Alte Dame leicht verwirrt
Seit über 130 Jahre (gegründet 1870) existiert die
alte Dame
Commerzbank. Als drittgrößte deutsche
Großbank wird sie seit einigen Jahren von der Furcht,
geschluckt zu werden, getrieben. Hin- und hergerissen zwischen
dem Wollen eine internationale Großbank zu werden oder in
einer deutschen Großbank aufzugehen hat sie inzwischen
jede Menge Geld verbrannt. Ihre internationalen Engagements
gingen größtenteils schief aus. Inzwischen werden
Auslandengagements geschlossen respektive verkauft. Die alte
Dame hat mit dieser Politik ihren Aktionären keine Freude
gebracht. Seit Anfang 2000 war die Kursentwicklung der
Commerzbank wesentlich schlechter als die Kursentwicklung der
Deutschen Bank:
Ihre Marktkapitalisierung liegt inzwischen deutlich unter ihrem
Buchwert. Sie gehört damit zu den gefallenen Engeln und
zieht massiv die Geier und die Hyänen an. Sie ist zu
Verwertung freigegeben.
Geier umkreisen den Kadaver
Was bringt mehr? Die komplette Ausschlachtung oder die
teilweise Ausschlachtung mit Integration in einen
Allfinanzkonzern? Drei Interessenten umkreisen die Bank:
Generali
Generali
hat in der Vergangenheit schon einmal bissige Hyänen
vertrieben und wollte in Deutschland und in Italien einen
Allfinanzkonzern basteln. Generali hält direkt 9,89% und
über ihre Mehrheitsbeteiligung
AMB (ca. 65%
gehören Generali und oh wie lustig ca. 9,5% der
Allianz) 8,04% und
über deren Tochter
Volksfürsorge zusätzliche 6,43%.
Der Großaktionär von Generali, Mediobanca (hält
ca. 14% an Generali) besitzt zusätzlich 1,2%.
Macht in Summe 27, 56%.
Der Vorstand von Generali wurde allerdings von Mediobanca
brutal beim Aufbau eines Allfinanzkonzerns à la Allianz
zurückgepfiffen (musste den Hut nehmen). Damit macht die
größte Aktionärsgruppe mindestens einen so
verwirrten Eindruck wie die alte Dame selbst. Sie verkauft noch
immer ihre Versicherungen über die Schalter der
Commerzbank. Ob das so bleiben wird?
Münchner Rückversicherung
Seit kurzem ist die
Münchner Rück mit
10,4%
an der alten Dame beteiligt. Natürlich nur als Geldanlage!
Wegen Unterbewertung usw.. Eine Erhöhung der Beteiligung
wurde nicht ausgeschlossen. Allerdings würde die alte Dame
ganz prima zur
Hypovereinsbank passen (diese betreibt das
Schaltergeschäft ihres Großaktionärs
Münchner Rück). Im Westen und im Norden ist die
Hypovereinsbank kaum vertreten. In Bayern könnten die
Commerzbankschalter geschlossen werden. Zusätzlich
könnte man die Generali in Schach halten. Damit wäre
schlussendlich auch das deutsche Finanzzentrum vom Main an die
Isar gewandert. Die verschwägerten Großkonzerne
Allianz und Münchner Rück könnten dann
Deutschland, bei Bier und Brotzeit, vom Chinesischen Turm aus
regieren.
Die Schlachter
Streiten sich zwei freut sich der Dritte. Vor einiger Zeit
versuchte die sogenannte "Cobra-Gruppe" sich die Commerzbank
unter den Nagel zu reißen. Generali trat als Retter in
der Not auf. Die Cobra hält immer noch ca. 9,98%
(angeblich seit April 2000 zu ca. 40 € je Aktie). Die
Familie Ehlerding hält ca. 4 bis 5%. Sie hat in der
Vergangenheit angeblich schon manches Geschäft mit
Mitgliedern der Cobra-Gruppe über die Bühne gebracht.
Heute kennen sie sich natürlich nicht mehr. Wieso auch?
Die Cobra-Gruppe ist ja total anonym! Inzwischen ist auch
(nicht staunen)
WCM (Großaktionär Ehlerding) mit 5,5%
eingestiegen.
Das macht nach Adam Riese ca. 20,5%.
WCM will seinen Anteil auf knapp unter 10% erhöhen (keiner
will die Bankenaufsicht im Hause haben ... komisch). Alles nur
wegen der tollen Geldanlage! Man hätte dann allerdings, so
wie Generali, eine versteckte Sperrminorität. Die
Banco Santander
hält übrigens noch 5,11% und hat schon verlauten
lassen, dass sie sich von ihrem Anteil trennen will (braucht
Geld; hat etliches unter der südamerikanischen Sonne
verbrannt)
Die Zuschauer
Ca. 39% der Commerzbankanteile befinden sich im
Streubesitz. Sie werden die Zusammensetzung des Aufsichtsrates
und damit den Vorstand nicht bestimmen. Es sind wohl die
einzigen, die nur auf steigende Kurse hoffen. Oder werden Sie
am Ende der Schlacht nur mit einigen Brotkrümmel
abgefunden?
Spekulationen
Jeder sollte sich seinen eigenen Kopf zerbrechen und zu eigenen
Schlussfolgerungen kommen. Auf keinen Fall sollte er so einem
Geschreibsel von baer45 oder gar dem von schrägen
Analysten glauben. Ein Investment in die Commerzbank sollte
sich allerdings nicht nur am Verhältnis
Buchwert/Marktkapitalisierung oder gar an der Dividendenrendite
orientieren. Richtig Spaß macht hier nur, immer dann wenn
die Gerüchteküche brodelt, das kurzfristige Zocken.
Die sich anbahnende Schlacht sollte jedoch nicht aus dem
Blickwinkel verschwinden. Kommt es zu der potentiellen
Schlacht, ist manch heißer Zock möglich.
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