme" Geld (Privatanleger) ist
nicht bereit sich erneut in Aktien zu engagieren. Im Gegenteil, immer mehr verlassen diese Anlageklasse. Inzwischen bestimmt
der Eigenhandel der Banken über 80 % des Börsenumsatzes. Da diese Sonderbedingungen bei den Transaktionsgebühren haben, geht der
Gewinn der DEUTSCHEN BÖRSE laufend zurück. Das KGV des DAX® liegt mit ca. 13 scheinbar im "fairen" Bereich. Berücksichtigt
man die geänderten Bilanzierungsregeln für die Finanzbranche (Gewicht von 20,76 % im DAX®) müsste man es eher im Bereich
von über 15 ansiedeln. Er hat also schon eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung voll voraus genommen. Ein Einstieg zum
jetzigen Zeitpunkt ist alles andere als günstig. Trotzdem hoffen die Banken ihr eingesammeltes Papier noch an den Mann zu
bringen. Wenn ihnen das nicht gelingen sollte, sieht es nach einem nicht unwahrscheinlichem erneuten Absturz finster aus und
einige werden wieder als Bittsteller beim Steuerzahler antreten.
DAX®-Verlauf
Anfang des Jahres stellte der US-Präsident Obama sich hinter den Regulierungsplan seines Beraters Paul Volcker, der
in den 80-zigern als Vorsitzender der amerikanischen Notenbank die damalige Inflation erfolgreich bekämpft hatte. Der Plan sah
den Verbot vieler neuerer Finanzprodukte, den Verbot des Eigenhandels und die Zerschlagung der Großbanken vor. Damit war ein Ende
dieser künstlichen Hausse in Sicht und viele flüchteten aus Aktien und Rohstoffen. Nach relativ kurzer Zeit konnte man an den
Aktivitäten im Kongress sehen, dass es die US-Administration nicht ganz so ernst meinte und es eher auf Scheinregulierungen hinaus laufen
würde. Schnell kehrte man zum üblichen Verhalten zurück und die Korrektur war schnell ausgebügelt. Nur die Börsenumsätze sind
noch stärker zurückgegangen. Wenn es so weiter geht, wird in absehbarer Zeit die Finanzbranche unter sich sein. Da an der Börse aber
die Mehrheit zu den Verlierern zählt, kann man sich vorstellen was auf uns zu kommt. Auch wenn die Politik sich heute noch nicht
an die Ausmistung des Finanzcasinos wagt, wird sie irgendwann gezwungen werden es doch zu tun, das zu tun was sie von Anfang
an hätte tun sollen: Die Banken abzuwickeln und sie dann auf ihr ursprüngliches Geschäftsfeld zu reduzieren und dem
Derivatewahnsinn ein Ende zu bereiten.
Rangfolge - Dividendenstrategie (Burr/Graham)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die Lektüre von
Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
1
DTE
DT.TELEKOM AG NA
7,89 %
2
RWE
RWE AG ST O.N.
7,03 %
3
EOAN
E.ON AG NA
5,71 %
4
LHA
LUFTHANSA AG VNA O.N.
5,70 %
5
SDF
K+S AG O.N.
5,35 %
6
MUV2
MUENCH.RUECKVERS.VNA O.N.
4,72 %
7
DPW
DEUTSCHE POST AG NA O.N.
4,61 %
8
BAS
BASF SE O.N.
4,40 %
9
DB1
DEUTSCHE BOERSE NA O.N.
3,97 %
10
ALV
ALLIANZ SE VNA O.N.
3,94 %
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Dividendenrendite
11
MAN
MAN SE ST O.N.
3,37 %
12
MEO
METRO AG ST O.N.
2,81 %
13
BAYN
BAYER AG NA
2,77 %
14
VOW3
VOLKSWAGEN AG VZO O.N.
2,76 %
15
MRK
MERCK KGAA O.N.
2,49 %
Anleger in andere Varianten der Dividendenstrategie,
können sich diese sehr einfach aus obigen Tabellen
zusammenstellen. "Top 12" entspricht Rang 1 bis 12.
"Top 5" entspricht Rang 1 bis 5.
Rangfolge - Dogs of the ... - Low Five (O'Higgins)
Die Kandidaten:
Man sollte nachfolgende Tabelle mit genügender Vorsicht
genießen. Zu Empfehlen ist auf jeden Fall die
Lektüre von Bärische Warnungen unter
Strategien.
Rang
Code
Name
Kurs
1
DTE
DT.TELEKOM AG NA
9,890
2
LHA
LUFTHANSA AG VNA O.N.
12,285
3
DPW
DEUTSCHE POST AG NA O.N.
13,005
4
EOAN
E.ON AG NA
26,290
5
BAS
BASF SE O.N.
44,300
Die Bewerber:
Rang
Code
Name
Kurs
6
SDF
K+S AG O.N.
44,825
7
DB1
DEUTSCHE BOERSE NA O.N.
52,860
8
RWE
RWE AG ST O.N.
64,010
Rangfolge nach Gewicht
Rang
Code
Name
Gewicht
1
SIE
SIEMENS AG NA
11,15 %
2
EOAN
E.ON AG NA
9,04 %
3
BAYN
BAYER AG NA
7,83 %
4
BAS
BASF SE O.N.
7,62 %
5
ALV
ALLIANZ SE VNA O.N.
7,52 %
6
DBK
DEUTSCHE BANK AG NA O.N.
6,26 %
7
SAP
SAP AG O.N.
5,52 %
8
DTE
DT.TELEKOM AG NA
5,51 %
9
DAI
DAIMLER AG NA O.N.
5,50 %
10
RWE
RWE AG ST O.N.
4,99 %
Die 10 größten Aktiengesellschaften haben heute im DAX® ein Gewicht von
70,94 %. Ihr Anteil hat, seit unserer Bewertung Ende Dezember 2009, geringfügig abgenommen.
Im gleichen Zeitraum hat das Gewicht der Technologie (DT.TELEKOM + INFINEON TECH. + SAP + SIEMENS = 23,08 %)
zugenommen. Zu den "billigen" Teilnehmern gehören durchgehend die DEUTSCHE BANK, ALLIANZ und MUENCH.RUECKVERS. und die Versorger
E.ON und RWE. COMMERZBANK steht außerhalb und ist unzweifelhaft eine Zombiebank unter staatlichem Einfluss. Wenn man bedenkt,
dass die Kurse hauptsächlich durch den Eigenhandel der Banken angetrieben werden, wirft dies einen erleuchtenden
Schein auf diese Branche. Die Banken wissen welchen Schrott sie den Versicherungen verkauft haben.
Sie haben daher eine Ahnung welche Leichen in eigenen und fremden Kellern liegen.
Versorger scheinen im momentanen Hype uninteressant zu sein. Primär hat man konjunktursensitive Werte hoch getrieben, da
die Wirtschaft angeblich kurz vor einem neuen Boom steht.
Am 14. März 2010 schrieb R a i n e r H a n k
für die FAZ
eine nette Abhandlung zu unserem Thema:
Die Wahrheit über die Zocker
Im frühen 19. Jahrhundert gab es in England Leute, die sich den Besuch einer Kneipe nicht leisten konnten
und stattdessen mit kleinen Eimern („buckets“) von Pub zu Pub zogen. Sie sammelten die abgestandenen Bierreste aus Gläsern,
um diese gemeinsam zu trinken. „Bucketshops“ nannte man jene billigen Trinkgelage.
Ende des 19. Jahrhunderts entstand in Amerika eine andere Art von Vergnügen, das auch Bucketshop genannt wurde.
Hier kam der kleine Mann mit seinesgleichen zusammen, um mit überschaubaren Geldbeträgen auf die Kursentwicklung an der
Börse zu wetten. Die Erfindung des Börsentickers hatte solche Wettspiele möglich gemacht. Es konnten fiktiv Aktien gekauft
werden, ohne dass eine reale Transaktion an der Börse stattfand. Bucketshops imitierten die Börsen täuschend echt.
"Weil man an den Bucketshops auch mit kleinsten Einsätzen spekulieren konnte, waren sie besonders bei
Gelegenheitsspekulanten und Anfängern sehr beliebt", schreibt der Soziologe Urs Stäheli in seiner unterhaltsamen
Sozialgeschichte der Spekulationen. Schließlich aber wurde es den Brokern an den "richtigen" Börsen zu bunt: Sie fühlten sich
durch die Konkurrenz der Bucketshops bedroht und fürchteten, das Spielfieber halte die Menschen von "seriösen" Investitionen
ab. Nachdem viele Betreiber dieser Wettbuden sich als windig erwiesen hatten, verschwanden die Bucketshops von der Bildfläche.
Spekulanten sind älter als der Kapitalismus
Diese Geschichte verrät viel über das Wesen der Spekulation. Spekulanten gab es in allen Zeiten. Sie sind älter
als der Kapitalismus. Und immer war auch der kleine Mann dabei, nicht nur die Reichen und Mächtigen. George Soros, der einst
die Bank of England bezwang, ist in bester Gesellschaft.
"Thrill" nennt der Soziologe Stäheli das aufrührende Gefühl der Spekulation: ein Nervenkitzel, ein Kick, der
das Gemüt in Spannung und Wallung versetzt. Es geht nicht allein um die Aussicht auf das große finanzielle Glück am Ende:
Allein schon der Reiz des Risikos treibt die Menschen in einen außergewöhnlichen Zustand der Angstlust. Der Thrill des
Spekulanten ähnelt einem Rausch.
Kein Wunder, dass solche Reizzustände spekulativer Lust den Menschen immer auch suspekt waren und dass
regelmäßig Versuche unternommen wurden, die Spekulation einzudämmen oder gar zu verbieten, wenngleich mit mäßigem Erfolg.
Die Spekulation verlor nie den Beigeschmack des Unsittlichen, ja des Verruchten.
In die Psychiatrie, nicht in die Ökonomie
Tatsächlich gibt es nicht nur eine jahrhundertealte Geschichte der großen Geldspekulation. Es gibt auch eine
sich wiederholende Diskursgeschichte über Moral und Unmoral der Spekulation: Stets prallen dieselben Argumente der Gegner
und der Befürworter aufeinander. Der Spekulationsdiskurs folgt einem sich wiederholenden Schema - bis heute.
Regelmäßig bezichtigen die Gegner den Spekulanten der Irrationalität. Er ist das Gegenteil des ehrbaren
Kaufmanns, der aus höchster wirtschaftlicher Rationalität handelt. Wer aber im Zustand der Erregung sein Geld ausgibt, der
zeigt offenkundig, dass er nicht vernünftig lebt, sondern sich von seinen Gefühlswallungen leiten lässt.
Hinzu kommt der Vorwurf der Sucht. Wer süchtig ist, wird abhängig von dunklen seelischen Mächten und Gewalten.
Er kann gar nicht rational handeln, wettet er doch einfach nur deshalb, weil er wetten muss. Der Spekulant, so seine Gegner,
gehört in die Psychiatrie und nicht in die Ökonomie.
Ausschließlich destruktives Interesse
Schließlich haftet am Spekulanten der Makel des Parasiten. Er ist ein Schmarotzer an der Volkswirtschaft,
weil er sich ohne Leistung bereichert, noch nicht einmal legitimiert durch den Erfolg seiner Vorfahren, die ihm ein Erbe
hinterlassen haben. Damit untergräbt er eine wirtschaftliche Ordnung, die auf Leistung und Äquivalenz, Gabe und Gegengabe
beruht. Er ist der Antiheld zu den aus der Haltung des calvinistischen Ethos heraus handelnden Wirtschaftsakteuren.
Übel nimmt man dem Spekulanten zudem, dass er sein Geld nicht für wertschöpfende Zwecke ausgibt. Das ist
deshalb verwerflich, weil dem Geld nur eine dienende Funktion erlaubt sein soll, zugelassen als Tauschmittel, um den
Handel mit Gütern und Dienstleistungen zu befördern. Dem Spekulanten wird ein ausschließlich destruktives Interesse
unterstellt. Er würde den Untergang ganzer Staaten (Griechenland, England) oder Banken (Lehman) in Kauf nehmen, ja sogar
aktiv betreiben, wenn nur er dabei seinen Reibach macht.
Spekulanten gelten eben seit Jahrhunderten als Hasardeure, die den Zufall in den Mittelpunkt ihres Sinnens
und Trachtens legen. Wer das Leben als Spiel gestaltet, hat dessen Ernst nicht richtig begriffen. Und wer Gewinner und
Verlierer auswürfeln lässt, der hat sich vom Ethos der Arbeit und des Unternehmertums verabschiedet, welches darauf dringt,
dass Leistung sich lohnen muss.
Der rationale Kern der Wirtschaft
Summa summarum - aus Sicht der Gegner: Spekulanten sind Fremdkörper, die es auszugrenzen gilt. Alle Vorwürfe,
so moralisch auch immer sie formuliert sind, zielen darauf ab, die Spekulation als das Anti-Ökonomische zu überführen.
Sollte das gelingen, hätte Spekulation im Kapitalismus - gar in der Marktwirtschaft - keinen Platz.
Solch vernichtende Urteile bringen die Befürworter der Spekulation auf den Plan. Sie behaupten das strikte
Gegenteil: Durch die Spekulation verwirklicht sich der Markt in seiner reinsten Form. Spekulation ist in Wirklichkeit der
rationale Kern der Wirtschaft, sie ist das Ökonomische par excellence. Der Finanzmarkt wird zur Stimme der Wahrheit,
während Politikern oder Statistikern nicht zu trauen ist. Erst die Wetten der Hedge-Fonds haben die Griechen gezwungen,
mit dem Sparen zu beginnen. Seither erst ist Schluss mit Lug und Trug, mit dem die Sünder in Europa sich selbst und alle
europäischen Statistiker jahrelang betrogen haben. Es sind die Zocker, die Gerechtigkeit in die Welt der Lüge bringen.
Wer hat am Ende recht?
"Niemand soll den Spiegel für seine hässliche Fratze verantwortlich machen", lautet daher der Vorwurf der
Spekulationsfreunde an ihre Gegner. "Ihr hasst uns, weil wir die Wahrheit sagen." Sie legen Wert auf die richtige
Reihenfolge: Erst war der Schlendrian auf Kosten anderer, dann ging der Euro in die Knie. Erst wurden die Kredite riskanter,
dann erst die Ausfallversicherungen, mit denen man sich gegen Zahlungsunfähigkeit des Schuldners absichert. Die Gegner
hatten die Kausalität in anderer Reihenfolge geschildert: Bloß weil die Spekulanten es auf Länder und Währungen
abgesehen hätten, sei der Euro in den Keller gegangen und müssten die Griechen hohe Risikoprämien für ihre Anleihen zahlen.
Was auffällt: Der Spekulationsdiskurs ist so symmetrisch wie die Spekulation selbst. Immer geht einer mit
einer Wette in die Vorlage, und ein anderer hält dagegen. Spekulanten korrigieren Übertreibungen und verhindern, dass
sich Blasen bilden, sagen die Verteidiger. Spekulanten befeuern Übertreibungen und produzieren dadurch Blasen, behaupten
die Ankläger.
Wer hat am Ende recht? Selbst bei der Wahl des Gerichts zur Wahrheitsfindung scheiden die beiden Gruppen
sich voneinander. Die Gegner lassen die Politik das Urteil sprechen; sie soll die Zocker in ihre Schranken weisen.
Die Anhänger dagegen akzeptieren ausschließlich das Urteil freier Märkte.
baer45: Ehrliche Spieler verwetten ihr eigenes Geld. Wenn sie mit Kredit weiterspielen und den Kredit
nicht erfüllen können, verlieren sie ihren Daumen oder werden einbetoniert. Unsere lieben Banken spielen aber mit dem Geld der Sparer
und mit Kredit von der Notenbank. Wenn sie verlieren, verliert der Steuerzahler sein Geld und seinen Job und bringt
sich deshalb eventuell noch um. Der Derivatewahn ("buckets") hat inzwischen alle realen Vermögenswerte um das Mehrfache überschritten. Unser
Großbanken verschieben diese in dunklen verrauchten Hinterzimmern und fahren damit Karussell mit der realen Wirtschaft. An den Börsen
haben sie beim Hochgeschwindigkeitshandel Sonderrechte und dürfen laufende Transaktionen einsehen und überholen und damit eine
Wegelagerungsgebühr erzeugen. Im wilden Westen wäre das Falschspiel gewesen und sie hätten um ihr Leben zittern müssen.
Es stellt sich die Frage, ob es heute nicht wiederum so sein sollte? Die Pläne von Dr. Joseph-Ignace Guillotin existieren noch und
die Konstruktion ist nicht aufwendig. Selbstverständlich nur nach einem rechtsstaatlichen Verfahren vor einem Jakobinergericht.
Kurzer Blick auf den Chart
Betrachtet man den Volatilitätsindex VDAX®, stellt man fest, dass er kurz davor ist in den Schlafmodus
über zu gehen. Der automatisierte Handel der Banken, praktisch unter sich, schwirrt vor sich hin, so als ob alles in
Ordnung wäre. Die Zeichen aus der Wirtschaft signalisieren uns leider das Gegenteil. Trotz den sehr günstigen statistischen
Basiseffekten (vor einem Jahr lag die Wirtschaft in Schockstarre am Boden) können die aktuellen
volkswirtschaftlichen Zahlen keine Freude erzeugen. Auftragseingänge und Wachstum schwächeln auf Quartalssicht inzwischen
wieder. Rechnet man die mit billigem Zentralbankgeld in die Höhe getriebenen Preise bei Rohstoffen und Energie aus der
Inflation heraus, befinden wir uns schon länger in einer Deflation und werden uns dort wahrscheinlich noch länger befinden.
Hoffen wir, dass es sich nicht zu einer ausgewachsenen Depression entwickelt.
Die gelaufene Korrektur bot eine Einstiegschance auf kurze bis mittlere Sicht. Zwar sind die Preise momentan
außergewöhnlich hoch, können aber noch weiter steigen aber auch deutlich zurückgehen. Der Finger muss über dem Verkaufsknopf schweben
bleiben. Wie wir schon öfters erlebt haben, geht es schneller runter als mancher es erwartet und der VDAX® springt erst so richtig
an wann wir schon eine erkleckliche Strecke nach Süden zurückgelegt haben.
Deutsche Staatsanleihen sind inzwischen auch schon sehr teuer geworden. Sie können von einem Absturz
der Aktienmärkten oder aufkommender Angst aus anderen Gründen weiter profitieren. Sie können sich aber auch im Rahmen der
anstehenden massiven Neuemissionen in diesem Jahr erkleckliche Kursverluste einhandeln. Firmenanleihen würden ihre Aktien auf dem
Weg nach unten begleiten.
Résumée
Gegenüber der
Bewertung zum Jahresende 2009
hat sich fast nichts geändert. Nur die exorbitant wachsenden
Staatsschulden sind stärker in den Fokus geraten und fangen an zu verunsichern. Den großen Banken und damit auch ihren
Hedge-Fonds steht weltweit sehr billiges Geld von den Zentralbanken zur Verfügung. In den USA zu
einem Zins von fast 0%. Dabei ist die Menge kaum begrenzt und die Zentralbanken wollen sobald noch nicht die Zügel
anziehen. Diese großen Banken und ihre Hedge-Fonds sind momentan die Hauptakteure an allen Börsen. Sie stehen hinter dem
Großteil des Handels. Davon fällt inzwischen an den Aktienbörsen über die Hälfte an den automatisierten Handel dieser Gruppe.
Sie treiben die Anleihe-, Aktien-, Rohstoff- und Energiepreise, ohne einer andeutungsweisen Beachtung der fundamentalen Lage
oder der mittleren Zukunftsaussichten, in die Höhe respektive verhindern einen Absturz. Auch die Politik will keinen
Absturz der Aktien- und Staatsanleihepreise. Seit einigen Monaten ist der schnelle Anstieg allerdings ausgebremst und wir marschieren seitdem
seitwärts dahin. Während in der Vergangenheit jeder Anstieg von Rohstoff- und Aktienpreisen mit einer Abschwächung
des US-$ einher ging, ist das heute nicht mehr zwanghaft so. Immer noch kommt ein Großteil des Geldes für den Eigenhandel der
Banken aus den USA, gleichzeitig haben sich aber die Devisenspekulanten gegen den Euro gestellt.
Da bekanntlich an den Börsen nur die Minderheit gewinnen kann ist dies ein sehr gefährliches Spiel.
Wenn diese Blase platzt werden wieder etliche Banken beim Steuerzahler um Hilfe betteln müssen. Mit ihrer Kurspolitik
hoffen unsere Banken das "dumme Geld" vom "Seitenaus" in den Markt zu locken um die Aktien
überteuert weiterverkaufen zu können, was ihnen bisher allerdings nicht gelungen ist. Wenn es abwärts gehen sollte, wird ein
riesiges Gedränge am Ausgang herrschen und nicht jeder wird rechtzeitig den Ausstieg schaffen
Dieses Spielchen ("Reise nach Jerusalem") endet erst:
Wenn einer ausreichenden Zahl an Großbanken das Spiel zu gefährlich wird und sie sich in Sicherheit bringen. In diesem Fall wird
es wahrscheinlich eine zügige Erholung geben, da die "Sieger" gleich wieder einsteigen werden.
Oder wenn die Politik nicht mehr zuschaut und durch Regulierungen dieses Spekulieren auf Risiko des
Steuerzahlers unterbindet. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die Politik sich traut ernsthafte Regulierungen
durchzusetzen. Alle in Arbeit befindlichen Vorhaben sind lächerlich.
Oder wenn die Zentralbanken die Zeit mit dem "Gratisgeld" beenden sollten. Nach deren eigenen Aussagen ist damit
in 2010 aber kaum noch zu rechnen.
Die potentiell plötzliche Trendwende wird für keinen vorher ersichtlich werden. Der automatisierte Handel, der inzwischen mehr
als die Hälfte ausmacht und bei dem die Haltezeit von Aktien im Sekundenbereich liegt und zu keiner Anhäufung
von Aktien führt, hüllt alles in Nebel. Kein Außenstehender kann deshalb den Markt bewerten. Nur die Großbanken
wissen durch die Aufträge die sie bekommen, wohin der restliche Markt hin tendiert, vergleichbar einer Pokerpartie, bei der ein
Spieler immer die Karten der Mitspieler sieht.
Schon länger Investierte können weiter investiert bleiben, sollten aber eine klare Ausstiegsstrategie haben
und sich auch daran halten. Sie müssen jederzeit ausstiegsbereit sein. Bei den aktuellen Preisen jetzt noch auf mittlere Sicht
einzusteigen ist risikoreich und damit die Wahrscheinlichkeit von Verlusten erheblich. Es ist auch fraglich ob bei sich
erhärtender Erkenntnis, dass sobald mit keiner wirtschaftlichen Erholung zu rechnen ist, sich die großen Spieler trauen werden,
die Aktienpreise auf eine andere Ebene zu heben. Wahrscheinlicher sind deutliche Schwankungen in einem Seitwärtsmarkt.
Nur mit Bewegung klingeln die Kassen. Aber wer kennt schon wirklich die Zukunft? baer45 gehört nicht dazu, wird aber
trotzdem zu den Schlusskursen vom 18. Juni eine erneute Bewertung versuchen.