| Risikolos gewinnen heißt ruhmlos siegen |
20.08.2003: Wertpapiere
Continental kehrt zurück
Am 19. August 2003 fiel die Entscheidung.
Das DAX®-Gründungsmitglied
Continental A.G.,
Hannover, ein Automobilzulieferer, kehrt nach sieben Jahren in den DAX® zurück,
verdrängt am 22. September dort den Finanzdienstleister
MLP und verstärkt das Gewicht der Industrie im DAX®.
Die Alternative T-Online, eine
71,9%-tige Tochter der Deutschen Telekom
wäre eine Fürchterliche gewesen. Es bräuchte dann nur noch die Deutsche Bahn
um aus dem DAX® einen vom Staat manipulierten Index zu machen. Die zweite Alternative
Beiersdorf hätte den
Konsumgüteranteil im DAX® gestärkt. Dies wäre dem DAX® gut bekommen. Allerdings hat die sich
anbahnende Eigentümerbereinigung dies verhindert. Gut für die Kontinuität im DAX®.
Unter all dieses Aspekten stellt Continental eine Bereicherung für den Dax® dar. Der
Automobilsektor stellt einen sehr großen Anteil an der deutschen Industrie. Dies
darf sich auch im DAX® spiegeln.
Wer ist Conti?
Am 08.10.1871 wurde Conti als
Continental-Caoutchouc & Gutta-Percha Compagnie
als Aktiengesellschaft in Hannover gegründet.
Es wurden unter anderem Weichgummiwaren, gummierte Stoffe, Massivbereifungen für
Kutschen und Fahrräder hergestellt. Sehr schnell wurde die Produktion um
Fahrrad-Luftreifen und Automobil-Luftreifen erweitert. Bis in die 70er
lag der Fokus primär auf Reifen- und Gummiprodukten. Ende der 70er bis Ende der
80er wurde mit dem Erwerb der europäischen Aktivitäten der Uniroyal, der
österreichischen Semperit, der amerikanischen General Tire und der französischen Anoflex-Gruppe
die internationale Basis erweitert. In den 90er wurde das Spektrum durch Zukauf und
Joint Ventures wesentlich erweitert. 2001 stieg Conti mit dem Erwerb der Temic GmbH in den
stark wachsenden Markt der Fahrzeugelektronik ein. 2002 kommt es zu engeren Kooperationen
mit Bridgestone und einem 50/50 Joint Venture mit Yokohama (japanischer Automobilmarkt).
Unter den Reifenherstellern ist Continental heute die Nummer eins in Deutschland,
Nummer zwei in Europa und Nummer vier weltweit.
Im Winterreifengeschäft sind sie Marktführer in Europa. Zum Konzern gehören
die Marken Continental, Uniroyal (Europa), General Tire, Semperit, Gislaved,
Viking, Barum und Mabor.
Der Konzernbereich Continental Automotive Systems umfasst im
Wesentlichen die Gesellschaften Continental Teves und Continental Temic.
Hergestellt werden Elektronische und hydraulische Bremssysteme,
Sicherheitssensoren, Luftfedersysteme, aktive Fahrwerkregelung,
automatische Abstandssregelungen, Motormanagementsysteme, Motorsensoren und
elektrische Antriebe, Kühler- und Lüftermodule.
ContiTech erstreckt sich von technischen Schläuchen- und
Schlauchleitungssystemen, über Luftfedern für Nutzfahrzeuge, Antriebssysteme,
Profile, Elastomer-Beschichtungen, technische und dekorative Flächenmaterialien,
Drucktücher, Formteile bis zu Transportbandsystemen. Geliefert wird hauptsächlich
an die Automobilindustrie, die Schienen-, Luftverkehr- und Druckindustrie.
Die Aktionärsstruktur und die Aktie
Größter Aktionär ist die Allianz
mit 4,97%. Andere Großaktionäre sind nicht bekannt. Nach der Definition der
Deutschen Börse ist der free float 100%. Die Gefahr der Manipulation
durch Großaktionäre kann faktisch ausgeschlossen werden. Die WKN ist 543900,
die ISIN DE0005439004 und das Symbol CON.ETR. Geschäftsjahresende ist der 31.12.
Die nächste Hauptversammlung findet am 14.05.2004 statt.
0,45 € Dividende wurden für 2002 ausgeschüttet. Dies entsprach einer Dividendenrendite
von 2% (Kurs: 22,52 € am 19.8). Das Ergebnis je Aktie betrug 2002 1,75 €.
Das aktuelle KGV beträgt 10. Auf Sicht von 10 Jahren
entwickelte sich die Aktie wie der DAX®. Sie machte jedoch den absoluten Höhenflug von 99
nicht mit. Deshalb war der Absturz auch nicht so brutal. Die letzten 5 Jahre entwickelte sie sich
besser als der DAX®. Einen richtigen Höhenflug begann sie in 2003.
Der Umsatz betrug 2002 (in Mio. €; EBITA in Klammern) bei PKW-Reifen 3.777,5 (184,6), NFZ-Reifen 1.310,9 (92,9),
Automotive 4.568,3 (311,9), ConiTech 1.764,3 (141,5) und Sonstiges (Bereinigung
interner Umsätze) -12,7 (-36,6). Continental ist also nur noch mit einem
Anteil unter der Hälfte ein Reifenhersteller. Das Gewicht hat sich immer stärker
zu den anderen Komponenten hin verschoben.
Die Alternativen
Das Gewicht der Aktie betrug am 19.8 im MDAX® 8,29%. Nach EADS war sie das größte
Schwergewicht im MDAX®. Im HDAX® (DAX® + MDAX® + TecDAX®) kam sie auf ein Gewicht von 0,74%. Zum
Vergleich: BMW 2,67%, Commerzbank 1,35%, TUI 0,39%, Siemens 11,18%. Umschichtungen
in indexorientierten Fonds werden also eher zu Kursverlusten als zu Kursgewinnen
führen. In schlechten Zeiten laufen kleinere Indizes (MDAX®) wesentlich
besser als große Indizes (DAX®). Einen technischen Schub wird diese Aktie
also nicht erfahren. Machen wir deshalb einen einfachen Vergleich mit den
Titeln aus der gleichen Branche:
| Aktie | KGV | Dividendenrendite |
| BMW | 12,0 | 1,4 |
| Continental | 10,0 | 2,0 |
| DaimlerChrysler | 14,0 | 4,5 |
| MAN | 17,0 | 3,0 |
| VW | 10,0 | 3,0 |
Die Geschäftsbedingungen werden heute noch im wesentlichen durch die
Automobilhersteller und nicht durch die Zulieferer bestimmt. Die geringfüge
Führung im fundamentalen Vergleich allein ist kein zwingender Grund
Continental zu bevorzugen. Es ist möglich,
dass Continental deshalb in der ersten Zeit schlechter als die Branche und schlecher
als der DAX® performen wird. Der Aufstieg rückt Continental in den Fokus
der internationalen Anleger und Leerverkäufer. Dies kann sowohl positive wie
negative Wirkungen auf den Kurs haben. Möglich ist auch, dass die zweijährige
harte Sanierungsphase Schäden hinterlassen hat, die sich erst
mittelfristig auswirken werden. Auch sind mittelfristig weitere Aquisitionen angekündigt.
Der letzte Expansionskurs hatte ernste Spuren im Ergebnis hinterlassen
und ein jähes Ende gefunden. Das Resultat war die harte Sanierung in der es mangels
Interessenten nicht gelang ContiTech zu verkaufen. baer45 meint
deshalb, dass Abwarten nicht die schlechteste Entscheidung wäre. Zwischenzeitlich
kann man sich mit den Alternativen vergnügen.
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