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13.03.2002: Wertpapiere
Hoffentlich Allianz versichert?
Versicherung
Die Allianz
AG ist der weltweit größte Versicherer. Im DAX®
hat sie aktuell das zweitschwerste Gewicht (nach der Deutschen
Telekom). Nach der Neubewertung im Sommer wird sie
wahrscheinlich Nummer 1 sein und über ein Zehntel des DAX®
darstellen.
In den vergangenen Jahren hat sie sich sehr stark in
Westeuropa, Asien, Australien, Südamerika und USA
ausgebreitet. Seit einiger Zeit versucht sie sich stark in
Osteuropa und Nordafrika auszudehnen. Der größte
Anteil am Geschäft und am Geschäftswachstum stellt
der Lebensversicherungsbereich dar. Versichert wird jedoch
praktisch alles. Ein echter globaler Konzern mit Sitz in
München.
Vorsorge
Neben der Krankenversicherung und der Lebensversicherung will
sie uns in Zukunft auch noch ihre Rentenversicherung anbieten.
Um auch genügend Vertriebschalter für die
Riesterrente zu haben, wurde die kranke
Dresdner Bank
geschluckt. Das hat die vorher nicht sehr bewegliche Bank total
paralysiert. Dies wird wohl der teuerste Vertriebsweg für
Versicherungen werden, der jemals geschaffen wurde. Eine
Vorsorge für eine gesunde Aktienkursentwicklung stellt
dieser Deal sicherlich nicht dar. Dabei bleibt ein
Vertriebserfolg der Riesterrente über Banken,
Versicherungen, Kaufhäuser und Kaffeetheken anzweifelbar.
Diese Rente wird größtenteils als erweiterte oder
alternative Betriebsrente landen.
Vermögen
Vermögen hat die Allianz in ihrer Geschichte in sehr
großem Umfang angehäuft. Sie ist heute der
größte Besitzer (direkt und indirekt) deutscher
Aktien. Auch im Ausland hält sie über ihre 700
Töchter- und Beteiligungsgesellschaften in über 70
Länder ein erhebliches Vermögen. Diese Anhäufung
ist nicht dadurch entstanden, dass Versicherungen besonders
preiswert gewesen wären oder es besonders große
Ausschüttungen an Aktionäre gegeben hätte. Der
Grundstock ihres Erfolges liegt wohl in der deutschen
Absicherungswut begraben. Diese weltweit einmalige
Mentalität hat einen weltweit einmaligen,
undurchsichtigen, Konzern geschaffen.
Besitzer
Ein kurzer Blick auf die Aktionärsstruktur kann manchmal
auch einen Hinweis geben, was man von einem Investment zu
erwarten hat:
Aufteilung nach Regionen
-
71,5% Deutschland
-
21,7% übriges Europa
-
06,7% Nord- und Südamerika
-
00,1% Australien, Asien und Afrika
Aufteilung nach Anlegergruppen
-
20% Münchner Rück
-
06% HypoVereinsbank (Münchner Rück ist
Großaktionär bei dieser Bank)
-
09% freie Aktionäre (davon 0,6% Mitarbeiter und
Pensionäre)
-
18% Investmentgesellschaften
-
37% weitere institutionelle Anleger
-
10% Allianz
Freie Aktionäre sind hier sehr selten vertreten. Die
Allianz stellt mit der historisch und familiär verbundenen
Münchner Rück einen wesentlichen Anteil der
Deutschland AG dar. In dieser AG geht es nicht nur im Gewinn
sondern auch um Macht. Ein Kleinaktionär wird nur im
Zustand geistiger Umnachtung an eigene Macht denken. Die
Anderen sind allerdings bereit, wegen des Machtfaktors
(Informationsvorsprung, Beeinflussung von Geschäften),
eine geringere Rendite in Kauf zu nehmen.
Bewertung
Eine fundamentale Bewertung ist für Versicherungskonzerne
außergewöhnlich schwierig. In einem derartig
unübersichtlichem Konzern, wie der Allianz, braucht man
einen Versuch erst gar nicht zu Starten. Zusätzlich ist
eine Risikoprognose im Versicherungsgeschäft nicht
möglich. Man darf nur annehmen, dass eine
Geschäftsausdehnung in politisch und schadenstechnisch
risikoreicheren Regionen dieser Erde, öfters zu
größeren Hagelschlägen führen wird und
damit nicht unbedingt einem starken und regelmäßigen
Gewinnwachstum zuträglich sein wird. Je größer
ein Versicherungskonzern ist, umso öfter neigt er dazu
große Risiken zu versichern. Hier zeigt die
Zerstörung des WTC sehr schön die Konsequenzen auf.
Uns bleibt im wesentlichen nur ein Blick zurück und eine
auf der Erfahrung aufbauende Prognose.
Seit der DAX®-Gründung entwickelte sich die Allianz
schlechter als der DAX®-P (unfairer Vergleich aus Kurs der Aktie
im Verhältnis zum Performanceindex). Berücksichtigt
man die Dividenden seit 1988 schneidet die Allianz trotzdem
schlechter ab. In den letzten 6 Jahren hält der Kurs der
Aktie mit der Entwicklung des DAX®- P mit.
Der Kurs der Allianz versuchte zwar öfters den DAX® zu
schlagen. Nachhaltig gelang es jedoch nie. Da Indexaktien
(Indexfonds) auf den DAX® noch nicht solange angeboten werden,
war es in der Vergangenheit deshalb oft üblich, Allianz
anstelle des Index zu kaufen. Der Kaufzeitpunkt war immer dann,
wenn der DAX® die Allianz wieder erreicht hatte. Eine Situation,
die wir jetzt wieder haben. Allerdings werden seit über
einem Jahr sehr liquide DAX®- Aktien (iShares)
an der
Deutschen Börse gehandelt. Es gibt
also inzwischen eine Alternative! Würde sich die Allianz
so entwickeln, wie in den vergangenen 6 Jahren, wäre diese
Investment jedoch besser als Indexaktien (wg. der Dividende).
Risiken mit der Allianz als Ersatzindexpapier:
Wegen der weiteren Globalisierung der Allianz (und damit einem
steigendem Anteil an höheren Versicherungsrisiken) und
sich häufenden Fehlinvestments (z.B. Dresdner Bank und
Fehlgriffen in den USA) steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die
Allianz in Zukunft schlechter als der DAX® abschneiden wird.
Auch die angedrohte, jedoch unglaubwürdige, Auflösung
der Deutschland AG würde nicht zu einen nachhaltigen
Überperformance führen (es müsste ja in andere
Firmen investiert werden - neue Investments sind nicht
zwangsweise besser).
Chancen mit diesem alternativen Indexpapier:
Das große Vermögen der Allianz stellt einen nicht zu
unterschätzenden Stabilisierungsfaktor dar. Dieses
Vermögen, das stark aus Beteiligungen in Form von Aktien
besteht, koppelt die wirtschaftliche Entwicklung der Allianz an
die allgemeine Entwicklung der Aktienmärkte. Nicht nur die
Allianz besitzt, wie z.B mit der Dresdner Bank, faule
Kandidaten. Auch im DAX® sind einige faule Kandidaten (Deutsche
Telekom, Deutsche Post, Infineon und MLP) vertreten, die
eventuell kurz- und mittfristig zu einem schlechteren
Abschneiden des Index beitreten werden. An all diesen faulen
Eiern ist die Allianz nicht beteiligt. Damit bleibt ein
besseres Abschneiden als der Index nicht ausgeschlossen.
Konservative Anlage:
Die Allianz bleibt auch in der absehbaren Zukunft eine
konservative Anlage. Sie wird sich ähnlich dem Gesamtmarkt
verhalten. Sehr große Abweichungen nach oben und nach
unten sind nicht zu erwarten. Auch dies ist ein Grund für
die große Beteiligung von Investmentgesellschaften am
Kapital und in der im Verhältnis zum Gesamtkapital relativ
geringen Umschlagshäufigkeit an den Börsen. Ein
typisches Papier für schlafende Langfristanleger.
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